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BLOG vom 16.02.2010


Hausmittel (I): Kräuterkissen beruhigen und entspannen
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Kräuter- und Getreidekissen waren lange Zeit in Vergessenheit geraten, erfreuen sich jedoch wachsender Beliebtheit. Bewährt haben sich die Kissen bei Schlafstörungen, Stress, Schmerzen, Rheuma, Hexenschuss, Ischias und Muskelverspannungen. Es wird sogar ein Kräuterkissen für Schnarcher empfohlen.
 
Bevor die Menschen zur Schmerz- oder Einschlaftablette greifen, sollten sie natürliche Alternativen ins Auge fassen. Bestens bewährt haben sich Getreide- und Kräuterkissen. In dieser Abhandlung stelle ich die wichtigsten Kissen vor, die Karriere machten.
 
Wohlige Wärme durch das Kirschsteinkissen
Die Überraschung war gross, als ich von meiner ehemaligen Firma Novartis als Jahresgabe Kirschschnaps und ein Kirschsteinkissen erhielt. Das Geschenk wurde an die ehemaligen Arbeitnehmer, die nicht in der obligatorischen Jahresfeier im Dezember anwesend waren, verschickt. Das Kissen war so geformt, dass man es um den hinteren Halsbereich und der Schulter legen konnte. Ein solch geformtes Kissen wird als Nackenhörnchen bezeichnet.
 
Da ich wohl nach dem vielen Blog-Schreiben etwas im oberen Schulterbereich verspannt war, legte ich das erwärmte Kissen gleich an und genoss dann die wohlige Wärme. Die Linderung trat augenblicklich ein.
 
Das Kirschsteinkissen ist eine sehr gute Alternative zu den herkömmlichen Wärmflaschen.
 
Die Kissen sind mit gewaschenen und getrockneten Kirschkernen gefüllt. Das Inlett besteht aus Baumwolle. Die Kerne haben die Eigenschaft, die Wärme schnell aufzunehmen und diese langsam und gleichmässig wieder abzugeben. Verbrennungen sind nicht möglich. Eine weitere Eigenschaft, die ich sehr schätze, ist die gute Anpassung an jede Körperpartie. Die Kissen dienen zum Warmhalten von Wickeln oder sind dort einsetzbar, wo eine Wärmebehandlung angebracht ist. Sie dienen auch als Massagehilfe für Rücken, Bauch, Arme und Beine.
 
Natürlich kann man das Kissen auch als Kältekompresse verwenden.
 
Ausführung: Das Kissen im Backofen bei 50 °C 4 Minuten oder in der Mikrowelle bei 800 Watt 1 bis 2 Minuten erwärmen. Die Reinigung wird nur mit Handwäsche empfohlen.
 
Dinkel- und Hirsekissen
Dinkelkissen: Diese Kissen werden mit Dinkelspelzprodukten gefüllt. Kleinere Kissen können auch direkt auf die schmerzenden Stellen gelegt werden.
 
Anwendung: Bei Gelenk-, Rücken-, Schulter- und Nackenschmerzen, Rheuma, Zahnschmerzen, Menstruationsschmerzen, Blasenleiden.
 
Der Handel bietet Kissen, Nackenrollen, Augenkissen, Lendenkissen und entsprechende Unterbetten an.
 
Dinkelspelz speichert die Körperwärme, das Kissen lässt sich auch gut aufwärmen. Der Entspannungseffekt wird durch die Wärme gefördert.
 
Hirsekissen: Diese Kissen verwendeten Mütter, wenn ihre Kinder unruhig waren und nicht einschlafen konnten. „Die Körner passen sich ausgezeichnet der Kopfform an und bewirken, dass Wirbelsäule und Nacken in einer Geraden liegen“, erklärte mir der Masseur Gerhard Leist aus Basel. Weitere Vorzüge der Hirse: Sie ist atmungsaktiv, im Sommer wird die Füllung nicht zu warm und im Winter nicht zu kalt.
 
