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BLOG vom 04.02.2009


Merkwürdige Studien: Kuhmilch-Förderung durch Zuneigung
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Die Forscher an den Universitäten geben nicht auf. Sie finden immer wieder Studienobjekte. Schliesslich müssen die Wissenschaftler laufend ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen und zusätzlich auch Geld verdienen. Die Gelder fliessen umso reichlicher, wenn „positive“ Studienergebnisse publik gemacht werden. Darauf achtet insbesondere die Pharmaindustrie. Sie dreht nämlich sofort den Geldhahn zu, wenn die Studien negativ verlaufen. Eine Publikation kommt dann nicht in Frage. Und wenn einmal nicht so gute Ergebnisse veröffentlicht werden, dann sind es oft solche über die Naturmedizin. Denn es darf nicht sein, dass die Arzneien aus der Natur genau so gut wirken oder sogar besser abschneiden als die Medikamente mit synthetischen Wirkstoffen. Beispiele dazu gibt es genügend. So wurde kürzlich eine Studie veröffentlicht, aus der hervorging, dass Ginkgo biloba doch nicht so wirkt, wie behauptet wurde. Viele hundert Studien wurden in Frage gestellt. Aber wir wissen schliesslich aus der Erfahrungsmedizin, dass Ginkgo in der Tat bei Demenz wirkt. Darüber hinaus fördert der Pflanzenextrakt die Lernleistung und das Gedächtnis. Die Fakten können Sie unter www.medical-tribune.de/patienten/ nachlesen.
 
Vor 2 Jahren wurde eine Studie bekannt, in der behauptet wurde, der Sonnenhut (Echinacea) wirke nicht so gut, wie behauptet. Dr. Ingo Waschulewski von der Bioforce AG in CH-4914 Roggwil TG nahm die Studie unter die Lupe und ermittelte gravierende Fehler. Man kann also Studien so anlegen, dass entweder ein positives oder negatives Ergebnis herauskommt. Im Falle „Echinacea“ sind ja viele Studien gemacht worden, die den immunstärkenden Effekt einwandfrei bewiesen haben. Fakten dazu können Sie in meinem Blog vom 25.01.2006 „Tut der Sonnenhut (Echinacea) gut oder scheint's nur so? nachlesen.
 
Ein Lob dem Hibiskustee
Eine Überraschung und ein Lichtblick war für mich die Publikation in der Online-Ausgabe der „Medical Tribune“. Da wurde ein Naturmittel hoch gelobt. Es geschehen also noch Zeichen und Wunder. Den Lesern wurde nämlich eine aktuelle Studie über die blutdrucksenkende Wirkung von Hibiskustee vorgestellt. Hier ein Auszug (man glaubt es kaum): „Einige frühere Studien deuteten darauf hin, dass die Inhaltsstoffe des Hibiskus ähnliche Wirkungen haben wie ACE-Hemmer, also Medikamente gegen Bluthochdruck.“
 
In der neuen Studie konnte Dr. Diane McKay von der Tufts-Universität Boston bei den Patienten, die täglich 3 Tassen Hibiskustee tranken, eine Senkung des Blutdruckes um 7 bis 14 mm HG beobachten. Dieses Ergebnis ist bedeutsam, da sich angeblich schon ein geringer Rückgang des Bluthochdrucks positiv auf die Gesundheit auswirkt (Rückgang des Schlaganfallrisikos, Reduzierung von koronaren Herzkrankheiten).
 
Es gibt also noch verantwortungsvolle Redakteure, die für die Pharmaindustrie wenig erfreuliche Studien publizieren. Das sind sicherlich Ausnahmen.
 
Und nun möchte ich mich auf merkwürdige und ungewöhnliche Studien aus der letzten Zeit konzentrieren.
 
Daisy gibt mehr Milch
Auch solche Studien werden finanziert und durchgeführt: AFP berichtete am 29.01.2009 über eine Studie der Universität Newcastle. Die Wissenschaftler untersuchten den Einfluss einer Zuneigung auf die Milchleistung von Kühen. Kühe, die besondere Zuwendung erfuhren, gaben um 250 Liter mehr Milch im Jahr. Die Studienleiterin Catherine Douglas ist felsenfest überzeugt, dass sich Kühe bei Zuneigung, genauso wie es beim Menschen ist, glücklicher, entspannter und zufriedener fühlen. „Wenn wir besser auf jede einzelne Kuh eingehen, sie zum Beispiel beim Namen nennen, erhöhen wir nicht nur ihr Wohlbefinden, sondern auch die Milchproduktion.“ Ganz lustig finde ich, wenn der Bauer in den Stall schreitet und ausruft: „Hallo Daisy, du bist eine brave Kuh. Du siehst gut aus, dein Fell ist so weich usw.“ Dann folgen Streicheleinheiten oder Tätscheleien. Die Kuh wird sich ob dieser aufmerksamen Behandlung sehr wohl fühlen und als Dank mehr Milch geben.
 
