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BLOG vom 03.08.2006


Herausragende Erlebnisse der vergangenen Pariser Tage
Autorin: Rita Lorenzetti
 
Nummer 1: Am Samstagmorgen, 29. Juli 2006, der Gemüsemarkt bei Barbès: Ein langgezogenes, sehr, sehr grosses Gelände, überdacht von der Metrobrücke, die hier ein Stück weit aus dem Erdreich herauskommt. Der Andrang riesengross. Die Angebote verlockend. Die Fülle einmalig. Die Ausrufer mehrheitlich Nordafrikaner, die mit ihren seltsamen, gehackten Worten die Kauflust wecken. Ungewohnt für mich. Da herrscht Existenzkampf pur. Wer hier überleben will, muss schreien. In mir riefen diese diktatorischen Wortfetzen eher Widerstand hervor. Gekauft habe ich dann frische Minze. Für sie musste niemand rufen. Ihr starkes Aroma wirkte magnetisch.
 
Nummer 2: Am folgenden Sonntagmorgen eine Fahrt mit dem Velo von Place Pigalle bis nach der Cité de la Villette. Mit Mena als Vorfahrerin. Erstaunlich: Ein 4-jähriges Kind im Pariser-Verkehr. Selbstverständlich auf Velowegen und gut behütet von seinem Papa. Die Strecke, die dem Kanal entlang führt, ist besonders eindrucksvoll, und auf allen Abschnitten gab es immer wieder Partien mit Alleen, schönen alten und auch jungen Bäumen. Am Rand einer Wiese ein überdimensioniertes Velorad, zu zwei Dritteln im Rasen versenkt. Eine Skulptur und Hommage an das Fahrrad, französisch bicyclette, die mich sofort ansprach.
 
Nummer 3: Der Besuch in der Mütterberatung. Die neugeborene Nora musste gezeigt, gemessen und gewogen werden. Mit uns im Warteraum auch afrikanische Mütter und ein Vater. Diese sicheren Gebärden, mit denen sie ihre Säuglinge beruhigen oder beim Trinken unterstützen. Feinfühlig und stark. Eine dieser Frauen kam mit Zwillingen hierher. Nach dem Untersuch und dem Füttern konnte ich mitverfolgen, wie sie ihren Rücken im rechten Winkel beugte, das vor sich auf einem Tisch liegende Kind in dieser Haltung eigenhändig auf ihren Rücken platzierte, dann das vorbereitete Tuch nach hinten schwang und mit ihm das Neugeborene festzurrte. Es war am Schluss gar nicht mehr genau nachvollziehbar, wie sich alles abwickelte. Es geschah offensichtlich aus altem Wissen und mit viel Erfahrung und vor allem schnell. Der Moment, wo das Kind mit dem Bauch auf Mutters Rücken zu liegen kam, war der spannendste. Ich hielt den Atem an. Verhält es sich ruhig? fragte es in mir. Ganz ruhig und die nachfolgenden, nur vom Fühlen begleiteten Einpackbewegungen der Mutter entsprachen der Sicherheit, die das Kind offenbar gut kennt. Als sie sich aufrichtete, hing ihr Säugling sicher und wohl geborgen an ihrem Rücken. Das 2. Kind wurde ganz gewöhnlich in ein Frottetuch eingehüllt, wie wir das in Europa auch machen, und auf den Arm genommen. So ging die Frau dann weg.
 *
Wie meine Erfahrungen zeigen, begegnet man in Frankreich nicht nur den Franzosen. Viele Kulturen haben hier ihre eigenen Plätze und Räume und in ihnen ihre Geschäfte für die eigene Nahrung und Kleidung. Das Zusammenleben gestaltet sich kulturübergreifend, wenn es um die sozialen Dienste geht, wie beispielsweise die Mütterberatung, die Gesundheitsdienste, die Einschulung usw. Und aus diesen Kontakten können Freundschaften und Gemeinsamkeiten erwachsen.
 
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