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BLOG vom 27.05.2006


Nepper, Schlepper, Bauernfänger und teure Kaffeefahrten
Autor: Heinz Scholz
 
Vor Jahren gab es einmal im ZDF die Sendung „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“. In dieser Sendung wurden unverschämte Fälle von Betrügereien, die von Schauspielern nachgespielt wurden, an den Pranger gestellt.
 
Die Betrüger legten eine Dreistigkeit an den Tag, dass man es schier nicht glauben konnte. So stellten sich beispielsweise 2 Männer in Monteuranzügen bei älteren Leuten als Mitarbeiter von den Stadtwerken, der Telefongesellschaft oder als Rundfunktechniker vor und sagten, sie müssten die Leitungen wegen einer Störung kontrollieren. Dann verwickelte der eine Monteur die betreffende betagte Person in ein Gespräch, während der andere Schränke nach Bargeld oder Schmuck durchsuchte. Ein anderes Mal wurde eine Frau dazu überredet, sie solle doch das zu Hause versteckte Geld zum Umtausch herausrücken, da das alte Geld nicht mehr gültig sei.
 
Auch auf den „Enkeltrick“ greifen bestimmte Gauner zurück. Da rufen wildfremde Leute bei älteren Personen an und geben sich als Freunde oder Vermittler der Enkel aus und bitten um eine Anzahlung für eine Eigentumswohnung. Das Geld würden sie später wieder zurückbekommen. Die Angesprochenen bezahlen in der Regel und sehen ihr Geld nie wieder. Erst am 24. Mai 2006 wurden einige Fälle in Basel in diversen Zeitungen publik gemacht. Wie die Staatsanwaltschaft betonte, gab es bisher 26 Betrugsfälle. Der Schaden soll sich auf rund 670 000 CHF belaufen. Im aktuellen Fall überliessen Frauen im Alter von 79 und 72 Jahren einer Unbekannten 130 000 und 120 000 CHF.
 
In der Vergangenheit wurden von Betrügern sogar die Hinterbliebenen geschröpft. So riefen die Gauner bei Witwen an und betonten, sie müsse nun die Schulden ihres Mannes begleichen. Andere dreiste Gauner studieren sehr eingehend die Todesanzeigen und steigen zum Zeitpunkt der Beerdigung in die Wohnung der Hinterbliebenen ein und rauben Bargeld, Schmuck und diverse andere Dinge.
 
Auch Arbeitslose werden ausgetrickst
Wie das „Manager-Magazin“ im Internet berichtete, greifen Arbeitslose nach jedem Strohhalm. Da werden mit Anzeigen in seriösen Zeitungen für lukrative Nebenjobs geworben. Hier ist erhöhte Vorsicht geboten. Es gibt natürlich seriöse Anbieter, aber viele andere betrügen. So wurden beispielsweise Interessenten von Heimarbeit Kugelschreiberteile zum Zusammenbauen gegen Vorkasse angeboten. Kaufen nur 100 Interessenten für je 1000 Euro diese Teile, haben die Betrüger schon 100 000 Euro verdient. Meistens ist es so, dass die Abzocker keine Teile versenden und nach dem Deal auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Leider ist es so, dass der Gesetzgeber hier sehr nachlässig ist. Entweder verlaufen sich die Ermittlungen im Sande oder nach der Überführung folgen relativ milde Strafen.
 
Nepper forderten Fantasie-Gebühren
Meine Tochter und mein Schwiegersohn erhielten am 22. Mai 2006 eine Turnusrechnung von der in Berlin ansässigen Firma „euroSAT, Service GmbH“. Das professionell aufgemachte Anschreiben mit einem anhängenden Zahlschein hatte folgenden Inhalt:
 
„Durch ständig zunehmende Verlagerung der privaten Fernsehhaushalte vom Kabelanschluss zum Satelliten-TV-Empfang sind den privaten Sendeanstalten in den letzten 3 Jahren Verluste von 1 Milliarde Euro entstanden. Zudem war ferner ein Rückgang der Werbeeinnahmen von 600 Millionen, allein im letzten Jahr, zu verzeichnen. Durch Verordnung des Rundfunkrates vom 13. Mai 2005 dürfen die privaten TV-Anstalten nicht nur eine Gebühr für den Kabelempfang, sondern auch für den SAT-Empfang ab dem 01. 01. 2006 erheben ...“
 
Dann wurden die Empfänger des Briefes aufgefordert, bis spätestens 31. 05. 2006 den Betrag von 78,00 Euro zu überweisen, andernfalls wird „aufgrund der physikalischen Struktur von Satellit und SAT-Empfänger der Resceiver (Empfänger) abgeschaltet“. Dann wurde noch gedroht, dass nicht nur der Empfang der privaten Sender, sondern auch die öffentlich rechtlichen (ARD, ZDF) nicht mehr empfangen werden können.
 
