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BLOG vom 29.09.2009


Handwerker-Meinungen: Welche Ratschläge stimmen denn?
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Von einem früheren Arbeitskollegen aus Wehr (Baden D) hörte ich unglaubliche Dinge über Handwerker. Er baute damals ein Haus und hatte viele Reklamationen, die bereinigt werden sollten. „Über die Fehlleistungen könnte man ein Buch schreiben“, sagte er damals zu mir. Ich konnte dies alles nicht so recht glauben, hatte ich doch nur Erfahrungen mit Umzugsfirmen.
 
Als wir 1978 von Wehr nach Schopfheim D zogen, versäumten wir, einen Pauschalbetrag für den Umzug zu vereinbaren. Wir räumten schon vorher die Kleider und das Geschirr aus den Schränken und transportierten diese mit unserem Fahrzeug nach Schopfheim. Wir waren fest überzeugt, man könnte durch Vorarbeiten viel Geld sparen. Beim Umzug kam dann das böse Erwachen. Die Arbeiter liessen sich sehr viel Zeit beim Transport der Möbel aus der Wohnung. Als sie den Kühlschrank aus der alten Wohnung in den Flur im 3. Stock trugen, machten sie schon im Treppenhaus die 1. Pause. Dann wurde im Eingangsbereich noch eine Lampe zertrümmert. Und so ging es weiter mit der Bummelei. Die Rechnung wurde uns einige Tage später präsentiert. Der Betrag setzte sich aus den geleisteten Stunden zusammen, und er war beträchtlich.
 
„Aus Schaden wird man klug“. Diesen Spruch nahm ich mir zu Herzen. Bei den zukünftigen Handwerkerarbeiten holten wir immer mehrere Angebote ein und vereinbarten einen Pauschalbetrag. Und da war es plötzlich aus mit der Bummelei. Die Handwerker arbeiteten plötzlich sehr flott, um die vorgesehenen Zeiten einzuhalten.
 
Er bohrte die Löcher zu gross
Auch im Internet sind Erfahrungen mit Handwerkern nachzulesen. Da bestellte beispielsweise ein Ehepaar einen Handwerker für Malerarbeiten. Dieser tauchte zum vereinbarten Termin nicht auf. Was tun? Weitersuchen! Von 8 kontaktierten Malern erbarmte sich einer, um die Arbeiten auszuführen. „Haben die Handwerker alle zu viel Geld oder zu viele Aufträge? Wenn ich so arbeiten würde, wäre ich wohl bald meinen Job los“, resümierte verärgert „christian-p.“ im Internet.
 
Den absoluten Knaller erlebte „Inkalilie“ (www.hausgarten.net) mit einem Elektriker. Dieser verlängerte Kabel falsch. Die Löcher für Steckdosen wurden zu gross gebohrt, so dass die Steckdosen die Löcher nicht verdeckten. Auch die Stromzufuhr für eine Aussenbeleuchtung funktionierte nicht. Als der Auftraggeber dies monierte, meinte doch der Handwerker frech, er (der Hausherr) hätte wohl das Kabel beim Befestigen der Gardinenstange angebohrt. Später stellte sich heraus, dass alles falsch angeschlossen war.
 
Ein Bekannter hatte diesbezüglich ebenfalls schlechte Erfahrungen gemacht. Ein Fliesenleger kam zum vereinbarten Zeitpunkt nicht. Hatte er keine Lust? Wie der Auftraggeber später erfuhr, lief kurz vor dem Termin die Frau des Handwerkers mit einem anderen Mann davon. Und er habe keine Lust, so seine Erklärung, nebenbei noch Geld zuverdienen. Auch der 2. Fliesenleger, der einen Termin fest zugesagt hatte, erschien nicht. Erst ein 3. Handwerker erledigte dann später die Arbeit zur vollen Zufriedenheit.
 
Es gibt auch gute und zuverlässige Handwerker. Oft gehen wir so vor, dass wir seriöse Firmen beauftragen oder auch auf Erfahrungen Anderer zurückgreifen. Mit der Verlegung von Steinfliesen in unserer Küche durch die Firma Fliesen Andris aus Schopfheim waren wir sehr zufrieden.
 
Schlechte Zahlungsmoral
Immer wieder höre ich von Handwerkern, die mit der Zahlungsmoral ihrer Kunden nicht zufrieden sind. Auch gibt es etliche Zeitgenossen, die jede Kleinigkeit reklamieren, um die Zahlungen hinauszuzögern.
 
Auch Honoré de Balzac (1799‒1850), um ein Beispiel aus vergangner Zeit zu bringen, war ein schlechter Zahler, da er selten Geld hatte. Ein Handwerker verlangte sofort den Lohn. Als Balzac nicht zahlen konnte, wurde der Handwerker wütend und fing an zu schreien. „Wenn ich zu ihnen komme, sind Sie nie zu Hause, und wenn ich Sie endlich antreffe, haben Sie kein Geld“, rief der Handwerker. Darauf antwortete Balzac: „Das ist doch selbstverständlich, wenn ich Geld hätte, wäre ich nicht zu Hause.“
 
Selbst ist der Mann oder die Frau
Da wir demnächst einen neuen Wohnzimmerschrank bekommen, entschieden wir uns, den 21-jährigen Teppichboden zu entfernen und durch einen Laminat- oder Parkettboden zu ersetzten. Paula räumte schon vor einigen Wochen langsam den Schrank aus und verstaute die Gegenstände in Umzugskartons, die teilweise auf dem Balkon und in diversen Zimmern abgestellt wurden. Etliche Stücke aus dem alten Schrank wurden verschenkt oder entsorgt. Im Laufe der Zeit hatte sich nämlich viel Geschirr angesammelt, das nie benutzt wurde. Der leere Schrank wurde dann an ein junges Ehepaar verschenkt.
 
