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BLOG vom 09.11.2010


Gottschalkenberg: Hoch überm Morgarten-Schlachtgelände
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
In der ersten Novemberwoche 2010 war die Drehschwebebahn Sattel-Hochstuckli wegen Revisionsarbeiten ausser Betrieb, wie ich auf der Webseite www.sattel-hochstuckli.ch gelesen hatte. Dennoch wollte ich die neue längste Fussgänger-Hängebrücke auf dem Mostelberg anschauen, die sozusagen einen Anschluss an die Bergstation der Schwebebahn hat. „Wetten, dass ...“, sagte ich mir, „dass ich auch ohne Bahn dort hinauf komme.“ Ich dachte an eine Wanderung oder an eine Fahrt auf der mautpflichtigen Strasse ... und landete stattdessen schliesslich auf dem Gottschalkenberg.
 
Der 04.11.2010: ein bilderbuchmässiger Martinisommertag, der so heisst, weil die ersten Novembertage oft mild, sonnig und warm sind – es handelt sich also um die Zeit vor dem Martinstag (11. November). Sie strafen das Bild vom trüben, nebligen November Lügen und erschweren das Ausleben von Depressionen.
 
So fuhr ich also frohgemut nach Sattel SZ am Fusse der Voralpengipfel wie Chaiserstock und Hochstuckli. Bei der Talstation stellte ich das Auto ab und deckte mich mit einem Prospekt ein: „Der Spass ist ganz nah’!“ stand darauf. Eine Tafel beim Eingang ins Betriebsgebäude machte allerdings darauf aufmerksam, dass die Bahn gerade ausser Betrieb sei – „periodische Kontrollen garantieren Sicherheit für Sie.“ Natürlich möchte ich nicht mit der Drehgondel wie ein Zapfenzieher auf die auf einen Abhang abstürzen, der härter als Kork ist. Ein netter Angestellter kam herbei und erklärte mir und einem Ehepaar, das ebenfalls hier gestrandet war, den Bahnausfall mündlich, bat um Verständnis: „Irgendwann müssen wir die Revisionen machen.“ Hervorragender Service. Man hörte das Rotieren der Tragseile, die geprüft und geschmiert wurden. „Dann fahre ich eben mit dem Auto auf den Mostelberg“, sagte ich. Mir gehe es um die Brücke. „Die Brücke ist gesperrt, so lange die Bahnrevision dauert, weil sie von der Mosterberg-Station überwacht wird.“ Eine Brücke, die man nicht passieren kann, verliert ihren Sinn. Eine Neuorientierung war fällig.
 
Zum Ratenpass
„Auf dem Raten ist’s auch schön“, stellten meine Gesprächspartner übereinstimmend fest. Von diesem 12 Kilometer langen Ratenpass (1077 Höhenmeter) zwischen Oberägeri und Biberbrugg im Kanton Zug hatte ich vielleicht einmal gehört; aber er war mir kein Begriff. Also fuhr ich am Morgarten-Schlachtgelände vorbei, das ich mir für den späteren Nachmittag aufsparte, dem Ägerisee entlang nach Oberägeri, zweigte nach rechts ab und folgte der kurvigen Strasse nach Alosen. Dies ist ein Dorf im ehemaligen Allmeindgebiet von Oberägeri. Von hier aus gelangt man durch den südlichen Teil des Gireggwalds auf den Raten, wo es einen riesigen Parkplatz für etwa 400 Autos und ein grosses Speise- und Ausflugsrestaurant mit der so genannten Eventinfrastruktur gibt. Das Restaurant, das sich noch im Gemeindegebiet von Oberägeri ZG befindet, liegt in einer sanften Mulde. Das will nicht heissen, dass man hier keine Aussicht hätte: Man sieht zum Beispiel Ostschweizer Gipfel wie Höhronen, Kreuzegg, Etzel, Hochamm, das Säntismassiv mit dem Altmann, den Wildhauser Schafberg, sodann die Churfirsten, Chöpfenberg (sieht wie die Mythen aus ...) und bis zum Schijen.
 
