Startseite 
Kontakt  °  Inhaltsübersicht  
Seite weiterempfehlen
     22. Juli 2018, 10:28 Uhr
 


Schlossportal
 Kundeneingang

 
 
BLOGs nach Datum sortiert Alle BLOGS zum Zurückblättern
BLOG vom 21.03.2009


Der Feldberg im März: Schneewanderung mit Hindernissen
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
„Der Frühling kommt mit aller Macht“ oder „Frühlingserwachen im Tal“: Diese oder ähnliche Schlagzeilen konnte ich in diversen regionalen Zeitungen vor Kurzem lesen. Aber wir sahen auf unserer Wanderung im Markgräflerland am 16.03.2009  nur einen Anflug von Frühling. Es sprossen die ersten Buschwindröschen und Huflattichpflänzchen zaghaft aus dem laubbedeckten Waldboden hervor. Auch so mancher Vogel stimmte seinen Singsang an. Aber sonst zeigte sich noch kein hervorspriessendes Blatt an den Zweigen der Bäume und Büsche. Der Frühling hat wohl in diesem Jahr 2009 Verspätung.
 
Wir entschlossen uns deshalb, nicht auf den Frühling zu warten, sondern am 19.03.2009 eine Winterwanderung auf den Feldberg (1493 m) zu unternehmen. Wir hörten von sehr guten Wintersportbedingungen auf dem höchsten Berg des Schwarzwalds und von meterhohen Schneemassen. Das wollten wir einmal sehen. Und wir sollten nicht enttäuscht werden.
 
Vorsicht vor Lawinen
Als ich gegenüber Familienangehörigen und Bekannten die Feldbergtour erwähnte, meinten sie, wir sollten auf Lawinen aufpassen. Warum dies? Auslöser der Besorgnis war wohl eine Meldung in der „Badischen Zeitung“ am 12.02.2009. Am Vortag der Berichterstattung war nämlich eine Lawine unterhalb des Bismarck-Denkmals abgegangen. Bergwacht, Rotes Kreuz und Polizei suchten mit Sonden, Wärmebildkamera, Helikopter und Suchhund das Gebiet ab, da eine Schispur in der Nähe gesehen wurde. Es wurde jedoch kein Verschütteter gefunden. Gegen 18:00 Uhr meldete sich der Schifahrer, der die Lawine ausgelöst hatte.
 
Die Bergwacht wies darauf hin, dass es im Schwarzwald, und insbesondere am Feldberg, ein hohes Lawinenrisiko gibt. Kritische Punkte auf dem Feldberg sind die Seebuck-Wächte, die Nordseite oberhalb des Zastler Lochs und der Steilhang auf der Fahler Seite des Feldbergs.
 
Auf dem Winterwanderweg
Zu Viert reisten wir mit dem Auto an, parkierten in der Nähe des Hauses der Natur. Schon hier waren wir von den meterhohen Schneemassen beeindruckt, die sich am Rande der Parkplätze auftürmten. Die vielleicht 3 bis 5 Meter hohen Schneehügel wurden durch die Räumung der Parkplätze mit schwerem Gerät gebildet. Wir waren tief beeindruckt.
 
Laut Schneebericht des Liftverbunds (www.liftverbund-feldberg.de) beträgt zurzeit die Schneehöhe auf dem Feldberg 140 Zentimeter. Der letzte Schneefall war am 11.03.2009.
 
Auf der linken Seite des Hauses der Natur wanderten wir bei angenehmen Temperaturen (5° C) auf dem Winterwanderweg in Richtung Todtnauer Hütte. Der Weg war von der Pistenraupe planiert; links und rechts des Wegs waren Langlaufspuren angebracht. Einmal mussten wir einen Schiabfahrtsweg kreuzen. Da sausten die Snowboard- und Schifahrer mit einer affenartigen Geschwindigkeit an uns vorbei. Da war Aufpassen angesagt. Ich dachte mir, wenn hier ein Schifahrer mit einem anderen Fahrer oder auch Wanderer zusammenstösst, gibt es erhebliche Verletzungen. Viele unterschätzen die Geschwindigkeit. Ich sah auch die meisten ohne Helm herumfahren.
 
