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BLOG vom 20.08.2008


Kurioses in Schulen: Schusswaffen – Bitte nicht engagieren!
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
In manchen Schulen passiert täglich Ungewöhnliches. Aber die folgenden 3 Episoden kann man schier nicht glauben. Da soll eine Lehrerin strafversetzt werden, weil sie die Schüler so gut fördert, dann wollte eine Ex-Ministerin kostenlos unterrichten, aber sie durfte nicht. Dann der Hammer: In einer Schule in Texas dürfen jetzt Lehrer Schusswaffen tragen. Aber es gibt auch eine gute Nachricht, wie das letzte Beispiel am Schluss dieses Tagebuchblatts zeigt. Aber der Reihe nach.
 
Bitte nicht engagieren!
Sabine Czerny, eine 36-Jährige Lehrerin an einer bayerischen Grundschule, hat es gewagt sich zu engagieren und die Kinder in ihrer Klasse so zu fördern, dass sie exzellente Noten bekamen. 91 % der Schüler und Schülerinnen haben sich für eine weiterführende Schule qualifiziert. Das kann doch nicht wahr sein, denn so ein gutes Abschneiden ist nicht möglich, dachten sich wohl die Schulleiterin und das Kollegium. Diese beschuldigten daraufhin die Pädagogin und behaupteten, sie würde die Ergebnisse der Tests vorsagen oder sie korrigiere falsch. Das liess sich die Frau nicht gefallen. In einem offenen Brief an das Kollegium brachte die gescholtene Lehrerin zum Ausdruck, dass etwas an dem heutigen Schulsystem nicht in Ordnung sei. Das System erzwinge mittelmässige Notenschnitte, damit alle 3 Schulen (Hauptschule, Realschule und Gymnasium) ausreichend mit Kindern im Alter von 10 Jahren bestückt werden können. Nun stand die „Bestückung“ auf wackeligen Füssen.
 
Bald darauf erhielt die Lehrerin einen blauen Brief vom Schulamt. In dem Schreiben wurde ihr mitgeteilt, dass sie den Schulfrieden gestört habe und sie an eine andere Grundschule versetzt werde. „Sie haben sich an das Niveau der Parallelkollegen anzupassen“, so die Ermahnung des Schulrats, nachdem in der Vorgängerschule ihm Ähnliches zu Ohren gekommen war.
 
Die Lehrerin wehrte sich und betonte, sie habe bereits seit 10 Jahren an mehreren Grundschulen Erfolge gehabt. Der Erfolg ist ihr nicht zugeflogen, sondern war hart erarbeitet. Sie besuchte jahrelang Fortbildungen in verschiedenen pädagogischen, medizinischen und psychologischen Richtungen. Sie wolle genau wissen, wie man Kinder für das Lernen begeistern kann.
 
Die Pädagogin wird von vielen Eltern unterstützt. Als bekannt wurde, dass die Lehrerin versetzt wird, schrieben sie Protestbriefe ans Schulamt, ans Kultusministerium und an die Forschungsministerin Anette Schavan. Unter anderem heisst es in dem Brief: „Wir Eltern haben mit Staunen wahrgenommen, wie sich unter der Arbeit von Frau Czerny das Arbeitsverhältnis unserer Kinder verbessert hat: Sie lernen gerne, sie wollen wissen und entdecken und sind mit Feuereifer bei der Sache.“
 
Aber alles nützte nichts. Die Schreiben wurden anscheinend nicht wahrgenommen. Frau Czerny gilt jetzt beim Schulamt und im Kollegenkreis als aufsässig.
 
Sabine Czerny ist für eine andere Lern- und Bewertungskultur. Sie fand jedoch keine Zustimmung. Sie hat vorläufig resigniert. Sie wird nach der Ferienzeit wohl so unterrichten, dass auch genügend schlechte Noten herauskommen. Christian Bleher berichtete über den Fall in der „Badischen Zeitung“ vom 08.08.2008 sehr ausführlich und schrieb u. a. dies: „Ihr ist schmerzlich bewusst, dass sie Versager produziert, wenn sie sich an die Anweisung ihrer Vorgesetzten hält. Umso wütender macht sie der Satz, den sie schon so oft in Kollegien gehört hat: ,Es gibt halt nun mal dumme Kinder´.“
 
Persönlich finde ich das heutige Schulsystem antiquiert und nicht mehr nachvollziehbar. Es ist unglaublich, wie eine tüchtige Lehrerin vom Kollegium und dem Schulamt zurückgepfiffen wird. Es gibt in meinen Augen keine schlechten Schüler, nur frustrierte, unmotivierte und zu wenig geförderte.
 