Achtung! Wer gegen Hirse und Dinkelspreu allergisch reagiert, darf diese nicht anwenden. Erste Anzeichen einer allergischen Reaktion sind Halskratzen, Nasenjucken und Husten.
 
Leinensäckchen, gefüllt mit Heilpflanzen: Bei Schlafstörungen hilft ein Leinensäckchen, das zu gleichen Teilen mit Baldrianwurzelstücken, Hopfenblüten, Thymiankraut und Lavendelblüten gefüllt und unter das Kopfkissen gelegt wird. Sie können das Kissen auch in der Nähe des Kopfkissens oder auf dem Nachtschränkchen platzieren. Die Düfte beruhigen und bringen einen gesunden Schlaf.
 
Kräuterkissen für Schnarcher
Was wurde schon alles angeboten, um die nächtlichen „Baumsägearbeiten“ zu unterbinden. Es gibt aber auch ein Kräuterkissen für den „lauten Schläfer“. Ein solches Kissen enthält Thymian, Melisse, Holunder- und Lindenblüten. Der Duft dieser Kräuter entspannt und beruhigt. Auch „schlechte Träume und Alpträume“ soll ein solches Kissen vertreiben (hier kommt besonders der Duft der Melisse zum Tragen).
 
Heublumensack hilft auch bei Raucherhusten
Der Heublumensack ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Die Heublumen wirken leicht hautreizend, fördern die Durchblutung und Ausscheidung. Durch die feuchte Wärme wird die Wirkung noch unterstützt.
 
Anwendung: Bei rheumatischen Erkrankungen, Beschwerden im Gallen-Nieren-Blasen-Bereich, Raucherhusten, Hexenschuss, Ischias, Kopfschmerzen (gehen letztere von der Halswirbelsäule aus, das Säckchen im Nacken auflegen).
 
Herstellung: Wenn Sie keine Mühe scheuen, dann besorgen Sie sich Heublumen, füllen diese in ein Leinensäckchen, geben dieses in einen Topf und giessen heisses Wasser darüber. Die Heublumen im Sack sollen etwa 10 Minuten quellen. Danach wird kräftig ausgepresst, bis kein Wasser mehr herauskommt. Erst dann können Sie das Säckchen auf die erkrankte Stelle auflegen. Je nach Bedarf kann es heiss (38 bis 40 °C), warm oder kalt eingesetzt werden.
 
Wie lange soll das Säckchen aufliegen? Am besten so lange, bis es sich abgekühlt hat. Sie können das Säckchen je nach Bedarf entweder täglich oder 2- bis 3-Mal wöchentlich auflegen. Die Heublumensäcklein können 2 bis 3mal verwendet werden. Nach jedem Gebrauch sorgfältig trocknen, um Schimmelbildung zu vermeiden (nach Maya Thüler).
 
Bärlapp- und Amaranth-Kissen
Der Handel bietet u. a. folgende Kissen an: Traubenkernkissen, Rapskissen, Buchweizenkissen, Anti-Kopfschmerzkissen, Amaranth-Augenkissen. Die Kissen kann man auch selbst füllen.
 
Das Bärlpappkissen ist hilfreich bei Verkrampfungen der Muskulatur.
 
Je nach Kissengrösse gibt man bis 300 g Bärlappsamen in den Kissenbezug. Das Kissen wird zugenäht und kann bis zu einem Jahr angewandt werden.
 
Entspannungskissen: Das Kissen füllt man mit der folgenden Kräutermischung: Salbeiblätter, Thymian, Lavendel, eventuell einige Tropfen Teebaumöl hinzufügen. Das Kräuterkissen wird vor dem Schlafen unter dem Kopfkissen gelegt. Es hilft auch bei Erkältungen.
 
