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BLOG vom 06.09.2008


SBB-Versprechen: „So leicht kommt Verlorenes zurück.“
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich-Altstetten
 
Ich sah die SBB-Angestellte vom Schalter aus, als sie mit meinem gelben Rucksack durch den Korridor daher kam. Sie hob ihn in die Höhe, und ich konnte sofort zustimmen: „Ja, er sei es!“ Da waren wir erleichtert. Primo hatte ihn auf der Reise in der S-Bahn auf der Strecke Luino-Bellinzona liegen gelassen. Heute denke ich dazu: Der Sinn der Aufregung sei vielleicht dieser Beitrag im Blogatelier, damit viele Reisende über den neuen Fundservice der SBB informiert werden.
 
Der Schwiegersohn hatte sofort eine entschuldigende Erklärung. Primo hätte sich eben so sehr um seine kleine Tochter Nora gekümmert. Das habe ihn abgelenkt.
 
Primo trug an jenem Mittwoch den leichten Rucksack auf dem Spaziergang durch den Markt in Luino am Rücken, legte ihn dann für die Rückfahrt in der S-Bahn ins Gepäckfach über unseren Sitzen und plauderte spassend mit Mitreisenden. Die Enkelin Nora, deren Kinderwagen er während des Ausfluges chauffierte, war eingeschlafen, der Wagen gesichert. Er war frei und wie immer in Italien von diesem Land seiner Vorväter bewegt. Licht, Lebensweise, Kunst und Architektur beflügeln ihn hier mehr als anderswo. Und die Lebensfreude drückt sich dann in allerlei verbalen Spässen aus.
 
Unser Schwiegersohn hatte wohlweislich sein Auto schon in Maccagno abgestellt. In Luino darf am Markttag (jeden Mittwoch von 9 bis 16.30 Uhr) nicht mit freien Parkplätzen gerechnet werden. Wir fuhren deshalb die letzten beiden Streckenabschnitte mit der S3 und erreichten den international bekannten und für mich legendären Markt auf kurzem Weg vom Bahnhof her zu Fuss.
 
In Luino werden sowohl Textilien aller Art wie auch Lebensmittel-Spezialitäten und allerlei Haushaltartikel angeboten. Wir liessen uns treiben, kauften dies und das. Nicht wirklich Nötiges, aber Dinge, die uns an einen schönen Ausflug erinnern werden. Wir schleckten Gelati und hörten den indianischen Musikern zu. Wir beobachteten die Polizei, wie sie die Papiere der Musikanten prüfte. Die 6-jährige Mena hat diesen Auftritt ganz genau beobachtet. Die attraktiven Uniformen der Carabinieri imponierten ihr. Dann setzten wir uns wieder in die Bahn und fuhren dem tiefblauen Lago Maggiore entlang nach Maccagno zurück.
 
Kaum waren wir wieder beim Auto angelangt, bemerkten wir, dass der Rucksack fehlte, also alleine weiter reiste. Sofort begann ein Wettlauf nach ihm. Fahrt nach dem schweizerischen Magadino-Vira, wo wir den Verlust melden wollten. Der Bahnbeamte konnte uns verstehen, aber nur mühsam auf Deutsch antworten. Er schickte uns nach Bellinzona. Frauen und Kinder wurden in die Ferienwohnung zurückgefahren und die Männer reisten sofort dorthin.
 
Zu spät. Alle im Zug liegen gelassenen Gegenstände würden jeweils an der Endstation sofort eingesammelt und nach Bern weitergeleitet. Die Männer erhielten einen Prospekt mit der Internetadresse www.sbb.ch/fundservice und die Aufforderung, den Verlust dort anzumelden. Mehr konnte der Mann nicht für sie tun. Primo kam etwas zerknirscht nach Hause. Wir hatten nicht nur persönliche Dinge verloren, sondern auch eine wertvolle Jacke unserer Tochter und ebensolche von den Kindern. Von einer Sammelstelle in Bern und wie diese funktioniere, wussten wir in jenem Augenblick noch nichts. Die Abwicklung erschien uns umständlich.
 
