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BLOG vom 07.11.2011


Reaktionen auf Blogs (113): Mitgegangen und mitgehangen
Präsentation der Leserpost: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Täglich mehrmals könnte man die trostlose Lage kommentieren, die sich aus der Totalvernetzung der Welt (Globalisierung) ergeben hat. Kaum jemand ist noch unabhängig. Alles sind aneinander angebunden wie eine hochalpinistische Seilschaft. Schon die Sache mit den Befestigungen der Bergsteiger im gefährlichen Gelände an einem und demselben Seil konnte ich noch nie richtig verstehen: Wenn einer abstürzt, reisst er die restlichen in die Tiefe mit. Mitgegangen – mitgehangen. Dabei würden doch einzelne Abstürze durchaus reichen.
 
Die US-amerikanische Bankenkrise mit der berühmten Pleite der Lehmann-Brüder vom September 2008 hat ein globales Desaster zutage gebracht. Seither hat sich der Pleitemoloch USA immer tiefer im Schuldensumpf verhaspelt, nachdem sich das Kriegsgeschäft, das der Drohnen-Liebhaber Barack Obama als Drohnen-Fan mit besonderer Hingabe betreibt, als wenig lukrativ erwiesen hat.
 
Im Moment sieht es so aus, als ob das freiwerdende Kriegspersonal, das die USA angeblich nach ihrem verlorenen Kampf im Irak abziehen wollen, in der Golfregion stationiert werde. Anzeichen deuten darauf hin, dass die israelische Regierung zu einem Angriff auf den Iran drängt; entsprechende Pläne liegen schon lange in der Luft.
 
Das US-Finanzdebakel ist eine Wohlstandsbedrohung für die ganze Erde, nachdem es das skrupellose Land immer wieder versteht, Schulden abzuwälzen und die ganze Welt in Mitleidenschaft zu ziehen ... und am bitteren Ende die Hereingefallenen daran verantwortlich macht.
 
Im Moment ist das EU-Konglomerat gerade am Zerfallen, das von Anfang an eine Bauruine war. Wie einst bei der Lehmann-Pleite laufen die Notenpressen, wenn auch im virtuellen Bereich; denn so viel Papier wie für den Banknotendruck nötig wäre, ist kaum zu beschaffen (schon beim Altpapier herrscht eine Mangellage). Inflationen werden programmiert; denn Enteignungen sind auch auf diesem Wege möglich.
 
Der Zerfall der globalen Finanzarchitektur wackelt täglich mehr und kann nur durch Stützungsmassnahmen, das Ansetzen von Hebeln und dergleichen befristet vor dem Einsturz bewahrt werden. Da die einsturzgefährdeten Monumentalbauten des Dominoeffekts wegen gerettet werden müssen, sind die rein technischen Massnahmen im Prinzip vorgegeben. Dabei wären irgendwelche schwerfällige demokratische Volksentscheide ein inakzeptables Hindernis, das heisst: Die Demokratie hat unter den gegebenen Verhältnissen keine Funktion mehr. Ich habe das im Blog vom 03.11.2011 („Die EU, Griechenland und die Unerträglichkeit der Demokratie“) dargelegt.
 
Der Wissenschaftspublizist Martin Eitel aus Berlin (E-Mail: m.eitel@gmx.net) hat meine Hinweise auf Demokratiedefizite noch ergänzt:
 
Demokratiedefizite gibt es nicht nur in den USA, südamerikanischen Staaten und in vielen afrikanischen und asiatischen Staaten, sondern auch in Europa.
 
Es ist nicht überraschend, dass sich der griechische Ministerpräsident, Giorgos Andrea Papandreou, zum Buhmann der EU-Bürokratie und der selbst ernannten EURO-Retter gemacht hat, als er die Sparentscheidung zum Gegenstand einer Volksabstimmung gemacht hat. Auch in Deutschland, wo Art. 20 Abs. 2 Grundgesetz (GG) die Mitwirkung der Bevölkerung in Wahlen und Abstimmungen vorsieht (vgl. http://dejure.org/gesetze/GG/20.html), wird der Bevölkerung in verfassungswidriger Art die Mitwirkung durch Abstimmungen in wichtigen Fragen wie EU-Beitritt der Türkei, Lissabon-Vertrag, EURO-Einführung systematisch verweigert.
 
