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BLOG vom 24.03.2010


Pestizide in Schnittblumen: Gefahr aus dem Osterbouquet
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Die Deutschen sind verrückt nach Blumen. Jährlich werden rund eine Milliarde Rosen und viele andere Blumen für über 3 Milliarden Euro zum Geburtstag, Muttertag, Valentinstag, an Weihnachten, an Ostern und anderen Gelegenheiten verschenkt. Man will ja seine Verbundenheit und Liebe zu seinen Angehörigen beweisen.
 
Was viele nicht wissen, ist die Tatsache, dass 80 % der Schnittblumen aus dem Ausland zu uns kommen und manche erhebliche Pestizidmengen aufweisen. Wir tun also nicht immer Gutes an unseren Mitmenschen, wenn wir äusserlich prachtvolle und makellose Blumensträusse verschenken. Denn wir liefern ihnen Gifte frei Haus.
 
Schon 1995 wiesen Öko-Test und Greenpeace darauf hin, dass die Blumen mit einer Unmenge von Pilz- und Insektenbekämpfungsmitteln besprüht werden. Es wurden auch etliche Pestizide gefunden, die bei uns nicht mehr zugelassen sind.
 
Viele stehen auf der Schwarzen Liste
Vor Ostern 2009 liessen Redakteure der ARD-Sendung „Plusminus“ Rosen von 5 verschiedenen Händlern untersuchen. Alle waren mit Pestiziden belastet. Insgesamt fanden die Chemiker vom CBA-Labor (www.cba-analytik.de) 18 verschiedene Verbindungen auf den Rosen. Auf einer waren sogar 7 unerwünschte Stoffe vorhanden. Die Ergebnisse wurden Greenpeace vorgelegt. Der Experte Manfred Krautter stellte fest, dass 3 von den 18 aufgefundenen Pestiziden in der EU nicht erlaubt sind und 8 davon bei Greenpeace auf der Schwarzen Liste stehen. Grund: Die Pestizide können eine Krebskrankheit auslösen, das Immun-, Hormon- und Nervensystem schädigen, die Fortpflanzung beeinträchtigen und bei Kontakt Hautallergien verursachen. Die auf den Blumen anhaftenden Giftstoffe können dann über die Haut aufgenommen oder über die Raumluft eingeatmet werden.
 
Geringere Fruchtbarkeit
Eine internationale Studie von Philippe Grandjean (2006) ergab dies: Bei einer pränatalen Pestizidexposition kommt es bei Kindern zu dauerhaften neurologischen Schädigungen. Liegt eine Unter- und/oder Fehlernährung vor, kann eine Pestizidbelastung zu einem verstärkten Auftreten von Entwicklungsproblemen führen.
 
Im Rahmen einer Dissertation von R. Bretveld (2006) wurden 5000 Männer und Frauen, die in der Blumenproduktion in Gewächshäusern tätig waren, untersucht und mit 8000 „nicht exponierten“ Frauen und Männer verglichen. Wie schon in einer 2 Jahre früheren Studie ermittelt, wurde auch hier eine reduzierte Fruchtbarkeit nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern festgestellt. „Bei männlichen Beschäftigten war die Chance für ihre Partnerinnen, schwanger zu werden, um 30 % geringer als bei der Vergleichsgruppe (…) Bei den exponierten Frauen lag die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, um 10 % niedriger als bei den Frauen der Vergleichsgruppe“ (www.pan-germany.org). Auch das Risiko für eine Fehlgeburt wurde doppelt so hoch eingestuft.
 
Während laut Bretveld die Männer, die in Gewächshäusern arbeiteten, eine geringere Spermaqualität aufwiesen, hatten die Frauen einen verlängerten Zyklus.
 
Besonders gefährdet sind natürlich die Arbeiter in den Anbauländern (z. B. Kenia, Lateinamerika), die oft keine ausreichende Schutzkleidung haben und unter unmenschlichen Bedingungen agieren müssen. Bei uns sind aber auch ungeschützte Arbeiter in Gewächshäusern betroffen (der Gartenbau-Berufsgenossenschaft wurden Beschäftigte mit Allergien gemeldet). Es gibt inzwischen Organisationen wie „TransFair“ und „Flower Label Programm“ (FLP), die darauf achten, dass weniger und nicht so gefährliche Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden und die Arbeiter den nötigen Schutz erfahren.
 
