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BLOG vom 07.07.2008


Feldberg-Wanderung: Bannwald und grandioses Panorama
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Bevor wir am 12.07.2008 zu einem Wanderurlaub ins Altvatergebirge aufbrechen werden, wollten wir noch einmal den Feldberg erwandern. Der Feldberg ist mit seinen 1493 Metern der höchste Berg im Schwarzwald und damit auch in Baden-Württemberg. Und der Altvater ist genau 1 Meter weniger hoch als der Feldberg.
 
Wir erklommen an diesem heissen und schönen Tag – es war der 1. Tag im Juli – die luftigen Höhen des Feldbergs. Im Tal wurde eine Temperatur von 32 °C gemessen. Und auf dem Feldberggipfel waren es bestimmt nur 25 °C. Es wehte immer ein leichter Wind, der uns ungemein erfrischte. Nur an besonders geschützten Stellen kamen wir ins Schwitzen.
 
Mit von der Partie waren Toni, der als Führer der Tour fungierte, und Walter. Toni wählte eine 3,5-stündige, nicht allzu schwere Wanderung aus. Wir parkierten am Naturfreundehaus (3 Euro pro Tag), gingen an der Station der Kabinenseilbahn vorbei und wanderten auf dem Felsenpfad zum höchsten Feldberggipfel. Bevor wir den Felsenpfad erreichten, durchquerten wir einen Bannwald. Vor dem Bannwald sass eine Schulklasse auf dem Boden und lauschte aufmerksam den Erklärungen des Lehrers. Als wir vorbeigingen, fragte in diesem Augenblick ein Schüler, wie alt wohl hier die ältesten Bäume seien. Der Lehrer rang zunächst mit Worten und meinte, das könne man nicht so genau sagen. „Aber die ältesten Bäume sind bestimmt 150 Jahre alt.“ Das Erstaunen war dann natürlich gross, denn keiner hatte mit so einem hohen Alter gerechnet.
 
Im Bannwald und später auch auf dem Feldberggipfel sind schön gestaltete Info-Tafeln der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Freiburg i. Br., die hauptsächlich für die Kinder gedacht sind. So ritt beispielsweise ein Wichtel auf einem Bären. Neben den bunten Zeichnungen gab es jede Menge Informationen, die sogar manchen Erwachsenen in Erstaunen versetzten. So wurde berichtet, dass der letzte Luchs Mitte des 19. Jahrhunderts im Schwarzwald erlegt wurde. Erfreulich ist, dass in den letzten Jahren wieder vereinzelt Luchse gesehen wurden. Ende des 16. Jahrhunderts wurde der Braunbär in Baden-Württemberg ausgerottet – und der Schwarzwald war damals seine letzte Zufluchtsstätte. Auch Wölfe und Wisente gab es in frühen Zeiten.
 
Wenn der Borkenkäfer schmatzt
Zum Glück hat sich der Dreizehenspecht hier wieder angesiedelt. Er galt ja in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts im Feldberg-Gebiet als ausgestorben. Und seit den 90er-Jahren brütet er wieder hier. Über diesen Specht habe ich im Blog vom 06.08.2006 „Natur im Feldberg-Gebiet: Dreizehenspecht liebt Borkenkäfer“ bereits ausführlich berichtet.
 
Auf einer Schautafel bekamen wir Infos über das Totholz in den Wäldern des Feldberggebiets. Wer genau hinschaut, der wird feststellen, dass der vermeintlich tote Wald lebt. Wir entdeckten im Bannwald viele morsche Baumstämme, die mit Flechten und Moosen überzogen waren. Ein vielleicht 4 m hoher Baumstumpf, der am Wegesrand stand, war regelrecht durchlöchert. Hier war der Dreizehenspecht am Werk, der sich fette Larven von bestimmten Käfern holte. Im Totholz leben nämlich Kupferstecher (häufigster Borkenkäfer bei der Fichte), Buchdrucker (häufigster Borkenkäfer), Gelbbraune Fichtenbastkäfer (die Larven entwickeln sich unter der Rinde von Nadelhölzern) und der Nagelnutzholzbohrer (die Larven gedeihen besonders gut im Holz).
 
