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BLOG vom 03.10.2011


Rügen (3): Weisses Gold, Kreidemuseum und ein Kreidebad
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Wissen Sie, was 60 bis 70 Millionen Jahre alt, allergenfrei und schneeweiss ist? Es ist die Heilkreide von Rügen, die auch als das „weisse Gold“ bezeichnet. wird. Vor über 100 Jahren wurde die Kreide im Ostseebad Sassnitz abgebaut, und bereits 1932 lieferte Prof. Dr. Payer vom Chemisch-Physikalischen Universitäts-Institut in Breslau die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen zur Heilwirkung.
 
Oberhalb von Sassnitz sind noch die Wunden, die in den Abhängen geschlagen wurden, zu sehen. Heute wird die Heilkreide ganz wo anders abgebaut. Die Vereinigte Kreidewerke Dammann KG baut die Rohkreide in der Umgebung von Promoisel auf der Halbinsel Jasmund ab. Mittels eines 2 km langen Förderbands wird die Kreide ins Werk befördert. Dort wird die Rohkreide durch eine neue Nassaufbereitungstechnologie zur Rügener Schlämmkreide verarbeitet. Man schätzt, dass in dem erwähnten Gebiet etwa 25 Millionen Tonnen verfügbare Rohkreide lagern.
 
Die Kreide bildete sich durch Ablagerungen von Schalen und Gehäusen Milliarden kleinster Lebewesen (Kokkolithen, Foraminiferen, Schwammnadeln und Moostierchen). Im Laufe von Jahrmillionen bildete sich eine dicke Kreideschicht. Die Rügener Kreide besteht zu 98 % aus Kalziumkarbonat. Die übrigen Bestandteile sind Magnesium-, Phosphor-, Jod-, Silizium-, Eisen- und Aluminiumverbindungen. Die Heilkreide hat einen basischen pH-Wert von 7,9.
 
Die weisse und geruchlose Kreide besteht übrigens zu 70 % aus 2‒3 μm grossen Kreidepartikeln. Für Gesichts- und Körperpeelings ist auch eine Kreide mit der Korngrösse von 63‒125 μm im Handel.
 
Inzwischen bietet der Handel viele Produkte mit Rügener Heilkreide an (www.heilkreide-shop.de). Es gibt Kreidezahncreme, Haut- und Handcreme, Körperlotionen, Seifen, Gesichtsmasken, Badepulver, Reinigungsmilch, Peelingcreme. Im Angebot ist eine „Kreidenixe“. Es ist eine Seife mit Heilkreide, Sahne und Algen.
 
Die Verwendung der Kreide ist vielseitig. Sie wird verwendet für Baustoffe, beim Umweltschutz (Luftreinigung, Abwasser, Gewässerkalkung), zur Herstellung von Futtermitteln, in der Land- und Forstwirtschaft (Düngekalk), im Gartenbau und kommt als Sportplatzkreide zur Anwendung.
 
Das Kreidemuseum
In Gummanz auf Rügen gibt es ein Kreidemuseum (www.kreidemuseum.de). Das Museum, das ich aus zeitlichen Gründen nicht besuchen konnte, ist in der restaurierten Werkhalle des alten Kreidewerks Gummanz etabliert. Es ist das einzige Kreidemuseum auf der Welt. In diesem Museum erfährt der Besucher angeblich viel über Geologie, Fossilien der Rügener Kreide und über die mehr als 200-jährige Tradition des Kreideabbaus. Auf dem Freigelände gibt es einen Kreidelehrpfad. Auf diesem Gelände sind auch alte Gerätschaften und Werkzeuge aus der Zeit des Kreideabbaus aufgebaut.
 
