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BLOG vom 18.12.2010


Wie man Weihnachten entkommt, überlebt, geniesst
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Ohne Unterlass – und dies schon seit Monaten – wird der Konsument animiert, teure Luxusgeschenke zu kaufen wie Goldgeschmeide, Taschen von Louis Vuitton, Parfüme von Van Cleef & Arples und anderer Spitzenmarken, nicht zu vergessen die allerneuesten „Gadgets“ elektronischer Art. Verpönt sind erschwingliche Geschenke wie ein Rosenstrauss, selbst eine Flasche Champagner genügt nicht mehr, ganz zu schweigen von Bettsocken, Handschuhen, Badesalz oder Rasierwasser. Wer seine Kreditkarte nicht tüchtig überzieht, ist ein „Scrooge“, ein Geizhals, und wird geächtet.
 
Lassen Sie sich nicht umgarnen, kramen Sie in Ihren Schubladen! Sie werden gewiss etwas finden, das die Beschenkten ausser Fassung bringt. Ja, Sie haben Ihre Ruhe kostenlos verdient! Weihnachten gehört Ihnen allein ‒ ungeteilt. Entkorken Sie Ihre Flasche Champagner und trinken Sie auf Ihr eigenes Wohl! Ob Sie dabei fröhlich werden, bleibe dahin gestellt, wenn Sie Weihnachten „scotsfree“ (auf die billigste Masche) entkommen. Damit können Sie erst noch den Silvester ans Bein streichen. Niemand trinkt auf Ihr Wohl.
 
Die ältere Garde
Die Garde der Alten hat mehr als genug Weihnachten gefeiert. Sie hat den weihnächtlichen Ruhestand verdient. Eine mehrwöchige Kreuzfahrt ist gebucht. Sonnige Schnappschüsse werden die Verwandtschaft per E-Post erreichen und Neid erwecken: Grüsse von der Osterinsel. Gut, dass die Daheimgebliebenen nicht wissen, wie schleppend die Zeit in der zusammengewürfelten Gesellschaft bei erzwungener Heiterkeit vergeht …
 
Weniger kostspielig sind Weihnachten in einem abgelegenen ländlichen Hotel. Dort verweilen die Weihnachtsflüchtlinge eingeschneit und langweilen sich furchtbar im Salon, der einem Wartesaal gleicht, bis es Zeit zur nächsten Mahlzeit ist. Die betagten Gäste ergehen sich in Erinnerungen; mehrmals täglich werden die gleichen aufgetischt. Ein Glas Wein kostet £ 9, das Weihnachtsgebäck, mitsamt Panetone, stammt von Lidl. Die jährlich geleierte Rede der Königin sorgt für Abwechslung.
 
Der Inhaber des Hotels, ein ehemaliger Major und Schotte, ist in Tweed gekleidet. Jeder Gast ist angehalten, die Hausregeln zu beachten: Kein Frühstück mehr nach 9 Uhr. Ab 2 Uhr schliesst die Küche, denn auch das Personal will Weihnachten haben. Das Abendessen kann sich jeder Gast vom Kalten Buffet holen. Eine Kaffeemaschine steht zur Verfügung. Die Tranksame muss im Voraus bestellt werden. Gegen 11 Uhr abends drosselt der Major die Zentralheizung. Die Gäste gehen schlafen.
 
Die jüngere Garde
Die Garde der Jüngeren kann nicht kneifen. Die Hausfrau leistet Frondienst in der Küche. Der Hausherr muss die Gläser immer wieder nachfüllen. Der Onkel und die Tante spielen mit den Kindern, bis sie plärren – damit sind die lieben Kleinen gemeint. Wenn das 1. Weinglas umkippt, verflüchtigt sich die Heiterkeit hinter der Alkoholfahne. 2 Streithähne haben sich wieder gefunden, wie alle Jahre wieder.
 
Zum Glück springen die Grosseltern ein (sofern sie nicht auf einer Kreuzfahrt oder im einem ländlichen Hotel verlocht sind), und helfen u. a. beim Abräumen des Geschirrs. Sind sie rüstig genug, gehen sie mit den Kindern und Hund spazieren. Sie unterhalten die Enkelkinder mit Geschichten, spielen abwechselnd das Mühlespiel mit ihnen und bewundern ihre Farbstiftzeichnungen.
*
Die schönsten Weihnachten erlebte ich im engsten Familienkreis, und so ist das gemeinsame Feiern in unserer Familie Brauch geblieben. Weihnachten wird zum Erlebnis. Und nachher schätzt man den Alltag auch wieder …
 
Hinweis auf weitere Weihnachtsblogs von Emil Baschnonga
23.12.2005: Eine Weihnachtsgeschichte: Das Bistro „Zum Déjeuner“
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