Wie der berühmte Martin, der seine Heiligkeit nicht durch den Märtyrertod, sondern durch ein heldenhaftes Leben erreichte, wollte ich höher hinaus, allerdings ohne auch nur eine Spur von Heiligkeit anzustreben. Ich mutete mir bloss eine kurze Wanderung vom Raten aus um den Gottschalkenberg zu, dem man verkürzt auch „Gotschäli“ oder „Götsch“ sagt. Dem Thomas Gottschalk würde ich hier garantiert nicht begegnen – topp: Die Wette gilt. Dies obschon der Gottschalkenberg seine Bezeichnung sehr wohl vom Bei- und Familiennamen Gottschalk ableitet, der in Menzingen ZG seit 1353 nachzuweisen, aber seit der Mitte des 17. Jahrhunderts erloschen ist (Quelle: „Zuger Ortsnamen“ von Beat Dittli).
 
Ich folgte zuerst der leicht ansteigenden, asphaltierten Strasse, die dem Gottschalkenberg entgegen strebt. In der Ferne baute sich die Gebirgskulisse sogleich noch majestätischer auf, und zwischen orange-gelb leuchtenden Birken wurde die Sicht auf die bräunliche Hochmoorlandschaft im Hochtal der Biber zwischen Rothenthurm und Biberbrugg frei – ein gütiges Geschick hat uns vor einer Verschandelung dieser einmaligen Landschaft mit dem lehmigen und damit wasserundurchlässigen Untergrund durch Militäranlagen verschont.
 
Wo sich die Strasse zum Gottschalkenberg vorübergehend zu senken begann, drehte ich zum Abschwändli nach Westen (links) ab, den Asphalt gegen einen angenehmeren Wiesenweg eintauschend. Sogleich öffnete sich der Blick zu Glarner, Schwyzer, Urner und Luzerner Alpen und ihren Nachbarn wie dem Clariden, den beiden Mythen – ja, sie sind es diesmal wirklich –, den Windgällen, dem Urirotstock, dem Engelbergerrotstock und dem Pilatus. Ich hätte nie erwartet, dass die Aussichten hier oben, auf bloss 1142 Höhenmetern, so grandios sein könnte.
 
Eingerahmt von ausgewachsenen Fichten gibt sogar ein kleines Moor in einer Waldlichtung, wahrscheinlich eine Filiale des ausgedehnten Ägeritalmoors. In dieser Gegend dominiert der Sandstein, welcher für die weichen Landschaftsformen mitverantwortlich zeichnet.
 
Auf dem Götsch
Der Weg führt dann weiter zum Charenboden (1154 m) und findet auf die Asphaltstrasse zurück, die beidseitig von einem rötlichen(Fichten-)Nadelfilzteppich wohnlicher gemacht war. Und dann ist es wirklich nur noch ein Katzensprung zum Restaurant sowie Ferienlagerhaus Gottschalkenberg.
 
Ein ursprünglich als Kurhaus erbautes Gasthaus gibt es auf dem Götsch seit 1867. Vor dem Restaurant verpflegten sich viele Wanderer, die zudem die milde Herbstsonne aufsogen. Ich wählte ein aufgedecktes Tischchen auf der anderen Seite der etwa 3 m schmalen Strasse, studierte die dort vorbereiteten Speise- und Getränkekarten bis zum Frisco-Findus-Angebot. Eine Servierdame schwirrte 3 m von mir entfernt herum, ignorierte mich aber vollkommen, wohl weil ich an der Peripherie des Aussenrestaurants sass, wofür 4 Schritte mehr nötig gewesen wären. Nach etwa einer Viertelstunde gab ich die Warterei auf und machte mich, ohne Bauch und Portemonnaie strapaziert zu haben, auf den 10-Minuten-Weg zum Bellevue (1163  m), vorbei an weidendem Braunvieh, dem die Hörner belassen waren, was mich für die vitalen Kühe freute, die lustvoll ins Gras bissen. Ich kramte einen Cervelat und einen Abriss aus einem Tessinerbrot aus meiner Jackentasche und verpflegte mich beim Wandern. Wie das herrlich schmeckte! Etwas Leitungswasser hatte ich in einer Plastikflasche auch noch bei mir.
 
Schöne Aussicht mit viel Zürichsee
Am Rande des Bellevue laden 6 aufgereihte Ruhebänke in gedämpftem Rot zu einigen Momenten der körperlichen Ruhe ein. Sie haben zum Glück nichts mit Gottschalks Couche zu tun, von wo aus jeweils TV-Superstars aus aller Welt, vornehmlich aus den USA, das Publikum mit hohlem, albernem Geplauder langweilen; selbst die vom Pfau inspirierte Aufmachung Gottschalks hilft in jenen Phasen des hirnlosen Zeitvertreibs nicht über das Elend hinweg. Auf dem Bellevue aber bleibt man von solch einer Showmasterei unbelästigt und kann sich an den Bildern der bewaldeten Landschaft mit den weissen, gezackten Kronen im Hintergrund freuen.
 
