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BLOG vom 24.02.2011


Obama-Stilbruch 32: Selbstverleugnung im Interesse Israels
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Diese Serie über „Obama-Stilbrüche“ erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; sie würde sonst allzu umfangreich. Oft hört man, wenn es um die Doppelzüngigkeit des amtierenden amerikanischen Präsidenten geht, er meine es ja schon gut, doch die innenpolitischen Strukturen und herrschenden Klassen würden ihn halt zurückbinden, so dass er seine an sich hehren, gut gemeinten Ziele nicht verwirklichen könne. Sicher haben solche Ausreden etwas für sich. Doch hatte ja Barack Obama zu Beginn seiner Präsidentschaft bereits eine üppige politische Vergangenheit hinter sich. Er lehrte an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Chicago und wurde 2004 in den Senat gewählt. So hatte er also ausreichend Einblicke in den politischen Alltag in seinem Land mit all den Spielchen und Strippenziehern, die diesen begleiten und am Ende auch bestimmen. Seitdem Obama im November 2010 die Kongresswahlen verloren hat, ist der Druck noch grösser geworden. Aus solchen Einsichten heraus hätte er ehrlicherweise bei der Ankündigung seines Alleskönnertums etwas zurückhaltender umgehen müssen, wenn es ihm um einen ehrlichen Sinn für das Menschenmögliche statt um werbewirksame Luftblasen, die bei der ersten Gelegenheit platzen, gegangen wäre.
 
Israel hat das Sagen
Einen jämmerlichen Eindruck macht Obama nach wie vor wegen seiner Israelpolitik, die nicht einmal das Selbstverständliche zustande bringt: Die Beendigung des Siedlungsbaus, mit dem ich mich bereits im „Stilbruch“ 30 befasst habe. Wenn ich hier nochmals auf das diesbezügliche US-amerikanische Schmierentheater zurückkomme, dann tue ich es im Licht der momentan brodelnden arabischen Staaten im Süden und Osten des Mittelmeers, wobei im Moment gerade die Zustände im Wüsten- und Ölstaat Libyen am gravierendsten sind und unser alter Bekannter, der Operettenkaiser, Muammar al-Gaddafi, jetzt gerade Wichtigeres zu tun hat als die Schweiz abzuschaffen: Er kämpft um die Machterhaltung, ums Überleben. Bis aufs Blut.
 
Mit der Vertreibung von Ägyptens Hosni Mubarak ist die wichtigste Bastion zum Schutze des Judenstaats gefallen. Die aus dem Auserwähltheitsgefühl herausgewachsene Arroganz Israels, das glaubt, fremde Gebiete stehlen und überwuchern zu dürfen, erstickt nicht nur jede Friedensbemühungen im Keime, sondern provoziert ständig neue Schlachten. Offenbar ruft der alttestamentarische Gott Jahwe sein auserlesenes Volk nach wie vor zu Krieg und Vernichtung auf. Und das wiederum provoziert die arabischen Länder. Für Israel, das wegen seines nicht zu legitimierenden Verhaltens international isoliert dasteht, wird’s gefährlich.
 
Bibel-Vorgaben
Als eines der Beispiele, mit denen die offensichtlich von mordlustigen Autoren verfasste Bibel durchsetzt ist, zitiere ich das 7. Kapitel aus dem 5. Buch Mose (Deuteromim) nach „Thompsons Studienbibel“ (Hänssler-Verlag, Neuhausen Stuttgart 1984), das eine Erklärung für das gnadenlose Verhalten Israels bieten kann.
 
„1 Wenn dich der HERR, dein Gott, ins Land bringt, in das du kommen wirst, es einzunehmen, und er ausrottet viele Völker vor dir her, die Hetiter, Girgaschiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter, sieben Völker, die zahlreicher und mächtiger sind als du,
 
2 wenn sie der HERR, dein Gott, vor dir dahingibt, dass du sie schlägst, so sollst du an ihnen den Bann vollstrecken (TA: der Vernichtung weihen). Du sollst keinen Bund mit ihnen schliessen und keine Gnade gegen sie üben , sie nicht verschonen
 
3 und sollst dich mit ihnen nicht verschwägern; eure Töchter sollt ihr nicht geben ihren Söhnen, und ihre Töchter sollt ihr nicht nehmen für eure Söhne.
 
4 Denn sie werden eure Söhne mit abtrünnig machen, dass sie andern Götter dienen; so wird dann des HERRN Zorn entbrennen über euch und euch bald vertilgen.
 
