Startseite 
Kontakt  °  Inhaltsübersicht  
Seite weiterempfehlen
     27. April 2018, 00:39 Uhr
 


Schlossportal
 Kundeneingang

 
 
BLOGs nach Datum sortiert Alle BLOGS zum Zurückblättern
BLOG vom 09.04.2008


Frühjahrsmüdigkeit: Strategien gegen das grosse Gähnen
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
„Gilt es so wenig, die Sonne genossen zu haben, im Frühling froh zu sein?“
(Matthew Arnold)
 
„Ich betrachte den Frühling, als ob er zu mir allein käme, um dankbar zu sein.“
(Christian Friedrich Hebbel)
 
„Im Frühling kehrt die Wärme in die Knochen zurück.“
(Vergil, Georgica III, 272)
 
Kaum ist der Winter vorbei, klagen 50 bis 70 % der Deutschen im Frühjahr über ständige Müdigkeit. Neben dem „grossen Gähnen“ und den „bleiernen“ Knochen wird häufig ein rascher Leistungsabfall beobachtet. Man fühlt sich lustlos, ist nervös und launisch. Hier einige Äusserungen von Betroffenen: „Ich fühle mich schlapp und lustlos.“ ‒ „Mal bin ich depressiv, dann wieder euphorisch.“ ‒ „In den ersten Frühlingstagen habe ich keine Lust zum Arbeiten.“ Oder: „An manchen Tagen schlafe ich unruhig.“ ‒ „Ich habe schwere Glieder und bin unkonzentriert.“
 
Jeder von uns wird sich schon einmal gefragt haben, wie es zur Frühjahrsmüdigkeit kommt. Die Ursachen für die Frühjahrsmüdigkeit sind bis heute nicht vollständig geklärt. Mediziner sind der Ansicht, dass ein ganzes Bündel von Ursachen in Frage kommt. Die wichtigsten möchte ich nennen:
 
Mangel an Licht und Sonne
Der Lichtmangel im Winter bewirkt eine reduzierte Tätigkeit des Stoffwechsels und des hormonellen Systems. Es sind 2 Hormone, die hier eine wichtige Rolle spielen. Es ist das Melatonin, das für einen erholsamen Schlaf verantwortlich ist und das vitalisierende und stimmungsaufhellende Serotonin. Dieses wird auch als „Glückshormon“ bezeichnet. Wie Dr. Dieter Kunz, Leiter der AG Schlafforschung und Klinische Chronobiologie im Berliner St. Hedwigs-Krankenhaus, betonte, ist das Tageslicht der entscheidende Taktgeber. Bei Dunkelheit produziert das Gehirn das müde machende Melatonin. Bei Tageslicht wird dieses abgebaut, und es bildet sich das Serotonin. Unser Körper stellt sich nur langsam auf die neue Situation ein.
 
„Frühjahrsmüdigkeit ist demnach so etwas wie der Hang-over nach unserem Mini-Winterschlaf. Das stresst uns, und wir reagieren müde und abgeschlagen. Bis sich unser Körper an die neue Grosswetterlage gewöhnt hat, vergehen 2 Wochen, und manchmal hält dieser Zustand sogar einen ganzen Monat an“, schrieb Beate Wagner in der Zeitung „Die Zeit“ (14/2007).
 
Und noch etwas scheint wichtig zu sein: Das oft schlechte Wetter im Winter und auch im April schlägt auf unser Gemüt. So mancher leidet dann unter einer Depression. Auch hier gibt es einen Tipp: Verziehen Sie sich nicht in ihr stilles Kämmerlein, gehen Sie hinaus, machen einen Einkaufsbummel, treffen Sie sich mit Freunden. Bei mir kamen solche Depressionen nie auf, da ich mit Freunden im Winter regelmässig wandere. Das tut dem Körper und der Seele gut. Man redet, lacht und geniesst (besonders auch eine gute Vesper am Schluss einer Wanderung).
 
Ich machte die Beobachtung, dass nach einem warmen Winter mit viel Sonne die negativen Auswirkungen der Frühjahrsmüdigkeit nicht so stark in Erscheinung treten. Der Körper wird beim Übergang vom Winter zum Frühjahr nicht so gebeutelt.
 
