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BLOG vom 20.08.2011


Bürgenstock: Traumhafter Felsweg, schnellster Lift Europas
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Vor 6 Jahren waren wir schon einmal auf dem Bürgenstock nahe Luzern (Blog vom 29.09.2005: Bürgenstock: Bekam hier James Bond das grosse Zittern?). Damals konnten wir auf unserer Wanderung den einzigartigen Felsenweg nicht begehen, da dieser wegen eines Felssturzes als Folge des Sturms „Lothar“ seit dem Jahr 2001 gesperrt war. Der Weg wurde mit einem Millionenaufwand wieder instand gesetzt. Der traumhafte Felsenweg, 500 m über dem Seespiegel des Vierwaldstätter Sees gelegen, ist 2,6 km lang und seit dem 22.04.2011 wieder begehbar. Zur Sanierung gehörten ein neuer Tunnel, neue Galerien, Kopfschutzmassnahmen durch Teilausbruch auf einer Länge von 150 Metern, ein 150 Meter langes und 4 Meter hohes Steinschlagschutznetz, eine intensive Felsräumung und Überwachungsmassnahmen beim Felskopf.
 
Wir fuhren zu Fünft diesmal nicht über Ennetbürgen und zu dem in der Höhe gelegenen Parkplatz Trogen, sondern über Stans und Stansstad direkt zum Bürgenstock Resort (bedeutet Ausflugs- bzw. Erholungsort). Dort ist zurzeit eine riesige Baustelle. Für etwa 300 Millionen CHF, finanziert durch eine Investmentgesellschaft aus Katar, soll hier ein luxuriöses Resort mit 3 Hotels und 400 Zimmern entstehen. Angeboten werden dann 60 Residence-Suiten mit Hotel-Service sowie Wellness, Freizeit- und Konferenzangeboten. Geplant sind 350 neue Arbeitsstellen. Die 1. Etappe soll 2012 und die Fertigstellung 2014 realisiert werden. „Ob das Resort dereinst auf Auslastungszahlen von 70 bis 80 % kommt, ist aus heutiger Sicht schwierig zu beurteilen“, war in der NZZ am 17.07.2011 zu lesen. Die arabischen Investoren haben noch ganz andere Pläne. Für insgesamt 1 Milliarde CHF (Bürgenstock Resort eingeschlossen) wollen sie auch andere Objekte in Zürich, Genf und Bern angehen. Der Umbau des „Schweizerhofes“ in Bern wurde schon ausgeführt.
 
Da unser bewährter Wanderführer Toni von Lörrach diesmal mit uns den Felsenpfad begehen wollte, tüftelte er die Zufahrt mit dem Auto aus. Wir fuhren zum Bürgenstock Resort und parkierten auf einem Hotelparkplatz, da sonst kein freier Platz mehr zur Verfügung stand.
 
Am Ende der Hotelanlagen ging es in Richtung Felsenweg. Bevor wir zum Felsenweg kamen, schritten wir durch einen Durchgang der Hotelanlage Bürgenstock. An der Decke sind viele Sprüche über Prominente angebracht. 2 davon lauteten: „007 ohne Nerven: James Bond zitterte im Hammerschwandlift“ und „Paparazzis auf der Lauer, aber es kam nur Adenauer“. Es sind Überbleibsel bzw. Werbegags von der Eröffnung des Hotels.
 
Berühmte Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft waren hier, darunter auch Konrad Adenauer und Sean Connery.
 
Dunkel war’s im Tunnel
Dann wanderten wir auf dem imposanten Felsenweg, der sich an der abfallenden Nordflanke des Bürgenstocks befindet. Er wurde zwischen 1897 und 1902 durch Franz Josef Bucher-Durrer errichtet. Es war wirklich eine Meisterleistung, einen solchen Weg zu bauen.
 
Alle Wanderfreunde waren vom Felsenweg begeistert. Die Aussicht war grandios. Linkerhand blickten wir über steil abfallende Felsen und bewaldete Abgründe auf den tief unten liegenden Vierwaldstättersee mit seinem türkisfarbenen Wasser. Die Schiffe, die darauf fuhren, wirkten wie Spielzeuge. Rechterhand ging es steil nach oben. Teilweise war der nackte Fels mit den netzartigen Absicherungen zu sehen.
 
Als eine Gruppe Wanderer uns entgegen kam, gingen wir ganz links der Abzäunung entlang. Eine Frau aus der Gruppe hörte ich sagen, sie müsse immer am Felsen entlang gehen, sie könne nicht nach untern blicken, sonst würde es ihr schwindelig. „Keine Angst, wir fangen Sie auf“, sagte ich in einem ruhigen Ton. „Das ist aber lieb“, entgegnete sie und ging vorsichtig an uns vorbei.
 
