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BLOG vom 30.04.2011


Aus dem komfortgelüfteten Innenleben der Zehnder-Gruppe
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
In meinem Journalistenleben habe ich immer gern in zunehmend an Sauerstoff verarmenden Räumen allerhand Präsentationen über mich ergehen lassen. Denn nirgends konnte man tiefer und herrlicher schlafen als bei solchen Gelegenheiten in übersäuerten, stickigen Räumen. Eine schriftliche Dokumentation wurde einem ohnehin ausgehändigt, so dass man ja nichts verpasste. An diese herrlichen Zeiten erinnerte ich mich, als ich das Glück hatte, von Andreas Zehnder zu einer Betriebsbesichtigung eingeladen zu werden. Er leitete zusammen mit seinem Bruder Hans-Jakob seinerzeit die Zehnder Group AG, wie sie jetzt heisst, in der 3. Generation und ist heute im Ruhestand. Eine Gruppe von seinen Freunden und Bekannten wurde in die Betriebsgeheimnisse eingeweiht. Der Unterschied zu früheren Präsentationen: Das Schlafbedürfnis bleib aus.
 
Wir stärkten uns am Mittag des 18.04.2011 zuerst im firmeneigenen Restaurant bei Bärlauchbratwurst, Bratkartoffeln und Salaten. Statt des Mittagsschläfchens stellte in einem klimatisierten Versammlungsraum mit schönem Ausblick über Gränichen im unteren Wynental der Geschäftsführer Schweiz, Sandro Stutz, das Unternehmen vor. Das körperliche Wohlbefinden bei anhaltender geistiger Frische war erklärbar: Beide waren einerseits auf die ausgeklügelte Komfortlüftungstechnik aus eigener Produktion und anderseits auf die faszinierende Firmengeschichte zurückzuführen, ein andauernder Erfolg. 2010 wuchs der Umsatz der Zehnder-Gruppe um 9 % auf 476 Mio. Euro, und die Zahl der Mitarbeiter belief sich weltweit auf 2945. In 19 Ländern gibt es Entwicklungs-, Produktions- und Verkaufsorganisationen. In 4. Generation wird das Unternehmen heute von Hans-Peter Zehnder (geb. 1954) seit 1993 geführt.
 
Töffli-Oldtimer
Bereits in der Réception an der Moortalstrasse 3 in Gränichen AG (Bezirk Aarau) begann die Geschichtslektion als Begegnung mit 2 Zehnder-Motorrädern („Zehnderli“), wie sie in den 1920er-Jahren, genau genommen ab 1923, produziert wurden. Die Leichtmotorräder mit ihrem vom Zehnder-Unternehmen entwickelten 112-cm3-Zweitaktmotor faszinieren noch heute wegen der sichtbaren und damit überschaubaren, einfachen Technik. Und genau das trifft sinngemäss auch auf die Stahlrohrradiatoren zu, die ab 1930 produziert wurden, als die Zehnderli zu Auslaufmodellen wurden.
 
Schöner heizen und klimatisieren
Damit war das Unternehmen im Bereich der Heiztechnik gelandet, wobei immer eine hohe Qualität im Vordergrund stand. Die Heizkörper haben eine fast unbeschränkte Lebensdauer, was den Umsatz schwächen würde, resultierte daraus nicht ein ausgesprochen guter Ruf. Und so ist denn die Zehnder Group, wie sie seit 2011 heisst und die weltweit präsent ist, heute im Hochpreissegment tätig, in den höherwertigen Nischen des Markts für Stahl- und Sonderheizkörper. In den letzten Jahren kam zunehmend das Segment Lüftungen als Bestandteil energieeffizienter Systeme dazu. Das Heizen, Kühlen und Lüften wird jetzt als Gesamtpaket angeboten, weil nur durch diese Kombination Energie eingespart werden kann. Beispiel: die Dampfhaube in der Küche. Wenn sie läuft, befördert sie nicht nur die Kochdämpfe aus dem Haus, sondern reisst gleich auch noch jede Menge Wärme mit sich, die man wieder nutzbar machen kann. Es geht also um Raumklimalösungen im umfassenden Sinn – mit Einschluss der Luftreinigung („Zehnder Clean Air Solutions“) und der Wärmerückgewinnung. Dazu braucht es eine Energiezentrale wie die „ComfoBox 5“ für Einfamilienhäuser.
 