Begibt man sich dann ganz aufs Bellevue, wird man von der schönen Aussicht, der belle vue, geradezu überwältigt. Über mir bewegte sich die Schweizerfahne gemächlich, und unter mir lag plötzlich der Zürichsee, nur dessen Obersee passte nicht mehr in den Rahmen, war ausgeblendet. Im Vordergrund, direkt unter dem Aussichtspunkt, grüssten Hütten ZH und das Hüttner Seeli.
 
Den westlichen Abschluss des etwas entfernter liegenden grossen Zürichsees umgibt ein ausuferndes Häusermeer, und ich ging wohl nicht fehl in der Annahme, es könnte sich um die Greater Zurich Area handeln, welche dann in einen nicht enden wollenden Metropolitanraum überquillt. Ein urbaner Hub, der für ein immerwährendes Wachstum dasteht. Aus Distanz macht solch eine megatrendige Verstädterung noch einen gewissen Eindruck, doch gebe ich zu, dass es mir bei Wiesen und Bäumen besser gefällt. Ich kann nichts dafür.
 
Zurück zum Raten
Aus derartigen Gründen und weil ich ohnehin häufig quer in der Landschaft stehe, entschloss ich mich, den Gottschalkenberg im Gegenuhrzeigersinn zu umrunden und stolperte vorerst über einen Waldweg, auf den sich ganze Wurzelgeflechte von Bäumen gelegt hatten. Dann kam ich auf ein schmales, als Wanderweg markiertes, schattiges Forststrässchen, auf das sich ausser mir kein Mensch verirrt hatte – somit hatte ich das Gegenstück zum Menschengewirr in Zürich erreicht. Bald mündet der Weg in eine grössere Fahrstrasse ein, die in einem Bogen dem Raten zusteuert und einen Blick auf den Ägerisee erlaubt, in dem sich der blaue, von weissen Schlieren durchzogene Himmel spiegelte.
 
Ein Bauer, der mit einem schweren Steyr-Traktor vor einem Druckfass angefahren kam, parfümierte das Gelände mit Jauche und sorgte für neue Geruchserlebnisse, wie sie die intensive Nutztierhaltung begleiten, so nach dem erfrischenden Ammoniak, etwas narkotisierendem Lachgas und Schwefelwasserstoff als Basis. Durch diesen Dunstkreis, der das Landschaftserlebnis komplettierte, fand ich zum Raten-Parkplatz zurück und lud die Prius-Batterien beim Hinunterrollen nach Oberägeri auf.
 
Auf dem dortigen Informationsbüro im Gemeindehaus wurde ich von einem Angestellten im besten Mannesalter mit Informationsschriften eingedeckt; wäre ich Internet-frei gewesen, hätte er mir noch Ausdrucke gemacht, und am Schluss bot er mir noch ein Couvert an, um alles zu verstauen. So etwas macht schon Eindruck. Das Ägerital, in dem es 170 km Wanderwege gibt, präsentierte sich überhaupt im besten Licht.
 
Morgarten
Bei Schornen, wo das Ägerital nach Sattel übergeht, hat der Reuss-Muotagletscher die Nagelfluh-Felsrippen freigelegt, die quer im Tal stehen. Sie haben den alten Eidgenossen geholfen, mit den anmassenden Habsburgern fertig zu werden. Daran erinnern noch heute der Letziturm und das Morgartenhaus, das der Schweizer Jugend gehört.
 
Die Schlacht am Morgarten (1315) gehört zum unauslöschlichen Inhalt des Schulrucksacks, den man als Schweizer ein Leben lang mit sich tragen darf. Die alten Eidgenossen bestanden ab 1291 bestehend aus Urnern, Schwyzern und Unterwaldnern. Sie vererbten ihre freiheitliche Gesinnung weiter und leiteten die älteste Demokratie in die Wege, wenn sie nicht gerade Angreifer in Panik versetzen mussten. Sie haben es in mehreren Schlachten verstanden, die Fremdherrschaft der Habsburger abzuschütteln, haben ihren Lebensraum als freies Land positioniert, als ein Leuchtturm der Freiheit innerhalb einer unterjochten Welt.
 
