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BLOG vom 23.10.2010


Wir armen Teufel ... Über Robert Mächler und Gabriele Röwer
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
„Immer mit der Möglichkeit rechnen, ein Narr zu sein
 – und trotzdem für eine gute Wahrheit leben wollen.“
Robert Mächler in „Für ein besseres Geistesklima“
*
 
Unsere Fantasie kann die fantasievollen Geschichten, wie sie das Leben ständig schreibt, kaum übertreffen. In der Literatur werden sie vielleicht etwas gerafft, akzentuiert dargestellt, aber die Ideen stammen in der Regel aus an sich banalen Alltagsereignissen. So habe ich im ehemaligen „Badener Tagblatt“ (BT), das viele eigenwillige, unkonventionelle Denker und Schreiber beschäftigte, jeweils unter anderem die Kolumnen von Robert Mächler gelesen, der sich häufig religions- und kirchenkritisch äusserte, sich also im schönsten Sinne des Worts als einen Ungläubigen zu erkennen gab; auch in anderen Publikationsorganen brachte er seine eigenwilligen Gedanken unter. Er wohnte in einer einfachen Klause bei einer Familie in Unterentfelden AG, einer Nachbargemeinde von Aarau.
 
Erste Begegnung
Die BT-Kolumnen waren jeweils mit einem kleinen Foto des Autors versehen, und so erkannte ich Herrn Mächler, als er Anfang der 1990er-Jahre eines schönen Nachmittags bedächtig, nachdenklich die Aarauer Bahnhofstrasse entlang schritt, an der mein damaliger Arbeitsplatz auf der Redaktion des „Aargauer Tagblatts“ (AT) war. Die beiden erwähnten Zeitungen standen in einem ständigen Konkurrenzkampf, was mich nicht hinderte, auf Herrn Mächler zuzugehen und mich als einen seiner begeisterten Leser zu erkennen zu geben. Sein skeptischer Blick, der mir schon auf dem Pressebildchen wie ein Markenzeichen erschien, entspannte sich um eine Spur, und es schien, dass wir uns beide über diese Begegnung gleichermassen freuten. Ich sagte ihm im Verlaufe unseres Gesprächs, eigentlich sei es schade, dass er für das BT statt für das AT schreibe, zumal wir, als Samuel Siegrist die AT-Chefredaktion leitete, unseren Lesern mit einem in der Zeitung gedruckten, pfannenfertigen Formular den Kirchenaustritt sozusagen nahelegten, gewiss aber erleichterten.
 
Selbstredend war das einfach eine rhetorische, phrasenhafte Aussage meinerseits, da sich Robert Mächler seit Jahren mit dem BT aus der Stadt Baden, wo er 1909 geboren wurde, verbunden fühlte. Sein Verhältnis zur dortigen Regionalzeitung war allerdings dadurch getrübt, als ihm die kernerenergiefreundliche Haltung des BT aus der Brown-Boveri-Stadt (BBC, heute ABB) Baden persönlich wider den Strich ging. Eine scharfe Kritik Mächlers vom 14.04.1984 an die Adresse der im Aargau prägnant vertretenen Atomindustrie wurde vom BT weder retourniert, noch gedruckt, was den Autor verärgerte, und es kam zu einem längeren Unterbruch in der Zusammenarbeit Mächler/BT, die dann dank einer Intervention des BT-Herausgebers Otto Wanner 1988 wieder aufgenommen wurde.
 
