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BLOG vom 12.08.2005


Kapitale Regenwürmer: Die Badener brechen alle Rekorde

Autor: Heinz Scholz

Es ist kaum zu glauben: Die Badener (Deutschland) haben den längsten Regenwurm zu bieten! Der Riesenregenwurm mit der Bezeichnung Lumbricus badensis wird bis 60 cm lang und über 30 g schwer. Er ist demnach doppelt so gross wie die in Gärten und Wiesen vorkommende Art Lumbricus terrestris. Wer ihn zum ersten Mal zu Gesicht bekommt und sich in der Tierkunde nicht besonders gut auskennt, könnte diesen Wurm für eine Blindschleiche halten.

Sie werden sich fragen, wie ich als Blogger zu einem solchen Thema komme. 2 Gründe kann ich Ihnen nennen: 1. las ich nach einer Belchen-Wanderung in einem Buch über diesen drittgrössten aller Schwarzwaldberge das Kapitel über den Badischen Regenwurm. Und 2. wurde ich schon des öfteren von meinem 5-jährigen Enkel Manuele über Regenwürmer ausgefragt. Alle Fragen konnte ich gar nicht schnell genug beantworten, schon hatte er eine andere parat. So fragte er: „Warum sieht man so viele Regenwürmer nach einem Regen?“ oder „Was fressen die Regenwürmer?“ oder „Wo haben sie ihr Bett?“

Ich kratzte all mein Schulwissen, das noch in den entferntesten Gehirnwindungen vorhanden war, zusammen und gab ihm mehr schlecht als recht Antworten. Nun habe ich mein Wissen aufgefrischt und Erstaunliches über diesen gliedmasslosen und ohne Sinnesorgane ausgestatteten Wurm herausgefunden.

Der Badische Regenwurm gehört zu den vertikalbohrenden Arten. Er bildet Wohnröhren bis zu einer Tiefe von 2,5 m. Im Belchengebiet kommen 2 vertikalbohrende Arten vor, der erwähnte Badische und der Lumbricus polyphemus.

Die vertikalbohrenden Regenwürmer haben ein fast farbloses Hinterende, während der Vorderkörper eine Schutz- und Tarnfarbe hat. Die Bodenbewohner (endogäische Regenwürmer) und Oberflächenbewohner (Spreubewohner = epigäische Regenwürmer) haben zum Schutz vor UV-Strahlung und zur Tarnung eine rote bis braunrote Pigmentierung.

Die vertikalbohrenden Regenwürmer verlassen ihre Wohnröhre ungern. Nur bei einer Störung flitzen sie aus den Röhren. Bei der Nahrungssuche verlassen die Würmer ihre Wohnröhre lediglich zu 2 Dritteln ihrer Körperlänge. Der Rest bleibt im Boden. Bei Gefahr ziehen sie sich blitzschnell zurück. Diese kapitalen Regenwürmer stehen übrigens auf der Speisekarte von Dachs und Fuchs.

Die Regenwürmer fressen abgestorbene Feinwurzeln, eingeschwemmte organische Substanzen, Erde, Streu und Mikroorganismen. Frisch gefallene Blätter und Nadeln sind als Nahrung ungeeignet. Zu einem Leckerbissen werden sie erst, wenn sie von Mikroorganismen vorzersetzt sind.

Unglaublich: Obschon der Regenwurm keine Sinnesorgane hat, kann er Temperaturunterschiede unterscheiden und schmecken, riechen, Licht und Berührung wahrnehmen. Dies ist möglich, weil der Wurm mit einem Strickleiternervensystem, an dem ein Gehirn anliegt, ausgestattet ist. Bei Regen kommen deshalb die Würmer aus ihren Gängen, weil sie im Wasser ersticken würden. Die Würmer atmen nämlich durch die Haut.

Damit sind die Fragen meines Enkels beantwortet. Dennoch fütterte ich mein Gehirn mit weiteren Daten aus dem Leben der Würmer. Man weiss ja nie, mit welchen Fragen der Heranwachsende mich noch konfrontieren wird.

Der Regenwurm bewegt sich wellenförmig. Dies ist möglich, weil diese Würmer bis 150 Körperringe oder Segmente aufweisen. Ausserdem hat er in jedem Segment 4 Paar Chitinborsten, die die Fortbewegung unterstützen.

Schon in der Schule hörte ich, dass sich Regenwürmer bei Verletzungen regenerieren können. Dies stimmt. Kürzlich beobachtete ich einen Wurm, der von einem Fahrzeug in 2 Teile zerbrochen war. Wer nun glaubt, aus diesen 2 Teilen entstünden 2 Regenwürmer, ist allerdings auf dem Holzweg. Es entsteht nur ein Wurm und zwar aus dem Körperteil, in dem sich das Gehirn befindet. Es müssen jedoch mindestens 40 Segmente vorhanden sein. Diese wunderbare Regenerierung ist nur möglich, weil in jedem Segment alle lebenswichtigen Organe vorhanden sind.

In der Tat: Der von mir beobachtete Wurm wand sich von dannen. Aber nur das Vorderteil. Der Wurm braucht dann einige Zeit, bis er wieder der Alte ist.

Zum Glück fragte unser Bursche nicht nach der Vermehrung. Da hätte ich passen müssen. Aber jetzt bin ich schlauer: Die Regenwürmer sind Zwitter, sie bilden sowohl Ei- als auch Spermienzellen. Sie können sich jedoch nicht selbst befruchten. Dazu sind 2 Würmer nötig. Sie kuscheln sich quasi aneinander und tauschen ihre Spermien aus. Sobald die Eizellen reif sind, werden sie befruchtet. Aus einem Kokon schlüpfen die Jungen nach wenigen Wochen. Dies ist nur vereinfacht ausgedrückt. In Wirklichkeit läuft alles komplizierter ab. Aber mit einer einfachen Erklärung wird mein schlauer Enkel sicher zufrieden sein. Das hoffe ich jedenfalls.

Die Regenwürmer haben eine grosse Bedeutung für den Boden. Sie sorgen für eine bessere Durchlüftung, verbessern die Bodenstruktur und reichern den Boden mit Humus an.

Und wie viel Regenwürmer findet man auf einem Quadratmeter? Auch diese Frage kann ich jetzt beantworten. Je nach Bodenart befinden sich 100 bis 400 Regenwürmer in engen Röhren und Gängen.

Ohne diese 2 Ereignisse (Belchen, Enkel), wäre ich nie auf die Idee gekommen, ein Blog über Regenwürmer zu verfassen. Aber es gibt immer wieder Überraschungen und Entdeckungen. Es war für mich ein lehrreicher Ausflug in die unbekannte Welt der Regenwürmer. Vielleicht werden unsere Leserinnen und Leser diesen liebenswerten Tieren in Zukunft mit mehr Aufmerksamkeit begegnen. Diese hätten das verdient.

Quellen

„Der Belchen im Schwarzwald“, herausgegeben von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Institut für Ökologie und Naturschutz, Karlruhe 1989. Kapitel über den Badischen Regenwurm auf den Seiten 891–905.

http://www.zum.de/Faecher/Bio/SA/stoff7/regenwurm.htm (Biologie in Sachsen, Koordinator: C. Busse; u.a. mit interessanten Zeichnungen vom Bau des Regenwurms).

Weitere Quellen finden Sie im Internet mit Hilfe einer Suchmaschine wie www.google.de oder www.msn.com

 

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