Als ich vor einigen Tagen eine Bekannte fragte, ob sie unter Frühjahrsmüdigkeit leide, antwortete sie mit einem „Nein“. Ich dachte mir schon, endlich habe ich einen Menschen getroffen, der nicht unter Frühjahrsmüdigkeit leidet. Dann machte sie jedoch noch eine Bemerkung: „Warum ich mich jetzt noch fit fühle, liegt wohl daran, dass es bisher noch keinen krassen Temperaturunterschied gab.“ Sie betonte noch, dass sie erst dann unter dieser Müdigkeit leide, wenn es plötzlich warm wird. Es scheint auch so zu sein, dass gerade Menschen, die mit Wetterfühligkeit zu tun haben, besonders anfällig auf die Müdigkeit im Frühjahr sind.
 
Mangelnde Bewegung
Die oft nasskalte Witterung schreckt viele davon ab, ausgedehnte Spaziergänge oder Wanderungen zu unternehmen. Die Menschen halten sich viel lieber in überheizten Räumen auf. Bewegungsmangel schadet zusätzlich dem Stoffwechsel und Kreislauf und trägt erheblich zur Ausbildung einer Frühjahrsmüdigkeit bei.
 
Lebensrhythmus
Frühere Untersuchungen ergaben, dass die Frühjahrsmüdigkeit in eine wichtige Umschaltphase unseres Körperrhythmus fällt. Nach dem winterlichen „Ruhe-Rhythmus“ muss sich der Körper auf die sommerliche Energiephase umstellen. In den Umschlagsphasen (Frühjahr, Herbst) ist der Körper besonders empfänglich für Störungen im Organismus. So häufen sich im Frühjahr und Herbst die Erkrankungen von Magen- und Darmgeschwüren.
 
Üppige und vitaminarme Ernährung
Früher stand uns im Winter keine ausreichende Frischkost zur Verfügung. Deshalb wurde eine mögliche Vitaminverarmung im Körper als Ursache gehandelt. Heute ist es so, dass es auch im Winter überall frisches Obst und Gemüse gibt. Man muss jedoch beachten, dass diese Nahrungsmittel, die aus dem Ausland zu uns kommen, oft durch Pestizide und andere ungesunde Stoffe belastet sein können. Wichtig ist auch zu wissen, dass bestimmte einheimische Nahrungsmittel wie eingelagerte Kartoffeln oder Äpfel laufend Vitamine verlieren. Bis zum Frühjahr sind sie vitaminarm geworden. Da wir uns vielseitig ernähren, ist ein Vitaminmangel nicht immer gegeben. Nur wer sich einseitig und ungesund ernährt, unter Stress steht, zu viel Alkohol konsumiert oder unter bestimmten Krankheiten leidet, der könnte zu wenig Vitamine aufnehmen oder einen erhöhten Vitaminbedarf haben.
 
Auch das üppige Essen im Winter ist nicht gut. Viele essen zu viel Fett und Fleisch und Süssigkeiten. Die Fettpölsterchen wachsen. Diese üppige Ernährung belastet Herz und Kreislauf besonders.
 
Die besten Tipps gegen Frühjahrsmüdigkeit
-- Zufuhr einer leichten, vitamin- und mineralstoffreichen Nahrung. Besonders wichtig ist die Zufuhr von Vitaminen, da die Vitaminspeicher oft durch Erkältungskrankheiten „erschöpft“ sind. Wer seinen Körper richtig auf Touren bringen möchte, muss insbesondere den Mangel an Vitamin C und B-Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen überwinden. Dazu eignet sich eine vollwertige Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Die Kost kann man durch Zufuhr von Weizenkeimen aufwerten. Auch das reichliche Trinken ist wichtig. Verdünnte Fruchtsäfte, Molke, Kräutertees, gutes Leitungswasser und Mineralwasser sind empfehlenswert. Empfohlen werden 1,5 bis 2 Liter Getränke täglich.
 
Von etlichen Leuten habe ich schon gehört, dass diese im Frühjahr einen regelrechten Salathunger entwickeln. Das ist auch in unserer Familie so. Wir bevorzugen dann vermehrt die ersten Frühlingssalate und Gartenkräuter. Dieser Hunger nach Grünem besagt, dass der Organismus die Stoffe, die in diesen Lebensmitteln sind, braucht. Er lechzt geradezu nach bioaktiven Nahrungsbestandteilen.
 