Kontakte
Nach unserer ersten persönlichen Begegnung hatte ich mit Robert Mächler häufig Kontakt, und er besuchte uns auch einige Male in Biberstein AG. Einen Mangel an Gesprächsstoff gab es nie: Grundsätzliches und Aktualitäten, auf allgemeingültige Prinzipien zurückgeführt. Weil er keinen Computer hatte, alles in seiner schönen, gut lesbaren Handschrift festhielt, die eine anhaltend gleichbleibende Konzentration verriet, schrieb ich seine Aphorismen-Sammlung „Für ein besseres Geistesklima. Befunde und Leitsätze“ mit Computerhilfe ab, damit sie digitalisiert war, wodurch sich die Druckkosten verringerten. Das war für mich eine angenehme, anregende Tätigkeit. Und manchmal fühlte ich mich beinahe persönlich angesprochen: „Meister in törichter Geistesverschwendung waren einst vor allem Theologen. Jetzt wird sie ebenso meisterhaft von Romanschreibern, Journalisten, Reklamefachleuten und anderen Skribifaxen betrieben.“ Ich hatte da nichts beizufügen, musste mich aufs Abschreiben beschränken. Aber ein Widerspruch war ja auch nicht angezeigt. Denn der Aphoristiker hatte vollkommen recht. Und dann ergötzte ich mich an einem Kernsatz wie diesem: „Die götzenbekämpfende Bibel hat den grössten aller Götzen, den ,Wort-Gottes’-Götzen, aufgerichtet.“
 
Meine volle Übereinstimmung hatte Robert Mächler auch bei seinem Bemühen, den Menschen zu mehr Vernunft zu verhelfen, die Dummheit zu bekämpfen. Doch betrachtet man die Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte, muss man dieses Abmühen als gescheitert beurteilen: „Wenn die Dummheit verschwindet, ist der Schlechtigkeit das Wirkungsfeld entzogen.“ Aber beides bleibt. Die Religionen empfand er als Bedrohung des Friedens, was die Geschichte ja ständig gelehrt hat. Die ewigen Religionsstreitereien haben gerade in dieser Multikulti-Zeit der Religionsüberlagerungen und damit mit dem Vordringen von Religionen, die sich als Staat fühlen und nichts von der unbedingt nötigen Trennung von Religion und Staat wissen wollen, eine Art Hochkonjunktur. Die Trennung von Staat und Religion müsste auch im christlichen Bereich weitergetrieben werden, über das Entfernen von Kruzifixen mit dem angenagelten, blutverschmierten Jesus aus Schulzimmern hinaus. Der ständige Anblick solch einer Folterszene ist keinem Kind zuzumuten. Mächler aber dachte noch weiter: „Das Ende der Religionen wird der Anfang der im Geiste einigen Menschheit sein.“
 
Ich war in jenen Jahren Chefredaktor der im AT-Hause erscheinenden, ehemaligen Zeitschrift „Natürlich“, und selbstverständlich überreichte ich ihm sporadisch meine gesammelten Werke zur kritischen Beurteilung. Wir publizierten unter anderem eine Serie über die Homöopathie, verfasst von Bruno Vonarburg, mit der sich Leser Mächler überhaupt nicht anfreunden konnte. Ähnlich ablehnend stand er der altehrwürdigen Erfahrungsmedizin gegenüber, die wir unter den Sammelbegriff „Naturheilkunde“ stellen (im Gegensatz zur Chemietherapie) oder mit dem Begriff Komplementärmedizin abwertend zum Anhängsel der mit der Pharma verbandelten (Hoch-)Schulmedizin degradieren. Diese Naturheilkunde war ja dem Christentum immer ein Dorn im Auge, weil die Heilung nach kirchlicher Lehre doch nicht aus der Natur kommen kann, sondern von oben, aus dem göttlichen Sektor. Obschon von einer Schöpfung gesprochen wird, werden Pflanzen und Tiere von den Bibelreligionen als Quantité négligeable betrachtet, von Religionen, die aus einem ganz anderen, von einer andersartigen Natur beeinflussten Kulturkreis stammen. Meines Erachtens müsste der Mensch der Natur nicht als Beherrscher gegenüberstehen, sondern als Gleichberechtigter gegenübertreten, sich in sie einbinden und ihre Heilkräfte nutzen, solange er damit keinen Schaden anrichtet.
 
