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BLOG vom 08.08.2010


Postkarten, Briefe aus den Ferien. Umgang mit der Post
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich-Altstetten
 
Jetzt trifft wieder Ferienpost ein. Heute aus der Bretagne, gestern aus Stralsund und etwas weiter zurück aus Sidney, Prag und aus Appenzell.
 
Ich freue mich immer über sichtbar gewordene Gedanken. Es heisst da manchmal, dieser Ort würde mir gefallen oder es wäre schön, wenn ich auch mitgereist wäre. Was immer auch das Motiv ist, dass Karten verschickt werden: Diese Tradition gefällt mir.
 
Die eingegangenen Karten sind farbig. Der Himmel meist blau, und wo er bewölkt ist, sind imposante Wolkenformationen dargestellt. Aus Prag erreichten mich letzte Sonnenstrahlen vor dem Sonnenuntergang. Da ist die Stadt in ein goldenes Licht getaucht.
 
Das Blau, von dem ich sprach, muss auch anderen gefallen. Sonst würde es nicht so oft dargestellt. In den meisten Fällen wird es nicht exakt den Augenblick eines Himmelbildes darstellen, sondern den Farbentscheid eines Druckers, der den Wunsch einer Tourismusbehörde umsetzt.
 
Der Himmel über Sydney entspricht exakt meiner Wahrnehmung in Norwegen. Ich nenne es Trondheim-Blau. Dort sprach es mich an und nahm mich in seinen Bann. Ich kann es nicht mehr vergessen. Hier gibt es dieses Blau selten, am ehesten nach dem ersten Herbsteinbruch, wenn die Sonne nicht mehr so hoch am Himmel steht. Dieses Blau wirkt kühl, aber nicht kalt. Es strahlt Frische aus, die zur Klarheit gehört.
 
Ich freue mich, dass es diese Post noch gibt, die auch handschriftlich angeschriebene Briefe und Karten zustellt. Aus der eigenen Erfahrung als Aushilfspöstlerin weiss ich, dass gerade diese Post ein emotionales Gewicht hat, die eine Verträgerin spürt. Auch wenn die Grüsse und Texte nicht gelesen wurden, konnte ich ahnen, dass sie Freude bereiten. Und ich trug sie vor allem gern aus.
 
In letzter Zeit hat meine Liebe zur Post gelitten. Die Tarifanpassung für die Auslandbriefe Europa per 01.04.2010 (bis dahin Fr. 1.30, neu Fr. 1.40) ging an mir vorbei, ebenso letztes Jahr die Reduktion für A4-Briefe in der Schweiz. Es ärgerte mich, dass ich mangels Informationen Fehler machen musste. Es sah so aus, dass nur noch die Grosskunden interessant seien. Nun ist das Rätsel aber gelöst. Der Kleber „Stopp! Bitte keine Reklame“, der in unserem Haus an allen Briefkästen angebracht ist, verhinderte die Zustellung eines neuen Tarifblattes. Da ich ihn nicht selbst platzierte – er war schon da, als wir hier einzogen ­– habe ich mich mit diesem Thema gar nicht befasst. Trotzdem, von der Post hätte ich nicht erwartet, dass sie ihre Tarifmitteilungen als simple Reklame einstuft. Gut. Ich bin jetzt informiert und richte mich danach. Ich habe meine Haltung geändert. Ich warte nicht mehr, dass man mich informiere. Ich will mich von Zeit zu Zeit selber erkundigen, ob sich etwas geändert hat. Und da habe ich gleich eine interessante Beobachtung gemacht. Schon beim nächsten Besuch in der Post fiel mir der Ständer im Eingangsbereich mit vielen Informationen zu allen Dienstleistungen auf. Diese habe ich bisher übergangen, habe alle Schriften als Reklame betrachtet und dort keine Tarifinformation erwartet. Sie wäre aber bereitgelegen.
 
Die ganze Geschichte hat sicher auch mit meinem Alter zu tun. Ich habe ungefähr 55 Jahre lang erfahren, dass mich die Post immer informierte, wenn sie an ihren Tarifen etwas änderte.
 
Wer über 60 Jahre alt ist, muss sich mehr und mehr nicht nur von Menschen, sondern immer auch von Institutionen, Organisationsformen, Gewohnheiten, Sicherheiten usw. verabschieden. Ob es uns passt oder nicht.
 
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