-- Frühjahrskur: Um die Frühjahrsmüdigkeit gar nicht aufkommen zu lassen oder zu vertreiben, eignet sich eine Frühjahrskur mit Frischpflanzensäften aus Artischocken, Brennnesseln und Kartoffeln. Manche schwören auch auf eine Fastenkur.
 
-- Übermässigen Fett- und Fleischkonsum vermeiden, Süssigkeiten und Genussmittel einschränken.
 
-- Sonne tanken und Kreislauftraining durch Spazierengehen, Wandern, Joggen, Schwimmen, Gymnastik, Radfahren. Eine halbe Stunde täglich sollte man dafür schon einkalkulieren. Dr. G. Kuban äusserte einmal dies: „Untätigkeit schwächt, Übung stärkt, Überbelastung schadet.“
       
Man soll also Sonne tanken, so viel wie möglich. Ich kenne Leute, die schon sehr früh aufstehen, mit ihrem Hund Gassi gehen und die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf ihre Haut lassen. Diese Menschen sind dann aktiver, da schon am frühen Morgen das Melatonin abgebaut wird und das produzierte Serotonin einen Aktivitätsschub bringt. Ausserdem führt die kühle Morgenluft zu einer Stärkung des Immunsystems.
 
-- Auch regelmässige Saunagänge sind nicht ohne. Sie fördern die Durchblutung und stärken das Immunsystem.
 
-- Anregung über die Haut: Empfehlenswert sind Trockenbürsten, Wechselduschen, kalte und wechselwarme Ganzkörperwaschungen, Kneipp´sche Güsse oder „Wassertreten“ in der Badewanne. Gerade die kalt-warmen Wechselduschen regen den Kreislauf an und sollen sogar gegen Cellulite wirksam sein.
 
-- Sorgen Sie für einen ausreichenden Schlaf. Es gibt ja viele natürliche Mittel, um einen gesunden Schlaf zu erreichen. Nennen möchte ich beispielsweise: Melisse, Baldrian, Hopfen, Passionsblume, diverse Teemischungen, Kräuterkissen, homöopathische Medikamente, Mineralsalze nach Dr. Schüssler, Magnesium. Es gibt aber auch wirksame Therapien wie Wickel und Kompressen, Kneippsche Anwendungen, Akupressur, Akupunktur und Entspannungsmethoden.
 
Hier 2 bewährte Teemischungen bei Schlafstörungen:
Mischung 1: 10 Teile Melissenblätter, 10 Teile Pfefferminzblätter, 25 Teile Baldrianwurzel, 20 Teile Orangenblüten, 15 Teile Anis, 20 Teile Passionsblumenkraut.
Mischung 2: 20 g Passionsblumenkraut, 15 g Orangenblüten, 10 g Melissenblätter, 10 g Lavendelblüten und 20 g Schlüsselblumenblüten.
Zubereitung: 1 bis 2 Teelöffel der jeweiligen Teemischung mit 150 ml heissem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen, dann abseihen. 30 Minuten vor dem Schlafengehen eine Tasse Tee trinken.
 
Weitere Empfehlungen
Walter Hess teilte mir in einer E-Mail auf Anfrage mit, dass er im Frühjahr frische Wildkräuter (Löwenzahn, Bärlauch) isst, einen Tee aus frischen Brennnesseln zubereitet und sich viel an der frischen Luft bewegt.
 
Christine Singer, Diplom-Kauffrau (Univ.) bei der Firma Dr. Grandel in Augsburg, gab mir ihre persönlichen Tricks bekannt. Hier sind sie: viel Sonne, Bewegung, Wechselduschen, frische, vitaminreiche Kost, gute Bekannte treffen, ein gutes Buch zur Entspannung am Abend lesen.
 
Empfohlen wird auch ein Kleidertausch (Winterkleidung im Schrank lassen und helle Kleider mit frischen Farben bevorzugen). Gerade die Farben reizen unsere Sinne. Und was passiert? Es steigt der Serotoninspiegel. Aber es kommen noch ganz andere Frühlingsgefühle auf, wenn die Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen vermehrt ins Blut schiessen. Nicht nur eine beschwingte Stimmung ist uns dann gewiss.
 