Die Studie ist ein wirklich neuer Ansatzpunkt, um die Milchleistung zu erhöhen. In der Vergangenheit wurde ja schon eine klassische Musikberieselung in den Ställen praktiziert, um höhere Erträge zu erzielen. Aber eines hatten die bevorzugten Kühe den schlechter Behandelten voraus: sie waren gesünder. Von Wichtigkeit ist jedoch auch die richtige Fütterung der Rindviecher. Das wurde wohl in der Studie nicht berücksichtigt. Vielleicht eine Anregung für zukünftige Studien.
 
Im Alter weniger essen
In der Vergangenheit wurde immer wieder behauptet, man solle so viel essen, wie es der Gesundheit zuträglich ist. So waren Menschen mit einem moderaten Übergewicht besser dran. Sie wurden sogar älter als Normal- und Untergewichtige. Auch der ältere Mensch wurde immer dazu angehalten, nicht zu wenig, aber auch das Richtige zu essen. Nun wurde eine Studie der Universität Münster publiziert, in der wieder das mengenmässig reduzierte Essen im Alter propagiert wird, da Wesen, die nicht der Völlerei anheim fallen, ein besseres Gedächtnis haben.
 
Und so gingen die Wissenschaftler vor: 50 Probanden mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren wurden in 3 Gruppen unterteilt. Die 1. Gruppe bekam 30 % weniger Kalorien zugeführt, die 2. Gruppe erhielt bei gleich bleibender Kalorienzufuhr einen erhöhten Anteil an ungesättigten Fettsäuren (20 % mehr als in Gruppe 1), und die 3. Gruppe brauchte die Ernährung nicht zu ändern. Diese diente als Kontrollgruppe.
 
Das Ergebnis erstaunte alle: Das Erinnerungsvermögen in der 1. Gruppe war nach 3 Monaten besser (20 % Verbesserung!) als bei den anderen Gruppen. Und noch ein Nebeneffekt war zu beobachten: Die Probanden, die weniger assen, hatten niedrigere Insulinwerte und geringere Entzündungsparameter (Quelle: www.n-tv.de).
 
Dies sind die ersten Ergebnisse einer einzigen Studie. Weitere Studien müssen klären, warum das so ist. In meinen Augen wird nach einer einzigen Studie viel Wind gemacht. Ich kenne Leute, die mit Genuss etwas mehr essen als das Übliche, aber ein hervorragendes Gedächtnis haben. Es gibt aber auch Hagere, die kein so gutes Erinnerungsvermögen besitzen. Es kommt nach meiner Ansicht auf die Qualität der Nahrung (gesunde Vollwertkost) an, die ausreichend Vitamine, Mineralstoffe und andere wichtige für den Hirnstoffwechsel notwendige Stoffe enthält. Aber auch gewisse Schadstoffe (Pestizide, Schwermetalle) sind für den Hirnstoffwechsel nicht eben von Vorteil. Und alle diese Faktoren wurden in der genannten Studie nicht berücksichtigt.
 
Abwehrmittel gegen Demenz
Ein Team von britischen und amerikanischen Wissenschaftlern untersuchten 2000 Menschen über 65 Jahre, welche Wirkung Vitamin D auf die kognitiven Fähigkeiten hat. Menschen mit wenig Vitamin D im Blut hatten doppelt so häufig Verständigungsprobleme wie solche mit höheren Werten. Und Menschen mit Verständigungsproblemen entwickeln in der Regel häufiger eine Demenz.
 
Es wird gerade älteren Leuten empfohlen, sich öfters im Freien aufzuhalten, da das Sonnenlicht die Vitamin-D-Produktion in der Haut fördert. Aber die Produktion via Haut lässt im Alter nach. Deshalb sollten die Älteren, die sich nicht so gerne im Freien aufhalten, besonders im Winter andere Vitamin-D-Quellen nutzen, wie beispielsweise Lebertran, Fisch, Eidotter und Leber. In pflanzlichen Nahrungsmitteln ist das Vitamin D in Margarine und Pilzen (hier als Ergosterin) vorhanden.
 
Das Vitamin D fördert übrigens die Aufnahme von Kalzium und Phosphor, vermittelt die Mobilisation von Kalzium aus den Knochen. Es ist wichtig für das Immunsystem und für die Knochen- und Knorpelbildung.
 
Die oben genannte Studie wurde in Auszügen auch in der Online-Ausgabe von „focus“ (www.focus.de) publiziert. Leser „Hugo“ schrieb am 24.01.2009 dazu dies: „Viele alte Leute verkriechen sich gerne in ihrer Wohnung. Kein Wunder, dass sich so ein Vitamin-D-Mangel einstellt. Deshalb, liebe Senioren: ein täglicher Spaziergang an der frischen Luft ist auch im Winter Pflicht! Für Menschen, die nicht mehr so gut auf den Beinen sind, sollte das Pflegepersonal diese Regel beherzigen. Die Alternative ist der Lebensabend auf Bali.“ Dort gibt es auch über das ganze Jahr genügend Sonne. Aber wer kann sich das schon leisten! Deshalb genügen auch Sonnentage im Winter bei uns. Wichtig ist auch der Hinweis auf das Pflegepersonal in Altersheimen. Die haben oft gar keine Zeit, die betagten Leute auszuführen. Hier sollten die Verwandten bei ihren Besuchen aushelfen.
 