Mächler verwies die Naturheilkunde, deren komplexe Wirkungsmechanismen manchmal unergründlich, manchmal schwer durchschaubar sind, in den diffusen Esoterik-Sektor. Man kann das tun, alles dort deponieren, was wir nicht verstehen, nicht durchschauen können. Aber wenn die Menschen tausendfach am eigenen Leib erfahren haben, dass beispielsweise Baldrian eine krampflösende, beruhigende Wirkung entfaltet, kann man das doch nicht als Humbug bezeichnen (wie das die Wissenschaft systematisch zu tun pflegt), nur weil solche Pflanzen halt aus einem enormen Wirkstoffgefüge bestehen und wir die Wirkungsabläufe bei unserer eingeschränkten Erkenntnisfähigkeit mit dem besten Willen nicht verstehen können.
 
Trotz Robert Mächlers Unbehagen solchen Publikationen gegenüber fuhr ich selbstverständlich mit der Verbreitung naturheilkundlichen Wissens unbeirrt weiter. Aber irgendwie war dadurch unsere Übereinstimmung, unser gegenseitiges Verhältnis, etwas belastet. Zu oft passiert es bei persönlichen Freundschaften, dass man sich etwas auseinanderlebt, nur weil sich in grundsätzlichen Fragen Klüfte öffnen, die man nicht zu überbrücken versteht, bei allem Respekt vor und bei aller Akzeptanz von gegenteiligen Meinungen. Auf beiden Seiten fühlt man sich unverstanden und mag sich nicht immer wieder mit seinen Argumenten rechtfertigen, weil das meistens auf der anderen Seite nichts ändert.
 
Doch das literarische Werk Robert Mächlers bleib mir gleichwohl in höchsten Ehren. Als ständig nach der Wahrheit Suchender war er sinnvollerweise dem Agnostizismus verhaftet, wollte keine abschliessenden Urteile fällen, solange die letzten Zweifel nicht ausgeräumt waren, und er versuchte, auf der Basis von Vernunft eine bessere, friedlichere und gerechtere Welt herbeizudenken.
 
In einer Laudatio für Robert Mächler in Turgi AG hat der Kulturbeauftragte und Publizist Philippe Dätwyler 1993 gesagt, die Vernunft müsste an allen Schulen ein Pflichtfach sein: „Denklehre“, und als Freifach müsste die Unvernunft angeboten werden: „Traumstunde.“ Hier könnte aus eingefahrenen Geleisen ausgebrochen werden. Mächler mag zustimmend genickt haben: „Bemühen wir uns um die geistige Quadratur des Kreises: darum, zugleich naiv und kritisch zu denken.“
 
Solche Weisheiten werden hoffentlich überleben. Robert Mächler starb am 15.02.1996. Eine schnörkellose Messing-Gedenktafel an einer Mauer des Friedhofs Unterentfelden erinnert an ihn – eine Tafel unter vielen. Schematisch. Name. Geburts- und Todesjahr. Entweder man kennt ihn und sein ethisches Bemühen, oder man kennt es nicht. Und wenn man es kennt, muss man bei aller Wertschätzung Mächlers nicht unbedingt mit ihm in allem einig sein. Karlheinz Deschner, der berühmte Religionskritiker und Schriftsteller („Kriminalgeschichte des Christentums“, 10 umfangreiche Bände, Rowohlt, neben vielen anderen fundamentalen Werken), schrieb an Mächler: „Ich liebe radikales Denken, das vernünftig ist (...) Ihr Vertrauen in die Vernunft teile ich freilich nicht." Sein Motto: „Aufklärung ist Ärgernis; wer die Welt erhellt, macht ihren Dreck deutlicher.“
 
