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BLOG vom 30.04.2006


Brände und Feuerwehr: Mit allen Löschwassern gewaschen
Autor: Heinz Scholz
 
In der „Wissenschaftlichen Regionalbibliothek“ in Lörrach entdeckte ich ein sehr interessantes Buch mit dem Titel „Morde, Brände und Skandale“ von Hans A. Jenny (wohnhaft in CH-4492 Tecknau). Als ich das Kapitel über die Basler Finanzskandale aufschlug, sah ich 3 geschwärzte Seiten. Solche Seiten habe ich noch nie in einem Buch gesehen. Zunächst dachte ich, dass die Schweizer Banken die Schwärzung veranlasst hätten. Aber weit gefehlt. Wie mir Hans A. Jenny in einer E-Mail mitteilte, bezogen sich die geschwärzten Seiten auf den so genannten Gaggo-Bank-Skandal, das Finanzdesaster der baslerischen „United California Bank“. Da nach dem Erscheinen des Buchs im Jahre 1970 der Prozess noch in Gang war, konnten sowohl der Autor als auch der Verleger keine Stellung nehmen. Vorsorglich wurde deshalb eine Schwärzung beschlossen.
 
In diesem Buch entdeckte ich 2 interessante Anekdoten, die ich hier anfügen möchte.
 
Prügelei bei einem Grossbrand in Basel
1775 wurde der Werkhof, das Zeughaus und die umliegenden Gebäude durch einen Grossbrand zerstört, obwohl Hilfsmannschaften aus Hüningen, Neudorf, Rheinfelden, Lörrach und Mariastein beim Löschen halfen. 100 Leute schöpften Wasser aus einem Brunnen und aus dem Rhein. Hier der Bericht aus vergangener Zeit: „Während des Brandes gerieten sich peinlicherweise die Liestaler Rettungsequipe und die städtischen Löschmannschaften in die Haare. Der Streit artete zu einer grossen Prügelei aus, wobei die Flammen während dieser Zeit nur dank dem mutigen Einsatz der regionalen Amateurpompiers nicht weiter um sich greifen konnten ... Der Kleine Rat verbot nach dieser Katastrophe das Tanzen in der Stadt auf die Dauer von 6 Monaten und avisierte die in Basel befindlichen Schauspieler, dass sie keine weiteren Vorstellungen geben durften.“
 
„Es brennt, es brennt!“ rief der Pfarrer
Um 1860 hatte ein Pfarrer in Basel seine liebe Mühe und Not, seine „Schäfchen“ in der Kirche wach zu halten. Auch wenn er sich noch so anstrengte, konnte er den einen oder anderen nicht vom obligatorischen Kirchenschlaf abhalten. Als wiederum einige zufrieden vor sich hinschlummerten und dabei noch schnarchten, wurde es dem Pfarrer zu bunt. Mitten in seiner Predigt machte er eine kleine Pause, dann brüllte er aus Leibeskräften: „Es brennt! Es brennt!“ Bei diesem Schreckensruf wurden die in Morpheus Armen gesunkenen Schlummerer hellwach. Als alle bereits Richtung Tür stürmten, fuhr der Pfarrer auf der Kanzel mit seiner Predigt gemächlich fort: „Es brennt in mir die Lieb’ zu Jesum Christum ...“
 
Auch aus dem Badischen sind einige ungewöhnliche, manchmal amüsante Anekdoten überliefert. Die folgenden Geschichten entdeckte ich in Chroniken und diversen anderen landeskundlichen Schriften. Aber auch so mancher guter Bekannter erzählte mir die eine oder andere Episode aus dem Umfeld von Bränden.
 
Ungewöhnliches Löschwasser
Bei Bränden mussten früher Männer, Frauen und Kinder tatkräftig die Feuerwehr unterstützen. Damals gab es keine Gaffer, wie heutzutage, sondern Schaffer. Dies war auch so am 24. November 1879, als die Spitalscheune in Wangen im Allgäu in Brand geriet. Zum Glück war der Brand rasch unter Kontrolle, dank der tatkräftigen Wangener Damenwelt, die unermüdlich Löschwasser in Kübeln herbeischaffte. Dies war nicht so einfach, denn es war bitterkalt. Aber die Frauen wussten sich zu helfen. Sie wärmten das Löschwasser auf Kochherden an und gossen es auf die eingefrorenen Pumpspritzen. Dabei passierte einigen ein Missgeschick – sie nahmen von Stadtwirts Küchenherd einen gross gefüllten Topf mit heisser Fleischbrühe und wanderten damit zur Feuerspritze. Die Wirtin jammerte, aber die Brühe half die Pumpe wieder flott zu bekommen. Die Scheune brannte zwar ab, aber die beiden Hochgebäude des Spitals blieben vom Feuer verschont.
 