Danach war ein neuer Decken- und Wandanstrich fällig. Hier suchten wir keinen Maler, da meine Tochter Daniela und ich schon Erfahrungen in diesen Arbeiten hatten. Wir schwangen den Malerpinsel und strichen darauf los. Beim Deckenanstrich – wir befestigten die Malerrolle an einem langen Stiel – war Strecken und in die Luftblicken angesagt. Da konnte meine gelenkigere Tochter den grössten Anteil der Arbeit sehr gut meistern. Der nicht so gelenkige Vater wurde mit einer Genickstarre belohnt. Dann waren leichte gymnastische Übungen gegen diese Beschwerden fällig.
 
Nach dieser Prozedur wendeten wir uns dem Boden zu.
 
Das 25 m2 grosse Wohnzimmer räumten wir nur teilweise aus. Das Sofa, den Sofatisch und den Esstisch beliessen wir im Zimmer, da wir bei den Bodenlegearbeiten nur diese verschieben brauchten.
 
Einigen Handwerkern und Spezialisten vom Baumarkt stellte ich diese Frage: „Muss vor dem Verlegen der Teppichboden entfernt werden oder kann man ihn als Untergrund belassen?“ „Sie brauchen ihn nicht zu entfernen, meinte Einer. Ein Anderer war der Ansicht, man müsste ihn herausreissen. Ein jüngerer Mann vertrat die Ansicht, wenn der Teppich einen hohen Wolleanteil habe, dann müsse man ihn entfernen, da er nach der Abdeckung mit Laminat oder Parkett zu stinken anfängt. Wanderfreund Ewald, der früher in einer Teppichweberei tätig war, prüfte, ob Wolle im Teppich war. Er machte die Brennprobe. In der Tat entdeckte er einen Anteil Wolle. Die bisherigen Antworten waren mir nicht genügend. Deshalb ging die Fragerei weiter.
 
Die Frau unseres Hausverwalters, die schon Bodenlegearbeiten in ihren Wohnungen hinter sich hatte, sagte mir, der Teppichboden müsse unbedingt raus. Ich erzählte ihr noch von den unterschiedlichen Empfehlungen der Handwerker. Hier ihre Antwort: „Wenn man 5 Handwerker befragt, kommen 4 verschiedene Meinungen heraus.“ Das könnte stimmen.
 
Nun, wir hatten die Nase voll. Wir entfernten den Teppichboden. Aber oh weh! Die Unterseite des Teppichs blieb am Boden kleben. In mühsamer Arbeit kratzen wir mit einem robusten Spatel den Belag ab. Dabei war fröhliches Bücken angesagt.
 
Bei der Wahl der Bodenbeläge gab es auch diverse Meinungen. Sollten wir Laminat, Parkett oder Bambus nehmen? Empfohlen wurde mir auch ein Gummibaum-Parkett.
 
In den Zeiten meiner Überlegungen sah ich mir eine Dokumentation im Fernsehen über die Herstellung von Bambusparkett und einen anschliessenden Test an. Der Bambus war am stabilsten, dann folgten Parkette von Eiche, Buche und Fichte (Fichte war am empfindlichsten bezüglich Kratzfestigkeit usw. Dieses Material wäre bei unserer manchmal kratzenden Hauskatze denkbar ungeeignet gewesen).
 
„Den Bambus brauchen sie nicht. Er ist für strapazierfähige Böden geeignet“, sagte ein Verkäufer zu mir. Dann wollte ich unbedingt Parkett haben, und endlich entschieden wir uns doch für das Laminat, da wir mit diesem Belag nur gute Erfahrungen gemacht haben.
 
Das Klick-Laminat wurde mit den Profilleisten, der Baufolie und Gutex (Dämmmaterial aus Schwarzwaldholz) bestellt, und dann auch pünktlich von der Firma Zettler aus Häg-Ehrsberg angeliefert.
 
Zusammen mit einem versierten Bodenleger aus unserem Bekanntenkreis verlegten wir dann problemlos den Laminatboden und brachten die Sockelleisten an. Bald darauf konnten wir unser schönes Werk begutachten.
 
Vom vielen Bücken trat mir der Rücken weh. Die Probleme verschwanden jedoch in einigen Tagen. Da in dieser Woche das Wandern ausfiel, dachte ich mir, wer so arbeitet, brauche nicht zu wandern. Da hat man „gymnastische Übungen“ genug.
 
Nun warten wir geduldig auf die pünktliche Lieferung des Wohnzimmerschranks. Während ich diese Zeilen schrieb, rief eine Angestellte des Möbelhauses Brotz aus Murg D an und brachte uns die frohe Kunde, dass die Lieferung sogar 2 Wochen früher erfolgen soll. Meine Frau jubelte, weil sie dann endlich die Gegenstände aus den Kartons in den neuen Schrank einräumen kann. Das Chaos findet sein Ende.
 
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