5 Sondern so sollt ihr mit ihnen tun: Ihre Altäre sollt ihr einreissen, ihre Steinmale zerbrechen, ihre heiligen Pfähle abhauen und ihre Götzenbilder mit Feuer verbrennen.
 
6 Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.
 
Soweit ein Auszug aus der Bibel, die ihre Blutspuren, herausgewachsen aus Intoleranz und allmächtigen Überlegenheitsgefühlen, als Grundlage für den Aufruf des Bibelgottes zum Verwüsten und Morden bis zum heutigen Tag aufrecht erhalten konnte. Wie ist es möglich, in solch einem Machwerk, das für denkende Menschen unzumutbar ist, Erbauung, Trost und Lebenshilfe zu finden?
 
Der Westen giesst Öl ins Feuer
Die Juden, in dieser Denkwelt gefangen, finden hier die Rechtfertigung zum Beispiel für den Siedlungsbau und den Vernichtungskrieg gegen ihre Nachbarn. Sie werden aus westlichen Quellen finanziert und militärisch aufgerüstet, machen aber keinerlei Anstalten, sich durch ein anständiges Benehmen dafür erkenntlich zu zeigen, ausgerechnet sie, die selber viel Unrecht erleiden mussten. Andere Widerspenstige wie Nordkorea, Burma (Myanmar) oder der Iran werden mit allen Mitteln geschädigt, und alle Alliierten müssen mitmachen, wenn sie ihrerseits Strafaktionen aus Washington entgehen wollen. Das US-Imponiergehabe beruht auf der militärischen Stärke und der Bereitschaft der USA, ihr gigantisches Waffenarsenal auch einzusetzen.
 
Obama, der im Wahlkampf den illegalen Siedlungsbau sofort zu stoppen versprochen hatte, beliess es, als er im Amt war, bei unverbindlichen Aufrufen an Israel, ohne die sonst allgemein üblichen Strafmassnahmen einzuleiten. Und vor wenigen Tagen – das ist die aktuellste Version ‒, legitimierte er am 18.02.2011 den Siedlungsbau durch das 51. Veto zum Schutze Israels in der Uno indirekt. Dabei wäre es ja mit der Resolution nur um eine Verurteilung von Israel gegangen ... aber nicht einmal einen solch unverbindlichen Aufruf lässt er zu. In dem wertlos gewordenen Fetzen Papier hiess es bloss, dass „jede israelische Siedlungsaktivität in den besetzten Gebieten „einschliesslich von Ostjerusalem illegal ist und eine wesentliche Hürde beim Erreichen eines Friedens auf Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung bildet“. Verurteilt wurden alle Siedlungen von „Israel, der Besatzungsmacht“ in den Gebieten und „alle Massnahmen, die darauf abzielen, die demografische Zusammensetzung, den Charakter oder den Status der besetzten Gebiete zu ändern“.
 
„Wir haben das Siedlungsmoratorium als ein Mittel verfolgt, um die Bedingungen für eine Rückkehr zu bedeutsamen und nachhaltigen Verhandlungen zu schaffen“, sagte der Sprecher des US-Aussenministeriums, Philip Crowley, an einer Pressekonferenz in New York laut www.focus.de. „Wir sind jedoch zu dem Schluss gekommen, dass dies keine solide Basis ist, um unser Ziel eines Rahmenabkommens zu erreichen.“ Um faule Begründungen ist man nie verlegen.
 
Die USA haben keinen Sinn für Gerechtigkeit, blamierten sich einmal mehr masslos, nehmen nicht zur Kenntnis, was sich im arabischen Raum tatsächlich abspielt. So lange Politik auf diese willkürliche Weise erfolgt, wird es nicht nur keinen Frieden, sondern immer mehr Unruhen geben.
 
Die Politik der USA folgt den alttestamentarischen Grundsätzen der Gewaltverherrlichung und Verachtung Andersdenkender, die man ungestraft bestehlen und deren Lebensraum beliebig eingeschränkt werden darf. Im Buch „Der Jesuswahn“ (Tectum Verlag 2011) schreibt Heinz-Werner Kubitza (Seite 16) dazu: „Die Landnahme wird von Juden und Christen gleichermassen als Segnung Gottes verstanden. Dabei handelt es sich aus heutiger Sicht um Eroberungs- und Vernichtungsfeldzüge. Und diese werden religiös gerechtfertigt und sind gekennzeichnet durch aussergewöhnliche Grausamkeit.“
 
Ja, Obamas USA sind halt auch ein ausgesprochen religiöses Land.
 
Hinweis auf die bisher erschienenen Blogs über die Obama-Stilbrüche
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