Sie flüchteten aufs Dach
Just als sich ein Pärchen im Bett vergnügte, brach in dem darunter liegenden Geschäft ein Brand aus. Die Flammen schlugen schon im Treppenhaus nach oben, der Rauch quoll in die Wohnung. Das Liebespaar roch jedoch den Braten rechtzeitig und flüchtete aufs Flachdach. Nun standen sie da, nur spärlich bekleidet und warteten auf Rettung. Sie schauten nach unten und sahen die Feuerwehr bereits die Schläuche ausrollen. Viele Zuschauer des Orts hatten sich schon eingefunden und blickten gebannt auf die Flammen. Dann sahen sie die beiden auf dem Dach. Ein Aufschrei folgte. Es wurde eine Feuerleiter ausgefahren und die beiden in Sicherheit gebracht. Die Kleinstadtbewohner im südlichen Schwarzwald staunten nicht schlecht, als sie die Geretteten in Augenschein nahmen. Es war eine angesehene Ehefrau mit ihrem Geliebten. Nun wusste jedermann, mit wem sich die Frau in Abwesenheit des geschäftsreisenden Gatten vergnügte. So bringt manchmal Feuer Licht in dunkle Angelegenheiten.
 
Als es in Schopfheim brannte ...
1993 und 1996 wurde Schopfheim von einer Brandkatastrophe nach der anderen heimgesucht. Es brannten in der Regel leerstehende alte Häuser, Schuppen und kleine Gartenhäuschen ab. Auch in der Nähe meiner Wohnung brannte ein Holzschuppen lichterloh. Seltsam war, dass die Brände immer zwischen 23.00 Uhr und 1.00 Uhr nachts ausbrachen. Erst 1996 konnte der Brandstifter, ein 22-jähriger Feuerwehrmann, nach einer Observierung festgenommen werden. Die Bevölkerung war zu jener Zeit sensibilisiert, sie beobachteten diesen und jenen, und es gingen die wildesten Gerüchte um. Auch Streifengänge zu nächtlicher Stunde wurden durchgeführt. Dazu einige Anekdoten:
 
Als ein Bauernhof in Wiechs (Ortsteil von Schopfheim) in Flammen stand, ging eine etwas angeheiterte junge Frau mit ihren 2 Hunden zur Brandstelle, um zu helfen. Vor lauter Aufregung band sie ihre 2 Hunde am brennenden Haus an, stürzte in den Stall und half beim Retten des Viehs. Ein Feuerwehrmann beobachtete die Szenerie, befreite die winselnden Hunde und brachte sie in Sicherheit.
 
Als in einer Nacht in Eichen (Ortsteil von Schopfheim) Kühe in einem Stall brüllten, wurde eine Nachbarin hellhörig. Sie war der festen Meinung, der Brandstifter sei wieder unterwegs. Sie schaute aus dem Fenster und bemerkte die Streife. „Warum brüllen die Kühe?“ meinte die Frau. Antwort eines Streifengängers: „Die brüllen immer, wenn wir vorbeigehen.“
 
So manches Tier hat schon Leben gerettet. Tiere haben einen 6. Sinn, wie man sagt. Als in Hasel (Kreis Lörrach) ein Hund jämmerlich heulte, schaute der Besitzer aus dem Fenster und bemerkte Rauch aus dem Nachbarhof dringen. Er weckte die einzige Bewohnerin des Hauses. Bald darauf stand der Hof in Flammen.
 
Quellen
Jenny, Hans A.: „Morde, Brände und Skandale”, Pharos-Verlag, Basel 1970.
Scholz, Heinz: „Private Anekdotensammlung“ (unveröffentlicht).
Walchner, Karl: „Alt-Wangener Erinnerungen“, Buchdruckerei J. Walchner, Wangen i.Allgäu, Band I, 1955.
 
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