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BLOG vom 19.11.2010


Die ständige Terrorisierung der Völker mit Terror-Warnungen
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Der oberfaule Trick mit den Terrorwarnungen zur Aufrechterhaltung einer modernen Form von „Heiligen Kriegen“ ist abgedroschen, durchschaut. Die Zeit ist überreif, sich im Hinblick auf die andauernde Verängstigung der Bevölkerung mit dem Ziel, sie zunehmend überwachen und sie von den tatsächlichen Problemen ablenken zu können, endlich etwas Neues einfallen zu lassen.
 
Das globalisierte Gewerbe namens Christentum hat sich bei seinen Schrittmacherdiensten die Hölle mit den dort vollzogenen Höllenstrafen ausgedacht, die während Jahrhunderten ihren Zweck hervorragend erfüllte. Das zieht heutzutage nicht mehr so ganz; vorerst musste einmal der Höllen-Vorhof, genannt Fegefeuer, abgeschafft werden. In seinem fulminanten Buch „Opus Diaboli“ (1988) warnt der berühmte Kirchenkritiker Karlheinz Deschner vor dem „Glauben machen und Verdummen“ wortgewaltig: „Denn warum insistiert man seit je so aufs Credo? Stellt man den Glauben über alles? Propagiert Demut, Torheit, das Zu-Kreuze-Kriechen, flectamus genua, sacrificium intellectus (Textatelier-Übersetzung: ohne zu begreifen, beugen wir die Knie) – und immer recht drastisch mit Himmel und Hölle im Hintergrund, Vordergrund, Untergrund, mit Beschwörung aller Engel und Erzengel und mehr noch natürlich des Fürsten der Finsternis samt seinen Heerscharen, Schrecken ...?“
 
Das Prinzip, das gar nicht dramatisch genug beschrieben werden kann, hat sich bewährt und wurde auf andere Bereiche der Manipulationen von Gut- und Blindgläubigen übertragen: Wir müssen der Politik und ihren Verstärkermedien glauben, uns unterwürfig zeigen, die guten Engel, die uns den Weg nicht ganz uneigennützig weisen, beachten, und uns gehorsam vor den Fürsten der Finsternis ängstigen – das sind heute die Terroristen, auch so ein schwammiger Begriff, mit dem sich Angst und Schrecken verbreiten lässt.
 
Vor wichtigen Ereignissen oder wenn USA-Präsidenten in einer Notlage sind, wie der abgewrackte Barack Obama vor den Kongresswahlen 2010, blühen Terrorwarnungen als Manipulationsinstrumente fröhlich auf, um eine aussichtslose Lage nach Möglichkeit zum Guten zu wenden. Eine „glaubhafte terroristische Bedrohung“ sei das, verkündete der unbeliebt gewordene US-Päsident und Alleskönner Obama, ohne irgendeinen Beweis dafür zu haben. Und nach der peinlichen Niederlage von Obamas Demokraten war die Terrorgefahr gleich wieder vorbei. Der Glaube genügte auch hier, und wahrscheinlich ist man näher an den Tatsachen, wenn man statt Al-Kaida eben Al-CIAda schreibt. Der Nahostexperte und Autor Peter Scholl-Latour, der mein volles Vertrauen hat, sagte im April 2009: „Was ist denn Al-Kaida? Al-Kaida ist doch eine Schöpfung der Amerikaner gewesen, um gegen die Sowjetunion zu kämpfen.“ Schon früher hatte er bekannt gegeben, bei seinen Reisen durch Arabien habe er noch nie etwas von einer solchen Organisation gehört oder gesehen.
 
Auf der Grundlage der Dämonisierung Saddam Husseins, mit dem die USA jahrzehntelang zusammengearbeitet hatten (er war 1979 mit CIA-Unterstützung an die irakische Regierungsspitze geputscht worden), hat das George-W.-Bush-Regime am 20.03.2003 den Irakkrieg losgetreten, um sich in der erdölreichen Region stärker zu positionieren. Die westlichen Qualitätsmedien jubelten diesem völkerrechtswidrigen Kriegsverbrechen zu. Inzwischen ist dieser Schwindel auch von einfachen Naturen durchschaut. Der sinnlose, zerstörerische Krieg hatte für den Irak und dessen Bevölkerung und Kultur verheerende Folgen. Er endete für die USA, die sich ohne Wiedergutmachungsbemühungen davonschleicht, mit einer peinlichen Niederlage.
 
Und seither lässt man islamische Extremisten bei jeder Gelegenheit stellvertretend für den abgehalfterten jüdisch-christlichen Teufel aufleben. Die Masche hat auch ausserhalb von den USA Schule gemacht – neuerdings gerade in Deutschland, wo offenbar ein Ausbau der Kontroll- und Sicherheitsmassnahmen wie die Vorratsdatenspeicherung und ein Ausbau der Polizeikräfte geplant ist; dass man diese gut gebrauchen kann, haben „Stuttgart 21“ und der Transport nach Gorleben gezeigt.
 