Gabriele Röwer
Die Geschichte, die damals mit einem kurzen Gespräch auf der Bahnhofstrasse Aarau begonnen hatte, war damit für mich nicht beendet. Im Frühjahr 2008 erhielt ich einen Brief von einer in Mainz D wohnhaften Gabriele Röwer, die als Verwalterin des Mächler-Nachlasses auf einige meiner Briefe gestossen war und anfragte, ob ich noch weiteres Material habe, das ich ihr gern zur beliebigen Verwendung zur Verfügung stellte. Sie recherchierte eingehend über meine Beziehungen zu Robert Mächler und schenkte mir im Gegenzug das von ihr herausgegebene und eingeleitete Buch „Robert Mächler. Ein Don Quijote im Schweizer Geistesleben?“, erschienen 1999 im Pano Verlag, Zürich und Freiburg im Breisgau. In den Einleitungen zu den beiden Hauptteilen (Auswahl aus den autobiografischen, religionskritischen und ethisch-utopistischen Schriften) ist das Leben Mächlers im Spiegel seiner Autobiografie umfangreich abgehandelt und mit wertvollen, ergänzenden ausführlichen Anmerkungen versehen. Daraus erspürt der Leser, wie sehr es diesem sinnbedürftigen Religionsphilosophen, immanent wie transzendent, um einen guten Sinn des Weltganzen geht. Ist diese Welt doch „entwicklungsmässig auf Sinn und Wert ausgerichtet“.
 
Ich hatte in der Folge einen regen Informationsaustausch mit Frau Röwer auf höchst anregendem Niveau; sie beeindruckte mich tief. Ich hatte ihr meine Schrift „Im Netz der Beziehungen“ zugestellt, die ich 2007 für die EGK Gesundheitskasse, eine besondere Krankenkasse mit Zuneigung zur sanften Medizin, verfasst hatte. Gabriele Röwer ging auf einige Punkte ein, die sie berührt hatten, zum Beispiel auf die Frage, weshalb es in Beziehungsfragen so viele Fehlformen gibt Einzeller seien schliesslich auf Dauer nicht lebensfähig.  „Wenn ich genau hinsehe, halte ich es mit Einstein /siehe die Verstehens-Sätze neulich: im Kleinen wie im Grossen, privat, beruflich, politisch usw., hat die ,Bestie’ im Menschen die Oberhand ‒ in allen Verkleidungen einstiger Macht und destruktiver Brutalität (Mächler nannte sie das ,Naturböse’), wenn es uns nicht gelingt, sie zu zähmen, vor allem, so deute ich hier Einstein, durch ein Verstehen, das mehr ist als jene, blosses Eigeninteresse kaschierende, Diplomatie: ,Der wunderbare Spinoza sagt, man solle die Menschen wegen ihrer Taten weder hassen noch verachten, sondern man solle versuchen, sie zu verstehen. Nur durch Verstehen können wir hoffen, nach menschlichen Kräften den furchtbaren Katastrophen vorzubeugen, welche die Menschen einander bereiten (Albert Einstein)."
 
Offenbar haben wir, jeder einmalig genetisch und biografisch determiniert, neben einem Mangel an Vernunft auch einen solchen an Verständnis für Menschen und alles, was wir wissen sollten anstatt sie bloss zu be- oder gar zu verurteilen. Frau Röwer lieferte mir bei ihren Abklärungen im Hinblick auf das neue, im Entstehen begriffene Mächler Buch „Arme Teufel sind wir alle ...“ (Briefe von und an Robert Mächler über Gott und die Welt) Musterbeispiele in intelligenter Nachfragetechnik, im Recherchieren, wie das im Journalismus heisst, und in dem ich schliesslich geübt bin. Sie setzte neue Massstäbe. Selbstredend freute ich mich, dass ich ihr einige Aargau-kundliche Informationen übermitteln konnte, die in ihrem Buch eine Rolle spielen würden, so insbesondere über Erich Kessler (1928‒2007) und Hannes Taugwalder (1910‒2007). Dass ich selber in diesem Buch auf rund 10 Seiten eine so breite Beachtung finden würde, ahnte ich selbstverständlich nicht.
 
Und seitdem Frau Röwer meine bescheidenen religionstheoretischen Aufsätze im „Natürlich“, im Internet und in meinen Briefen an Robert Mächler unter der von ihr angefertigten Kuppel eines erstaunlichen Tiefsinns verknüpfend dargestellt hat, weiss ist jetzt viel besser über meine persönlichen Auffassungen, Beobachtungen und Ablehnungen des Religiösen Bescheid ...
 
