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BLOG vom 08.11.2005


British Museum London: Das vergessene Perserreich
Autor: Emil Baschnonga
 
Kyros der Grosse gründete 550 v. u. Z. das einst grösste Reich in Nahost, das Perserreich, nach dem Untergang, genauer nach der Eroberung von Assyrien und Babylon durch die Perser. Es erstreckte sich über 3 Millionen Square miles (Quadratmeilen) von Nordafrika bis tief ins Indusgebiet.
 
Darius (522–486 v. u. Z.), gefolgt von Xerxes (486–465) festigten das Reich und eroberten Griechenland. „Wie du mir, so ich dir“, eroberten nachher die Griechen unter Alexander dem Grossen im Perserkieg (mit der Schlacht von Marathon) das Land und legten Persepolis 331 v. u. Z. in Schutt und Asche – die Hauptstadt und der kulturelle Augapfel Persiens. Am treffendsten wird dies als Zusammenprall von Kulturen erkannt. (Unter Wikipedia, Geschichte des Irans http://de.wikipedia.org/wiki/Iran ist dem Leser der historische Rundgang ermöglicht).
 
Mein Rundgang in „The British Museum“ in London begann wie immer mit einem raschen Streifzug durch die Ausstellung, diesmal durch rund 6 kleinere Räumlichkeiten. Damit gewinne ich meine 1. Eindrücke: Viel zerschlagene Mauerbruchstücke mitsamt arg beschädigten Skulpturen, wunderbares Goldgeschmeide – worunter ein mit einer Sphinx (Steinbild in Löwengestalt) verziertes Trinkgefäss aus einem Königspalast –, dreisprachige Siegel, Tontäfelchen und der berühmte Kyros-Zylinder. Dieses Edikt von Kyrus sicherte den deportierten Juden ihre Heimkehr und wird auch als das 1. „Charter of Human Rights“ (Freibrief der Menschenrechte) bezeichnet.
 
Daraus ableitbar (und im Gegensatz zu den Griechen) erstellten die Perser ihr Reich unter Wahrung der Nationalitäten. Wie zeitgemäss heute wieder, wo wir vom globalen Einheitskult überrannt werden! Das altpersische Reich war in Provinzen unterteilt, die zum Beispiel den Armeniern, unter vielen anderen Volksstämmen, eine teils sehr weitgehende Eigenständigkeit sicherten. Das Provinzoberhaupt hiess „Satrap“ (Beschützer des Landes). In diesem Sinne folgten die Perser dem Beispiel der Assyrier. Selbst Alexander hat diese Verwaltungsstruktur beibehalten.
 
Übrigens hat Alexander ausgerechnet eine Perserin aus Afghanistan geheiratet. Sie hiess Roxanne. Auf seinen Feldzügen eroberte Alexander im Jahre 329 v. u. Z. die Bactra Region und ermodete in Balkh (heute Mazar-i-Sharif in Nord Afghanistan) ihren Vater, den dortigen König. Was bewog sie, Alexander ihren Heiratsantrag zu machen? Sie wurde zur einzigen Gattin von Alexander und gebar ihm einen Sohn. Als Alexander gezwungen wurde, seine Feldzüge einzustellen und im 33. Altersjahr starb, war dieses Knäblein Alexanders Thronfolger. Roxanne wusste um die Gefahr und floh mit dem Kind. Zuletzt griffen sie Alexanders Generäle auf und ermordeten Mutter und Kind. Eine tragische Liebesgeschichte mit einer erkennbaren Moral.
 
Lese ich die den Ausstellungsobjekten beigegebenen Täfelchen, stosse ich immer wieder aufs Wort „possibly“ (vermutlich). Somit ist vieles aus der altpersischen Geschichte im Bereich der Vermutungen anzusiedeln.
 
Erst im 19. Jahrhundert begannen die Ausgrabungen in Persepolis. Und erst damals wurde vom jungen Engländer Henry Rawlinson die alte persische Schrift entziffert. Auf vielen Tontäfelchen wurden dem Altpersisch elamitische (als Handels- und Verwaltungssprache) und babylonische Texte (im Ostteil des Imperiums benützt) beigefügt; sie waren also dreisprachig.
 
Die hellenistische Besetzung dauerte nicht lange, aber das alte Perserreich dauerte weitere 1000 Jahre unter den Parthern und Sassaniden sowie anderen Dynastien.
 
Anschliessend erfolgte der Einbruch des Islams ab 643, gefolgt vom Aufstieg der Türken (977–1191) und der Eroberung und Verwüstung durch die Mongolen im Jahr 1206.
 
Die Ausstellung reicht bis zu Alexander. Diese Folgeetappen jedoch behalte ich mir im Kopf, da man dem Iran nur etappenweise folgen und ihn nur so verstehen kann.
 
Das mag erklären, warum ich das „British Museum“ verwirrt und etwas enttäuscht verliess. Es fehlte mir der geschichtliche Kitt. Das alte Persien liegt zu weit in der Zeitgeschichte versteckt.
 
Diese nachstehenden Fragmente helfen mir zwar nicht weiter, doch sie mögen den Leser interessieren:
 
Iran wird vom Wort „Aryan“ abgeleitet, einer Landesregion, und wurde prompt von den Deutschen in ihrem seinerzeitigen Arier-Rassenwahn aufgegriffen. Im 2. Weltkrieg war Iran mit Deutschland verbündet.
 
Die Sprache des Iran, „Farsi“, gehört zu den indo-europäischen, sogar indo-germanischen Sprachenfamilien und entsprang der Achämenidischen Dynastie (599–331 v. u. Z.). Mit dem Islam wurde Farsi zunehmend mit Arabisch vermengt, ehe das moderne Farsi wieder weitgehend davon „geläutert“ wurde. Die arabische Schrift wurde mit Abweichungen beibehalten. Mit unserem Alphabet können wir wohl Italienisch und andere europäische Sprachen „buchstäblich“ lesen, doch nicht verstehen, es sei denn, man habe sie als Fremdsprachen gelernt. Der Koran musste ins Farsi übersetzt werden.
 
Kyros sollte den gegenwärtigen Präsidenten von Iran, Mahmoud Ahmadinedschad, dringend ersetzen. Mit seiner von Hass geprägten Rhetorik Israel gegenüber, das er von der Weltkarte löschen möchte, auf der Konferenz unter dem Motto „Eine Welt ohne Zionismus“ hat Ahmadinedschad sein eigenes Nest verschmutzt und Kyros’ Nachlass des 1. „Charter of Human Rights“ krass verletzt.
 
P.S. Die Ausstellung dauert bis zum 6. Januar 2006.
 
Hinweis auf ein weiteres Iran-Blog
04.08.2005: „Zur Einsichtnahme: Iran = Persien = Sa’dis Rosengarten“
 
Andere geschichtliche Blogs und Beiträge aus dem Raume Persien
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