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BLOG vom 02.01.2009


Jahresbeginn: Einkehr während der grossen Feiertage
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich-Altstetten
 
Die zur Adventszeit montierten farbigen Lichter zucken immer noch an der Haustür einer portugiesischen Familie uns gegenüber und signalisieren, dass für sie das Fest noch nicht verklungen sei.
 
Auch für mich ist der Zwischenbereich Weihnachten/Neujahr immer etwas Besonderes, nicht alltäglich. Wie ein Nachhall nach einem schönen Konzert. Langsam kehrt Ruhe ein. Die Gäste sind weggegangen, die Wohnung ist aufgeräumt, aber der Christbaum ist noch da. Da sitze ich dann manchmal eine Weile zu ihm und sinniere über mein Leben, über die vielen Festvarianten und auch über die vielen Christbäume, die in unseren Stuben dekoriert worden sind. Und manchmal sehe ich ein inneres Licht, und dann weiss ich, dass ich auch diesmal Weihnachten wieder erlebt habe.
 
Diese Tage sind auch zum Aufräumen aller administrativen Arbeiten da. Rechnungen zahlen, um das neue Jahr ohne Schulden anzutreten. Nicht immer gelingt es, wenn Abrechnungen zu spät eintreffen. Die Post arbeitet nicht mehr so dienstfertig wie einst. Selber schuld, wird sie mir sagen. Ich könne mich ja mit dem E-Banking einlassen.
 
Schon als Jugendliche durfte ich für Mutter die Einzahlungsscheine ausfüllen. Ebenso war es meine Aufgabe, in den Tagen vor Neujahr die Adressliste unserer grossen Verwandtschaft neu zu schreiben und alle Änderungen, die sich im abgelaufenen Jahr durch Umzug oder Tod ergeben haben, zu berücksichtigen. Diese Arbeiten entsprachen mir schon damals und prägten sich zu einer Art Ritual aus.
 
Auch die Kalender gehören dazu. Sie abzunehmen und neue aufzuhängen, ist auch immer mit Blicken zurück und ein Stück vorwärts verbunden. Und der neue Tagebuchordner bekommt einen farbigen Rücken. Seit Jahrzehnten dekoriere ich die nüchternen A5-Ordner mit einem dekorativen Druckerzeugnis. Diese farbigen Bildausschnitte aus Zeitschriften, Glückwunschkarten oder Einpackpapier werden manchmal zum Programm. Letztes Jahr z. B., als wir noch nicht wussten, wann und wo wir eine neue Wohnung finden werden, wählte ich eine Foto aus einem Winterwald. Der Fotograf hatte exakt jenen Augenblick festhalten können, als die verschneiten Tannen ihre schweren Lasten abwarfen. Dieses Foto wird mich daran erinnern, dass die Hoffnung nicht vergebens war.
 
Spätestens am Neujahr kommt mir jeweils in den Sinn, dass ich als 6-Jährige am Neujahrsmorgen zum Milchmann geschickt wurde. Von ihm bekam ich unerwartet ein „Mödeli“ Butter geschenkt. Unfassbares Glück. Butterbrote waren und sind für mich die grössten Delikatessen. Mutter hatte einige Tage zuvor im Milchladen ausgesprochen, es sei traurig für sie, dass sie mir nicht jeden Tag ein Butterbrot geben könne. Die Lebensmittel waren damals wegen des 2. Weltkriegs rationiert. Der Milchmann erbarmte sich meiner. So etwas vergisst man nie.
 
Für mich brauchte es nun keine weiteren und gar noch grossartigen Veranstaltungen, um bereit zu werden für einen neuen Jahreslauf. Wie schon oft, haben wir am Silvester um 24 Uhr nur die Fenster geöffnet und das neue Jahr unter Glockenklängen einziehen lassen.
 
2009 hat begonnen. Es möge für alle Textatelier.com-Leserinnen und Leser ein gutes Jahr werden. Herzlichen Glückwunsch Ihnen allen.
 
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