Diese einzigartige Schriftstellerin hat schon ein grandioses Talent, aus Bruchstücken, fragmentarischen Briefen und Kenntnissen ein gültiges Ganzes zusammenzufügen, wofür sie im erwähnten, soeben im Haupt Verlag, Bern, erschienenen Mächler-Briefband den definitiven Beweis liefert. Darin ist es ihr meisterhaft gelungen, einen schwer fassbaren Menschen aufgrund von Briefen und Gesprächen in all seinen Facetten, in einer unkonventionellen Biografie aus Gedanken und Erwiderungen, die auch Auswahl bedeutet, lebendig werden zu lassen.
 
Am 25.08.2010 ergab sich für mich die erfreuliche Gelegenheit, Gabriele Röwer persönlich kennenzulernen, weil sie im Aargauer Staatsarchiv in Aarau eine kleine Ausstellung über Robert Mächler einrichtete. Nach getaner Arbeit konnte ich sie bei herrlichem Wetter nach Bremgarten AG und zum Flachsee im Reusstal entführen; denn im Zusammenhang mit Erich Kessler und seinem Wirken rund um den Flachsee hatte sie sich auch mit dieser Landschaft befasst. Zuerst umrundeten wir die wunderschöne Stille Reuss bei Rottenschwil vor der weiss bedeckten Alpenkulisse. Der amputierte Reussarm hat den Aufstau als in sich gekehrtes Refugium überlebt. Wir spazierten auch ein Stück weit dem Flachsee entlang. Ich machte meine interessierte Begleiterin auf die Landschaftsveränderungen aufmerksam, auf die Unnatürlichkeit des über den Talgrund emporgehobenen, verbreiterten Flusses, der halt wie in einer Intensivstation mit Pumpen hängt und der Überwachung bedarf, aber immerhin doch von stationären und durchziehenden Vogelarten gern benutzt wird. Ein Kompromiss halt, wie wir ihm immer wieder begegnen. Wir möchten alles haben, alles richtig machen und müssen einsehen, dass das nicht funktionieren kann.
 
Die Biografie der Biografin
In den Raum Aarau zurückgekehrt, stärkten wir uns im „Hirschen“ Obererlinsbach nahe bei Aarau. Dabei erfuhr ich Einiges aus dem Leben von Frau Röwer, die mir aus ihrem Leben und auch von ihrer Freundschaft mit Robert Mächler und Karlheinz Deschner erzählte.
 
Frau Röwer, 1944 geboren, studierte evangelische Theologie, was bemerkenswerterweise 1965 ihren Kirchenaustritt zur Folge hatte. Sie wandte sich dem Philosophie- und Germanistikstudium zu, Wissensgebieten also, in denen sie sich behaglicher fühlte. Unter anderem bei Professor Martin Kirschenbaum erhielt sie zudem ihre psychotherapeutische Ausbildung. So vorbereitet, übte sie ihre Lehrtätigkeit in Mainz aus. Sie war auch Mitarbeiterin der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz und ist Mitbegründerin der Robert-Mächler-Stiftung (www.robert-mächler-stiftung.ch); auf deren Webseite ist auch eine Kurzbiografie Robert Mächlers nachzulesen.
 
Frau Röwer ist eine zierliche Frau, quirlig, von nicht zu zähmender Vitalität, kurz geschnittenem dunklen Haar, voller anmutiger Ausstrahlung und mit leicht südländischem Einschlag. Sie nimmt Anteil, sprudelt, regt an,und mir kam es bei der Unterhaltung mit ihr vor, als ob ein riesiges Kompaktpaket mit sie interessierenden Fragen und Gedanken aus allen Nähten platzen würde. Sie ist eine ideale Gesprächspartnerin: fragt, hört zu, nimmt auf, geht in die Tiefe, worauf sie dann das Gehörte verknüpft, kommentiert, untermauert, im Überblick verständlich ausbreitet und als Schnelldenkerin aus allen Bruchstücken ein Bild zeichnet, auf dem alle Lücken geschlossen sind.
 