Jetzt haben schon einige Discounter reagiert und bieten Blumen mit dem Fairtrade-Siegel an. Die Blumen kosten dann etwas mehr. Aber wie ich selbst beobachtet habe, kaufen die meisten Leute leider immer noch die billigen Blumen, so zum Beispiel 10 Stück Tulpen für 1,99 Euro.
 
Unter www.transfair.org sind die wichtigsten Blumengeschäfte und Supermärkte aufgeführt, die beispielsweise Fairtrade-Rosen verkaufen. Unter Blumenfinder in der genannten Internetadresse können die Geschäfte in Ihrer Gegend ausfindig gemacht werden, die solche Fairtrade-Blumen verkaufen.
 
Eine gute Idee ist auch das Pilotprogramm „Blumen, natürlich“ von fairflowers (www.fairflowers.de). Dieses Programm setzt Impulse für mehr Fairness und grösseres Umweltbewusstsein in der Zierpflanzenproduktion im In- und Ausland.
 
Warum werden heute so viele Pestizide verwendet? Nun, der Verbraucher schätzt makellose Blumen. Von einer Blumenverkäuferin hörte ich kürzlich, dass sich Blumen, wenn die Blätter einige Frasslöcher, Spinnweben und Schimmelpilze aufweisen oder die eine oder andere Blattlaus sich darauf verirrt hat, kaum verkaufen lassen. Da ist der Käufer sehr pingelig. Eine mir bekannte Marktfrau hat einen anderen Weg gefunden: Sie verzichtet auf die Giftspritze. Sie verkauft Pflanzen, die nach ökologischen Gesichtspunkten aufgezogen werden, als Bioschnittblumen und Biotopfpflanzen und hat damit bei aufgeklärten Käufern Erfolg. Inzwischen gibt es Gärtnereien, die sich einem ökologischen Anbauverband (Bioland, demeter, Naturland, Anog) angeschlossen haben und nach deren strengen Richtlinien produzieren.
Der Verbraucher hat es also selbst in der Hand, was er kauft. Vielleicht gelingt es ihm, die herkömmlichen Blumenproduzenten zum Umdenken zu bewegen.
 
Es gibt aber auch andere Geschenke, die man überreichen kann. So wird sich mancher Zeitgenosse lieber für Blumen in Töpfen entscheiden, oder diese selbst anbauen und dann die holde Weiblichkeit in den Garten oder auf den Balkon führen, um ihr die Gewächse zu zeigen. Aber ich weiss aus eigener Erfahrung: Frauen lieben Blumen, die persönlich oder mit einer Karte überreicht werden.
 
Ein Leser von www.esn-deutschland.de hatte eine ganz andere, hervorragende Idee. Er schrieb: „Meine Frau liebt Blumen über alles. Für Valentine habe ich ihr eine Rose aus Marzipan geschenkt. Schnittblumen sind voller Pestizide und sie reagiert sofort darauf.“
 
Ein anderer Leser meinte, die Leute sollten viel intensiver nach schadstofffreien Geschenken Ausschau halten. Mit den Giften habe man die Gesundheit schnell verspielt. Oft reagieren die Menschen viel kritischer, wenn sie selbst betroffen sind. „Vorher ist das Verständnis und die Bereitschaft auf gesunde und umweltbewusste Produkte zu achten, ziemlich gering“. wie der Leser schrieb.
 
Deshalb immer daran denken: Augen auf, nicht nur beim Kauf von Lebensmitteln, Kleidungsstücken, sondern im besonderen Masse auch bei Blumen.
 
 
Internet
www.csn-deutschland.de (Giftige Geschenke zum Valentinstag – Nein Danke!)
www.gesundheits-ratgeber.com (Gift in Schnittblumen)
www.naturkost.de (Die Blumen, die Pestizide, die Kinder und der Konzern)
www.pan-germany.org (Blumen, Pestizide und Unfruchtbarkeit)
 
Hinweis auf ein Blog zum Blumenschenken
14.02.2009: Das Blumenmädchen – die allerbeste Valentine-Blume
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