Ganz lustig fand ich die Beschreibung für die Kinder auf einer Infotafel. Ein Wichtel spricht: „Jetzt seid ihr platt. Da denkt ihr, ihr steht im Wald und dann ist da gar kein Wald mehr – nur noch tote Bäume. Dabei ist hier eine ganze Menge los. Wie´s hier brummt und summt, ruft und singt: Das ist Musik in meinen Ohren. Besonders gern hör´ ich mir das ,bu, bu, bu’ der Rauhfusskäutze an. Wenn die hier in der Dämmerung herumhupen, kann man das noch in grosser Entfernung hören. Einer schlägt aber alles: Wenn der Borkenkäfer mit seinen Kumpels hier zum Festschmaus ansetzt, dann versteht man vor lauter Schmatzen sein eigenes Wort nicht mehr. Sind ja auch ein paar Millionen. Seid froh, dass ihr Menschen das nicht hören könnt. Aber vielleicht findet ihr ja die Frassgänge der Käfer. Sucht doch mal!“
 
Bis 24 km lange Gletscher
Während wir auf dem Felsenweg herumturnten – es waren sehr viele Wurzeln und Steine auf dem Weg, man musste aufpassen, um nicht zu fallen oder auch einen Abhang hinunterzurutschen –, hatten wir immer wieder einen schönen Blick auf den Feldsee und den dahinter liegenden Raimartihof (www.raimartihof.de). Dieser Hof ist ein beliebter Gasthof mit einheimischer Küche.
 
Der 33 m tiefe Feldsee ist ein Gletscherkarstsee. Am Ufer befinden sich Überbleibsel der Eiszeit, eine Moräne und etwas weiter weg das Feldseemoor. In der Würmeiszeit vor 10 000 bis 11 000 Jahren befand sich hier ein Minigletscher.
 
Schier unglaublich, dass in der Würmeiszeit ein 1000 km2 grosser Gletscher den Schwarzwald bedeckte. Vom Feldberg ausgehend erstreckten sich viele Gletscher in die Täler. Der grösste Gletscher, der 24 km lange Albgletscher, reichte vom Feldbergmassiv über den Feldbergerhof, Menzenschwand bis nach St. Blasien. Der Eisstrom war 350 m mächtig. Zum Glück sind diese Eismassen heute verschwunden, denn sonst könnten wir das Wandern in diesem Gebiet vergessen.
 
Bärwurz, Blutwurz, Arnika und Enzian
Das Feldberggebiet ist ein Eldorado für Pflanzenfreunde. Hier hat sich eine alpine Flora erhalten. Wir entdeckten auf unserer Exkursion folgende Pflanzen: Rippenfarn, Bärwurz, Arnika, Gelber Enzian, Wilder Thymian (Quendel), Baldrian, Pestwurz, Schafgarbe, Blutwurz (Tormentill), Wiesenkerbel, Schlangen-Knöterich (Wiesen-Knöterich mit seiner dickwalzlichen Blütenähre) und das Knabenkraut.
 
Der Bärwurz (Meum anthamanticum) ist ein Doldenblütler. Das Kraut ähnelt der Karotte und hat einen kräftigen Geschmack. Man kann das Kraut als Salatbeilage, zur Herstellung von Kräuterkäse und Kräuterquark verwenden. Brennereien im Bayerischen Wald sind besonders scharf auf die Wurzel. Sie stellen überwiegend aus Bärwurz, selten auch aus Mutterwurz, einen „Bärwurz-Schnaps“ her, der in zylindrischen, braunen Steingut-Flaschen verkauft wird.
 
In der Volksmedizin wird die Wurzel bei Blähungen, Verstopfungen, Leber-, Nieren- und Blasenleiden und bei Magenbeschwerden angewandt (Infos unter www.baerwurzquelle.de).
 