Wir wussten sofort, dass hier etwas faul ist. Und wir hatten Recht, denn schon am nächsten Tag wurde in diversen Zeitungen vor diesen Abzockern gewarnt. Die Briefe wurden in Südbaden verschickt. Experten betonten, dass eine Abschaltung technisch gar nicht möglich sei.
 
„euroSAT“ ist eine Scheinfirma, wie die Ermittlungen ergaben. Sie ist zwar im Berliner Handelsregister eingetragen, und als Geschäftsführer fungiert ein gewisser Manfred Uhlig, der auch in der fingierten Rechnung unterschrieben hat. „Die Firma existiert aber gar nicht“, so Reiner Hähle vom Landeskriminalamt. Die Anschrift ist eine Fantasieadresse. Interessanterweise tauchte auf dem Zahlschein eine Kontonummer der Deutschen Bank auf. Das Konto wurde sofort gesperrt.
 
Auf jedem Fall sollte man solche Schreiben ignorieren und auch Vorfälle dieser Art der Polizei melden.
 
Nachtrag: 2 Tage nach den ersten Warnhinweisen in Zeitungen kam heraus, dass die Betrüger bei der Post 100 000 Briefkuverts mit einer maschinell aufgedruckten 25-Cent-Briefmarke geordert haben. Wahrscheinlich war dies ein Verlustgeschäft für die Gauner, denn bisher hat sich im Freiburger Raum nur 1 Geprellter gemeldet. Das Schreiben war ziemlich dümmlich verfasst. Und so bleibt zu hoffen, dass die Betrüger 25 000 Euro zum Fenster hinausgeworfen haben. Nur die Post darf jubeln, hatte sie doch 25 000 Euro verdient.
 
Laut einer Meldung der "Badischen Zeitung" vom 27. Mai 2006 wurde der mutmassliche TV-Nepper bereits entlarvt. Es handelt sich um einen 58 Jahre alten Mann aus Berlin, der seinen richtigen Namen benutzt hat. In der Vergangenheit hatten die Betrüger ihre Identität immer verschleiert.
 
Misstrauen ist angebracht
Vor einiger Zeit erhielt ich eine Gewinnbenachrichtigung. Da wurde ich als Hauptgewinner angekündigt, obwohl ich nie bei einem Preisausschreiben mitgemacht hatte. Solche Schreiben landen bei mir sofort im Papierkorb. Meistens ist es so, dass die angeblichen „Hauptgewinner“ erst bei einer Verkaufsveranstaltung (Kaffeefahrt) oder bei Bestellungen dieses oder jenes Gerätes ermittelt werden. „Liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine getarnte Verkaufsschau handelt, vor deren Praktiken Verbraucherschützer immer wieder warnen, können Bürger das Ordnungsamt einschalten“, wie im Internet unter www.jur-abc.de nachzulesen ist. Das Amt schreitet dann zur Tat und sagt die Verkaufsschau ab.
 
Wie raffiniert die Veranstalter solcher Kaffeefahrten vorgehen, ist aus Ankündigungen zu ersehen. So wird ein leckeres Mittagessen und viele Gewinne und Geschenke versprochen. Sogar die Mengenangaben bei den Präsenten sind so raffiniert verpackt, dass wohl kaum einer dahinterkommt, was gemeint ist. So wurde jedem Besucher 1.500 Gramm Landbrot, 2.500 Gramm Landwurst, 3.100 Gramm Kaffee versprochen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass jeder 1. ein 500-Gramm-Brot, jeder 2. ein Pfund Wurst und jeder 3. nur 100 Gramm Kaffee bekommt.
 
Dann wird noch davon gesprochen, dass es die Geschenke fakultativ gibt, also wahlfrei oder unverbindlich. Da braucht der Veranstalter gar nichts herschenken.
 
