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     23. Juni 2018, 06:25 Uhr
 


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Ächtet den Bombenterror!

Von Prof. Dr. Dr. Klaus Mylius F.A.B.I.

Auch wenn es mancher nicht hören mag – es muss einmal klar, deutlich und unmissverständlich ausgesprochen werden: Luftangriffe auf nichtmilitärische Personen und Objekte sind eine Schande für unsere Zivilisation, ganz gleich, von welcher Seite und mit welchen Zielen sie geführt werden. Der italienische General Giulio Douhet (1869−1930) erfand die sinnlose und mörderische „These“, wonach die strategische Luftoffensive kriegsentscheidende Bedeutung habe.

Nur zu gern teilte Hermann Göring diese Meinung. Das nationalsozialistische Deutschland hat mit der Bombardierung von Guernica, Warschau, Rotterdam, Coventry und Stalingrad eine furchtbare Schuld auf sich geladen. Ebensowenig zu rechtfertigen war aber auch die Vergeltung, die deutsche Städte traf und sie vielfach bis zur Unkenntlichkeit zerstörte. Die 495 000 Toten, die in Deutschland Opfer des Luftkriegs wurden, sollten nicht vergessen werden.

Der Einsatz der Luftwaffe über und hinter dem Gefechtsfeld ist vertretbar (sofern ein Krieg überhaupt „vertretbar“ ist); er hat besonders den Amerikanern nach dem Durchbruch bei Avranches (Normandie) 1944 den raschen Vorstoss durch Frankreich ermöglicht. Meist aber wird die Luftwaffe dann eingesetzt, wenn das Feldheer nicht vorankommt. Die Napalm-Abwürfe auf Vietnam sind ein schreckliches Beispiel. Es sind im Zweiten Weltkrieg zweifellos Ölraffinerien, Werften, Rüstungsbetriebe und Verkehrsanlagen getroffen worden. Die Hauptlast aber trug immer die Zivilbevölkerung: alte Männer, Frauen und Kinder.

Unvergessen bleibt die Zerstörung Dresdens als einer im Februar 1945 völlig wehrlosen Stadt, die nicht durch eine einzige Flak (Flugabwehrkanone) geschützt wurde. Das vollmundige Versprechen des britischen Luftmarschalls Arthur Harris, er werde Berlin durch seine Bomber vollständig zerstören lassen und dadurch werde Deutschland den Krieg verlieren, hat sich nicht erfüllt. Auch die Kalkulation, durch Bombenterror den Widerstandswillen des Gegners zu brechen oder die Bevölkerung gegen ihre Regierung aufzuwiegeln, ist niemals aufgegangen. Wie die Londoner, so haben auch die Berliner vor den Luftangriffen der Gegenseite nicht kapituliert. Der Luftkrieg kostete Tausenden von Zivilisten das Leben, verlangte auch den Flugzeugbesatzungen einen unverantwortlichen Blutzoll ab und vernichtete unersetzliche Kulturgüter. Aber noch nie ist ein Krieg durch die Luftwaffe gewonnen worden. Die weltweite Ächtung des Bombenterrors: das wäre ein wesentlicher, vielleicht entscheidender Schritt zur Rettung unserer Zivilisation.

Der Autor
Prof. Klaus Mylius ist Ordentliches Mitglied der Leibniz-Sozietät und der Berliner Wissenschaftlichen Gesellschaft. Er lehrt an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Er wohnt in D-79288 Gottenheim.

Der Kommentar „Ächtet den Bombenterror“ ist am 16. August 2006 im „Wochenblatt“ (Wochenzeitungen am Oberrhein Verlags GmbH, D-79379 Müllheim, Baden) erschienen. Das Textatelier.com publiziert diese wegweisende Arbeit mit freundlicher Genehmigung durch den Autor.

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