Unserem Schwiegersohn, einem Sprachwissenschaftler, hatte aber das Gespräch am Schalter gefallen. Die Mischung von gutem Deutsch und italienischem Sprachklang.
 
Am Abend dann, als Ruhe ins Haus eingekehrt war, füllte unsere Tochter Felicitas das Computer-Formular aus. Wir beantworteten alle von den SBB gestellten Fragen und beschrieben die Gegenstände, die sich im Rucksack befanden. Wir konnten im SBB-Fahrplan im Internet auch die Zugs-Nummer ausfindig machen und korrekt bekanntgeben. Dann liessen wir das Suchformular los.
 
In der Nacht fiel mir ein, dass ich auf dem Markt doch noch 2 Küchenschürzen gekauft habe, die in unserer Verlust-Liste fehlten. Anderseits fand ich einen kleinen Küchenartikel in meiner Handtasche, den ich dem Rucksack-Inhalt zugeordnet hatte. Felicitas machte mich aufmerksam, dass das eingereichte Protokoll ergänzt werden dürfe. Ich war erleichtert, dass man mit etwas Aufregung rechnete und einen Nachtrag ermöglichte.
 
Kaum hatte sie diesen abgeschickt, bekamen wir die Antwort, es sei nicht mehr möglich, das Protokoll zu ändern, denn der verlorene Gegenstand sei bereits gefunden worden. Da freuten wir uns wieder und tauten auf.
 
Ich rief später noch die aufgeführte Telefon-Nummer an und erkundigte mich nach dem weiteren Vorgehen. Nach der Rückkehr nach Zürich würde ich in meinem Computer eine Bestätigung vorfinden, mit der ich den Rucksack im Bahnhof Altstetten auslösen könne.
 
Ich dankte und äusserte mich erfreut über die bisher unbekannte und für uns im ersten Moment undurchsichtige Abwicklungs-Methode. Die freundliche Sachbearbeiterin sagte: Eine solche Lösung habe sich aufgedrängt. Die SBB würden täglich Tausende von Fundgegenständen einsammeln. Unglaublich.
 
Primo hängte den Rucksack gleich wieder an seinen Rücken, nachdem er uns am Bahnschalter von Zürich-Altstetten ausgehändigt worden war. Auf der Heimfahrt mit den Velos wurde ich unruhig. Der Rucksack war nicht mehr prall gefüllt. Es schien etwas zu fehlen. Und so war es dann auch. In Luino kauften wir an einem Marktstand ein sehr grosses Stück Brot. Es wurden dort Brote von der rechteckigen Fläche eines normalen Küchentisches angeboten. Dieses Brot haben wir nicht mehr erhalten. Ich vermute, dass alle Lebensmittel rigoros aussortiert werden, um Fäulnis zu verhindern. Mit hartem Brot hätte ich zwar noch etwas anfangen können. Ein roher Fisch, Frischkäse, rohes Fleisch oder mit Vanillesauce gefüllte Gebäcke aber würden Probleme verursachen. Die Abwicklung also optimal.
 
Innert 5 Tagen hatten wir unseren Rucksack zurück erhalten. Unkosten Fr. 5.— für Inhaber eines Halbtaxabos. Ohne einen solchen Ausweis kostet die Aktion Fr. 10.—.
 
An jedem Bahnschalter liegen jetzt Flyers auf, die zusätzlich zu den beschriebenen Erfahrungen das neue „easyfind“–System der Bahn erläutern. Dieses wirkt vorbeugend, damit Verlorenes zurückkommt wie ein Bumerang. 
 
Jetzt habe ich nur noch eine Frage: Was machen ältere Leute ohne Computer, wenn sie etwas liegen gelassen haben? Können sie ihre Anfrage per Telefon aufgeben? Die Rail Service Nummer, die ich  bekommen habe, lautet 0900 300 300 (CHF 1.19/Min). Mit ihr traf ich sofort ins Fund-Verarbeitungszentrum.
 
Hinweis
Mehr Informationen auf www.easyfind.com..
 
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