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BLOG vom 21.06.2012


Zu dick, zu dünn, zu gross – Hauptsache: berechnet! (1)
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Wissen Sie noch, wie wir früher gemessen haben, um darüber zu befinden, ob wir zu dick oder zu dünn waren? Auch wenn Sie behaupten, nicht rechnen zu können, diese Aufgabe ist auch für Sie nicht zu schwer:
 
Wir nahmen die Körpergrösse, zogen die Zahl 100 ab und kamen auf eine Zahl, die dann mit dem Körpergewicht verglichen wurde. Als Idealgewicht wurde von der Summe noch 10 % abgezogen. Ziemlich einfach, nicht wahr: Meine Körpergrösse von 187 cm minus 100 ergab 87, diese Summe minus 10 % ergab 78 kg. Ich bin mit meinem Körpergewicht von 71 kg also eher ein Leichtgewicht. Das galt für viele Jahrzehnte als der Massstab. Als Kind und Jugendlicher wog ich unter 50 kg, musste deshalb „wegen Untergewicht“ zur Kur und wurde in Berchtesgaden 6 Wochen lang „gemästet“, was zwar kurzzeitig 6 kg Mehrgewicht einbrachte, die aber nach 2 Monaten schon wieder verflogen waren. Ich bin eben aus genetischen Vorgaben ein schlanker Mensch. Übrigens: laut Statistik nehmen Menschen in Europa zwischen ihrem 20. und 60. Lebensjahr durchschnittlich etwa 20 kg zu! Bei meinem Körper kann ich da nur zustimmen!
 
Herr Adolphe Quetelet (1796‒1874), war ein belgischer Mathematiker, Astronom, Statistiker und Soziologe. Durch seine Berechnungen fand er unter anderem auch einen statistischen Zusammenhang zwischen Kriminalität und Geschlecht, Alter, Klima, Armut, Bildung und Alkohol, genannt „positivistische Kriminologie“. Für die damalige Zeit sehr bemerkenswert! Und er erfand den BMI, den Body-Mass-Index, der manchmal auch Quetelet-Index genannt wird. Seine Methode hat sich bis heute fast unverändert gehalten.
 
Die Berechnung, ob jemand zu dick oder zu dünn ist, ist nicht nur einfach eine Methode für den persönlichen Gebrauch, sondern schlägt sich in vielen Berechnungen, Beurteilungen und Forschungen nieder, nicht nur bei medizinischen Problemen und Ernährungsfragen, sondern auch bei der Bekleidungs- und der Möbelindustrie (z. B. bei der Flugzeugbestuhlung) bis zur Versicherungswirtschaft u. v. a. m. durch. Überall gilt noch überwiegend der BMI.
 
Es gibt inzwischen verschiedene Messgrössen, hier werden sie vorgestellt:
 
Messgrössen zur Beurteilung des Körpergewichts
Der Body-Mass-Index BMI
Körpergewicht (kg) / Körpergrösse (m) im Quadrat
Normalgewicht: 18.5–24.9 kg/m2.
Bauchumfang
engl. waist circumference WC
höchstens 94 cm bei Männern
höchstens 80 cm bei Frauen.
Verhältnis von Bauch- zu Hüftumfang
engl. waist to hip ratio WHR
höchstens 0,9 bei Männern
höchstens 0,8 bei Frauen.
Verhältnis von Bauchumfang (cm) zu Körpergrösse (cm)
engl. waist to height ratio WHtR
bis 40 Jahre: höchstens 0,5
bis 50 Jahre: für jedes zusätzliche Lebensjahr 0,01 addieren
über 50 Jahre: höchstens 0,6.
 
Der BMI ist nicht unumstritten. Es gibt nämlich Studien, nach denen das mit dem BMI errechnete leichte Übergewicht keine Erhöhung der Sterberate mit sich bringt. Ein leichtes Übergewicht sei sogar vorteilhafter gegenüber einem leichten Untergewicht, wurde herausgefunden.
 
In meinem Fall rechne ich also so: 71 geteilt durch (1,87 mal 1,87) = 20,30. Obwohl ich für meine Grösse nicht besonders viel wiege, bin ich also normalgewichtig. Viele meiner Bekannten sehen das nicht so, die meinen, so dünn wie ich aussehe, sei ich unterernährt, was aber absolut nicht stimmt.
 
Die Werte sind also willkürlich; denn als untergewichtig gelten nach der WHO (World Health Organization) Menschen mit einem Body-Mass-Index von unter 18.5; als übergewichtig gelten Menschen mit einem Body-Mass-Index von über 25. Der Bereich zwischen 18.5 und 25 markiert das Normalgewicht. Abgesehen von der Tatsache, dass sich Körpergewicht und Fettanteil je nach Alter und Geschlecht sowie von Person zu Person verschieden zusammensetzen, sei die Skala des Indexes eher einer möglichst regulären Einteilung in Fünferschritten als in wissenschaftlichen Erkenntnissen abgesichert, kommentieren die Kritiker. Auch wird bemängelt, dass der Body-Mass-Index für Normalgewichtige immer weiter gesenkt wird, womit angeblich Profite durch vermehrte Behandlungen gesteigert werden sollen.
 
