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BLOG vom 09.07.2009


„Ich bin halt nur eine einfache, hornlose Milchkuh im Stall ..."
Autorin: Lislott Pfaff, Schriftstellerin, Liestal BL
 
Ich bin eine Milchkuh – eine von den 350 000 braven Schweizer Milchkühen, die ihr Leben angebunden im Stall fristen. Das Vreneli, die kleine Tochter meines Bauern, hat mir erzählt, dass es auch Kühe gibt, die zusammen mit ihren Kälbchen draussen auf der Weide sind – muss das schön sein! Dann könnte ich meinen Brunz oder Pflätter einfach fallen lassen, ohne dass ich einen elektrischen Schlag bekomme wie hier im Stall, wo ich keinen krummen Rücken machen darf und an meinem Platz einen Schritt zurücktreten muss, damit ich den Metallbügel oberhalb meines Rückens nicht berühre. So fällt das Zeug an den richtigen Ort, wo der Bauer oder eine Maschine es besser wegputzen kann.
 
Natürlich habe ich die ganze Zeit Angst vor diesem Bügel und seinen Schlägen und getraue mich nicht einmal, den Kopf zu drehen, um mich zu schlecken. Ich gehöre auch zu den 90 % der Schweizer Kühe, die keine Hörner haben, weil der Bauer die Knospen abgebrannt hat, als ich noch ein ganz kleines Kalb war. Das Vreneli hat gesagt, die Hörner seien die Würde jeder Kuh, das habe sie in der Schule gelernt, und eine Kuh ohne Hörner sei nur eine halbe Kuh. Ich weiss nicht, weshalb mein Bauer uns Kühe so verunstaltet.
 
Das Vreneli hat mir auch erzählt, wir Kühe würden viel zu viel Milch geben, deshalb werde diese immer billiger, und es sei darum auch ein Butterberg entstanden. Sein Vater sei gar nicht zufrieden, dass er meine Milch und die von meinen Kolleginnen so billig verkaufen müsse. Ich begreife nicht, warum ich die Milch nicht meinem Kälbchen zu trinken geben darf, wenn es doch zu viel davon gibt in der Schweiz.
 
Jedesmal, wenn ich einem Kälbchen das Leben schenke, wird es mir gleich weggenommen, obwohl es laut nach mir schreit und nach meiner Milch. Das ist ganz schrecklich. Aber ich bin halt nur eine einfache Milchkuh und verstehe nichts von Milchpreisen, Milchkategorien und Milchbörse, so wie das in der Zeitung steht – hat das Vreneli gesagt. Es möchte, dass ich auf die Weide darf und nicht mehr Tag für Tag im Stall angebunden sein muss. Wenn es einmal gross sei, hat es mir versprochen, werde es dafür sorgen, dass die Kälbchen bei ihren Müttern bleiben und ihre Milch trinken dürfen. Ich hoffe, dass ich das noch erleben werde, und warte deshalb geduldig noch ein paar Jahre, bis das Vreneli gross ist.
 
Inspirationen zu diesem Text
„Milch: Weiter mit der Planwirtschaft“, Basellandschaftliche Zeitung, 25.06.2009.
„Schulterschluss im Milchmarkt“, Basellandschaftliche Zeitung, 30.06.09.
 
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