Heilwirkungen der Kreide
Die Original Rügener Dreikronen-Heilkreide® eignet sich für Kalt- und Warmpackungen, Peelings, als Zusatz für Voll- und Teilbäder. Positive Wirkungen wurden bei folgenden Erkrankungen festgestellt:
 
O Arthrose, Arthritis
O Andere rheumatische Erkrankungen
O Gicht
O Osteoporosen
O Muskelverspannungen
O Folgezustände nach Verletzungen
O Nachsorge nach operativen Eingriffen am Bewegungsapparat
O Wohltuende Wirkung bei vielen Hautproblemen
O Stoffwechselanregung
O Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens.
 
Quelle: Balneologisches Gutachten, Apotheker und Lebensmittelchemiker Karl-Heinz Griesing, Rodenberg, 2006.
 
Die Heilkreide hat gegenüber von Moor- und Fangopackungen diesen Vorteil: Sie kann bei jeder körpereigenen Temperatur angewendet werden. Die Heilkreide speichert darüber hinaus die Wärme länger.
 
Je nach Anwendung und Zusätzen wirkt die Heilkreide erwärmend, kühlend, durchblutungsfördernd, stimulierend, beruhigend, entschlackend und reinigend. Sie lindert Schmerzen und sorgt für eine zarte Haut.
 
Die Heilkreide hat keine Nebenwirkungen. Es gibt jedoch folgende Ausnahmen: Menschen mit einer Fehlfunktion der Schilddrüse und bei Nierensteinen basischen Ursprungs sollten die Heilkreide nicht anwenden.
 
Vorsicht vor warmen Bädern: Menschen mit Krampfadern, Couperose, Kreislaufproblemen, hohem und niedrigem Blutdruck, Herzkranke und Schwangere sollten zu heisse und lang andauernde Bäder meiden. Im Zweifelsfall den Therapeuten fragen!
 
Die Badetemperatur sollte 36 bis 38 °C betragen und ein Vollbad 20 bis 30 Minuten dauern.
 
Wohltuendes Vollbad
Während unseres Urlaubs auf Rügen wollte ich unbedingt einmal eine Anwendung mit der Heilkreide ausprobieren. In der wunderschönen Vitality-Spa-Abteilung im „Hotel am Meer“ gab es Gelegenheit dazu. Im Angebot waren beispielsweise diese: Kreide-Bad, Kreide-Körper-Peeling, Rügener Heilkreide-Packung, Kreide-Ganzkörpermassage und Kreide-Rhassoul.
 
Die sympathische Heilpraktikerin Sylvia Teifel, die in der Vitality-Spa-Abteilung tätig ist, bereitete das Kreidebad in einer ergometrisch geformten Wanne vor. Sie füllte die Wanne mit körperwarmem Wasser nur halb voll (um den Kreislauf nicht zu stark belasten), verteilte darin 1 kg Kreide. Dann durfte ich meinen Körper für 30 Minuten im Kreidewasser relaxen. Die beim Nacken befindliche Handtuchrolle sorgte für eine wohlige Entspannung von Nacken und Schulter. Bald darauf spürte ich eine angenehme Wärme und eine positive Wirkung auf die Haut. Die Haut fühlte sich glatt und zart an.
 
Nach den 30 Minuten durfte ich wieder dem Bade entsteigen, und es wurde mir geraten, danach 10 Minuten in einem Stuhl zu sitzen und später nochmals im Zimmer oder auf einer Liege für 30 Minuten auszuruhen. Das Bad wirkte bei mir ungemein beruhigend. Wichtig ist, dass man das Bad in einer ruhigen Atmosphäre – vielleicht mit einer leisen Hintergrundmusik – geniesst. Das war hier der Fall. Sylvia Teifel riet mir, nach dem Bad das Trinken von Wasser nicht zu vergessen. Die freundliche Frau überreichte mir während der Ruhephase im Sessel ein Glas Wasser. Nach der Kreide-Anwendung sollte man nicht gleich duschen oder die Haut eincremen. Die Wirkung kommt dann besonders zum Tragen. Nach der Kreideanwendung produziert die Haut genügend Feuchtigkeit und es wird die natürliche Hautfettung angeregt.
 
