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BLOG vom 20.02.2010


Nachtaktiver Steinmarder: Beissattacken auf Autozündkabel
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Er ist langgestreckt, hat einen schlanken Rumpf und relativ kurze Gliedmassen. Er sieht putzig aus, hat einen weissen und oft gegabelten Kehlfleck, der sich bis auf die Vorderbeine erstrecken kann. Das Fell ist graubraun gefärbt und rau, er hat eine helle Nase und unbehaarte Fusssohlen. Und er hat scharfe Zähne. Er ist ein Allesfresser. Er ernährt sich von Wild- und Gartenfrüchten, Kleintieren und Abfällen aller Art.
 
Es handelt sich keineswegs um ein putziges Haustier, sondern um ein Raubtier. Es ist der Steinmarder (Martes foina). Zur Familie der Marder gehören Nerz, Iltis, Dachs, Baum- und Steinmarder, Vielfrass und Fischotter.
 
Für manchen Zeitgenossen ist der Steinmarder ein Ärgernis. Er dringt nämlich immer häufiger in menschliche Behausungen ein und zerbeisst mit Vorliebe so manches Autokabel.
 
Er ist kein beisswütiges Monster oder ein Tier, das in einen Blutrausch verfällt. Dies wurde oft behauptet, wenn er in Hühnerställe eindrang. Der Marder tötet nämlich nur solange, wie das Geflatter als Beutefang-Auslöser wirkt (www.forst-hamburg.de).
 
Warum ich gerade jetzt auf den Steinmarder komme hat folgende Vorgeschichte: Anfang Februar 2010 bemerkte meine Tochter Daniela ein seltsames Motorengeräusch und auch eine Warnanzeige bei ihrem VW Golf. Zunächst dachte ich an eine defekte Zündkerze – aber weit gefehlt. Ein Automechaniker, der dann den Motorraum inspizierte, erblickte Schäden am Zündkabel, der durch Marderverbiss ausgelöst wurde. Die Überraschung war natürlich gross, zumal keiner an eine Marderattacke gerechnet hatte. Das Kabel und die Lambdasonde wurden ausgewechselt.
 
Der Schaden wurde zum Glück teilweise von der Teilkaskoversicherung übernommen (nach Abzug der Selbstbeteiligung).
 
Die Reparaturkosten belaufen sich in der Regel zwischen 250 und 300 Euro. Laut ADAC-Pannenstatistik gehen jährlich über 16 000 liegen gebliebene Autos auf das Konto von Mardern. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher liegen. Die Marder zerbeissen Zündkabel, Kühlwasserschläuche, Antriebs- und Lenkmanschetten sowie Dämmmaterialien. Bei zu spätem Erkennen kann es zu Zündaussetzern und dadurch zu Katalysatorschäden kommen. Fährt man jedoch durch Nichtbeachtung der Warnanzeige weiter und es kommt zu einem Folgeschaden (z. B. wenn die Bremsen versagen), dann bekommt man diesen nur ersetzt, wenn das Fahrzeug vollkaskoversichert ist.
 
Damit war für mich das Signal gegeben, mich näher mit dem Steinmarder zu befassen. Ich interessierte mich dafür, wie das Tier lebt, welche Eigenschaften es an den Tag legt und wie man sich vor Beissattacken wirksam schützen kann.
 
Wie unter www.amtx.de nachzulesen ist, wurde 1978 im schweizerischen Winterthur erstmals Beschädigungen an PKWs beobachtet, für die es keine Erklärung gab. Dazu amtx (Redaktion Johannes C. Pahl): „Die Diagnose: zerschnittene Zündkabel, Kühlschläuche mit nadelartigen Einstichen, aber auch zerfledderte Dämmmaterialien. Es dauerte einige Zeit, bis ein findiger Gendarm auf die Spur des Steinmarders gekommen war. Aber es war eindeutig. Die Zahnabdrücke, die er an den Kabeln hinterlassen hatte, überführten ihn.“
 
Einzelgänger und nachtaktiv
Der Steinmarder lebt nicht nur im offenen, busch- und baumbestandenem Gelände, sondern immer häufiger in Parkanlagen, Scheunen und auf Dachböden. Er bekam auch die Bezeichnung Dach- und Hausmarder. Es sind nachtaktive Tiere und Einzelgänger. Sie meiden ausserhalb der Paarungszeit ihre Artgenossen ganz konsequent. Sie markieren ihr Territorium mit einem übel riechenden Sekret aus Duftdrüsen und verteidigen ihr Revier gegen gleichgeschlechtliche Artgenossen.
 
