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BLOG vom 23.08.2006


Musiker-Anekdoten 1: Wenn der Organist zu spät kommt ...
Autor: Heinz Scholz
 
Wenn der Organist zu einem Kirchenkonzert zu spät kommt, wird es peinlich. So geschehen vor einigen Jahren in einer Gemeinde bei Schopfheim D. Der Organist sollte um 20 Uhr zu einer Abendmesse. Wer nicht kam, war der Organist. Der Pfarrer wartete. Aber nicht lange, dann begann er die Messe ohne den wichtigen Mann zu zelebrieren. Die Gemeinde müsste dann eben lauter und inniger singen, dachte sich der Pfarrer.
 
Blicken wir 2 Stunden zurück: Der Organist und seine Frau waren an diesem Tage auf einer Geburtstagsfeier. Er meinte, vom Markgräflerland wäre es höchstens eine Stunde zum Orte seines Wirkens. Sie fuhren los, aber das Unglück nahm seinen Lauf. Er fuhr Nebenstrecken, es wurde bereits dunkel. Die Zeit lief ihm davon. Als er merkte, dass er nicht pünktlich ankommen würde, drückte er aufs Gaspedal, fuhr so rasant in die Kurven, dass es der Frau schlecht wurde. Beide litten Höllenqualen. Schliesslich erreichten sie völlig genervt die Gemeinde − aber zehn Minuten zu spät. Der Organist rannte in die Kirche, entschuldigte sich vor der Gemeinde und begann seine Vorstellung. Seine Frau schämte sich so, dass sie nicht in die Kirche gegangen war, sondern einen Spaziergang gemacht hatte.
 
Ein anderes Mal wartete die versammelte Kirchengemeinde zunächst vergeblich auf die ersten Töne, die der Organist seiner Orgel entlocken würde. Aber nichts geschah. Viele drehten sich schon verschämt um, sahen aber nur einen wild um sich fuchtelnden Meister der Klänge. Der Organist konnte keinen Ton aus seiner Orgel hervorbringen. Voller Panik fummelte er an sämtlichen Knöpfen und Hebeln herum. Endlich reagierte der Einschaltknopf. Die Orgel bekam wieder Saft, und der Organist verlor seinen roten Kopf. Nun hatte er wieder die Orgel im Griff und konnte sein Konzert beginnen und später zur vollsten Zufriedenheit beenden. Das Ulkige war, dass kurz vorher Elektriker die Leitungen überprüft, aber den wackeligen Einschaltknopf übersehen hatten.
 
Organist in Morpheus Armen
Ein anderes Mal verpasste ein Organist seinen Einsatz, da er eingenickt war. Der Pfarrer musste den in Morpheus Armen befindlichen Musikliebhaber mit einem lauten Zuruf wecken. Er rief geistesgegenwärtig die Nummer des Stücks, damit die Besucher nichts mitbekamen.
 
Es kann auch geschehen, dass die falsche Nummer auf der Liedtafel steht, der Organist jedoch eine andere notiert hat. Wenn der Organist dann nicht geistesgegenwärtig reagiert, indem er nachsieht und die Einleitung verlängert, gibt es ein Tohuwabohu.
 
In einer badischen Gemeinde warteten einst alle auf einen Orgelspieler. Er wurde unter der Hand der „zerstreute Professor“ genannt. Er war ein exzellenter Spieler, aber er hatte einige Unarten. Er kam oft zu spät und war manchmal geistesabwesend.
 
Einmal warteten alle gespannt auf die ersten Klänge. Plötzlich ein lautes Poltern, dann ein wirres Durcheinander: Der Notenständer fiel um, alle Notenblätter verteilten sich auf dem Boden. Es dauerte eine geraume Zeit, bis er wieder alles geordnet hatte. Ein anderes Mal spielte er mit Handschuhen. Erst nach einiger Zeit bemerkte er, dass an diesem Tag etwas nicht stimmte.
 
Peinlich wird es für den Organisten, wenn ein Ton hängen bleibt. So geschehen in einer Gemeinde in Südbaden. Schon während des Vortrags bemerkte der Orgelspieler ein feines Brummen. Als er aufhörte, ertönte der Ton weiter. Was blieb dem armen Organisten übrig als den Ausschaltknopf zu betätigen?
 
Peinlich wird es auch, wenn der Organist nicht mehr weiss, wie viel Verse er bereits gespielt hat. Dann kann eine Messe ziemlich lange dauern.
 
Früher mussten Schüler der Knabenmittelschule Hl. Kreuz in Donauwörth (hier war ich Schüler) oder andere Auserwählte den Blasebalg betätigen. Manchmal packte uns der Schabernack, und wir ärgerten den Organisten. Wir stellten hier und da unsere Tätigkeit ein oder traten sehr, sehr langsam. Dann bekam die Orgel nicht den nötigen Saft. Dann folgte ein lautes Donnerwetter. Ein anderes Mal wollte der Jüngling treten, aber ihm versagten die Kräfte. Ein lautes Poltern unterbrach schlagartig den Vortrag des vergeistigten Organisten. Der Blasebalgtreter wurde nämlich ohnmächtig.
 
Wenn ein Organist verschnupft ist
Ein anderes Mal wurde ein Organist von einem heftigen Schnupfen geplagt. Die Nase triefte und triefte. Immer wieder musste er zum Taschentuch greifen, um die Ergüsse aus seinem Riechorgan aufzufangen. Die Messe rückte immer näher, aber oh weh, die Nase lief und lief. Schliesslich hatte er eine rettende Idee. Er setzte sich eine Nasenklammer auf. Nun war der Fluss gestoppt, und der Meister hatte freie Hände. Mit Bravour brachte er das Orgelkonzert über die Bühne.
 
Früher hatten wir einen strengen Lehrer, der jedes Reden in der Kirche unterband. Ab und zu ging er zu den Quasselstrippen und es setzte Ohrfeigen. Manchmal half er auch beim Orgelspielen aus. Dann wurde es immer furchtbar. Einige Schüler, die den Blasebalg abwechselnd bedienten, ratschten bei ihrer langweiligen Tätigkeit oder es folgte nach einem Witz ein unüberhörbares Lachen. Da sah der Lehrer rot. Er stürmte nach Beendigung eines Musikstückes zu den Lausbuben und schon klatschte es. Das Geräusch war im ganzen Kirchenschiff zu hören. „Der Herr Lehrer ist wieder bei seiner Züchtigung“, dachte sich so mancher Kirchenbesucher. Diese Episode geschah übrigens in den 1950er-Jahren. Damals störte sich noch keiner an den Züchtigungen eines Lehrers oder Pfarrers.
 
Einige dieser Geschichten berichtete mir ein passionierter Journalist, der in seiner Freizeit Kirchenorgeln bedient. Die Anekdoten sind also authentisch.
 
Im 2. Teil berichte ich über die Erlebnisse unserer Blogger mit diversen Musikern. Aber auch darüber, was so mancher Sänger oder Künstler erlebte.
 
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