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BLOG vom 03.10.2005


Einmalig: Konzert mit Gemshörnern und Cornamusen

Autorin: Rita Lorenzetti

Der Ursprung des Namens Gemshorn sei unbekannt, erfuhren wir noch vor der Aufführung. Es handle sich hier nicht um das Horn von der Gemse, die jetzt übrigens Gämse oder Gams heisst, sondern um Instrumente aus Rinderhörnern. Natürlich gewachsen und als Form belassen, keines gleich wie das andere, aber alle von weichem, tragendem Klang.

Seit 10 Jahren treffen sich die Gemshornspielerinnen und -spieler (hauptsächlich Frauen) aus kleinen und grösseren Ensembles aus Wuppertal, Köln und Bochum einmal im Jahr, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam zu musizieren. Als Abschluss gestalteten sie in der Evangelischen Kirchgemeinde Köln-Buchheim am 18. September 2005 eine musikalische Vesper mit Werken aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Die Klänge dieser rund 60 Gemshörner, teilweise unterstützt von einer grossen Bassflöte, entführten uns in alte Zeiten, als die Menschen Himmel und Erde noch als eine Ganzheit erfuhren. So drückten es die Texte einzelner Lieder aus. Es liess sich gut auf der Welle dieser Harmonie abheben und zeitweise mitsingen.

Als die Cornamusen dann auftraten, erwachte ich aufgeschreckt in der Gegenwart. Fremde, aber faszinierende Töne! Sie könnten dem Dudelsack entsprungen sein, zeitweise wie kurze Schreie oder gedehntes Stöhnen. Noch nie gehört oder bewusst wahrgenommen. Erstaunt habe ich später erfahren, dass der Cornamusen-Klang nicht ganz perfekt dahergekommen sei. Und mir hat gerade diese leicht schräge Einlage speziell gut gefallen.

Je älter ich werde, desto mehr kann ich mich am Ungereimten und Unvollkommenen freuen, sofern es in homöopathischer Dosis auftritt. Leben ist so, kann nicht in strenge Ordnungen oder Denkmuster eingezwängt werden. Auch die natürliche Form des Instruments passte zum Eindruck, den mir die Töne vermittelten. Mir fiel sofort auf, dass es etwas Eigenwilliges, Gewachsenes behalten durfte und nicht in die strenge Gerade gezwungen wurde, wie das z. B. bei der Blockflöte üblich ist.

Dass ich in der Grossstadt Köln mit Rinderhörnern in Kontakt kommen würde, hatte ich nicht vorausgesehen. Es ist das Verdienst von Freunden. Nur sie können einen an ihnen bekannte Orte und zu leisen Tönen führen. Der normale Tourismus kann das nicht.

Hinweise auf weitere Blogs zu Musik-Themen

17. 09. 2005: „Wenig Musikgehör für Delikatessen aus dem Barock“

18. 08. 2005: „Londoner Post: Zwiebelmänner, Schriftsteller, Musiker“

13. 04. 2005: „Frühlingsspuren: ,Schwarze Blätter’ werden farbig“

01. 01. 2005: „Blogatelier-Eröffnung zu Musikklängen“

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