Aus der Wurzel der Blutwurz (Potentilla erecta) gewinnt man auch einen Schnaps, der zur Stärkung des Magens und bei Verdauungsbeschwerden verwendet wird.
 
Ein Höhepunkt waren mehrere schöne Arnikawiesen, die mein Herz höher schlagen liessen. Auf einer solchen Wiese grasten braun-weiss gescheckte Rindviecher, die die eine oder andere Arnikablüte niedertrampelten. Die Arnika (Arnica montana) ist übrigens bei uns geschützt. Sie darf nicht gesammelt werden. Von Maria Finsterlin, einer Kräuterfrau aus dem Aiterner Ortsteil Holzinshaus, erfuhr ich, dass dies ein Unding ist. Sie wohnt im Belchengebiet und hat solche Arnikawiesen direkt vor der Tür. „Da trampeln die Kühe alles nieder, und ich darf nichts sammeln.“
 
Arnika-Zubereitungen (z. B. Arnika Frischpflanzen-Gel von Bioforce) werden äusserlich angewandt bei Arthrose, Arthritis. Gicht, Entzündungen der Gelenke, Muskelverspannungen, Muskelkater, Nackensteife, Rückenschmerzen und Hexenschuss.
 
Auch der Gelbe Enzian (Gentiana lutea) ist geschützt. Anfang Juli sahen wir nur einige Pflanzen mit Blüten. Wir waren also noch zu früh, um alle in voller Blüte zu sehen (Blütezeit: Juli bis August/September). Der stattliche Gelbe Enzian blüht erst vom 10. Jahr an und wird bis 60 Jahre alt. Die Wurzel weist eine ganze Reihe Bittermittel auf. Noch in einer Verdünnung von 1:20 000 schmeckt man das Bittere heraus. Aus der Wurzel werden Enzianschnaps und Arzneien gewonnen. Der Enzianschnaps ist als „Verdauungshilfe“ und deshalb nach schweren Mahlzeiten beliebt. Tees und Tinkturen sind hilfreich bei Magenschwäche mit mangelhafter Magensaftproduktion, Appetitmangel, Blähungen, Krampf- und Erschlaffungszuständen von Magen und Darm.
 
Auf dem Gipfel und dann zur Hütte
Der Feldberg wird seit den 50er-Jahren als Grundnetzsenderstandort für Radio und Fernsehen genutzt. So befindet sich auf dem Seebuck (1448 m), der neben dem Baldenweger Buck (1460 m) auch zum Feldberg gehört, ein 45 m hoher Fernsehturm mit einer Aussichtsplattform auf 36 m. Da dieser den Anforderungen nicht mehr genügte, wurde ein neuer 82 m hoher Turm errichtet (Inbetriebnahme: im Sommer 2003). Der alte Turm wurde früher von der NATO als Richtfunkanlage genutzt. Nachdem diese aufgegeben wurde, sollte der alte Turm abgerissen werden. Die Gemeinde Feldberg wehrte sich erfolgreich. Heute wird das Gebäude ohne Antenne als Aussichtsturm genutzt. In der Nähe des neuen Turms ist auch eine Wetterradaranlage des Deutschen Wetterdienstes installiert.
 
Auf dem Weg zum Hauptgipfel sind neben dem Weg hohe rot-weisse Stangen in die Erde eingebracht worden. Da bei nebligem Wetter die Sichtweite auf dem Feldberg oft nur wenige Meter beträgt, kann man sich an den Stangen gut orientieren.
 
Auf dem Gipfel laden Sitzbänke zum Ruhen und Betrachten ein. Es herrschte hier Hochbetrieb. Sogar Radfahrer fanden den Weg zum Gipfel und liessen sich an dieser markanten Stelle fotografieren.
 