Zu Hause kann man das Bad ohne grossen finanziellen Einsatz durch reizvolle Accessoires und freundliche Farben zu einer kleinen Luxus-Oase gestalten. Ich kenne Leute, die ein wohliges Ambiente durch Blumen, Kerzen und entspannende Musik erreichen. Auf jeden Fall werde ich bald in meiner heimischen Wanne ein Kreide-Bad nehmen. Die Heilkreide gibt es im Handel (auch im Internet).
 
„Kaiserrinnenbad“
Einige Anwendungsrezepturen der Original Rügener Heilkreide sollen hier wiedergegeben werden (Quelle: www.ruegener-heilkreide-eu):
 
Tägliche Gesichtsreinigung nach dem Abschminken: ½ TL Rügener Heilkreide und 1 TL Wasser in der Hand vermischen und das Gesicht reinigen/waschen. Mit Wasser klären.
 
Peeling: 1 TL Rügener Heilkreide mit 1 TL Wasser anrühren. 1 × wöchentlich 2 Minuten mit sanften Massagebewegungen verteilen und mit warmem Wasser gründlich abspülen.
 
Maske für normale und unreine, grossporige Haut (als pflegende und straffende Gesichtspackung): 1 EL Rügener Heilkreide mit 1 EL Wasser zu einer breiigen Creme anrühren und auftragen, mit einem feuchten Tuch abdecken und 15 Minuten einwirken lassen, danach gründlich mit warmem Wasser abspülen.
 
Maske für empfindliche, trockene Haut (als pflegende und beruhigende Packung): 1 EL Rügener Heilkreide und 1 EL pflanzliches Öl zu einer Creme anrühren, auftragen und 15 Minuten einwirken lassen, mit warmem Wasser gründlich abspülen.
 
„Kaiserinnenbad“: 750 bis 1000 g Rügener Heilkreide, 10 EL Olivenöl und ¼ l Milch oder Sahne mit 1 l Wasser anrühren und in das 36‒38 °C warme Badewasser (ca. 100 l) geben.
Dieses Bad kann man natürlich auch mit Heilkräuteressenzen bzw. ätherischen Ölen kombinieren.
 
Fussbad: 500 g Rügener Heilkreide mit 1‒-2 Liter Wasser (ca. 40 °C) in einer grossen Schüssel oder im Fussbadegerät anrühren und mit ca. 3 l Wasser verdünnen. Nach einer Fussbadedauer von 30 Minuten die Füsse abspülen und abtrocknen.
 
Mit Seifenschaum massiert
An 2 anderen Tagen gönnte ich mir erstmals je eine Seifenschaummassage. Hier genoss ich das Ganzkörper-Peeling mit feinstem Seifenschaum auf einer warmen Steinliege. Frau Teifel führte diese Massage mit einem Seidenhandschuh auf exzellente Weise durch. Durch diese Prozedur wurde die Durchblutung der Haut gesteigert. Auch wurde der Energiefluss des Körpers angeregt. Die Haut fühlte sich nach dem Duschen weich an. Eine so glatte Haut hatte ich noch nie gehabt, zumal feinste Hornhautschüppchen entfernt wurden. Die Haut wurde, so hatte ich den Eindruck, porentief rein.
 
Paula gönnte sich zweimal eine Rückenmassage, die ebenfalls Frau Teifel machte. Besonders war der Nackenbereich sehr verspannt, doch kurz nach der Massage hatte Paula „einen neuen Rücken“ und dieses entspannende, schöne Erlebnis gönnte sie sich kurz darauf noch einmal. Und jetzt kommt das Erstaunliche, die Wirkung hält schon 2 Wochen nach dem Urlaub noch an!
 
Internet
 
Hinweis auf weitere Blogs über Urlaubs-Reisen von Heinz Scholz
28.06.2005: Wachau-Urlaub (II): „Sisi“, Helden und die Japaner in Wien
27.06.2005:
Wachau-Urlaub (I): Barocke Pracht und eine Venus
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