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BLOG vom 03.07.2012


Vortrag in Burgdorf 1: Wirkstoffe für die Füsse und die Beine
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Wie schon im vergangenen Jahr 2011, durfte ich auch an der Fuss-Fachtagung vom 16.06.2012 bei der Simon Keller AG in Burgdorf CH Vorträge halten. Das Interesse von Podologen, Fusspflegern, Kosmetikerinnen war wiederum sehr gross. Das Fachprogramm wurde in 2 Räumen („Gran Canaria“ und „La Gomera“) parallel abgehalten. Einer meiner Vorträge galt dem Thema „Wirkstoffe für Fuss und Bein“. Darüber möchte ich jetzt berichten.
 
5000 Tuben aus China gingen zurück
Am 26. April 2012 meldete die „Badische Zeitung“, dass das Zollamt Freiburg i. Br. 5000 Tuben Körpercreme aus China zurückgeschickt hatte. Die Creme enthielt einen möglicherweise gesundheitsgefährdeten Farbstoff.
 
3 Tage vorher verkündete der „Norddeutsche Rundfunk“: 8500 verschiedene Inhaltsstoffe können in Kosmetika stecken, wovon 1400 verboten sind. Nicht nur in Kosmetikartikeln, sondern auch in Kinder-Kosmetika können giftige Chemikalien vorhanden sein. Oft findet man in Kosmetika (Lippenstifte, Lipgloss) Weichmacher und Palmöl (das billigste aller Pflanzenfette). Bei der Produktion in China und in anderen ostasiatischen Ländern wird kaum kontrolliert, auch ist die Kennzeichnung unzureichend. Vielfach erzeugen diese Kosmetika Kontaktallergien.
 
Ein Fabrikbesitzer zu den Autoren der Sendung: „Wir können alle Chemikalien einsetzen, auch solche, die in Europa verboten sind. Das macht unsere Farben so schön bunt und brillant.“ In manchen chinesischen Fabriken werden zur Herstellung von Lippenstift angeblich dieselben Chemikalien wie bei der Produktion von Wandfarben verwendet.
 
Im Handel wird auch „Naturkosmetik“ verkauft, die nicht zertifiziert ist. Aber auch zertifizierte Naturprodukte enthalten Duftstoffe, die Allergien auslösen können. So erzählte mir eine Podologin, ihr Mann könne Produkte, die Vanillin enthalten, nicht vertragen. Die Deklaration ist bei ätherischen Ölgemischen nicht immer vollständig. Ich riet ihr, sie möchte sich doch mit dem Hersteller in Verbindung setzten und nachfragen, ob synthetisiertes Vanillin in den Produkten enthalten ist.
 
Zum Wohle des Kunden
Viele der in Deutschland produzierten Kosmetika werden gemäss dem EU-Leitfaden für eine Gute Herstellpraxis (GMP), nach der Arzneimittel- und Wirkstoffverordnung und nach den Regularien der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA getestet bzw. validiert. Jede Rohstofflieferung wird nicht nur äusserlich, sondern auch chemisch-analytisch mit bewährten Prüfmethoden (HPLC, GC, DC) untersucht.
 
Dr. Johannes Jacobs, Leiter der Qualitätskontrolle bei der Eduard Gerlach GmbH, sagte mir: „Erst nach Vorliegen aller Prüfergebnisse und nach Freigabe durch die Qualitätskontrolle kann der Rohstoff in den freien Bestand übernommen und für die Fertigung verwendet werden.“ Das Fertigprodukt wird dann ebenfalls im Labor gründlich analysiert.
 
Folgende Gesetze und Verordnungen müssen bei der Herstellung beachtet werden:
O Arzneimittel- und Wirkstoffherstellungsverordnung
O Medizinprodukte-Gesetz
O Arzneimittelgesetz
O DIN EN ISO (Qualitätsmanagementnorm)
O EU-Leitfaden für eine gute Arbeitspraxis
O Kosmetik-Verordnung.
 
Es ist jetzt klar, dass Qualitätsprodukte ihren Preis haben. Die Auswahl von den besten Hilfs- und Wirkstoffen und die umfangreichen Untersuchungen sind nicht billig. Qualitätsprodukte setzen sich jedoch am Markt durch.
 
Dazu ein Beispiel: Kürzlich lobte ein Bekannter von mir die billigen Kosmetik-Produkte aus dem Supermarkt. Er freute sich, weil er so manches Schnäppchen ergattern konnte. Er war bisher nicht bereit, die teuren Markenprodukte zu kaufen. Als ich ihm dann den Zeitungsartikel vorlegte und er auf seinem Produkt den Hinweis „Made in China“ entdeckte, wurde er nachdenklich und möchte in Zukunft doch wieder mehr auf die Qualität achten.
 