Unsere Altvorderen waren brutal, wenn man zu nahe kam, an ihrem Freiheitsdrang ritzte. Sie kannten keine Gnade und erwarben sich den Nimbus, militärisch unbesiegbar zu sein. Wer sich nicht scheute, in Fettnäpfen herumzutreten, würde sie mit den Taliban vergleichen, gegen die selbst die USA mit umfangreicher Nato-Unterstützung nichts auszurichten haben, abgesehen von Massakern unter Zivilisten. Es ist mir klar, dass ein solcher Vergleich unstatthaft ist, weshalb ich ihn an dieser Stelle nicht einmal erwähne.
 
Ich beschränke mich bloss auf den Hinweis, dass bei Kämpfen, die allerdings heute immer weniger mit Handwerkskunst zu tun haben, die detaillierte Geländekenntnisse ein entscheidender Heimvorteil sind. Dazu aber braucht es ein strategisches Denken und Handeln, die solche Vorteile ausnützen. Und das felsige Gelände bei Morgarten war für intelligente Verteidiger eine grossartige Schützenhilfe. Ich beziehe mich auf das Buch „Geschichte der Schweiz II“ von Werner Steiger und Arnold Jaggi aus dem Kantonalen Lehrmittelverlag St. Gallen, wenn ich das Morgarten-Massaker kurz zusammenfasse – ich war ja nicht persönlich dabei.
 
In Wort und Zeichnungen erzählt das Lehrmittel, wie sich am 15.11.1315 die stolze, mehrere Kilometer lange Kolonne des damals 23-jährigen Habsburger Herzogs Leopold in aller Herrgottsfrühe von der Gegend um Zug siegesgewiss in Bewegung setzte: 2000 Reiter und 5000 bis 7000 Mann Fusstruppen. Sie kam nach Oberägeri und bewegten sich dem See entlang gegen Sattel.
 
Wie man ohne Weiteres annehmen kann, stand das mächtige Morgarten-Schlachtdenkmal beim Buchwäldligütsch aus Nagelfluh-Felsbrocken noch nicht (es wurde 1906 bis 1908 auf Anregung der Schweizerischen Offiziersgesellschaft etwa 2 km nördlich des Schlachtgeländes errichtet und gehört dem Kanton Zug). Ein gewaltiges Monument in erhabener Lage. Es besitzt einen nach 3 Seiten offenen zentralen Baldachin. Das quastenartige Dach sieht wie eine beschützende Mütze aus. Die Idee stammte vom Winterthurer Architekten Robert Rittmeyer. Doch meine Erzählung aus dem Schulbuch ist erst bei 1315 angelangt, und die Rechtfertigung für diese Stätte des Gedenkens musste erst noch geschaffen werden. Und zwar geschah dies in überzeugender Weise wie folgt:
 
Die Schwyzer hatten an jenem Novembertag dank Spähern und Eilboten vom Kriegerzug gegen den Ägerisee erfahren – heute würde man das Handy benützen. Sie verschanzten sich in den Wäldern und im Gebüsch der stotzigen Finstern- und Figlenfluh und verhielten sich still und leise. Kein Handyklingeln, kein Rascheln von Zweigen. Ruhe. Das Habsburger Heer zog am See und Sümpfen, an Wäldern und Flühen (= felsigen Abhängen) vorbei. Etwa 300 Meter oberhalb des jetzigen, 11 Meter hohen Letziturms, der aus Nagelfluh, Bruch- sowie Sandsteinen und einem pyramidenförmigen Dach besteht und ein weiteres Schlachtdenkmal ist, kam die Spitze der Kavallerie an eine Strassensperre. Rechts davon war ein Sumpf. Die berittenen Krieger mussten in einen Hohlweg einbiegen, und als etwa 1600 Reiter im Engpass waren, bliesen die Schwyzer zum Angriff. Der Hang wurde lebendig und der Rückzug in aller Eile mit Holzstämmen verbarrikadiert, die Reiter gefangen. Reiter, die noch nicht im Engnis waren, kehrten in panischer Angst um, flohen und ritten das eigene Fussvolk nieder. Wer mit einer Barke über den See zu fliehen versuchte, ertrank. Auch viele andere wurden in den See abgedrängt.
 