Der im Allgemeinen besonnene deutsche Bundesinnenminister Thomas de Maizière, dem solche Machenschaften bislang niemand zugetraut hätte, sprach von 4 bis 6 Terroristen (radikale Islamisten), die angeblich nach Deutschland anreisen, und so erachtet man sogar die friedfertigen Christklindl-Märkte gefährdet ... Doch offensichtlich war es ihm ob seines Geredes selber nicht ganz wohl, eingedenk des Umstands, dass er mit der Weitergabe seines fragwürdigen Geheimdienstwissens die Weihnachtsstimmung in den erleuchteten Städten verderben könnte – ohne eine verstärkte Polizeipräsenz wird es nicht abgehen, um das Gesicht zu wahren. Er relativierte den zweckgerichteten Nonsens gleich so: Es gebe zwar „Grund zur Sorge, aber keinen Grund zur Hysterie“. Und: „Wir lassen uns durch den internationalen Terrorismus weder in unseren Lebensgewohnheiten noch in unserer freiheitlichen Lebenskultur einschränken. Das sollten wir alle beherzigen.“
 
In diesem Falle stellt sich nur die Frage, weshalb man denn das tapfere Volk mit solch einem Unsinn belästigt hat. Schon der zeitliche Zusammenhang – in Hamburg trafen sich am 18.11.2010 die Innenminister der Bundesländer zu ihrer zweitägigen Herbsttagung, an der es primär um die innere Sicherheit geht, und in Lissabon hat am 19.11.2010 der Nato-Gipfel begonnen (das Militärbündnis sucht nach neuen Aufgaben) ‒ deutet darauf hin, dass es um die Schaffung eines günstigen Terrains für neue Sicherheitsgesetze und -massnahmen geht.
 
Die heraufbeschworene Gefahr, vom Auffinden einer angeblichen „Test-Bombe“ in einer Laptoptasche aus Windhuk in Namibia, die offenbar nicht einmal für Deutschland bestimmt war, streut etwas Pfeffer auf die lahmen Terrorängste, wobei man sich in keine grossen geistigen Unkosten stürzte. Die Laptoptasche mit den Zündschnüren wird in die politische Instrumentalisierung einbezogen: Vor dem Hintergrund der hochgespielten Terrorgefahr will die schwarz-gelbe Koalition die Sicherheitsbehörden durch 600 neue Stellen bei Bundespolizei, Bundeskriminalamt und Zoll verstärken – bisher war eine Streichung von Stellen bei der Bundespolizei geplant gewesen.
 
Die infantilen Medien, die im Übrigen gerade damit beschäftigt sind, die amerikanische Popsängerin Lady Gaga zum globalen Superstar aufzublasen (das Schweizer Fernsehen widmete ihr binnen zweier Tage 2 Sendungen), sind dankbar, wenn sie ihre Quoten zusätzlich noch mit etwas Terrorismus-Gaga aufmotzen können. Die grossartige, pardon: grossformatige, deutsche Zeitung „Bild“ vom 19.11.1010 setze 4,5 cm hohe weisse Lettern auf tödlich schwarzen Hintergrund: „Deutschland im Alarm-Zustand!“ Und der Rest wird im Stakkatostil herausposaunt: „Polizisten mit MPs bewachen Züge +++ Koffer gesprengt +++ Reichstag abgesperrt +++ Kliniken rüsten für den Ernstfall.“ Und darunter ist ein Bild der schönen Engländerin Amber-Light (19) mit Strumpfhaltern (Strapsen) und 70-DD-Plastikbrüsten, neben dem offiziellen Papst-Porträt übrigens. In der Börsensprache ist Amber Light ein leises Warnsignal.
 
Und wenn dann die angekündigten Anschläge – nicht auf das erwähnte Model – dann halt eben ausbleiben, dann waren es doch die Geheimdienste und die Behörden, die das Verhängnis noch rechtzeitig durch ihre vorausschauende Abwehrplanung verhindert haben ...
 
Auf diese Weise laufen die modernen Kreuzzüge ab, die in einem einzigen Fiasko zu enden pflegen. Das ist die moderne Heilsgeschichte, eine Heilsökonomie, deren Gewinn mit dem Eintritt ins Reich Gottes beziehungsweise ins globale Dorf identisch ist. Mir persönlich sind jene Weihnachtsmarktbesucher sympathischer, die darüber nur lachen können und sich lieber vom Kerzen- und Glühweinzauber wenigstens vorübergehend in bessere Welten tragen lassen.
 