Während des Aufstiegs und später auf dem Feldberggipfel bewunderten wir das grandiose Alpenpanorama. Die schneebedeckten Berge zeichneten sich im leichten Dunst in einem zarten Blau am Horizont ab. Bei gutem Wetter sieht man im Süden die Berge der Bayerischen Alpen, Tiroler und Ostschweizer Alpen, die Churfirsten, Eiger und Jungfrau und den Mont Blanc. Für uns war auch der Blick auf das Wiesental, zum Herzogenhorn und Belchen ein besonderes Erlebnis. Ich hielt die schönsten Augenblicke mit der Digitalkamera fest. Das Bild „Blick auf das Wiesental“ ähnelte einer Schwarz-Weiss-Aufnahme, da sich das Grün der Bäume und Wiesen noch versteckte und in höheren Lagen das prachtvolle Weiss vorherrschte. Ein ähnliches Bild hatte kürzlich Walter Hess im winterlichen Tessin (Callatal) gemacht. Als ich das erste Mal dieses Bild sah, meinte ich, es sei eine SW-Aufnahme.
 
In etwa 1 Stunde erreichten wir auf leicht ansteigendem Weg die Todtnauer Hütte, die wegen Ferien geschlossen war (www.todtnauer-huette.de). Wir waren nicht enttäuscht, denn wir wollten auf einer anderen Hütte, die St. Wilhelmer Hütte, einkehren (www.sankt-wilhelmerhuette.de).
 
In der Nähe der Todtnauerhütte, auf der linken Wegseite, befindet sich die Kapelle St. Laurentius. Diese wurde aus Dankbarkeit für die gesunde Heimkehr der Söhne aus dem 2. Weltkrieg von der Familie Kunz errichtet. Die Hütte war von Schneemassen umrahmt.
 
Nach 20 Minuten erreichten wir bei leichtem Anstieg die St. Wilhelmer Hütte. Sie ist die am höchsten gelegene Hütte des Schwarzwalds (1423 m). Auch hier staunten wir über die Schneehügel. Die gegenüber der St. Wilhelmer Hütte gelegene Scheune war durch Schneeverwehungen fast bis zur Dachkrone eingehüllt. Ein ungewöhnlicher Anblick.
 
Im Gastraum der Hütte nahmen wir an einem Tisch Platz, an dem schon ein Gast sass. Er trank genussvoll ein Weizenbier (später erhielt er noch Speck mit Bauernbrot). 3 Personen von unserer Gruppe verspeisten eine Gemüsecremsuppe mit Wursteinlage (4,90 Euro), während der 4. im Bunde 1 Paar Bockwürste mit Brot zum selben Preis verzehrte. Dazu tranken wir ein erfrischendes Bier, das unsere Lebensgeister wieder erweckte.
 
Erheiternde Irrtümer
Wir kamen mit dem Fremden am Tisch ins Gespräch, das ganz lustig verlief. Da er des Öfteren in dieser Gegend den Langlauf zelebriert, wollte er vom Wirt wissen, wie lange eine bestimmt Strecke bis zur Todtnauer Hütte denn sei. „10 km für eine Strecke“, sagte der Wirt. Dann behauptete der Bursche, der Rückweg sei kürzer. „Das sind dann 19 km“ für Hin- und Rückweg. Der Wirt war ganz verzweifelt und meinte, wenn der Hinweg 10 km betrage, dann sei auch der Rückweg 10 km. Da war der wohl in Mathematik eher schwache Gast höchst verwundert, und wir konnten ein Lachen nur mühsam unterdrücken.
 
Es gab immer wieder Missverständnisse und Irrtümer mit diesem Gast. Dazu ein Beispiel: Zufällig berichteten wir von einer freundlichen Wirtin und sehr guten Köchin, die wir in ihrem Lokal nach diversen Wanderungen im Markgräflerland immer wieder aufsuchen. „Die kenne ich auch“, sagte der Bursche hocherfreut und sprach denn immer wieder von einer Straussi (Straussen- oder Besenwirtschaft), und fügte bei, unsere Bekannte führe jetzt eine Wirtschaft und biete als Spezialität Hähnchengerichte an. Er aber behauptete, es gebe nur Brotzeit und Wein in der Straussi. Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass er eine ganz andere meinte, die in einer ganz anderen Wirtschaft bedient. Sie hatte aber denselben Familiennamen. „Irrtümer des Menschen machen ihn eigentlich liebenswürdig“, sagte schon Goethe in seinen Maximen und Reflexionen. Das dürfte stimmen, zumal auch ich schon Irrtümern erlegen war. Für uns war diese Begegnung sehr erheiternd.
 
