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Buchtexte
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Die Philosophie dahinter:
Etwas zu sagen haben und sagen können
Das Bücherschreiben ist im Prinzip eine Aufgabe von Schriftstellern oder Sachbuchautoren. Beide müssen erstens etwas mitzuteilen haben und zweitens diesen Inhalt auch angenehm darbieten können. Es ist ein Glücksfall, wenn ein und dieselbe Person beide Eigenschaften in sich vereinigt. Häufig ist es genau so, wie es Hans Weigel in seinem Antiwörterbuch "Die Leiden der jungen Wörter" (dtv 1159) in wortungeheuerlichem Stil ebenso köstlich wie treffend sagt: "Oft haben die Schreibenkönnenden auch etwas zu sagen, selten können die Etwaszusagenhabenden auch schreiben."
Während meiner Redaktionstätigkeit ist mir diese Problematik immer wieder bewusst geworden. So habe ich einmal die redaktionelle Bearbeitung eines bautechnischen Ratgebers betreut. Es lag ein Berg von Texten vor, die von erfahrenen, exzellenten Fachexperten mit praktischer Begabung verfasst, aber alles andere als druckreif waren. Viele Arbeiten liessen sich nicht einfach durch Korrekturmassnahmen überarbeiten, sondern mussten besser strukturiert und in einer verständlicheren Sprache geschrieben werden. Gerade bei Sachautoren, bei denen das Schreiben vielfach ein Schreibenmüssen ist, ist eine Schreibhilfe gerechtfertigt, wenn ihr in Buchform gebrachtes Wissen beim interessierten Publikum den gebührenden Anklang finden soll.
Ähnliches gilt für populärwissenschaftliche Werke: Juristen und andere Akademiker pflegen häufig eine formal ritualisierte, fachlich verschlüsselte Schreibweise. Sie neigen zum Flechten vorgegebener stilistischer Zopfmuster, die bestenfalls von Fachkollegen in all ihren Finessen entwirrt und verstanden werden. Durch verdunkelte Wort- und vexierhafte Satzkulissen, die nur Experten entschlüsseln können, schränken sie den Leserkreis unnötig ein. Doch gibt es zahllose Beispiele dafür, dass die Wissenschaftssprache verständlich und zudem gutes Deutsch sein kann. So gelang es z.B. dem Zoologen Alfred Brem (1829-1884), seine Naturbeobachtungen spannend weiterzugeben und mit seiner Wissensvermittlung riesige Lesermengen anzusprechen:
Geschichten aus Brehms Tierleben Auszug aus der 2. Auflage 1876-79, über den "Bart- oder Lämmergeier"
"Wenn man, so habe ich mich im Jahre 1858 ausgesprochen, einen glaubwürdigen spanischen Jäger fragt, was der Bartgeier fresse, wird er sicherlich keine Jagd-, Spuk-, Raub- und Mordgeschichten wie der Schweizer von seinem Geieradler zum besten geben, sondern einfach sagen, der "Knochenzerbrecher" (Quebranta-huesos) frisst Aas, Kaninchen, Hasen und noch andere kleine Säugethiere, hauptsächlich aber Knochen, welche er zerbricht, indem er sie aus bedeutender Höhe herab zur Tiefe fallen lässt. Kein einziger Spanier, mit welchem wir in jagdlicher oder wissenschaftlicher Hinsicht verkehrt haben, kannte den Bartgeier als berüchtigten Räuberhauptmann wie der Schweizer den seinigen. Man wusste mir, als ich nach dem Vogel fragte, welcher Ziegen und Schafe, Kinder und Hunde raube und fresse, niemals den Geieradler, sondern immer nur den Steinadler zu nennen. Von diesem, aber auch bloss von ihm, hatte man ebenso viele Geschichten zu erzählen wie unsere deutschen Naturforscher von dem Geieradler der Alpen. Im ganzen wird der Bartgeier als sehr unschuldiger Vogel betrachtet. Kein Hirt fürchtet ihn, kein Viehbesitzer weiss etwas von Räubereien, welche er ausgeführt haben soll, aber jedermann versichert, dass er regelmässig mit den Geiern auf das Aas falle und, wie bemerkt, Knochen aus der Höhe herabwerfe, um sie zu zerbrechen."
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