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BLOG vom 28.08.2007


Mathon GR: Heudüfte, Kräuterseife, Pilz und Schnecken
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich
 
Die Bauern von Mathon GR nutzten die sonnigen Tage, um das Heu einzubringen. An allen Orten duftete es nach Kräutern und trockenem Gras, und wir sahen Männer und Frauen, wie sie es wendeten und sammelten. Im Gespräch mit dem Landwirt, Herr Willi Dolf*, äusserte Primo den Wunsch, eine Portion Heu mit nach Hause zu nehmen. Da brachte er uns von einer seiner höchst gelegenen Wiesen einen prall gefüllten Stoffsack voll. Bevor ich es demnächst in Kissenüberzüge einnähe, habe ich es ausgelegt, in den Händen gerieben und das Aroma eingesogen. So mache es der Bauer, erfuhren wir. Und ich stellte fest, dass dieses Heu dem Duft der in Mathon verwendeten Bergkräuterseife aus dem Bergell (auch ein Ort im Kanton Graubünden) exakt entspricht. Bekanntlich arbeitet die Kosmetik-Firma SOGLIO mit Naturprodukten. Trotzdem war ich elektrisiert, als mir meine Sinne diese Übereinstimmung meldeten.
 
Auf einer Wanderung ohne die Kinder und abseits von ausgetretenen Pfaden begegneten wir unverhofft einer geheimnisvollen Persönlichkeit, dem Fliegenpilz. Offensichtlich stand er gerade auf dem Höhepunkt seiner Entfaltung. Sein Stamm schimmerte weiss, und die ebenfalls weiss gezackte Manschette wies ihn als vornehmes Wesen aus. Er nahm unsere Bewunderung huldvoll auf. Sein roter Hut war wie ein Regenschirm aufgespannt und beachtlich gross. Durchmesser: ungefähr 15 cm. Die weissen Flecken gefielen mir besonders, denn es sind keine Tupfer, wie es in Illustrationen immer wieder dargestellt wird, sondern Warzen, kleinen Papierfetzchen gleich, unterschiedlich gross, unterschiedlich weiss, wie hingeworfen, ganz nach dem Schönheitssinn der Natur. Dieser Pilz wuchs unter einer Tanne auf. Der braune, mit vielen Tannnadeln übersäte Grund brachte seine Farben zum Leuchten. Der rote Hut war übrigens mit einem orangefarbenen Rand geschmückt, dessen Oberfläche leicht gewellt an einen Kuchenrand erinnerte.
 
Als ihn Primo ein paar Tage später nochmals besuchen und fotografieren wollte, war er schon am Absterben. Schleimig und seiner fürstlichen Ausstrahlung beraubt, kurz vor der Auflösung.
 
Mena und der Grossvater sammelten Tannzapfen, vom Wind abgebrochene Äste, abgefallene Baumrinde und Bruchsteine, die sich ausgezeichnet für einen Puppenhausbau nach altem Vorbild eigneten. Aus dem hölzernen Material entstanden ein Stall mit Futterkrippe für die Kühe und ein Gehege für Ziegen. Mit den Steinen wurde ein Haus gebaut, ähnlich offen wie jenes von Tumasch Dolfs Elternhaus und vor ihm ein Gehege für verschiedene Tiere. Im VOLG-Laden werden den Kindern an der Kasse kleine, farbige Holzfiguren zum Spielen abgegeben. Für diese wünschte sich Mena einen Tierpark. Heidi und Peter, die Figuren aus Johanna Spyris Heidi-Geschichte, kamen auch aus dem VOLG-Laden zu uns. Und die Kühe gestaltete der Grossvater aus den gesammelten Tannzapfen. Diese Anlage entstand auf dem gedeckten Sitzplatz vor dem Ferienhaus. Über Nacht setzte dann Regen ein. Und am Morgen fanden wir zur grossen Überraschung 5 Gehäuse-Schnecken in den Stallungen. Es gefiel ihnen vor allem in der aus Baumrinde hergestellten Futterkrippe und wir hiessen sie gern willkommen. Sie gingen, je nach Witterung, hier ein und aus. Manchmal waren sie verschwunden, und Mena entdeckte sie in den Mauernischen. Dann wieder schlichen sie vor der Küchentür umher. Sie legte ihnen Fetzen kleiner Salatblätter aus und beobachtete sehr genau, wie diese die Fühler ausstreckten, die Nahrung fanden, daran frassen und wie das Grün langsam verschwand.
 
Wir erlebten immer wieder, ohne es zu erwarten, dass die Natur unsere Spiele, Spaziergänge und Beobachtungen um das erweiterte, was wir aus uns selbst nicht vermocht hätten.
*
*Frau Martina und Herr Willi Dolf vermieteten uns die Ferienwohnung in Mathon
 
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