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BLOG vom 22.07.2009


Verlorener Afghanistankrieg: Wachsende Zahl der Opfer
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Auf der Seite der Koalition sollen seit 2003 rund 5000 Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen sein. Diese Zahl schwankt beachtlich, je nach Quelle. Was die Todesopfer der zivilen Bevölkerung betrifft, reichen die Schätzungen weit auseinander: zwischen 8400 und 28 000.
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Dieser westlich inszenierte „Befreiungskrieg“, angezettelt von den USA und dem United Kingdom im NATO-Verbund, ist längst verloren. Dennoch haben die USA den Truppenbestand in Afghanistan um weitere 17 000 Mann erhöht. Der Totalbestand der USA-Truppen beträgt dort jetzt rund 50 000. Was den Russen nicht gelungen ist und wiederholt den Briten auch nicht, lehrt klipp und klar die Geschichte: Das vom Gebirge und Stämmen zerklüftete Land, jetzt nach Pakistan übergreifend, ist uneinnehmbar.
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Die Särge mit den toten Soldaten werden nach England eingeflogen und mit gebührendem Respekt beerdigt. Sehr oft sind die Opfer zwischen 18 und 20 Jahre alt und wussten wenig über Afghanistan und über die widrigen Umstände, denen sie ausgesetzt wurden; obendrein waren sie denkbar schlecht ausgerüstet. Jetzt plädieren die Generäle für besser gepanzerte Vehikel, Helikopter usw. Somit wird der bereits verlorene Krieg um Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte verschleppt, indessen sich der Protest der Bevölkerung gegen dieses sinnlose Gemetzel verstärkt.
 
Was dieser Krieg erreichen soll, ist unklar, denn eine klare Strategie fehlt. Fadenscheinig wird begründet, dass der Terror von Al Kaida/Taliban wiederum nach dem Westen (das heisst in die westliche Einflusssphäre) verlagert werde, sobald die Koalition sich zurückziehe. Attentate in Indien, Bali und anderswo belegen, dass wenige Terroristen ausreichen, um ein Blutbad anzurichten.
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Eine Bildreportage in der „Sunday Times“ vom 19. Juli 2009 zeigt einen furchtbar verstümmelten Kriegsversehrten, José Pequeño, dessen linke Schädelseite, von einer Granate getroffen, ihm 40 % seines Gehirns weggerissen hat, von seiner Mutter in den Armen gehalten. Wer erfährt etwas von den Schwerverletzten? Wer will das schon wissen? Die Medien erwähnen selbst am Rand kaum, wie die einheimische Bevölkerung in diesem Inferno Leben einbüsst, und wenn sie das fragwürdige Glück" hat, schwerverletzt in Spitäler eingeliefert wird: Mütter, Kinder und andere am Krieg unbeteiligte Männer und Frauen, ob jung oder alt.
 
Heute fehlen engagierte Kriegsgegner wie seinerzeit etwa Bertrand Russell, unter dessen humanitären Banner sich die Bevölkerung anschliessen kann. Eine Massenbewegung gegen den Krieg ist höchst überfällig. Selbst der Präsident von Afghanistan, Hamid Karzei, schlägt vor, dass ein Dialog zwischen den Streitkräften auf beiden Seiten eingeleitet werden sollte. Die in Obama gesetzte Hoffnung, dass er als Friedensstifter seine Wahlversprechungen einlöse, ist hinfällig geworden. „Shame on him!“
 
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