Soweit der Berliner Autor zu einem grundsätzlichen Problem, das auch in der Slowakei zu beobachten war (Blog vom 17.10.2011: Slowakei: Das Wunderbare an der EU-Mitsprache erlebt), wo das Parlament den Entscheid über die finanzielle Beteiligung des Landes, das sparsam gelebt hatte, am EU-Rettungsschirm für das verschwenderische Griechenland einfach so lange wiederholen musste, bis das EU-konforme Resultat herauskam. Martin Eitel kommentierte dazu mit Schweiz-Bezug treffend – hoffentlich wird sein Rat beherzigt:
 
Man kann nur hoffen, dass die Schweizer mehrheitlich erkennen, dass die Schweiz durch einen Beitritt zur EU keine Vorteile hat und dass ein EU-Beitritt zum Verlust wesentlicher politischer Rechte führen wird. Abgesehen davon, dass in den EU-Staaten so lange abgestimmt wird, bis ein der EU-Bürokratie genehmes Ergebnis herauskommt, sollten die Schweizer Bürger auch erkennen, was die langfristige Folge eines EU-Beitritts wäre: eine Plutokratie (Herrschaft der Reichen) nach US-Vorbild, wo sich einige Strippenzieher wie z. B. der Rockefeller-Clan mit ihren finanziellen Mitteln einen ihnen genehmen Präsidenten kaufen.
 
Die Präsidenten-Wahlen in den USA zeigen immer deutlicher, dass nur derjenige eine Chance hat, der Milliarden-Beträge zusammenraffen kann, und das schaffen nur solche Kandidaten, die der Finanzelite genehm sind.
 
Unsichere Lage, auch für die Schweiz
Solange die Weltlage nach dem „Prinzip Käuflichkeit“, Macht für eine privilegierte Elite und nach dem „Prinzip Gewalt“ funktioniert, kann kein Gefühl von Sicherheit aufkommen. Im Blog Und wenn der CH-Armeechef halt doch recht haben sollte? vom 21.03.2010 habe ich von der internationalen Bedrohungslage (mit Bezug auf die reiche Schweiz) berichtet, die sich in vollkommen unterschiedlicher Gestalt manifestieren kann, zum Beispiel in Form eines Wirtschaftskriegs, wie er bereits im Gange ist und durchaus noch eskalieren kann. Es hat mich sehr gefreut, dass ich kürzlich Sukkurs für meine Ansichten erhielt. Herbert Kneubühl (E-Mail: Brogo@gmx.ch) schrieb aus dem Tessin zum erwähnten Tagebuchblatt:
 
Exzellente Analyse. Die Bedrohung durch fallierende Staaten in ganz Europa zeigt sich 1 1/2 Jahre nach dem Blog immer deutlicher. Und in Bern schwängert unsere Regierung die permanente Schwächung unserer Armee.
 
Auch die Erpressung des schweizerischen Finanzplatzes und unserer staatlichen Souveränität durch die USA und die freundnachbarlichen EU-Staaten ist in vollem Gange. Die gigantischen Haushaltsdefizite der USA und der südlichen EU-Länder wird diese Währungen in den nächsten Monaten weiter schwächen, und die notwendigen astronomischen Sparprogramme werden die Wirtschaft völlig zum Erlahmen bringen.
 
Nach der Finanzkrise von 2007/2008, auch als die „Krise der Spiesser“ bekannt (Sloterdijk), wird nun unaufhaltsam eine Schulden- und Währungskrise auf uns zukommen, welche im Vergleich zur Wirtschaftskrise von 1929 weit tragischer ausfallen wird. Und die sozialen Unruhen werden in ganz Europa weiter zunehmen, wie schon in GR, IT, E, GB.
 
Das André-Blattmann-Szenario (er ist der Schweizer Armee-Chef) ist ernst zu nehmen, und die Bedrohungen sind realistisch.
 
Gewohnheiten und Vorurteile
Sobald die Faktenlage ausreichend ist, braucht man nicht zu Vorurteilen Zuflucht zu nehmen, von denen Emil Baschnonga in einem feuilletonistischen Blog am 10.10.2011 berichtete: Wie kann man Gewohnheiten und Vorurteile ändern?
 
Ursula Rausser aus Bolligen BE (E-Mail: wegwarte@solnet.ch) fühlte sich davon zu eigenen Gedanken inspiriert, und sie schrieb:
 
Sich von Vorurteilen zu befreien, ist tatsächlich sehr schwer. Es kann aber auch passieren, dass wir uns sehr darum bemühen, einen Menschen mit anderen Augen zu sehen, und am Ende müssen wir uns dennoch eingestehen, dass das, was beim ersten Eindruck als Vorurteil erschien, richtig war. Zum Glück trifft viel öfter das Gegenteil zu, nämlich, dass beim genauen Hinschauen oder beim direkten Kontakt mit Mensch/Tier/Pflanze etc. ein schlechtes Vorurteil entsorgt werden kann. Oder: Etwas, was ich vorher als gut vorbeurteilt habe, entpuppt sich beim genaueren Betrachten als schlecht (natürlich nicht bei Schokolade, die ist immer gut).
 
