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BLOG vom 06.05.2009


Erdbeben, Stärke 4,5: Knall, Grummeln und heftiges Wackeln
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
„Ich bin heute Nacht plötzlich erwacht und hörte einen fernen Knall, ein langgezogenes Grummeln, einem ferner Donner ähnlich. Und plötzlich wackelte das Bett bzw. das ganze Haus. Der Kleiderschrank ächzte und nach 1 bis 2 Sekunden war alles vorbei (…) Das Erdbeben hat mich zum Nachdenken gebracht: der Mensch ist ein Nichts in der Natur“, schrieb Gerdi am 05.05.2009 an die „Badische Zeitung“.
 
Wir wohnen in Schopfheim und dieses Beben war deutlich stärker als das vor ein paar Jahren. Die Welle war deutlich zu spüren, dazu ein lautes Geräusch. Auch ich dachte, entweder ist das eine Explosion oder ein Beben“, übermittelte Corinna H. in einem Kommentar an die erwähnte Zeitung. Ein anderer war der Meinung, ein Lastwagen sei in sein Haus gedonnert.
 
Auch wir erlebten das Erdbeben mit der Stärke 4,5 (Magnitude auf der Richterskala) in Schopfheim D um 03:39 am 05.05.2009 so wie geschildert. Ich wachte schon 15 Minuten vor dem Ereignis auf, ging zur Toilette und dann wieder ins Bett. Plötzlich tauchte unsere Katze an meinem Bettrand auf und begann sich dort niederzulassen. Sie wird bei solchen Ereignissen immer unruhig und sucht ein sicheres Plätzchen. Kurz darauf folgte ein explosionsartiger Schlag, das Bett wackelte, und die offene Schlafzimmertür ächzte. Es hörte sich an, wie wenn eine verängstigte Katze in panikartigem Lauf oder ein schlaftrunkener Bewohner gegen eine Tür donnerte. Die Katze hatte sich aus dem Schlafzimmer verzogen. Beim Nachsehen entdeckte ich die verängstigte Katze unter dem Esstisch.
 
Mein Herz raste, und ich konnte danach vielleicht erst nach 30 Minuten wieder einschlafen. Eine Nachbarin, die immer einen leichten Schlaf hat, wachte auf, zog sich eilends an und sauste auf den Balkon. Wie sie berichtete, gingen überall die Lichter in den Wohnungen an, und es wurde im Haus fleissig die Toilettenspülung benutzt. Das Rauschen war überall zu hören. Die Badenova berichtete von einem Anstieg des Wasserverbrauches von 60 bis 70 Kubikmeter in der betroffenen Region auf 294 Kubikmeter.
 
Weitere Leser der „Badischen Zeitung“ wollten vor dem Ereignis und auch danach kleine Erdstösse wahrgenommen haben. Wolfgang Brüstle vom Erdbebendienst im Regierungspräsidium Freiburg erwähnte in der „Landesschau“ (SWR) um 18:45 Uhr, die Messinstrumente hätten keine Vor- und Nachbeben registriert.
 
Es gab auch diesmal wieder Meldungen über das merkwürdige Verhalten von Hunden und Katzen vor dem Erdbeben. Ich kann mir vorstellen, dass Tiere feinfühliger reagieren. Fakten dazu habe ich bereits in meiner Arbeit „Tierisch klug“ publiziert. Die erwähnte Nachbarin hatte früher einen Hund, der auch vor Erdbeben unruhig wurde. Trat dann das Ereignis ein, hatte er solche Angst, dass er immer einen epileptischen Anfall bekam.
 
Zahlreiche Risse in Häusern
Laut Meldung des Landes-Erdbebendienstes in Freiburg D (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau) lag das Epizentrum zwischen Weitenau und dem ehemaligen Kloster Weitenau (heute Fachklinik für Suchtkranke) in der Nähe von Steinen, Kreis Lörrach. Am Morgen wurde zunächst verkündet, das Epizentrum liege in Tegernau, dann in Kandern, später wurde die Meldung auf Steinen korrigiert. Das Beben war im Umkreis von 100 km spürbar. Die Herdtiefe befand sich etwa  10 km unter der Erdoberfläche. Das Ereignis wurde als „mässig-starkes“ Erdbeben eingestuft.
 