Vor meinem Wohnhaus sah ich schon ab und zu Steinmarder herumsausen. Manche wurden von Katzen mit lautem Geschrei verfolgt. Die Marder waren jedoch schneller, versteckten sich blitzartig unter Autos und anderen Verstecken. Bisher wurde mein Auto, das immer auf demselben Abstellplatz vor dem Wohnhaus steht, noch nie von einem Marder malträtiert. Das hat folgenden Grund: Angelockt werden die Marder durch die Restwärme des Motors und durch den Geruch. Wenn ein Marder den Duft eines Rivalen im Motorraum bemerkt, ist es aus mit der Friedfertigkeit. Er beginnt dann mit Beissattacken. Aus diesem Grund werden Autos, die öfters wo anders abgestellt werden, besonders heimgesucht. Da hatte ich wohl bisher Glück, da immer dieselben Marder in diesem Revier auftauchen und sich eine Ruhepause im Motorraum gönnen. Bei meiner Tochter war dies anders. Sie stellte bei dem Angriff des Steinmarders ihr Auto an einer anderen Stelle ab.
 
Die Marder sind so reinlich wie Katzen. Sie haben einen sauberen Schlafplatz, eine „Speisekammer“ und eine Toilette.
 
Wie schützt man sich vor dem Marder?
Wer sich über den Lärm aufregt, den Marder beim Herumpoltern auf dem Dachboden stört, kann Schlupflöcher abdichten. Und wie findet man die Eingänge? Nun, man kann im Winter die Spuren im Schnee folgen, oder man legt geharkte Sandflächen rund ums Haus an oder streut bei trockenem Wetter Mehl aus. Der Pfotenabdruck unterscheidet sich deutlich von der Katze oder Maus. Von März bis Juni sollte man die Dachausgänge nicht verschliessen, weil sonst die Jungen den Hungertod ereilen könnten.
 
Unter www.forst-hamburg.de/steinmarder.htm ist der Bau eines Marderhäuschens beschrieben. In einem solchen Häuschen können Marder ihre wohlverdiente Ruhe geniessen, und sie stören auch keine Hausbewohner mehr.
 
Als wir in den 1990er-Jahren in der Nähe von Brissago CH (liegt am Lago Maggiore, Tessin) auf einer Berghütte während eines Wanderurlaubs nächtigten, wurde ich in der Nacht von einem Gepolter und Gescharre auf dem Dach geweckt. Ich war der Meinung, das seien Baummarder. Es waren jedoch Siebenschläfer, die von den Einheimischen Giris genannt werden. Aber nach einigen Tagen gewöhnte man sich an das Geräusch.
 
Um Schäden im Motorraum zu verhindern, führen folgende Massnahmen nicht zum Erfolg: Duftstoffe und chemische Anti-Marder-Sprays, Metallgitter unter dem Auto, Marderstäbchen, WC-Steine oder Hundehaare und ausgebrachten Hundeurin. Das alles wirkt auf Dauer nicht abschreckend. Die schlauen Tiere gewöhnen sich nämlich an diese Mittelchen. Auch nach Installation von Ultraschallgeräten kann sich ein Marder gewöhnen.
 
Ich rief meinen Automechaniker an, und er sagte, der beste Schutz sei die Installation eines Ultraschallgeräts (Schall-Generator) und eines elektrischen Marderschrecks, das inzwischen von Daimler-Benz patentiert wurde. Beim Berühren dieses Gerätes bekommt der Marder einen kleinen Stromschlag, und er wird dann verschreckt das Weite suchen. Die Kosten für Geräte und Installation belaufen sich um die 170 Euro.
 
Wer es billiger haben möchte, kann auch eine Motorwäsche durchführen lassen oder die Kabel mit einer geriffelten Ummantelung versehen und mit Kabelbindern befestigen. Hochwertige Kabel, Zündungsteile gibt es im Kfz-Teilefachhandel.
 
Internet
www.vr-technics.ch/Versicherungsverhalten_Deutschland.htm (Schäden durch Marder – Wann die Versicherung eintritt).
www.forst-hamburg.de/steinmarder.htm (sehr gute Infos über Steinmarder).
www.amtx.de/article.php?op=Print&sid=120  (Zuschriften zum Thema „Der Marder und die Zündkabel“).
 
Literatur
Ludwig, Beate: „Von Mardern und Menschen. Das Buch der Steinmarder“, Tecklenborg Verlag, Steinfurt, 1999.
Zahradnik, Jiøí; Chihar, Jiøí: „Der Kosmos-Tierführer“, Franckh´sche Verlagshandlung, Stuttgart 1978.
 
Hinweis auf weitere Blogs mit Marder-Bezug
06.09.2007: Tessin-Impressionen (I): Das Paradies mit Dusche im Freien
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