Hier oben hat man ein einzigartiges Panorama vor sich. Bei Inversionswetterlagen im Winter soll dieses besonders eindrücklich sein. An diesem Tag sahen wir leider nicht den Elsässer Belchen/Ballon d´Alsace oder den Odilienberg, die Hornisgrinde, die Kette der Schwäbischen Alb oder die Alpen. Bei Inversionswetterlagen sieht man sogar Europas höchsten Berg, den Mont Blanc. Wir gaben uns jedoch mit den Höhenzügen des Schweizer Juras und den Schwarzwaldbergen mit seinen Tälern zufrieden.
 
Danach wanderten wir zur höchstgelegenen Hütte des Schwarzwalds und von Baden-Württemberg, der St. Wilhelmer Hütte (1423 m), um zu vespern (www.sankt-wilhelmerhuette.de). Ich ass eine Gemüsesuppe mit Wursteinlagen (4,90 Euro), dazu wurde ein alkoholfreies Weizenbier konsumiert.
 
In der Nähe der genannten Hütte grasten braungescheckte Rindviecher. Diese stammen vom Hinterbauernhof bei Eschbach. Der Hof hat nämlich seit 1939 einen Anteil an der Weidegemeinschaft St. Wilhelmer Hütte. Das liebe Vieh wird heute noch zu Fuss Mitte Juni in die luftige Höhe gebracht. Um 1:30 Uhr nachts ist Abmarsch in Eschbach. Die Treiber und die Rindviecher erreichen das Weidegebiet um 12 Uhr. Die Vierbeiner werden für den Auftrieb schon im April/Mai trainiert, damit sie am Halfter laufen lernen. Auch muss darauf geachtet werden, wer mit wem zusammengebunden wird. Denn unter dem Rindvieh gibt es störrische und verträgliche Charaktere, genauso wie bei den Menschen.
 
Über die Todtnauer Hütte ging es wieder zurück zum Parkplatz am Naturfreundehaus. Unterwegs hatten wir noch einen herrlichen Blick ins Wiesental.
 
Schlachtgemälde in Schönenbuchen
Auf der Rückfahrt vom Feldberg über Todtnau, Schönau nach Schopfheim besuchten wir die Wallfahrtskapelle „Unserer lieben Frau von Schönenbuchen“ und zum „Heiligen Petrus und Paulus“. Die Kapelle liegt im Ortsteil Schönenbuchen (gehört zu Schönau) an der B 317. In der Kapelle ist ein 6,36 × 2,35 Meter grosses düster wirkendes Gemälde, das eine Schlacht aus dem Jahr 1444 darstellt. Das Gemälde selbst stammt von 1771 und wurde von Joseph Zimmermann vom Kloster St. Trutpert im Münstertal geschaffen.
 
Der Schlachtverlauf wurde so beschrieben: Die einheimische Bevölkerung wehrte sich mit aller Macht gegen einfallende versprengte Truppen. Sie machten den Weg durch Werfen von vierspitzigen Wurfeisen (Krähenfüsse, die auch auf dem Bild zu sehen sind) für Rosse und Menschen unpassierbar. „An der engen Talschlucht soll es zu einem Gemetzel gekommen sein, so dass die Wiese voll Blut geflossen sei. Das Schlachtenbild in der Schönenbuchener Kapelle hält die Erinnerung an dieses rettende Gefecht von 1444 seit Jahrhunderten wach. Der gelehrte Abt Geberts von St. Blasien erwähnt in seiner 3-bändigen Geschichte des Schwarzwaldes auch diese Schlacht von Schönenbuchen und die alte Schlachttafel. Er glaubt aber, dass das geschlagene Kriegsvolk nicht zu den Armagnaken gehört habe, sondern eine Schar Schweizer gewesen sei.“ Diese Fakten las ich auf einer Infotafel neben dem Gemälde.
 
Wer sich einmal das Bild und die Kapelle anschauen möchte, der kann folgende Internet-Adresse anwählen:
 
Obwohl wir den Feldberg von früheren Wanderungen her kannten, entdeckt man immer wieder Neues. Auch die schönen Ausblicke sind immer wieder Höhepunkte einer solchen Tour, die wir nicht missen wollen.
 
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