Jedenfalls ist es immer wieder sehr beeindruckend, wenn wir selbst auf unsere Denkfehler aufmerksam werden und beim nächsten Mal wieder in dieselbe Vorurteilsfalle treten. Tiere urteilen mit dem Instinkt und haben meistens recht. Vielleicht müssten wir bei den Vorurteilen wieder mehr den Instinkt und nicht nur das Hirn einbeziehen?
 
Die Hornisse und die Termine
Zur Geschichte Die Hornisse, die meine Oktober-Termine aufgefressen hat vom 05.10.2011 fügte Ursula Rausser an:
 
Lieber Walter
Die Hornissengeschichte ist wieder eine dieser „Morgen-früh-Wohlfühlgeschichten“, womit der Tag gut anfängt. Wahrscheinlich hätte ich vor dem Lesen dieser Geschichte in Panik das Hornissennest irgendwie entsorgen lassen. Nun würde ich mir das zweimal überlegen und zuerst nach einer Lösung des Zusammenlebens suchen. Wenn nötig, würde ich eine Konsultation bei Walter Hess machen, der mich sicher bestens beraten würde. Vielleicht wäre ein kurzer Anruf vorher ratsam, falls die Hornissen oder andere Papierfresser seine Agenda zerfetzt hätten.
 
Nun sind wir schon 2 mit einer Papier-Agenda; das tut gut. Auch meine nächste wird zum Blättern sein. Höchstens die Katzen könnten sie zerfetzen, was sie bisher freundlicherweise nie getan haben.
Herzlicher Gruss
Ursula
 
Hetzjagd
Am 27.11.2011 stimmen die Aargauer über die Initiative ab, die das Jagen nur noch ohne tierquälerisches Treiben erlauben will – es handelt sich also um kein Jagdverbot, sondern es geht nur um die Abschaffung jagdlicher Auswüchse. Im Blog vom 31.08.2011 („Überholte Hetzjagd: Wie die Jäger ihre Tierliebe ausleben ...) stellte ich mich voll hinter diesen Vorstoss, auch wenn er leider nicht den Hauch einer Erfolgschance haben wird. Ich vertrete die Meinung, dass sich der heutige Jagdsport, der ja nichts mehr mit dem seinerzeitigen Zwang zur Nahrungsbeschaffung zu tun hat, an hohen ethischen Prinzipien orientieren müsste. Die Treibjagden könnten die Jäger getrost dem Luchs überlassen, der die Regulationsaufgabe auf ökologische richtige Weise vollzieht. Zudem sind ja auch die Autofahrer eifrige Jäger: Sehr viele Wildtiere erleiden den Verkehrstod. Bei der modernen Betrachtung der Jagd dürfen solche Randbedingungen nicht ausgeschlossen werden.
 
Ein frommer Wunsch. Schon jetzt läuft im Aargau eine intensive Propaganda der Jäger gegen die Wiederholungsinitiative. Plakate schreien „Jagd nützt – Jagd schützt“ in die beunruhigte Landschaft hinaus. Natürlich nützt die Jagd den Jägern, und natürlich schützt die Ablehnung der Initiative die Jäger und ihr Hobby. Doch müsste man doch auch das Wohl der Tiere im Auge haben.
 
Ein Herr Samuel Oster ärgerte sich über meinen Einsatz fürs Wild und mailte:
 
Das ist wirklich das Letzte, was Sie da schreiben! Echt krank! Sie haben, biologisch gesehen, überhaupt keine Ahnung ... kurz gesagt: Sie sind ein dumme ... ignorante ... egoistische Schreiberling! Was Sie da schreiben, ist eine Beleidigung für echte Tierschützer und Naturschützer!
 
Soweit der Brief. Einen Schreiber als Schreiberling zu apostrophieren, gilt bei unserem schweizerischen Sprachgebrauch als abgrundtiefe Erniedrigung. Und doch litt ich nicht allzu sehr darunter. Ich antwortete wie folgt:
 
Sehr geehrter Herr Oster,
besten Dank für Ihre Zuschrift. Ich fühle mich vollkommen gesund. Bitte liefern Sie mir konkrete Bespiele, was an meinem Blog so falsch war. Ich befasse mich seit über 40 Jahren publizistisch mit ökologischen Fragen und scheue auch nicht die damit zusammenhängende Feldarbeit.
 
Gern sehe ich Ihren Fakten entgegen. Mit freundlichen Grüssen
Walter Hess
*
Doch das E-Mail kam postwendend zurück. Der erboste Herr Oster hatte eine falsche Adresse angegeben. Da hat einer offenbar in jeder Hinsicht unkontrolliert in der Landschaft herumgeballert.
 
Hinweis auf die bisher erschienenen „Reaktionen auf Blogs“
12.08.2011: Reaktionen auf Blogs (111): Suchaktionen nach dem Verstehen
12.09.2011: Reaktionen auf Blogs (112): Wie die Schweiz ganz Europa kauft
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