An einer anderen Stelle tauchten wir in einen Tunnel hinein. Darin war es im Moment so dunkel, dass man nichts sah. Der Weg machte einen Bogen, und schon erblickten wir wieder das Tageslicht. An einer anderen Stelle war ein Reststück des alten Weges zu sehen. Einige Stützen hielten den ramponierten betonierten Weg fest.
 
An den Felswänden waren Sprüche angebracht. Einige davon möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:
 
„Wir haben viel zu tun, solange wir das Wenige, Notwendige nicht tun.“
 
„… und verewigt im ,Buch des Lebens' werden alle Namen von denen, die in diesem Leben wegen ihrer Gerechtigkeit und Wahrheitsliebe verachtet und verfolgt werden.“
 
Vor einem Eingang zu einem „dunklen“ Tunnel, las ich diesen Spruch:
 
„Der Durchgang zum Jenseits ist uns in Dunkel gehüllt, gewiss ist uns aber, dass der Weg auf der anderen Seite weiter geht.“
 
Nun wir landeten im dunklen Tunnel nicht in einer anderen Welt, sondern fanden bald wieder heraus. In einem Tunnel war sogar ein Durchblick, einem grossen Fenster ähnlich, geschaffen worden. Wir konnten dann den Rigi, einen Teil des Sees und das gegenüber liegende Seeufer sehen.
 
Am schnellen Lift
Nach etwa 25 Minuten kamen wir an den Hammetschwand-Lift. Wie ich mir sagen liess, ist dieser Lift der höchste Freiluft-Aufzug Europas. Wer keine Lust mehr hat, den Felsenweg weiterzugehen, kann diesen hier verlassen und mit dem Lift auf den Aussichtspunkt Hammetschwand (1132 m ü. M.) fahren. Man kann es kaum glauben: Zwischen 1903 und 1905 wurde schon ein offener Aussenlift zur Hammerschwand geschaffen. Später folgten Umbaumassnahmen. Es wurden ein Turm und Führungsschienen geschaffen und der Antrieb verstärkt. 1936 war der Lift mit einer Fahrgeschwindigkeit von 2,7 Metern pro Sekunde der „schnellste Aufzug Europas“. Er übertraf an Schnelligkeit den Lift im Berliner Glockenturm, der 2,3 m/s bewältigte.
 
1990 folgte eine Generalsanierung – bis dahin wurden schon 4 Millionen Fahrgäste befördert –, es wurde eine dreiseitig verglaste Panoramakabine von der Schindler AG eingebaut. Eine Kabine fasst nun 12 Personen (900 kg Maximallast). Die Kabine saust nun mit einer Geschwindigkeit von 3,15 Meter pro Sekunde in die Höhe. Die Fahrt für die Höhendifferenz von 152,8 Metern (Betriebslänge) dauert 50 Sekunden.
 
Wir gingen jedoch den Felsenweg bis zum Ende am Chänzeli. Es ist ein schöner Aussichtsplatz mit 2 Sitzbänken. Auch hier war ein schöner Blick auf den hinteren Teil des Vierwaldstättersees mit dem Rigi und die anderen umliegenden Berge der Zentralschweiz. Ein wunderschöner Anblick. Dann ging es weiter über steinige, zum Teil steile Wege zum Hammetschwand. Hier befinden sich ein Restaurant und die Aussichtsterrasse am Hammetschwandlift. Wir stürmten sofort zur Terrasse und genossen den grandiosen Rundumblick auf den Pilatus, Rigi, auf die Stadt Luzern und natürlich auf den vielbuchtigen See.
 
Der Bürgenstock ist in der Tat eine unglaublich schöne Aussichtskanzel. Er war und ist immer noch als Wellnessort für Superreiche bekannt. Wer hier oben weilt, kann auch als Normalbürger seine Freude haben. Es gibt hier im Bürgenstockbezirk schöne Wanderungen, die man gut bewältigen kann.
 
„Hier oben geht mir mein Herz auf“ oder „Da wird man fromm“, sagte ein Wanderfreund beim Anblick der schönen Welt hoch oben über dem Vierwaldstättersee. Ich dachte mir im Stillen, wie schön doch die Schweiz ist. Es ist in der Tat ein Paradies auf Erden.
 
Nach einer Vesperpause ging es wieder abwärts in Richtung Bürgenstock Resort. Das letzte Stück des Weges gingen wir noch einmal einen Teil des Felsenweges entlang.
 
Die Wanderung war ein Highlight unserer bisherigen Touren.
 
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