In manchen deutschen Bundesländern werden zurzeit verzweifelt Lehrer gesucht und auch aus anderen Bundesländern abgeworben. Ein Leser betonte am 16.08.2008 in der „Badischen Zeitung“, der Kultusminister von Baden-Württemberg Helmut Rau solle doch der tüchtigen Lehrerin ein gutes Angebot machen und sie dann möglichst an eine Schule versetzen, die gewillt ist, neue Wege zu beschreiten. Man könnte dann nützliche Erkenntnisse daraus ziehen und auf teure Expertenstudien getrost verzichten.
 
„Tüchtige Leute braucht das Land.“ Diese Devise sollte vor allem auch für Pädagogen gelten.
 
Ex-Ministerin wollte unterrichten
Stellen Sie sich einmal Folgendes vor: Ein Arbeitgeber bekommt ein Angebot von einem Rentner, der sich zu Hause langweilt, ohne Sold stundenweise bei ihm in der Firma zu arbeiten. Hocherfreut wird der Arbeitgeber das Angebot annehmen.
 
Wer jedoch ein Lehrer ist, der darf das nicht. So erging es der früheren NRW-Bildungsministerin Gabriele Behler. Sie wollte etwas gegen den Lehrermangel tun und bot sich an, aushilfsweise gratis für einen Symbol-Euro 4 Unterrichtsstunden pro Woche in Deutsch zu übernehmen. Aber die Schulaufsicht stellte sich quer und will Arbeiten nur gegen Honorar vergeben, da unentgeltliche Arbeit dienst- und vertragsrechtlich nicht möglich sei.
 
Da staunte sogar die Ex-Ministerin, die vor so viel Sturheit nur den Kopf schütteln konnte.
 
Sie betonte in einem Interview der Online-Ausgabe des „Spiegels“ vom 15.08.2008, dass ihr die Details des komplizierten Vertragsrechts nicht bekannt waren. Sie hofft, dass eines Tages das Dienst- und Vertragsrecht geändert wird. „Die Leute (die ehrenamtlich und gratis arbeiten möchten) müssen ermutigt und nicht ausgebremst werden.“
 
Damit hat sie vollkommen Recht.
 
In Texas wird zurückgeschossen
Die Lehrer und Angestellte dürfen jetzt aufatmen. Endlich wurde ihnen an einer Schule in Texas erlaubt, Pistolen verdeckt zu tragen. Beschlossen hat dies die Schulbehörde. Die Eltern hatten keine Einwände. Waffen sind landesweit an Schulen zwar verboten, aber es können Ausnahmeregelungen getroffen werden. Dies war hier der Fall. Die Polizeistation im Distrikt Harrold ist nämlich 30 Minuten von der Schule entfernt; ausserdem verläuft in der Nähe ein Highway. Mit den Waffen wollen sie Schüler vor Amokläufern und anderen Verbrechern schützen. Die Lehrer müssen jedoch einen Waffenschein besitzen und an einem Krisentraining teilnehmen. Erst dann dürfen sie in Notfällen in der Schule herumballern. „Wenn etwas passiert, möchte ich die Eltern anrufen und sagen können, dass ihr Kind okay ist und wir es schützen können.“ Dies sagte der Schulinspektor David Thweatt der „Washington Post“.
 
Englischlehrer können kaum Englisch
Wer in Costa Rica Englisch lernen möchte, wird sein blaues Wunder erleben. Dort ist es schwierig, einen kompetenten Englischlehrer zu finden. Nach einer Überprüfung der 3193 Pädagogen konnten nur 315 einen guten Unterricht geben. Der Rest hatte Schwierigkeiten in den Bereichen Sprechen, Schreiben, Lesen und Verstehen (Quelle: „Lohnpraxis-Weblog“ vom 08.08.2008).
 
Glück als Unterrichtsfach
Dies ist einmal eine gute Nachricht über Schulen. In der Heidelberger Willy-Hellpach-Schule wird das Fach „Glück“ unterrichtet. Es ist der 1. Praxisversuch an einer deutschen Schule. Ernst Fritz-Schubert, Oberstudiendirektor, hatte es satt, dass Schule in der Beliebtheitsskala gleich nach dem Zahnarztbesuch rangiert.
 
Das Fach „Glück“ wird ebenfalls benotet. Man höre und staune: Es wurde geäussert, den Schülern soll es gut gehen an Körper und Seele. Die Schüler sind begeistert. Ein 18-Jähriger sagte dies: „Ich bin glücklich, wenn ich Menschen finde, die meine Interessen teilen. In einer guten Gemeinschaft fühle ich mich eben wohl.“
 
Ähnliches sagte schon Carl Spitteler über das Glück: „Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.“
 
Und was äusserte Johann Wolfgang von Goethe in seinen „Erinnerungen“ über das Glück? 
„Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen:
Denn das Glück ist immer da.“ 
So sollte es sein. Wer sich für das Fach „Glück“ interessiert und dieses auch an den Schulen einführen möchte, kann sich unter folgender Adresse viele Infos holen:
 
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