Auch das Geschlecht wird nicht berücksichtigt. Die verschiedenen Körperregionen, an denen sich geschlechtsspezifisch Fett anlagert, die Muskelmasse, die unterschiedlich ist, und das Alter sind für den BMI nicht relevant. Sportler können leicht in den Übergewichtsbereich kommen, wenn sie besonders viel Muskelmasse antrainiert haben. Sie haben es bestimmt schon einmal gehört, wenn jemand über sein Gewicht redet: „Das sind vor allem meine Muskeln!“ Athletiker haben es da gut!
 
Es gibt auch andere Einteilungen, z. B. die, nach der sich das Robert-Koch-Institut (rki) richtet:
·       Untergewicht: BMI unter 18,5
·       Normalgewicht: BMI von 18,5 bis 24,9
·       Übergewicht: BMI von 25 bis 29,9
·       Adipositas Grad I: BMI von 30 bis 34,9
·       Adipositas Grad II: BMI von 35 bis 39,9
·       Adipositas Grad III: BMI von 40 und höher.
 
WHtR
Kommen wir zur Messgrösse, die nach dem BMI am häufigsten genannt wird: WHtR. Man sollte also einen Körperumfang haben, der unter der Hälfte der Körpergrösse liegt. Mein Bauchumfang beträgt zirka 90 cm, geteilt durch 1,87 ergibt 0,48. 0,6 darf ich haben, also kann ich am Bauch noch etwas zulegen! Der WHtR geht davon aus, dass die eingelagerten Fettanteile an den Schenkeln und am Po für den Körper nicht so gefährlich seien wie die am Bauch. Während der BMI faktisch keine Rückschlüsse auf das Herz-Kreislaufrisiko zulasse, lasse sich das Risiko mit dem WHtR am genauesten bestimmen. Anwender des WHtR kritisieren, da es nicht auf das Gewicht ankomme und die Spannweite sehr gross sei, sage der Wert zu wenig aus. Dann sagt die ausserdem noch aufgeführte Messgrösse, die nur vom Bauchumfang ausgeht, noch weniger aus!
 
Vergleiche
Der BMI ist international immer noch die wichtigste Messgrösse. Damit lassen sich auch schöne Vergleiche anstellen:
 
Die USA: Fast zwei Drittel der Erwachsenen haben einen höheren BMI als 25, ein Drittel über 30. Der Anteil beider Gruppen an der Gesamtbevölkerung vergrössert sich bei beiden Geschlechtern in allen Altersstufen, allen ethnischen Gruppen von Jahr zu Jahr und ist unabhängig vom Bildungsniveau.
 
In Deutschland ist es auch nicht viel besser, hier waren 2009 laut dem Statistischen Bundesamt 60 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer übergewichtig. Knapp ein Viertel der Männer und Frauen sei demnach mit einem BMI von über 30 fettleibig. Weiter behauptet diese Studie, Übergewicht sei bereits bei jungen Erwachsenen weit verbreitet und steige mit zunehmendem Alter. Bereits bei den 20- bis 24-Jährigen seien 29 % der Männer und 18 % der Frauen übergewichtig. Bei den 70- bis 74-Jährigen erreichten die Fälle von Übergewicht jeweils ihre Spitzenwerte (Männer: 74 %, Frauen: 63 %). Bei diesen Zahlen wird immer der BMI zugrunde gelegt. Der letzte Wert von über 70-Jährigen überrascht.
 
Als Fazit kann ich also festhalten: Die erwähnten Zahlen haben nur wenig mit dem Individuum Mensch, mit seiner genetischen Veranlagung, seiner psychischen Verfassung, seinen Ernährungsgewohnheiten, seinem familiären Umfeld usw. zu tun. Die Gründe sollen in einem 2. Blog zu diesem Thema besprochen werden.
 
Übrigens: Wenn ich die 87 kg (Körpergrösse minus 100) bei meiner traditionellen ersten Berechnungsmethode am Anfang dieses Blogs als Basis für die BMI-Berechnung nehme, komme ich auf einen BMI-Wert von 24,9. Das entspricht genau dem oberen Normalgewicht, gehe ich vom oben genannten Idealgewicht (78 kg) aus, komme ich beim BMI auf 22,3, also mittleres Normalgewicht. Ich probiere das noch einmal mit einem anderen Wert:
 
Körpergrösse: 1,78 m, Gewicht: 85 kg. Bei der ersten einfachen Berechnung käme ich also auf 78 kg Normalgewicht und 70 kg Idealgewicht. Danach wäre diese Person eindeutig zu schwer. Der entsprechende Wert beim BMI wäre 26,8, also auch hier knapp über dem Normalgewicht.
 
Meiner Ansicht nach reicht die von mir viele Jahre praktizierte einfache Rechenaufgabe als Richtwert völlig aus, wenn man sein eigenes Gewicht beurteilen will. Die anderen Messwerte überlasse ich getrost den Statistikern. Über Statistiken lässt sich genüsslich streiten!
 
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