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BLOG vom 21.05.2010


Busskirch immer noch ein Ort, der die Menschen anzieht
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich-Altstetten
 
In Busskirch am Obersee (Gemeinde Jona SG) kam und kommt für mich manches zusammen. Auch diesmal wieder. Der Ort mit seiner Kirche St Martin ist geschichtsträchtig und gleichzeitig lebendig.
 
Zu erreichen ist er über den Seeuferweg, dem Naturschutzgebiet entlang. Er ist gut markiert. Von Rapperswil-Bahnhof bis zur Kirche Busskirch beansprucht er ½ Std. Wegzeit. Er ist eine Einstimmung in den wohltuenden Raum des Obersees (Zürichsee).
 
Obwohl der Natur hier viel Freiheit gelassen wird, habe ich doch mitbekommen, wie etliche Bäume verschwanden. Ich vermisse heute jene Mistelkugeln tragenden Birken oder Weiden, die den breiten Uferraum mitgestalteten.
 
Was es mit dem Namen Busskirch auf sich hat, weiss ich nicht. In römischer Zeit war der Ort Umschlagplatz am Verkehrsweg Zürich/Winterthur–Chur/Italien.
 
Die Kirche St Martin ist eines der ältesten christlichen Gotteshäuser dieser Gegend. Ihre Geschichte ist rund 1400 Jahre alt. Auf Grundmauern eines römischen Landhauses gebaut. In dieser Kirche werden immer noch regelmässig Gottesdienste gefeiert. Sie ist auch ein beliebter Ort für Hochzeiten geworden. Der idyllische Ort am See und auch der Kirchenraum strahlen Ruhe und Frieden aus.
 
Hierhin luden letzte Woche die beiden Musikerinnen Cornelia Dürr (Klarinette) und Anne-Lise Meier (Akkordeon) zu einer Abendmusik mit Klezmer-, Barock- und Schweizer-Volksmusik ein. Dargeboten auch mit eigenen Kompositionen und Improvisationen.
 
Schon nach ein, zwei Takten wusste ich, dass mir das Konzert zuträglich sein werde. Meine Ohren sind anspruchsvoll geworden. Nicht immer werden musikalische Darbietungen zum Genuss. Laute Musik soll ich meiden. Hier aber entsprach der Raum exakt den Darbietungen der beiden Frauen, ihrem Ausdruck und ihrer Kraft.
 
Cornelia Dürr trat aus der Sakristei heraus, eröffnete das Konzert mit wenigen Schritten und Takten. Dann stand sie still. Wir sahen nur den vorderen Drittel ihrer Klarinette. So erreichte sie Stille im Raum. Und gleich verhielt sich eine Weile später die Akkordeonistin Anne-Lise Meier. Dann „sah“ ich diese ersten Töne aufsteigen und auf mich zukommen und ich begriff, dass der Ort, wo sie emporkommen, Empore heisst.
 
Da oben war mir ein Platz zugewiesen. Mit Blick auf die Musikerinnen. Das zahlreiche Publikum, das die Kirche füllte, sah ich nicht. Mit Primo und einigen anderen Gästen zusammen erlebten wir das Konzert, wie wenn es nur für uns aufgeführt worden wäre.
 
In der Begrüssung übergab Cornelia Dürr ihre nicht ausgesprochenen Worte der Musik, auf dass sie spreche und erkläre und uns mitnehme.
 
Gesprochen haben für mich auch die Körper der beiden Frauen. Cornelias Part verlangte für die Klezmermusik Bewegung, Schwünge und sichtbare Hingabe, um die Modulation dieser jüdischen Festmusik aus Osteuropa hervorzubringen. Von Anne-Lise Meiers Seite gingen die verhaltenen, wehmütigen Töne aus, und es schien mir, diese könne nur ein schwergewichtiges Instrument und eine in sich ruhende Persönlichkeit hervorbringen. Aber beide Musikerinnen konnten in anderen Stücken sehr wohl auch gegenteilig aufspielen, und das war das Schöne an diesem Konzert, diese Vielfalt: heiter – glückselig – sprühend vor Lebensfreude – aber auch nachdenklich und von Heimweh nach unserer Urheimat erfüllt.
 
Beeindruckt hat mich auch die Fähigkeit der beiden Frauen, aufeinander zu hören, sich auf einander einzustimmen. Ich sah das Verschmelzen zweier Talente.
 
Eine Stunde war ohne Zeitgefühl vergangen. Die Musik hatte uns an verschiedene Orte mitgenommen. Aufmüpfiges löste Besinnliches ab. Eindrücklich auch eine Komposition für die Kirchenorgel verfasst und von Anne-Lise Maier auf ihrem Akkordeon intoniert.
 
Da ich überraschend noch angefragt wurde, ob ich nach dem Konzert beim Einsammeln der Kollekte mithelfe, sah ich am Ausgang dann in viele Gesichter, die offensichtlich von weit her wieder ins alltägliche Leben zurückfanden.
 
In jenen Augenblicken klang die Musik in uns allen nach.
 
Anhang
Angaben zu Cornelia Dürr 
Cornelia Dürr, cornelia.duerr@bluewin.ch
In Jona aufgewachsen. Studierte bei Elmar Schmid am Konservatorium Zürich. Lehrdiplom mit Auszeichnung. Orchesterdiplom und Konzertreifediplom.
Preisträgerin des Kiwanis-Wettebewerbs für Klarinette. Förderpreis "Orpheus-Konzerte Zürich".
Regelmässige Konzerte mit verschiedenen Kammermusikensembles im Duo oder als Solistin.
Besonderes Interesse an Improvisation, Klezmermusik und andere Stilrichtungen.
Cornelia Dürr unterrichtet an der Jugendmusikschule Rapperswil-Jona Klarinette.
Zusammenarbeit im Bereich Entspannungsmusik mit dem Musiker Reto Feuerstein.
CD-Projekte „Positive Gefühle“ und „Endless Flow“ sind im Handel erhältlich. www.flintimusic.com.
 
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