Ein anderer Leser schrieb, er habe aus eigener Erfahrung erlebt, welcher Schaden durch Vitaminmangel entsteht. „Als Betroffener kann ich nur jedem den gut gemeinten Tipp geben, sich genau zu informieren, wie viel Vitamine man benötigt und sich diese auch garantiert zuführt.“ Es herrscht noch viel Unwissen über die Nährstoffe. Viele wissen gar nicht, dass man mit einer gesunden Vollwertkost ausreichend Vitamine zuführen kann.
 
Beamte leben länger
Wer mehr verdient lebt 5 Jahre länger als solche, die weniger Geld zur Verfügung haben. Und was vielen schon bekannt sein dürfte: Beamte leben am längsten. Gemeint sind natürlich Beamte, die ein geruhsames Leben führen (besonders diejenige im höheren Dienst). Polizeibeamte oder Lehrer dürften wegen der seelischen Belastung in ihren Berufen wohl nicht so lange leben. Die erwähnten Erkenntnisse wurden durch eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung herausgebracht.
 
So könnte heute ein Rentner mit 65 Jahren im Durchschnitt noch 15,8 Jahre leben, die wohlhabenden Ruheständler würden 17,5 Jahre und die weniger Betuchten nur 14,6 Jahre leben. Und die Beamten? Man mag es kaum glauben: die würden im Schnitt 85 Jahre alt werden (Quelle: www.faz.net vom 04.07.2008).
 
Nach dieser Meldung war es nicht verwunderlich, dass sich Leser dazu äusserten. Hans Henkel schrieb: „… Büroschlaf ist noch der gesündeste.“
 
Karsten Krug äusserte sich dahingehend, dass bei dieser Studie Äpfel mit Birnen verglichen wurden. Er meinte, dass Beamte in erster Linie Büroarbeit verrichten, und somit körperliche Risiken entfallen.
 
Putzen und Radeln gegen Krebs?
Schwedische Forscher des Karolinska Instituts nahmen die Gesundheit von 40 000 Männern im Alter zwischen 45 und 79 Jahren unter die Lupe. Laut der Onlineausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ (www.sueddeutsche.de) vom 06.06.2008 wurden die Leute nach ihren Lebensgewohnheiten befragt. Fazit der Studie: Bei Männern, die sich täglich etwa 30 Minuten bewegten, war das Sterberisiko bei einer Tumorerkrankung um 1/3 verringert. Die Wahrscheinlichkeit an einem Tumor zu erkranken war nur geringfügig verringert. Wer sich jedoch 60 bis 90 Minuten täglich bewegte, hatte eine um 16 % niedrigere Erkrankungsquote.
 
Auch wurde in der Vergangenheit immer wieder erwähnt, dass auch das Putzen eine niedrige Erkrankungsquote bewirkt. Aber das ist nach der neuen Studie nur in geringem Masse der Fall. Männer dürfen jetzt aufatmen: Frauen können also nicht mehr ihre Männer dazu animieren, den Putzlappen zu schwingen, um lange gesund zu bleiben.
 
Prof. Dr. Martin Halle vom Berufsverband Deutscher Internisten machte eine ganz interessante Beobachtung. „Krebspatienten, die regelmässig Sport treiben, leben länger“, sagte der Sportmediziner. Das leuchtet mir ein, da die Lebensqualität der Krebspatienten durch Sport verbessert wird.
 
Die Deutsche Herzstiftung weist darauf hin, dass Joggen, Wandern, Fahrradfahren, Schwimmen oder Nordic Walking (1 Stunde pro Woche) schon ausreicht, um die Risiken von Herzerkrankungen um 50 % zu senken. Auch das leuchtet mir ein, zumal diese sportlichen Betätigungen viel im Körper bewirken. Darüber wurde ja schon in einigen Blogs berichtet.
 
Ein kleines Fazit
Es gibt viele merkwürdige Studien, die nach kurzer Zeit wieder durch neue Studien korrigiert werden. Zweifellos haben Studien auch ihren Sinn. So wurden beispielsweise die Wirkungen von altbewährten Haus- und Naturheilmitteln durch neue Studien bestätigt. Aber viele Studien (einschliesslich der vielen Ernährungsstudien) müssen mit Vorsicht genossen werden. Man muss hinterfragen, von wem die Studien in Auftrag gegeben und wie die Studien durchgeführt wurden.
 
Es gibt aber leider Patienten, die der Presse, der Werbung und dem Arzt Glauben schenken und nicht kritisch genug sind. Dazu ein Beispiel: Vor Jahren erzählte mir mein Hausarzt, er habe Patienten, die Medikamente, die in der Laienpresse beworben wurden, auf Rezept verlangen oder diese im Falle von freiverkäuflichen Arzneimitteln in Apotheken oder in einer Internet-Apotheke kaufen. Oder sie verweisen auf diverse Studien. Der Arzt hat dann schlechte Karten, wenn er darüber nichts weiss. Wenn er jedoch informiert ist, muss er alle seine Überredungskunst einsetzen, um den Patienten aufzuklären (wenn er dafür Zeit hat).
 
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