Nachtrag vom 20.11.2010
Peinliche Kofferposse
Der Schwindel rund um die Laptoptasche mit Batterien, den Zündschnüren und einem Zünder, die im namibischen Flughafen Windhuk gefunden und vom deutschen Bundeskriminalamt zum „sicherheitsrelevanten Ereignis“ hochstilisiert wurde, ist aufgeflogen – der Schwindel und nicht etwa die Tasche ... Es handelte sich um eine der Attrappen, wie sie von Regierungen, Sicherheits- und Geheimdiensten für ihre Spiele gern benützt werden, um Testläufe zu machen und je nach Bedarf die hysterische Stimmung zu schüren. „X-Ray Test Object – non-hazardous" (Röntgen-Testobjekt - ungefährlich), stand darauf; aber das könnte man ja auch auf gefährliche Bomben schreiben. Dieser Realtestkoffer, wie der Fachausdruck lautet, stammt aus einer kalifornischen Garagenwerkstatt (in Sonora), als ob es keinem Bastler in Afrika und Europa möglich wäre, ein paar Zündschnüre in eine Tasche zu verpacken. Laut einer DPA-Meldung hat der Besitzer, der 64-jährige Larry Copello, erklärt, vermutlich habe seine damals 80 Jahre alte Schwiegermutter das Teil vor 4 Jahren gebaut. Der Bastler verkauft seinen Schrott nicht an Private, sondern ausschliesslich an Regierungsstellen wie die US-Verkehrssicherheitsbehörde TSA und andere amerikanische Beörden, Ministerien, Polizeiämter, Fluggesellschaften und andere Institutionen, die „mit Sicherheitsmassnahmen zu tun haben“. Es ist naheliegend, dass die Ermittlungen jetzt in Richtung USA und ihren Geheimdienst CIA gehen, auch wenn die namitische Polizeit für den Gag geradestehen will, was auf eine Zusammenarbeit mit den USA hindeutet.
 
Die Einzelheiten in diesem Mosaik fehlen. Wer kaufte die spezielle US-Attrappe? Wer brachte sie nach Namibia? Eine Folge war neben der Verstärkung von Terrorängsten der Kollateralschaden, dass ein Airbus von Air Berlin erst mit mehrstündiger Verspätung von Windhuk nach München starten konnte und die Passagiere in Angst und Schrecken versetzt wurden. Schwer bewaffnete Polizisten mit kugelsicheren Westen wurden überall in Deutschland aufgeboten. Die deutschen Sicherheitsbehörden ihrerseits, die auf den Schwindel hereingefallen sind, haben sich sträflich blamiert. Sie hatten erklärt, dass die Informationen und Analysen aller mit Sicherheitsfragen befassten Behörden des Bundes und der Länder im gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum täglich ausgetauscht würden. Nun erwiesen sie sich als gutgläubig und als schlecht bis überhaupt nicht informiert. Wer möchte schon von solchen Instanzen „beschützt“ werden?
 
Den Dummy als Rohrkrepierer zu bezeichnen, wäre viel zu viel der Ehre für ihn, zumal neben dem gesunden Menschenverstand überhaupt nichts krepierte und ja auch nicht krepieren konnte. Und ist die Hysterie einmal losgetreten, wird sie zum Selbstläufer: Am Mittag des 19.11.2010 wurden am Hauptbahnhof Hannover 6 Gleise wegen einer verdächtigen Tüte auf dem Bahnsteig gesperrt. Der Beutel wurde gesprengt, so dass nicht mehr festzustellen ist, ob Pommes oder anderes Knabberzeug darin waren. In Düsseldorf wurde ein ICE gestoppt; 230 Reisende mussten den Zug verlassen. Der Grund: Ein herrenloser Koffer, der Kleidung enthielt.
 
Falls wirkliche Terroristen umherschwirren sollten, dürften sie sich vor Lachen kugeln. Alles läuft ohne ihr Zutun ganz in ihrem Sinne. Sie können die ersten Erfolgsmeldungen bereits verbuchen.
 
Anmerkungen zu Namibia
Deutschland und die USA haben zum rohstoffreichen Namibia (Diamanten, Halbedelsteine, Erze) intakte, ungetrübte Beziehungen; zwischen 1884 und 1915 war Deutsch Südwestafrika, wie Namibia damals hiess, eine deutsche Kolonie, die von Missionaren und anderen Handelsleuten vorbereitet worden war. Die unrühmlichste Episode war der Vernichtungsfeldzug gegen die eingeborenen Herero, die sich gegen die deutschen Siedler gewehrt hatten, und dem etwa 85 000 dieser Ureinwohner zum Opfer fielen – heute umfasst das Hirtenvolk noch etwa 120 000 Personen. Das Land Namibia gehörte dann zur Südafrikanischen Union und ist seit 1990 unabhängig; ein langer Unabhängigkeitskrieg brachte die Befreiung. Das Land mit seinen grandiosen Naturschönheiten, das ich 1995 besucht habe und wo ich vor einem Hotel in Windhuk knapp einem Raubüberfall entging, ist noch immer stark vom Deutschtum, der deutschen Wesensart, geprägt; eine Aussöhnungspolitik versucht, die Vergangenheit vergessen zu machen. Der Tourismus findet hier beste Voraussetzungen. Laptoptaschen lässt man besser daheim ...
 
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