Nach der Stärkung wanderten wir bergwärts und ereichten bald darauf den 82 m hohen Fernsehturm. Linker Hand erblickten wir die Wetterradaranlage des Deutschen Wetterdiensts. Wir schritten dann in einem gemächlichen Tempo weiter über den Seebuck (1448 m), am 50 m hohen Feldbergturm mit Aussichtsplattform vorbei gegen das Haus der Natur. Unterwegs verlor sich der Weg, und wir mussten ein freies Feld überqueren, um in die Nähe des Schiabfahrthangs zu gelangen. Die Schwergewichtler unter uns sanken gnadenlos ein. Ich als Leichtgewicht konnte den Schneehang ohne Einbrüche bewältigen. Ewald nutzte die Gelegenheit zu einer rasanten Abfahrt. Er band sich den Anorak vorne zusammen und sauste mit dem Hosenboden vielleicht 15 m talwärts. Eine weitere Abfahrt vermied er, weil Bäumchen und Sträucher seinen Weg kreuzten.
 
Nach einigen Mühen erreichten wir unseren Winterwanderweg wieder, der uns zum Parkplatz zurückführte. Auf der Fahrt heimwärts sahen wir auf dem Feldbergpass Häuser mit Schneehauben. Die waren sicherlich 50 bis 100 Zentimeter dick. Man muss sich wundern, welche Last die Gebälke aushalten. Dann ging es wieder talabwärts durch das Wiesental nach Schopfheim D. Hier spürten wir doch etwas den Frühling. Es war etwa 13 °C warm, und wir konnten keinen Schnee mehr ausmachen. Nun kann er kommen, der lang ersehnte Frühling.
 
Anhang: Nicht nur Indianer benutzen Schneeschuhe!
Die Indianer im Norden Amerikas benutzen Schneeschuhe schon lange als Fortbewegungsmittel (es sind wohl nicht die Indianer des Peer Steinbrück, der die Schweizer so nannte und damit eine Welle der Entrüstung auslöste). Auch auf dem Feldberg waren Schneeschuhläufer unterwegs. Im Haus der Natur kann man für 10 Euro Schneeschuhe mieten (www.naturschutzzentren-bw.de). Heute fasziniert das Schneeschuhlaufen immer mehr Wintersportler. Wir verzichteten auf die Schneeschuhe und wanderten mit den üblichen Schuhen auf gut präparierten Pisten problemlos voran. Der Schnee war griffig, und auf dem Rückweg wegen der ansteigenden Temperaturen etwas sulzig.
 
In der Nähe unseres Parkplatzes gibt es auch eine Snowboardschule (www.schneebrett-schule.de). Aber auch so etwas ist machbar: Das Bullyfahren. Ab 17:00 Uhr gibt es eine Möglichkeit, mit der Pistenraupe mitzufahren. Das 1-stündige Herumfahren kostet 59 Euro (es darf immer nur eine Person mitfahren). Wer auch die Steilhänge mit der Pistenraupe hinauffahren möchte (teilweise mit Seilwinde) muss 79 Euro berappen.
 
Das Feldberggebiet ist wirklich ein Eldorado für Wintersportler. Aber nur, wenn genügend Schnee liegt. In diesem Jahr dürfte der Schnee sicherlich länger präsent sein als in den letzten Jahren.
 
Wir hatten ungemein Spass an dieser winterlichen Wanderung. Auch wurde mir wieder bewusst, in welcher schönen Landschaft wir zu Hause sind. „Warum in die Ferne schweifen. Sieh, das Gute (und Schöne) liegt so nah“, könnte man frei nach Goethe sagen.
 
Hinweise auf weitere Feldberg-Blogs
Ihre Meinung dazu?

 
Nach oben  
Alle Blogs
Liste der bisher erschienenen Tagebuchblätter
Blogs nach Autoren
Blogs nach Autoren
Artikel nach Autoren
Wer was geschrieben hat
  Twitter
Wir sind auch auf Twitter, ebenso unsere Gedankensplitter
 
   
  © 2002-2017 Textatelier