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BLOG vom 18.06.2006


Johanna Spyri, Heidi-Gefühle im Ort Hirzel und die Linden
Autorin: Rita Lorenzetti
 
Es war vor Jahren und atemberaubend. Ankommen auf dem Aussichtspunkt „Chaserenlinde“ ob dem Weiler Hirzel Höchi. Im Herbst. Die Winde pfiffen und die Drachen stiegen auf. Und die Aussicht über die Moränenlandschaft eine grosse Überraschung. Nach einem Fussmarsch von Sihlbrugg her hier anzukommen, ohne vorher zu wissen, was einen erwartet, das war ein Erlebnis.
 
Diesmal sind wir mit dem Postauto eingetroffen. Primo und ich wollen das „Heidi-Museum“ besuchen. Und wieder berührt uns die Landschaft mit ihren Drumlin-Hügeln ganz eigenartig. Hirzel ist ein von Gletschern gestaltetes, hügeliges Gebiet. Auf vielen Hügeln steht auf der Kuppe ein einzelner Baum, meist eine Linde. Es sind diese Bäume, die der Landschaft das aussergewöhnliche Gepräge geben. Darum gehört Hirzel sowohl ins „Bundesinventar für Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung“ wie auch in jenes für „Moorlandschaften von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung“. Diesen Hügeln begegnen wir oft auf Kalenderblättern und jetzt, wo wir sie in der Natur vorfinden, denkt es in mir: Ah ja, die gibt es wirklich.
 
In dieser Landschaft wuchs die Schriftstellerin Johanna Spyri auf. In Hirzel ging sie zur Schule. Das kleine Schulhaus von einst, in einem schönen Riegelhaus untergebracht, ist heute „Heidi-Museum“. Am Sonntag-Nachmittag geöffnet. Wir sind nicht die einzigen, die sich für die reiche Sammlung interessieren. Obwohl Heidi vor bald 130 Jahren zum ersten Mal erzählt worden ist, strahlt sie immer noch weit aus. Hier will ich mich über aktuelle „Heidi“-Ausgaben informieren und finde sogar ein Bilderbuch fürs erste Lesealter, das ich hier kaufen kann.
 
Ich möchte meiner Enkelin Mena Heidis Geschichte erzählen, ihr das Leben in der Bergwelt von einst beschreiben. Gerade weil sie in Paris aufwächst, soll sie auch ein anderes Lebensumfeld kennen lernen und von der Natur etwas zu spüren bekommen.
 
Ende der 50er-Jahre kam ich nach Korsika, noch bevor diese Insel für den Tourismus erschlossen wurde. Fremde wurden sofort erkannt. Es war leicht, mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. Als ich sagte, ich käme aus der Schweiz, wurde ich gleich mit dem „Heidi“-Etikett versehen. So sähe ich aus, wie das Naturkind dieser Geschichte. Wie dieses Beispiel zeigt, strahlte Johanna Spyris Figur in viele Länder aus. In Hirzel lese ich, dass „Heidi“ in 50 Sprachen übersetzt worden sei. Viele Belegexemplare können dort besichtigt werden.
 
„Heidi“ wurde auch in Film, Fernsehen und Comics übertragen. Nicht immer unverfälscht, schrieb Jürg Winkler, der die Texte zum Bilderbuch verfasst hat. Er war Lehrer und wirkte in Hirzel und gilt als hervorragender Kenner von Spyris Werk. Die Bilder gestaltete die Illustratorin Margrit Roelli.
 
Ich freue mich, mit Mena zusammen erneut in die „Heidi“-Geschichte einzutauchen und von vielen Gemütswellen ergriffen zu werden. Sich mitfreuen und Ängste und Nöte teilen, das ist Training für die Seele, fürs Leben. Auch Kinder von heute werden mit ähnlichen Situationen, wie sie Heidi widerfahren sind, ergriffen. Die Gefühle, die „Heidi“ auslösen kann, sind nicht von einem Zeitgeist abhängig. Nun kommt es nur noch auf mich an, dass ich lebendig und spannend erzähle.
 
Hinweis
Zum Thema „Hirzel“ sind im Internet via Google-Suchmaschine interessante Details zu finden. Spannend sind auch die Beiträge einer 5. Primarklasse. Diese Kinder von Hirzel sind sich bewusst, dass sie an einem sehr schönen Ort leben dürfen.
 
Ein weiteres Blog von Rita Lorenzetti zur Kulturgeschichte
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