Von den Bergflanken donnerten Steine auf die Reiterkolonne, und an weniger steilen Stellen drangen Schwyzer mit Kriegsgeheul aus dem Gebüsch hervor, rissen die Reiter mit den Haken ihrer Hellebarden (Halbarten) – eine Erfindung der Innerschweizer übrigens – von den Pferden und erschlugen etwa 1500 Feinde. Insgesamt sollen die Habsburger etwa 2000 Tote zu beklagen gehabt haben – Ritter, berittene Knechte und Fusssoldaten. Herzog Leopold entkam dem Gemetzel auf einem Nebenweg, weil er ortskundig war. Ein Chronist berichtete, Leopold sei halbtot vor Zorn, Scham und Trauer gewesen, als er in Winterthur eintraf. Man kann dem nachfühlen.
 
Gleichentags, wenige Stunden später, traf die Kunde ein, Graf Otto von Strassberg sei mit einigen Tausend Mann über den Brünig ins Land eingebrochen. Ein Elend kommt selten allein; er liess plündern und brandschatzten. So wurde es uns beigebracht. Die Unterwaldner, Urner und Schwyzer, so richtig in Kampfeslaune, zogen in Eilmärschen nach Brunnen, fuhren über den Vierwaldstättersee. Doch als der Graf von der Niederlage der Habsburger bei Morgarten hörte, zog er es vor, gleich die Flucht anzutreten.
 
So haben wir Schweizergeschichte mitbekommen, ein beinahe Hollywood-reifer Kampf der Guten gegen das Böse. Die Tapferkeit der Eidgenossen paarte sich mit der kriegerischen Erfahrung aus der Zeit der Reisläuferei. Und wir als Bewohner einer ausserordentlich unsicher gewordenen Erde sollten uns vielleicht gelegentlich daran erinnern, dass eine kräftige Verteidigung auch mit militärischen Mitteln noch und gerade heute die beste Lebensversicherung wäre. Der globale Wirtschaftskrieg, der bereits im Gange ist, hat durchaus das Potenzial, das Refugium der schwer defizitären Buchhaltungen zu verlassen und heiss zu werden.
 
Zur Globalisierung nach US-Vorgaben gehört die Abschaffung nationaler Armeen, und leider ist ein Grossteil der modernen Schweizer nicht in der Lage, zu ermessen, was für ein unendlicher Souveränitätsverlust die Unterwerfung unter die US-gesteuerte Nato mit ihren Geheimarmeen bedeuten würde. Wir müssten die Nato mitfinanzieren, die unserer Einflussnahme weitgehend entzogen ist und die auch gegen unangepasste Mitglieder eingesetzt werden könnte; eine Bastion der Eigenwilligkeit waren wir schon immer. Die Umkrempelungen der Schweizer Armee zum Rumpfgebilde laufen in dieser Richtung.
 
So empfehle ich denn allen verunsicherten Schweizern und solchen, die es werden wollen, einen Besuch auf dem Morgartner Schlachtgelände, wo es mit Start bei der etwa 500-jährigen Morgartenkapelle auf der Schornen (Schornenkapelle) einen historischen Weg gibt (1 Stunde Wanderzeit). Beim Spaziergang übers bizarre Schlachtgelände sollte die folgende Erkenntnis reifen: Eine gewisse Bereitstellung von Felsbrocken und Holzträmeln für alle Fälle brächte mehr als die unterwürfige Verschrottung von Militärmaterial. Man darf doch nicht das einsame Erfolgsmodell Schweiz jedem beliebigen Herrscher, ob er nun Leopold, Otto oder Sam heisst, widerstandslos überlassen, ob es scheibchenweise oder am Stück geschieht. Das Plündern unter dem Holocaust-Deckmantel und das Ausräuchern von Steuerschlupflöchern haben bereits begonnen.
 
Der erwähne Letziturm an der Ägeristrasse steht auf offenbar instabilem Boden; denn seine wird Standfestigkeit gerade überprüft – Drähte sind gespannt, um Veränderungen der Neigung zu registrieren, wie ich annehme. Mindestens gleich viel Wert müsste auf die Standfestigkeit der Schweizer gelegt werden, die allzu sehr zum Laisser-faire neigen. Hütet Euch am Morgarten und vor einsturzgefährlichen Schieflagen!
 
Hinweis auf weitere Innerschweizer Blogs
24.08.2008: In und um Einsiedeln: Hochmoor, Schanzen, Klosteranlage
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