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BLOG vom 21.02.2011


Flösserweg 5: Abstecher zum homogenen Dörfchen Mandach
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Wer mit offenen Augen so recht in Freuden wandern und unbekannten Landschaften entgegen gehen will, der wird nie fertig. Immer und überall ist etwas zu sehen, das er ebenfalls auskundschaften möchte, damit sich das Bild allmählich ausweitet und sich vielleicht einmal zum einem Ganzen fügt.
 
Das Landschaftserlebnis dehnt sich immer weiter aus. So habe ich beim etappenweise Abwandern des Flösserwegs (zwischen Stilli AG und Laufenburg) von der Egg am Rotberg hinunter auf die ziegelrote Dachlandschaft des Dorfs Mandach (Bezirk Brugg) geschaut, das den Tafeljura wie ein Radieschen auf einem gekonnt angerichteten Salatteller dekoriert. Als ich in einer späteren Etappe am 12.02.2011 das Mettauertal unter die Lupe nahm, gönnte ich mir den Abstecher von Hottwil (407 m ü. M.) hinauf nach Mandach (489 Höhenmeter), um dieses Bijou von innen zu betrachten.
 
Die Reben gedeihen an Südhängen von Besseberg, Berg und Hirzigen, umfassen aber nur eine Fläche von insgesamt etwa 10 Hektaren, so dass Mandach nicht als typisches Weinbaudorf zu erkennen ist, sondern es ist einfach eine landwirtschaftliche Siedlung, in der es auch Wein gibt. Immerhin kann sich Mandach rühmen, die höchstgelegenen Rebberge des Aargaus zu haben. Auf den schweren, tonigen Böden, die sich gern an die Schuhe heften, wachsen gehaltvolle Weine, wie überall rund um den Geissberg.
 
Die Bausubstanz dieses Bauerndorfs geht wegen mehreren Bränden meist auf das 19. Jahrhundert zurück, und einige Neubauten gehören im fast waldlosen Becken des Leuggerntals, diesem Resultat einer urzeitlichen Verfaltung, auch dazu. Das vor allem von sanften Wiesen mit Obstbäumen und Äckern umgebene Dorf ist wegen seinen einzigartigen Lagequalitäten heute ein ruhiger Wohnort für Pendler aus der Region Brugg und ufert jetzt etwas aus, was wohl nicht zu verhindern ist. Besonders typisch ist der südöstliche Dorfteil mit seiner Serie von Landwirtschaftsbauten, die an frühere Zeiten erinnern, aber noch immer voller Leben sind. Wie eine Faust aufs Auge dürfte der erste Flachdachbau wirken, der unmittelbar oberhalb von dieser bäuerlichen Baukultur jetzt im Entstehen begriffen ist. Ich kann nicht verstehen, dass ein solcher Fremdkörper, der die Homogenität beeinträchtigt, am Rande dieses architektonisch ordentlich wirkenden Haufendorfs überhaupt bewilligt wurde.
 
Mandach, wo die Bauten ein mehrfach verzweigtes, fünfstrahliges Strassennetz begleiten, gehört zu den Ortsbildern von nationaler Bedeutung und wird im Buch „ISOS. Inventar der schützenswerten Ortsbildern der Schweiz“ (Band: Kanton Aarau II) auf 7 Seiten beschrieben. Nach Angaben der ISOS-Autoren (Leitung: Sibylle Heusser-Keller) gehörte das Dorf im Mittelalter zum Herrschaftsgebiet der Habsburger als Bestandteil der Herrschaft Wessenberg; die Burg befand sich oberhalb des Dorfs. 1468 ging das Dorf an die Berner und wurde der Landvogtei Schenkenberg zugeteilt. 1803 kam es zum Aargau. Die Kirche, unten im Dorf platziert, mit ihrem in der Region seltenen Zeltdach auf dem gedrungenen Glockenturm war während unseres Besuchs gerade geschlossen.
 
Laut den ISOS-Experten sind die Bauernhäuser mit integriertem Stall und Scheune als Einzelbauten nicht von besonders hohem Wert; doch zusammen schaffen sie ein einfaches und intaktes Siedlungsbild. Unten im Dorf sind die Brückenwaage von 1914 und das Spritzenhaus konserviert, weitere Zeichen von ortsgeschichtlichem Feingefühl.
 
Ein Lehrstück bietet Mandach hinsichtlich des Einflusses der Strassenbreiten auf das Ortsbild. Schmale Verkehrswege haben kaum einen schädigenden Einfluss, breite aber – eine solche gibt es im oberen Dorfteil Mandachs – stören es empfindlich.
 
So haben Strassenverbreiterungen innerorts generell viele Dorfbilder arg beschädigt. Nachdem heute fast überall Umfahrungsstrassen vorhanden sind, sollten meines Erachtens die seinerzeitigen Ausbauten nach den Normen der Strassenbaufachleute, wo es sinnvoll und möglich ist, wieder rückgängig gemacht werden. Vor allem die ausgesprochenen Strassendörfer, von denen es im Aargau zahlreiche gibt, könnten eine etwas belebende Kosmetik ertragen – Dorf-Renaturierungen nach dem Vorbild der Auen-Renaturierungen: Neben dem Auenschutzpark sollte es auch zu einem Dorfschutzpark Aargau kommen.
 
Quellen
ISOS.
Brüschweiler, Roman W.: „Die Aargauer Gemeinden“, Verlag Effingerhof, Brugg 1990.
 
Hinweis auf weitere Blogs über die Aarelandschaft unterhalb von Brugg
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