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BLOG vom 03.10.2006


Audiagogin erläuterte Bau und Funktion unseres Gehörs
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich
 
Das habe ich nicht erwartet, dass ein Referat mit dem Titel „Ganz Ohr“ mein Gehör so stark sensibilisieren könnte, dass ich plötzlich Hintergrundgeräusche und das, was ich wirklich hören will, viel besser auseinander halten und Stille umfassender geniessen kann. Es geschah ohne irgendein Training, allein als Folge eines anschaulichen und spannenden Referats. Frau Gigi Ménard, dipl. Audiagogin (Schwerhörigenlehrerin), sprach im Turmzimmer der Zürcher Predigerkirche über das Hörorgan als das sozialste Sinnesorgan und wie wir Hörstörungen besser verstehen können.
 
Alle Erläuterungen liessen sofort eine grosse Ehrfurcht aufkommen. Ein Staunen über dieses Wunderwerk aus dem Zusammenspiel von Aussen-, Mittel- und Innenohr. Daran beteiligt war ein handliches Rechteck aus durchsichtigem Kunststoff, in dem die 3 Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel) eingegossen waren. Dieses in Händen zu halten, liess Grösse, Perfektion und Vollkommenheit erfassen. Aber noch mehr faszinierte mich die Gehörschnecke vom Ausmass einer kleinen Erbse aus dem Innenohr.
 
Hörstörungen können entstehen, wenn in den Gängen dieser winzig kleinen Schnecke Nervenfasern absterben. Dann findet der eintreffende Ton seine ihm eigene Frequenz nicht mehr. Solche nicht mehr ansprechbare Vokale werden dann anders wahrgenommen. Ein „i“ werde als „u“ und ein „e“ als „o“ gehört. Es nützt also nichts, wenn wir mit Schwerhörigen besonders laut reden und meinen, sie müssten uns doch verstehen. Die Hörbehinderung wird nur noch mehr bewusst.
 
Verständlich wird, dass uns alte Menschen manchmal erstaunt und fragend zuhören, aber nicht zugeben wollen, dass sie uns nicht verstanden haben. Aber da liegen dann die Missverständnisse begründet. Wer einfach ja sagt, um nicht eingestehen zu müssen, dass er oder sie nicht verstanden hat, stimmt vielleicht etwas zu, was gar nicht gewollt ist. Hören und verstehen gehören unabdingbar zusammen. Fehlt das Verstehen, ist eine Person von den andern abgetrennt, also in der Isolation und kann weder über ihr Befinden etwas mitteilen, noch irgendwelche Gedanken austauschen.
 
Ein Hörgerät kann Isolation verhindern. Auch die Referentin bedient sich einer solchen Hilfe, hat sie frühzeitig akzeptiert und wird gerade darum als kompetent und als Vorbild wahrgenommen. Schwerhörigkeit könne übrigens vererbt werden.
 
Als ich dieser Tage im Kanton Nidwalden mit einer Seilbahn wieder ins Tal zurückfuhr und mein linkes Ohr noch mit dem Druckausgleich beschäftigt war, hörte ich eine Weile nicht mehr gut. Diesmal nahm ich den Vorgang ganz bewusst wahr und freute mich, als das Ohr wieder offen und für alle Schwingungen normal zugänglich geworden war. Und ich stellte mir vor, welche Teile an meinem Gehör gerade Schwerarbeit geleistet haben.
 
Und was Frau Ménard noch unterstrich: Das Aussenohr sei grundsätzlich selbstreinigend. Niemand solle mit Wattestäbchen, Zahnstochern, Stricknadeln oder ähnlichen Werkzeugen in ihm herumstochern. Der kleine Finger allein genüge für die Reinigung. Es reiche, wenn wir nach dem Bad oder der Haarwäsche den Kopf zur Seite neigen, das Ohr am Läppchen leicht ziehen und leicht ausschütteln. Zu viel Reinigung ist schädlich, regt nur übertriebene Schmalzproduktion an.
 
Mehr Informationen bei www.pro-audito.ch
 
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