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BLOG vom 10.02.2008


An der Schipfe in Zürich: Ein verhüllter Baum rüttelt uns auf
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich
 
Gerne möchte ich dabei sein, wenn dem Baum an der Schipfe der luftige Überwurf abgenommen wird. Seit bald einem Monat trägt er ihn und mahnt uns, die anstehenden Probleme zu lösen. Am ersten Tag sah es aus, als würde hier Hochzeit gehalten und der Baum trüge ein Brautkleid. Das leichte Fischernetz-Gewebe bewegte sich anmutig im Wind. Seine Aufgabe ist aber eine andere. Sie muss die Luftverschmutzung auffangen und sichtbar machen.
 
Es sind der VCS (Verkehrsclub der Schweiz, ein Umweltverband) und die Krebsliga, die hinter dieser Aktion stehen und Massnahmen zur Verbesserung der Luftqualität fordern. Sie fordern zum Beispiel ein Filterobligatorium gegen den Dieselruss (Siehe auch www.pm10.ch).
 
„Ich bin auch eine Lunge“ heisst es auf einem textilen Plakat, das neben dem verhüllten Baum hängt. Bäume sind Lungen einer Stadt. Wir können sie nicht genug hegen und schützen. Und sie wiederum sorgen sich um die Lungen der Menschen.
 
Wenn ich richtig gerechnet habe, besuchte ich den Baum heute morgen am 29. Tag seiner Verhüllung. Ich wollte den Zustand seines Umhangs sehen. In der Erinnerung wirkte er am 1. Tag noch in natürlichem Weiss. Und heute? Etwas dumpf geworden, aber nicht wirklich grau. Es fehlte mir der Vergleich. Es fehlte mir ein Stück unberührten Stoffs aus der gleichen Fabrikation. Darum wäre es spannend, am Ende der Aktion den noch frischen und den gebrauchten Stoff nebeneinander liegen zu sehen. Diese Stoffe sollen dann nach Abbruch der Installation den Behörden übergeben werden.
 
Ich hatte eine markanter sichtbare Verschmutzung erwartet. Ja klar, der Standort des gewählten Baums ist auch eher komfortabel. Am Flussufer, im Fussgängerbereich, nicht an einer stark befahrenen Strasse. Hier ist es beschaulich. Wie sähe der Stoff wohl aus, wenn er an der Weststrasse, der Zufahrtsstrasse zur Autobahn, hinge? Dort bekommt man allein vom Anblick der verrussten Hausfassaden schon Hustenanfälle.
 
Die dichter gewobene Stofffahne mit dem Text „Ich bin auch eine Lunge“ empfand ich eher schmuddelig, wie wir hier in unserer Umgangssprache sagen. Etwas schmierig, unappetitlich. Ihr Gewebe ist nicht durchlässig.
 
Dieser Augenschein zeigt, wie sich Verschmutzung einnistet. Sie kommt schleichend, beinahe unsichtbar, aber stetig. Erst wenn sie Krankheiten auslöst, wird sie thematisiert und auch dann noch nicht immer von allen Verschmutzern für wahr gehalten.
 
Übrigens: Die Schipfe mit ihren Altstadthäusern in Zürich ist wegen der Kater-Jacob-Geschichten weltbekannt. Hier lebte Sven Hartmann, der die Abenteuer dieser quirligen Katze zeichnete und noch immer zeichnet. Immer wieder einmal sind an diesem Ort Touristen aus fernsten Ländern anzutreffen, wie sie das Revier von Jacob nach den Giebeln und Dächern absuchen. Auf www.kater-jacob.ch ist manches darüber zu erfahren. Viel Vergnügen!
 
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