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BLOG vom 03.01.2007


Küche aus Persien: Rezepte und spannende Geschichten
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich
 
Wenn ich den Schalk in den Gesichtern der Gebrüder Kahkesh sehe, verstehe ich gut, dass sie die Erzählung „Die allwissende Nachbarin“, quasi als pädagogisches Gewürz, in ihr Kochbuch einbezogen haben.
 
In der angesprochenen Geschichte geht es um ein wunderbares Reis-Rezept, das die neu zugezogene Nachbarin der hier ansässigen vermitteln soll. Ihr Mann durfte das Gericht bereits kosten, als er den neuen Nachbarn willkommen hiess. Er schwärmte davon, hatte zum Nachbarn schon gesagt, dass sogar der König ihn um seine Gattin beneiden würde, wenn er wüsste, welch kulinarische Kunstwerke sie zu zaubern vermöge. Und jetzt sollte seine Frau bei dieser tüchtigen Köchin lernen, deren Safranreis nachzukochen. Sie war nicht begeistert.
 
Wir erfahren, dass seine Frau darob ganz still geworden sei und gedacht habe: „Statt sich für seine Abwesenheit zu entschuldigen, schwärmt er wie ein kleiner, gefrässiger Junge von den angeblichen Köstlichkeiten.“
 
Erst als er ihr seine Strategie auffächerte, machte sie mit. Er erinnerte sie an ihre Schwester, die bei jedem Essen Verbesserungsvorschläge mache und sie belehre, was zu tun sei, damit der Reis nicht zu körnig oder zu salzig sei. Ein solches Gericht könnte sie beeindrucken und sie von unerwünschten Ratschlägen befreien.
 
Sie fragte also an und durfte der Nachbarin beim Kochen zuschauen. Sie machte aber einen grossen Fehler. Sie kommentierte alle Schritte mit gespielter Überraschung: „Oh, was für ein Zufall. Ich mache es auch so.“ Oder „Kaum zu glauben, ich mache es auch so.“ Sie wollte nicht die Unwissende sein. Da fühlte ich mit ihr. Ihr Selbstwertgefühl musste sehr angeschlagen sein.
 
Und dieses Verhalten wurde ihr zum Verhängnis. Die Nachbarin wurde wütend, fragte sich, warum diese Frau bei ihr etwas lernen wolle, wo sie doch alles schon wüsste. So änderte sie kurz entschlossen das Schlussbouquet im Rezept, sagte dazu, dieses könne sie unmöglich kennen. Sie holte im Hof einen frischen Pferdeapfel (Schweizerdeutsch: Ross-Bolle), legte ihn obenauf und schloss den Deckel. Jetzt musste sich dessen Aroma nur noch dem ganzen Gericht einverleiben. 1 Stunde Wartezeit sei angemessen. Die Schülerin wartete aber nicht und verliess eiligst die Versuchsküche.
 
Sie stürmte nach Hause, hiess den Mann die Schwester und deren Familie einladen und kochte das Gericht, wie sie es eben gesehen hatte. Ob wissend oder unwissend – das weiss ich nicht – provozierte sie Unmut, Streit, ein grosses Desaster. Die Einzelheiten erzähle ich hier nicht. Die ganze Geschichte kann im Kochbuch „Gaumenfreude aus Persien“ nachgelesen werden.
 
Dieses reich ausgestattete Buch ist auch ein Kunstbuch, ein Lexikon, ein Fotobuch und windet der persischen Kultur und ihrer Küche den ihr gebührenden Kranz. Die bebilderten Rezepte wirken sinnlich. Ich habe selber schon danach gekocht und glücklicherweise keine Fallen entdeckt. Der Pferdeapfel als Aroma-Verstärker wurde nur in der Geschichte als eine Erziehungsmethode eingesetzt.
 
Und jetzt stelle ich mir vor, dass der Autor der erwähnten Geschichte (Reza Haidari Kahkesh) herzlich über mich lacht, falls er diesen Aufsatz liest. Ja, diese persisch-orientalische Geschichte hat mich beeindruckt.
 
Hinweis
„Gaumenfreude aus Persien“ aus dem regura-Verlag.
Autoren: Reza Haidari Kahkesh & Babak Haidari Kahkesh
 
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