An den Gebäuden der Fachklinik „Haus Weitenau“ zeigten sich 20 Risse. Der Klinikgeschäftsführer Bernd Riesterer sprach von einem Schaden in Höhe von voraussichtlich 200 000 Euro. Weitere Schäden wurden bisher nicht bekannt. Alle waren froh, dass das Schulzentrum in Steinen vor einigen Jahren für 7,5 Millionen Euro erdbebensicher gemacht wurde.
 
Im Industriegebiet Schweizerhalle (Baselland, Gemeinden Muttenz und Pratteln) kam es zu einem Stromunterbruch von 5 Minuten. Das Erdbeben löste eine Sicherheitsabschaltung in einem Unterwerk aus.
 
Zum Glück blieb das Kernkraftwerk Fessenheim (Elsass) unbeschädigt. Das Beben löste nur einen Alarm aus. Die anschliessende Kontrolle ergab keine Störung. Bärbel Mielich, Landtagsabgeordnete von den Grünen, fordert schon lange eine Abschaltung des Atomkraftwerkes, da Zweifel an der Erdbebensicherheit bestehen.
 
Ruckartige Bewegungen der Erdkruste
Schwerpunkte der meisten Erdbeben in Deutschland sind der Rheingraben und der Zollernalbkreis auf der Schwäbischen Alb. In Bruchzonen entstehen immer wieder Spannungen in den Erdschichten. Vor 50 Millionen Jahren brachen die Vogesen und der Schwarzwald auseinander, und es bildete sich der Oberrheingraben, wo heute der Rhein fliesst. Basel und der Kreis Lörrach und der Raum Balingen gehören zur Zone 4 (stark gefährdet).
 
In der Vergangenheit gab es schon viele kleine Erdbeben, so am 20.04.2009. Es war jedoch von den meisten nicht registriert worden, da es eine Stärke von 1,5 hatte. Eines der stärksten Erdbeben mit einer Stärke von 5,4 ereignete sich 2004 in 10 km Tiefe unter dem Kandel bei Waldkirch.
 
Auch die geothermischen Bohrungen in Riehen in einer erdbebengefährdeten Gegend lösten kleine Erdbeben aus. Danach wurden weitere Bohrungen eingestellt.
 
Übrigens soll es nach Schätzungen weltweit 6200 Erdbeben der Stärke 4,0–4,9 jährlich geben. Die freigesetzte Energie beträgt bei einer solchen Stärke 1–32 kt bzw. 4,2 –135 TJ. Zum Vergleich: Das Erdbeben am 06.04.2009 in den Abruzzen (Hauptstadt L’Aquila) betrug 5,8. Die freigesetzte Energie beträgt im Bereich von 5,0–5,9 der Richterskala 32–1000 kt bzw. 125–4200 TJ, also wesentlich stärker als das Erdbeben in unserer Region. Weltweit gibt es im Bereich 5,0–5,9 etwa 800 Erdbeben jährlich (siehe Quellenangaben am Schluss).
Erklärung: 1 kt = 1 Kilotonne = 1000 t; TJ = Terajoule, 1 TJ = 1000 Gigajoule)
 
Immer, wenn uns ein Erdbeben wachrüttelt (erstaunlich, dass die meisten Erdbeben, die wir erlebt haben, sich am späten Abend oder in der Nacht ereigneten), dann denke ich immer an die Urgewalt eines solchen Ereignisses. Wir sind den Erdbeben hilflos ausgeliefert. Wir können jedoch etwas dagegen tun, nämlich unsere Gebäude erdbebensicher bauen. Es gibt unzählige Vorschriften, auch in Italien. Nur werden dort immer wieder die Vorschriften umgangen.
 
Internet
Glanzpunkte: „Neuer Kanton, Nachbeben auf dem Klo“ (Kurioses und Bemerkenswertes während und nach einem Erdbeben; Autor: Heinz Scholz).
 
Eine bemerkenswerte, ständig aktualisierte Übersicht über die neuesten Erdbeben weltweit ("Latest Earthquakes in the World – Past 7 days") ist im Internet abrufbar: 
 
www.altbasel.ch/dossier/erdbeben.html (Infos zum grossen Erdbeben von Basel, mit Literaturangaben).
www.lgrb.uni-freiburg.de (Erdbebenmeldungen, Seismogramme, Infos)
www.badische-zeitung.de (weiter Infos zum Erdbeben)
 
Hinweis auf weitere Erdbeben-Blogs aus dem textatelier.com
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