Kaffeefahrt war die reinste Abzocke
„Das kann mir nicht passieren, dass ich die teuren Waren kaufe“, so etwas höre ich immer wieder von Leuten, die eine Kaffeefahrt mitmachen wollen. Aber dann geschieht das Unmögliche. Unglaublich gut geschulte Verkäufer schwätzen den Leuten für 600 Euro Vitaminpillen oder für 800 Euro Mineralstofftabletten oder Rheumamatratzen mit Magneten für 1000 Euro pro Stück auf.
 
Ein Bekannter war kürzlich mit seiner Frau auf so einer Veranstaltung. Es wurde ihnen eine kostenlose Busfahrt zum Bodensee, ein Sekt-Empfang, ein Mittagsmenü und Gewinne aller Art versprochen. Die sonst nicht so leichtgläubigen Bekannten meldeten sich an. Die Reise ging zunächst zur Verkaufsschau, die in einem Landgasthof stattfand. Die Reisenden mussten viel Sitzfleisch mitbringen, denn die Verkaufsschau dauerte einige Stunden. Beim Sektempfang wurde eine winzige Menge Sekt serviert, und das Mittagsmenü entpuppte sich als karge Hausmannskost. Von etwa 25 Teilnehmern kauften 9 die teuren Magnetmatratzen für knapp 2000 Euro das Paar. Die meisten erstanden winzige Magnetdecken für 70 Euro das Stück.
 
Die Magnetdecke hatte vielleicht einen Einkaufswert von 5 Euro, und die Matratzen dürften kaum mehr als 300 Euro wert gewesen sein. Der im Prospekt offerierte Ausflug auf die Insel Mainau fand zwar nach der Verkaufsschau statt, die Abgezockten hatten jedoch nur knapp 1 Stunde Zeit, um die Insel in Augenschein zu nehmen. Dann wurde gnadenlos zur Heimreise geblasen.
 
In einem anderen Fall wurde eine Busreise nach dem „wunderschönen Nürnberg“ versprochen. Die Verkaufsschau fand in einem einsamen Landgasthof statt. Die Reisenden sahen jedoch nicht die Altstadt von Nürnberg, sondern nur das Ortsschild. Der Busfahrer hatte nur den Auftrag, das Ortsschild zu passieren.
 
Zurück zu meinem Bekannten: Kaum zu Hause, forschte er im Internet nach der Veranstaltungsfirma, die er jedoch nicht auffinden konnte. Sie stand nicht einmal im Handelsregister. Es war also eine Scheinfirma. Zum Glück hatte er keinen Vertrag unterschrieben, nur eine Bearbeitungsgebühr von zirka 50 Euro bezahlt. Die Matratzen, die bereits nach 2 Tagen angeliefert wurden, liess er zurückgehen. Auf die Rückerstattung der Bearbeitungsgebühr verzichtete er.
 
Wichtig ist zu wissen, dass es sich bei Verträgen, die auf Kaffeefahrten geschlossen werden, um Haustürgeschäfte handelt. Jedem Verbraucher steht ein Widerrufsrecht zu. „Rechtliche oder vielmehr praktische Schwierigkeiten gibt es dann, wenn der Teilnehmer an einer Kaffeefahrt bereits den Kaufpreis bar bezahlt oder eine Anzahlung geleistet hat. Oft wird es dann teuer oder sogar unmöglich, wieder an das Geld zu kommen“, wie www.vis-recht.bayern.de betont.
 
Der Verbraucher ist dem Geschäftsgebaren und der Abzockermentalität mancher Firmen nicht immer schutzlos ausgeliefert. Wer sich unsicher ist, kann sich bei den Verbraucherzentralen informieren. Misstrauen ist immer dann angebracht, wenn ein Gewinn und eine „wunderbare Geldvermehrung“ versprochen wird. In der Vergangenheit fielen viele Leute, auch prominente Fussballspieler, Tennisspieler usw., bei unseriösen Geldanlagen herein. Wenn ein Institut 10 % Zinsen oder mehr verspricht, dann läuten bei mir die Alarmglocken. Und so sollten noch mehr Alarmglocken im Land läuten!
 
Wichtige Verbraucher-Information
Die Verbraucherzentrale des Saarlandes hat in Kooperation mit den Kollegen von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg eine Sonderausgabe der Verbraucherzeitung mit Schwerpunkten Nebenverdienstangebote, unseriöse Geldanlagen, Schuldenprävention und Fallen im Telekommunikationsbereich herausgegeben. Diese Printausgabe kann im Internet heruntergeladen werden unter:
 
Hinweis auf ein weiteres Blog zum Thema Diebstahl
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