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BLOG vom 08.12.2010


Assanges Festnahme: Rein sexbezogene Angelegenheit ...
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Echt kreativ sind sie, die Amerikaner, mit Beihilfe ihrer europäischen Freunde. Der WikiLeaks-Gründer Julian Assange wurde festgenommen, nicht etwa weil er geheime Protokolle über die Kriege im Irak und Afghanistan sowie Depeschen von US-Diplomaten ins Internet gestellt hat. Nein, nein. Wir im Westen halten die Medienfreiheit hoch. Weiss man doch. Und die westliche Politik ist derart frei von jeder Trübung, dass da ohnehin nichts an Dreck herauszufischen ist. Man darf im freien Westen sogar ungeniert publizieren, was den Machthabern nicht gefällt, ansonsten wir ja Zustände wie in China, Russland, Burma oder Nordkorea hätten. So tief lassen wir uns nicht hinunter.
 
Der Australier Assange hatte das Unglück, in Schweden zu leben. Ich habe dieses Land zwar noch nie als Ausgeburt von Prüderie erlebt. Dennoch wurde er auf schwedisches Betreiben hin wegen erzwungenen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs international gejagt. Und sonst wegen gar rein nichts. Dabei spielte es überhaupt keine Rolle, dass Schweden mit den USA eng befreundet ist und (laut der publizierten WikiLeaks-Dokumente) auf informelle Weise den Datenhungrigen jenseits des grossen Wassers Daten aus schwedischen Personenregistern verschafft hat – solch illegale Datenübermittlungen können ja schliesslich aus Versehen einmal passieren. Wo Menschen werkeln und wirken, können Fehler schon gelegentlich vorkommen.
 
Zarte Gemüter mögen jetzt bitte weghören beziehungsweise weglesen: Das einzige und ganz grosse Verbrechen Assanges (39) besteht darin, dass er mit 2 Freundinnen Beischlaf hatte. Sie wären zwar damit durchaus einverstanden gewesen, wie man liest, wenn der Sex geschützt gewesen wäre; doch Assange weigerte sich, ein Kondom, wie es jede Aids-Hilfe mit Inbrunst propagiert, dort überzustülpen, wo die Manneskraft im gegebenen Moment zur Explosion gelangt und zur Erhaltung des Menschengeschlechts beiträgt. Man sieht: Sex ist wirklich eine schützenswerte Sache (siehe dazu auch Thilo Sarrazin über das bevorstehende Aussterben des deutschen Volks).
 
Assange wollte also – mein Keyboard errötet nochmals – ungeschützten Sex und soll seine Freundinnen sogar dazu gezwungen haben. Anklage in der Juristensprache: Nötigung in 2 Fällen und Vergewaltigung in 1 Fall. Wie man das macht, kann ich zwar nicht genau sagen, aber ich weiss jetzt, dass dies eines der aller-allergrössten Verbrechen ist, das selbst die gesamte Pädophilie weit in den Schatten stellt, diese vergleichsweise geradezu alt aussehen lässt. Das Verbrechen, erwachsenen Damen ungeschützten Sex aufzuzwingen, ist derart gravierend, dass die Täterschaft anschliessend per internationalem Haftbefehl gesucht und verfolgt werden muss, falls sie sich nicht, wie Assange, freiwillig stellt und in einer dunklen Limousine im Westminster Court in London verfrachtet werden kann. Einzelhaft. Kontaktsperre. Keine Freilassung gegen Kaution.
 
Solch eine erotische Beziehung würden die auf Prüderiepflege kaprizierten Amerikaner niemals erlauben. Und sie wäre ja auch viel zu gefährlich. Sogar zu regelrechten Schwangerschaften kann es bei derartigen Gelegenheiten kommen.
 
Die Festnahme und die Verhaftung Assanges geht für ihn noch an. Unendlich verhängnisvoller wäre für ihn eine Heimschaffung nach Schweden, weil dann eine Auslieferung an die USA, wo die Strafen wegen Sexeskapaden besonders gravierend sind, wahrscheinlich wäre. Dass er die US-Diplomatie blossstellte, wird man ihm schon verzeihen und spielt in diesem Zusammenhang, wir sagten es bereits, überhaupt keine Rolle.
 
Solch eine Auslieferung von Schweden in die USA könnte schliesslich auch aus Versehen passieren (siehe oben). Vorerst haben die USA, die auch den Schlafzimmerverkehr global und mit der geboten Detailgenauigkeit überwachen, ihre Freude an der Verhaftung des Unholds bekundet: Es handle sich um eine gute Nachricht, sagte Verteidigungsminister Robert Gates zu mitreisenden Journalisten auf dem Weg nach Kabul. Die Stimmung war gerettet.
 
Setzt man Sexunholde ausser Betrieb, bessert sich nicht nur das Wetter (siehe Jörg Kachelmann, angeblich auch so ein Vergewaltiger, wie eine seiner Freundinnen behauptet), sondern auch die Börse. Assange kündigte die Veröffentlichung geheimer Daten über eine US-Grossbank an. Dabei haben die US-Banken doch eine blütenreine Weste, wie man weiss. Merkwürdigerweise sind anschliessend gleichwohl die Aktien der Bank of America und von Goldman Sachs stark unter Druck geraten. Die Papiere der Bank of America, der grössten US-Bank, standen am Dienstagabend. 06.12.2010, bei Börsenschluss in New York mit mehr als 3 Prozent im Minus. Nach Assanges Verhaftung ging es den Titeln am nächsten Tag wieder etwas besser.
 
Gewisse Ähnlichkeiten zum Kampf gegen die Terroristen sind unverkennbar: Schlägt man einer Hydra einen ihrer 9 Köpfe ab, wachsen an dessen Stelle 2 neue nach. Immer mehr Leute unterstützen WikiLeaks. Damit scheint die Weisswäsche der westlichen Unschuld noch nicht definitiv gelungen zu sein. WikiLeaks-Aktivisten wollen weitermachen, sexfrei und damit vermutlich vollkommen legal.
 
Wieso eigentlich wurde der Zugang zur WikiLeaks-Internetadresse durch die USA erschwert? War sie etwa pornografisch? Geschadet hat der Eingriff den Enthüllungstätern nicht, denn die Site ist mehr als 700 Mal gespiegelt. Und der reine Westen tut durch sein läppisches Verhalten indirekt alles, um WikiLeak zu stärken.
 
PS: Über das Sexleben von Hydras befragen Sie bitte Ihren Zoologen.
 
Hinweis auf weitere Blogs mit Bezug zu WikiLeaks
28.07.2010: Afghanistan-Dokumente: US-Kriege ertragen keine Wahrheit
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