Der Mächler-Briefband
Man mag sich vorstellen, was herauskommt, wenn sie jahrelang auf ihre Art an einem Buch arbeitet, sich mit der Hauptperson intensiv auseinandersetzt und schliesslich das Resultat ihres Ordnens, Wertens und Kommentierens in Buchform auf fast 600 Seiten vorlegt. Das Buch über den freigeistigen Aussenseiter Mächler unter dem originellen Titel „Arme Teufel sind wir alle ...“ ist jetzt im Handel (49 CHF) – ein eigentlicher Wälzer, der mich beinahe „erschlagen“ hat, was ich ihr denn auch mitteilte. Antwort von Frau Röwer: „Nein, erschlagen wollte ich niemanden mit dieser ohnedies sehr begrenzten Auswahl aus Mächlers Korrespondenzen (...) In der Einleitung benenne ich die Gattung dieses Briefbandes: er ist gedacht als Lesebuch, wo jede/r nach Belieben schmökern kann, so entweicht man der Gefahr, ,erschlagen’ zu werden.“
 
Tatsächlich, ich hab’s überlebt, habe mich an und in dem Werk gütlich getan, Kapitel über Mächlers Briefpartner herausgepflückt, die mich interessieren oder/und die ich persönlich kenne. Im Buch vertreten sind (zuerst die Korrespondenten bis 1963): Thomas Mann, Hermann Hesse, Rudolf Borchardt, Leonhard Ragaz, Jonas Fränkel und Karl Barth. Es folgen in alphabetischer Anordnung: Fritz Baumann, Adolf Bossart, Friedrich Ludwig Breusch, Erich Brock, Max Brod, Giuseppe Broggi, Walter Robert Corti, Max Daetwyler, Philippe Dätwyler, Karlheinz Deschner, Peter Eicher, Alfred Fankhauser, Elio Fröhlich, Martha Gantner-Schwarz, Willi Gautschi, Hans F. Geyer, Hermann Levin Goldschmidt, Jochen Greven, Helmut Groos, Adolf Haller, Walter Hess, Ludwig Hohl, August E. Hohler, Max Hopf, Rudolf Jakob Humm, Klaus Katzenberger, Erich Kessler, Guido Kohlbecher, Werner Kraft, Hans Kühner-Wolfskehl, Arnold Künzli, Maria Kuhn-Borsinger, Mary Lavater-Sloman, Alfred Lohner, Kurt Marti, Pirmin Meier, Monika Meyer-Holzapfel, Volker Michels, Werner Morlang, Woldemar Muischneek, Adolf Muschg, Markus Sager, Hans Saner, Eduard Stäuble, Helmut Suter, Hannes Taugwalder und Hans Werthmüller.
 
Die Briefe eröffnen neue Dimensionen, weil die Briefpartner Mächlers in ihren Eigenarten von Gabriele Röwer trefflich geschildert, und erst vor solchen Hintergründen werden ihre Ausführungen verständlich, erst dadurch leisten sie ihren Beitrag zu einem abgerundeten Gesamtbild dieses schwer fassbaren Robert Mächler, der dadurch vor dem Vergessen gerettet wurde, wie auch, so hofft sie, in nuce zu einem religionsphilosophischen Zeitspiegel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, auch über die Schweiz hinaus.
 
Die Buch-Vernissage findet am Samstag, 23.10.2010, von 16 bis 18 Uhr im „Limmathof“ in Robert Mächlers Geburtsort Baden AG statt.
 
Also: Fortsetzung folgt! Die Geschichte geht weiter.
 
Buchhinweise
Röwer, Gabriele (Herausgeberin): „,Arme Teufel sind wir alle ...'. Briefe von und an Robert Mächler über Gott und die Welt", Haupt Verlag, Bern 2010.
Röwer, Gabriele (Herausgeberin): „Irrtum vorbehalten ‒ Aphorismen von Robert Mächler über Gott und die Welt", Haupt Verlag, Bern 2002.
Röwer, Gabriele (Herausgeberin): „Robert Mächler ‒ Ein Don Quijote im Schweizer Geistesleben?", Pano Verlag, Zürich und Freiburg i. Br., 1999.
 
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