Muntermacher-Rezepte
1. Fitness-Salat
Zutaten: 150 g Chinakohl, 1 Orange, 1 Apfel, 3 Esslöffel gehackte Walnüsse, 50 g Edamer, Gouda oder 80 g gequollener Grünkern, Weizen, Roggen, Hafer, Dinkel oder Weizenkeime.
Marinade: 1 Becher Joghurt, Saft einer Zitrone, 1 Kaffeelöffel Honig, 1 Kaffeelöffel Walnuss- oder Weizenkeimöl, etwas Salz.
Zubereitung: Die Zutaten mischen, und die Marinade darauf verteilen. Der Fitness-Salat enthält viele Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, bioaktive Stoffe und gesunde Fette.
 
2. Frühlingskräuter-Drink
Zutaten: junge Löwenzahnblätter oder Brennnesselblätter, 1 Orange, 1 Apfel, Buttermilch oder Sojamilch.
Zubereitung: Die Zutaten pürieren und mit Orangensaft, Buttermilch oder Sojamilch mischen. Man kann den Kräuter- und Fruchtbrei auch mit Joghurt mischen. Wer es etwas süsser haben möchte, kann noch etwas Honig hineinrühren.
 
3. Orangen-Hagebutten-Drink (für 1 Person)
Zutaten: 0,2 l Orangensaft, 2 EL Joghurt, 50 g Hagebuttenmus, 2 EL Molat, 1 EL zarte Haferflocken, Zitronensaft.
Zubereitung: Orangensaft mit dem Joghurt im Mixer verquirlen, Hagebuttenmus, Molat und Haferflocken zugeben. Nochmals verquirlen und den Drink mit Zitrone abschmecken.
 
4. Grapefruit-Drink (für 1 Person)
Zutaten: ½ Grapefruit, 100 g Vollmilch-Joghurt, 1 TL Molat, 1 EL Vollgran Weizenkeime.
Zubereitung: Die Grapefruit auspressen. Den frisch gepressten Saft mit Joghurt, Molat und Weizenkeimen verquirlen. Den Glasrand eines Cocktail-Glases mit Weizenkeimen garnieren und den Grapefruit-Drink hineingeben. Kühl servieren.
 
5. Power-Frühstück (für 1 Person)
Zutaten für das Vitaminmüsli mit Weizenkeimen: 1 Mandarine, 1 Kiwi, ½ Banane, 5 EL Cornflakes (oder Haferflocken), 2 EL Dr. Grandel Weizenkeime, 100 g fettarmer Joghurt, 1 TL Kokosraspel.
Zubereitung: Früchte schälen, Mandarine in Spalten zerlegen, Kiwi und Banane in Scheiben schneiden. Mit den Cornflakes (oder Haferflocken) und den Weizenkeimen mischen. Den Joghurt unterheben und kurz durchziehen lassen. Mit Kokosraspeln bestreuen.
 
6. Fitnesstee
Zutaten: 20 g Johanniskraut, 10 g Rosmarinblätter, 20 g wohlriechendes Eisenkraut, 10 g Brennnesselblätter, 20 g Hagebuttenfrüchte, 20 g Pfefferminzblätter.
Zubereitung: 1 Esslöffel pro Tasse, Mischung mit kochendem Wasser überbrühen und anschliessend 5 Minuten ziehen lassen.
 
Die Rezepte 3 bis 5 stammen von der Firma Dr. Grandel (weitere Rezepte unter www.grandel-online.de). Das Rezept Nr. 6 wurde mir freundlicherweise von Gabriele Bickel übermittelt.
 
Ich bin überzeugt, wenn wir diese Tipps beherzigen, dann kann uns die Frühjahrsmüdigkeit nicht mehr viel anhaben.
 
Hinweis auf ein weiteres Scholz-Blog zum Thema Frühling
Ihre Meinung dazu?

 
Nach oben  
Alle Blogs
Liste der bisher erschienenen Tagebuchblätter
Blogs nach Autoren
Blogs nach Autoren
Artikel nach Autoren
Wer was geschrieben hat
  Twitter
Wir sind auch auf Twitter, ebenso unsere Gedankensplitter
 
   
  © 2002-2017 Textatelier