Staubfänger
Der allgegenwärtige Staub (inkl. Pollen) wird durch ein Flimmer-Filtrierungssystem aus dünnen Polypropylenfasern nach dem Prinzip der Elektrostatik aufgefangen; die elektrostatische Aufladung erfolgt durch vorbeiströmende Luft. Wenn der Staubfilter gesättigt ist, kann er mit dem normalen Hauskehricht verbrannt werden. Auch an Arbeitsplätzen wird die durch die Flimmerkästen herbeigeführte, weitgehende Staubfreiheit geschätzt. Mitarbeiter und Maschinen, die im Staub schneller geschädigt bis verschlissen würden, bleiben gesund. Sandro Stutz, gross gewachsen, aufmerksam, präsent und sympathisch, der mit gedämpfter Stimme präzise spricht, sagte im Rahmen der Firmenpräsentation, Vorschriften über die Luftbelastung im Freien seinen schön und recht, doch eigentlich müssten sie sich vor allem auf Innenräume beziehen, in denen wir uns zu etwa 70 Prozent der Lebenszeit aufhalten. Das wird schon noch kommen. Und dann möchte ich die Luftsprünge sehen, welche die ohnehin erfolgreiche Zehnder-Aktie (Börsen-Kürzel: ZEHN) macht, die seit November 2010 von 2000 auf 2773 CHF (21.04.2011) angestiegen ist.
 
Nach Auftrag angefertigt
Bemerkenswert ist auch, dass alle Heizkörper (Heizwände) nach Mass in beliebiger Grösse, auch abgeschrägt, und Farbe hergestellt werden können („made to order“). Und die Heizkörper verschwinden in Böden, Wänden oder Decken (als Deckenstrahlplatten, welche nicht die Luft, sondern Menschen und Objekte erwärmen) oder aber sie werden zu Designer-Objekten, zu Gebrauchskunst. Es müssen nicht immer schematisch angeordnete Rundrohre sein, können dem Raum angepasste Formen haben und auf Wunsch auch vergoldet werden (der Röhrenradiator als bestverkauftes Produkt wurde 1930 patentiert). Zudem gibt auch Geräte mit gebogenen Rohren, die besonders gefällig sind und an denen man Handtücher und Kleidungsstücke aufhängen kann. Besonders Heizkörper mit waagrechten Lamellen, die wie ein Fensterladen aufgeklappt werden und zur Aufhängevorrichtung für feuchte und nasse Tücher und Kleider werden können, eignen sich für mehrere Zwecke. Sie können in beliebigen Farben fabriziert und als wärmende Raumteiler, Treppengeländer usf. eingesetzt werden.
 
Die zur Zehnder-Gruppe gehörende Firma Runtal ist im Wärmedesign führend – sie macht das Heizen schöner. Der vom französischen Designer Christian Ghion entworfene Heizkörper „Runtal Splash“ wurde 2010 mit dem „Red Dot Award“ ausgezeichnet: Die elektrisch betriebenen Heizelemente sind in eine Graphitschicht eingebettet, so dass sich eine schnelle und gleichmässige Wärmeverteilung ergibt. Konzentrische Kreise als Oberflächenschmuck erinnern an einen Wassertropfen, der auf die ruhige Wasseroberfläche trifft und Wellen (der Wärme) wirft.
 
Rundgang
Ein Rundgang durch die grossen Fabrikationsanlagen in Gränichen liess die Sorgfalt, das Qualitätsbewusstsein in sauberen, durchorganisierten Räumen augenfällig werden. Jede aus Flachrohren produzierte Heizwand wird mehrfach auf allfällige Schwachstellen wie Lecks abgesucht, und nur was den höchsten Ansprüchen genügt, verlässt die weitgehend automatisierten Produktionshallen. Auch Grundierung und Lackierung (Pulverbeschichtung mit nachfolgendem Einbrennen bei 180 Grad C) erfüllen höchste Ansprüche, damit man im High-end-Segment des Heizkörpermarkts verbleiben kann, ganz oben. Dort hinauf steigt die Wärme sowieso.
 
Energie und Effizienz
Insgesamt geht es also um einen geschickten und sparsamen Energieeinsatz mit Geräten, deren Produktion viel Energie verbraucht. Wir wollen Komfort, kleine Energiepreise, aber bitte keine Kernkraftwerke und möglichst keinen Erdölverbrauch. Das Zehnder-Unternehmen steckt viel Energie in die Gewinnung von Energieeffizienz, nicht allein über die Wärmerückgewinnung, und dies von der Produktion über die Produkte bis hin zur Logistik.
 
Ein Windrad über einem Solardach zum Antrieb einer Wärmepumpe genügt dafür halt mit dem besten Willen nicht. Energiegesetze sind starr, lassen sich nicht designen. Sie können allerdings geschickt nutzbar gemacht werden.
 
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