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BLOG vom 15.09.2010


Ortsauskünfte – und schon sind Fremde an ihrem Ziel
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich-Altstetten CH
 
Ein Mann meines Alters, ebenfalls an der Ampel auf Grün wartend, fragte mich nach der Tramlinie Nummer 3. Er sprach Englisch. Antworten konnte ich ihm nicht in seiner vertrauten Sprache, aber ich zeigte ihm den Weg zur Station und signalisierte, dass ich ihn bis dorthin begleiten könne. Er war erfreut. Ich erfuhr, dass er aus Australien komme und einen Freund an der Klosbachstrasse, hier in Zürich, besuchen möchte. Er zeigte mir einen Zettel mit der genauen Adresse und dem Hinweis auf die Tramlinie Nummer 3. Ebenso waren die Kosten für die Tramfahrt mit Fr. 2.– angegeben. Dann zeigte er mir eine kleine Übersetzungshilfe und schmunzelte dazu. Es war notiert, wie er sich auf deutsch bedanken könne. Kurz und bündig, sehr effizient.
 
Mich irritierte nur der notierte Fahrpreis. Ich löse selten einzelne Fahrkarten, trage immer ein Abonnement auf mir und bin ohnehin mehrheitlich mit dem Velo unterwegs. Für 2 Franken können wir heute doch nicht mehr Tram fahren, ging mir durch den Kopf. Was der Mann brauchte, war ein Einwegbillett für mehr als 5 Stationen. Und dieses koste 4 Franken, antwortete der Apparat. Diesen Preis hätte ich mir gern von einer hier anwesenden Person bestätigen lassen. Auf dieser wichtigen Umsteigstation standen viele Wartende, und einige von ihnen sprach ich auch an. Niemand konnte mir aber Auskunft geben. Die eine Frau war gerade aus Stuttgart angekommen, kenne sich hier nicht aus. Eine andere sagte, sie reise immer nur mit Tageskarten, löse keine Einzelbillette und der nächstfolgende Mann sprach kein Deutsch ...
 
Dann kam eine Dame, die uns beobachtet hatte, auf uns zu und konnte den Gast aus Australien auf Englisch ansprechen und ihm die Fragen beantworten. Er war sehr zufrieden, dass er von ihr deckungsgleiche Antworten erhielt. Dass der Billettautomat ebenfalls den gleichen Fahrpreis von 4 Franken errechnete. Dass die von mir angegebene Fahrtrichtung mit ihrer Auskunft übereinstimmte. Das stimmte ihn zuversichtlich. Die Reise sei anstrengend, hatte er schon vorher zu mir gesagt. Er führte auch ansehnliches Gepäck mit sich.
 
Er dankte herzlich und hatte gerade noch Zeit, zu sagen, er werde sich an den Wagenführer wenden, um sicher ans Ziel zu gelangen. Dann fuhr das Tram Nummer 3 ein und nahm ihn mit.
 
Ein Leben ohne Wegweiser, auch menschliche, ist undenkbar.
 
Als junge, noch nicht volljährige Frau kam ich nach Paris und musste viele Wege suchen und nach ihnen fragen. Als ich nach 1 ½ Jahren in die Schweiz zurück kam, nahm ich mir vor, jeder wegsuchenden Person zu helfen, als Dank für alle Hilfe, die ich damals erfahren hatte. Und daran habe ich mich bis heute gehalten. Und bis heute bin ich immer wieder darauf angewiesen, dass man auch mir hilft.
 
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