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     22. November 2017, 11:51 Uhr
 


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Die Aue

Aue – ein Wort, das dem romantisch veranlagten Menschen noch gebräuchlich ist. Das Herkunftswörterbuch sagt selbst, dass dieses ausser im dichterischen Bereich nur noch in Orts-, Landschafts- und Inselnamen vorkomme. Wir reden von der grünen Aue und meinen ein paradiesisches Land. Die Aue ist der Wiesengrund am Wasser, der sich überfluten lässt, wenn die Fülle des Flusses überbordet.

Die Aue bringt das Auenwäldchen hervor, das der Landschaft artenreiche Baumgemeinschaften schenkt und sie damit schmückt. Die Aue lebt ein natürliches, nicht künstlich gelenktes Leben. Sie wirkt ausgleichend, ist da, wenn sie gebraucht wird, um Unheil abzuwenden, und sie hält Trockenheit aus, wenn das Wasser auch im Fluss knapp geworden ist.

Es gibt Menschen, die leben ein ähnliches Leben. Ich denke an Mütter, die einen Haushalt führen, der wie ein unkontrollierbarer Fluss daherkommt und sie mit Arbeiten überflutet.

Sie lassen es geschehen und halten stand. Virtuos gehen sie damit um. Oder es gibt Menschen, die nur eine Arbeit bekommen, wenn der Auftragsfluss über die Aue flutet und die wieder verloren geht, wenn das Land trocken wird. Nach moderner Ansicht, die alles begradigen und kontrollieren will, sind solche Menschen zu bedauern. Und doch imponieren sie mir. Wie hier der Boden, werden auch sie durch die Überschwemmungen und die nicht vorhersehbaren Anforderungen mit Nährstoffen und Kraft angereichert und gestählt. Ihre Einsätze machen sie fähig, mit Unvorhergesehenem beweglich umzugehen. Sie wissen noch, was natürliches Leben ist.

Rita Lorenzetti

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