Anti-Kopfschmerzkissen (Preis im Handel 10,95 Euro): Das Kissen enthält Bio-Hirsespreu, Eisenkraut, Majoran, Lavendel, Pfefferminze und Rosmarin. Die Inhaltsstoffe lindern Kopfschmerzen und lösen Verspannungen. Der Kopf wird auf das Kissen gelegt. Atmen Sie den Duft tief ein!
 
Bio-Amaranth Augenkissen (Preis im Handel 9,95 Euro): Das Kissen enthält Amaranth aus biologisch kontrolliertem Anbau. Beim Auflegen auf die geschlossenen Augen entfaltet das Kissen eine kühlende und wohltuende Wirkung. Das Kissen ist besonders bei längeren PC-Arbeiten, ausgiebigem Fernsehen und nach anstrengenden Autofahrten sehr geeignet.
 
Erkältungskissen (Preis im Handel 8,95 Euro): Das Kissen, das auf die Brust oder auf das Kopfkissen gelegt wird, enthält Eukalyptus, Fichtennadeln, Fichtensprossen, Salbei.
 
Kräuter-Rolle „Anti-Stress“ (Preis im Handel 19,95 Euro): Das Kissen beruhigt und entspannt besonders gestresste Personen ungemein. Es enthält neben Bio-Hirsespreu Lavendel, Hopfen, Melisse, Eisenkraut, Orangenblüten und Waldmeister.
 
Tiefschlafkissen für Erwachsene, Kinder, Babys (8,95 Euro für ein 20 x 20 cm Kissen): Das Einatmen der Düfte eignet sich besonders bei Einschlafstörungen und einer verminderten Schlaftiefe. Das Kissen weist eine Kräutermischung aus Hopfen, Kamille, Lavendel und Melisse auf. Es gibt auch Kissen, die nur Lavendelblüten enthalten.
 
Unfug mit Spreu
Beim Schälen des Korns fällt bekanntlich Spreu bzw. Kleie an. In vergangenen Zeiten galt dies als besonders wertloser Abfall (und damit wurden die Schweine gefüttert, die im Gegensatz zum Mensch hervorragend gediehen). Aber ganz unnütz waren diese Schalen nicht. Unsere Vorfahren im Badischen füllten damit Säcke (Spreusäcke, Spreiersäck). Diese dienten als aufsaugende Unterlage für Babys und Bettnässer. Auch wurden Kissenbezüge mit diesem Material gefüllt und als Sitzkissen beim Tabakeinfassen und Hopfenzupfen gebraucht.
 
Früher wurden auch Bettunterlagen mit Spreu gefüllt, wie mir eine Frau aus Maulburg (Kreis Lörrach D) berichtete. Als sie des Nachts sehr schwitzte und nicht schlafen konnte, meinte eine Tante zu ihr: „Leg Dich doch mal in mein Spreu-Bett.“ Gesagt, getan. Sie probierte das Bett aus und siehe da, sie konnte wieder wunderbar schlafen.
 
Im Brauchtum spielte Spreu ebenfalls eine Rolle. Mit dem Spreierstreuen wurde oft Unfug getrieben. Kam beispielsweise ein Mädchen in Unehren, dann streuten Unbekannte des Nachts Spreu ums Haus. Dann hatte eine solche junge Frau nichts mehr zu lachen. Sie wurde quasi öffentlich angeprangert, sie war gesellschaftlich erledigt.
 
Internet
www.naturhaus-kaiser.de (Angebote und Preise für Kissen aller Art).
http://www.kraeuter-apotheke.net/ (Infos über Kräuterkissen).
www.wickel.ch (Infos über Wickel).
www.wellnessing.de (Infos über Kräuterkissen u. a.).
 
Literatur
Scholz, Heinz; Hiepe, Frank: „Arnika und Frauenwohl“, IPa Verlag, Vaihingen 2002.
Scholz, Heinz: „Kräuterkissen und Kräutersäckchen“, Ratgeber, 1996-04.
Thüler, Maya: „Wohltuende Wickel“, 9. Auflage, Bern 2003.
 
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