1. Creme-Grundlagen
In Fusspflegeprodukten kommen hautfreundliche, schützende und pflegende Öl-in-Wasser-Emulsionen, die leicht von der Haut aufgenommen werden, zum Einsatz. Beispiele: Avocadoöl, Jojobaöl, Lanolin, medizinische Spezialseife, natürliche Fette, Sanddornöl, Sheabutter und Weizenkeimöl.
 
2. Natürliche Ätherische Öle
Die ätherischen Öle entfalten bei äusserer Anwendung folgende Wirkungen:
O durchblutungsfördernd
O entzündungshemmend
O keimwidrig (z. B. wirkt Knoblauchöl in einer Verdünnung von
1:125 000 noch bakterizid)
O wundheilungsfördernd
O desodorierend
O fungizide Wirkung (z. B. ätherische Öle von Thymian, Oregano, Bohnenkraut und Lavendel)
O schleimlösend
O beruhigende oder kreislaufanregende Wirkung.
 
In Fusspflegeprodukten werden die ätherischen Öle im Basisöl (Sanddornöl, Avocadoöl, Jojobaöl) gelöst. Mit der Cremegrundlage gelangen die ätherischen Öle in die Oberschicht der Haut, die über zahlreiche Nervenendigungen und Sinneskörper mit dem Gehirn verbunden ist. Die ätherischen Öle setzen Botenstoffe (Neurotransmitter) frei, die Reize in das limbische System übertragen und die körperliche sowie geistig-seelische Befindlichkeit positiv beeinflussen.
 
Einige Beispiele der Wirkungen
Durch neuere Untersuchungsmethoden (Messung der Hirnströme, Messung der Vasokonstriktion) konnte der Nachweis einer Wirkung genau ermittelt werden:
 
Jasmin hat eine anregende und Lavendeleine beruhigende Wirkung. Jasmin und Pfefferminze hemmen nach einem Stressreiz die Vasokonstriktion (darunter versteht man die Engstellung von Blutgefässen).
 
Von Beginn des Menstruationszyklus bis zum Eisprung reagieren Frauen besonders sensibel auf Duftstoffe des Moschustyps. Die Empfindlichkeit nimmt mit steigendem Östrogengehalt zu.
 
Interessant sind die Experimente, die im Memorial Soan-Kettering Cancer Center N.Y. punkto Angstbekämpfung mit Duftstoffen gemacht wurden. Die Patienten mussten bis zu einer Stunde in einer engen zylindrischen Röhre liegen. Normal brechen 10 % der Patienten wegen Angstzustände die Sitzung ab. Mit den Duftstoffen wurde gegenüber Kontrollen (also ohne Duftstoffe in der Röhre) eine 63-prozentige Abnahme der Angstzustände gesehen. Die grösste Wirkung entfaltete das vanilleartig riechende Heliotropin (Piperonal), ein Stoff der im Mädesüss und in Robinia-Arten (z. B. Akazien) enthalten ist.
 
In Produkten für die Fusspflege und für den Wellnessbereich sind folgende natürliche ätherische Öle in Gebrauch:
 
Bergkieferöl: belebend, erfrischend mit desinfizierender und desodorierender Wirkung.
Citronellöl: antiseptisch, erfrischt, regt an, heilt.
Eukalyptusöl: aktivitätserhöhend, antiseptisch, wundheilend.
Lavendelöl: wirkt beruhigend, heilungsfördernd, gibt Wohlbefinden, keimtötend.
Pfefferminzöl: kühlt, erfrischt, antimikrobiell, juckreizmildernd, krampflösend, tonisierend.
Rosmarinöl: bakterizid, belebend, steigert das Wohlbefinden, aktiviert, fördert die Durchblutung.
Thymianöl: desinfiziert, aktivitätssteigernd.
 
3. Wirkstoffe:
Algenextrakte: Diese fördern die Hautdurchblutung, wirken vitalisierend und straffend. Der Feuchtigkeitshaushalt der Haut wird positiv beeinflusst, die Hornhaut wird geschmeidiger.
 
Allantoin: Inhaltsstoff der Rosskastanie, wirkt heilungsfördernd.
 
Aloe Vera Gel: Enthält Vitamine und Mineralstoffe, das Gel wirkt feuchtigkeitsspendend und entzündungshemmend.
 
Bambuspulver: Das feingemahlene Pulver aus dem Inneren des Bambus entfernt sanft Hautschüppchen.
 
Ceramide: Mischung aus Ceramiden und Phytospingosin. Die Mischung ist ein hautidentisches Lipidkonzentrat, das die schützende Hautbarrierefunktion wiederherstellt. Es erreicht auch tiefere Hautschichten.
 
Farnesol: Dieses ist die Hauptkomponente der ätherischen Öle von Orangen- und Rosenblüten; besitzt bakteriostatische Eigenschaften, die zur Bekämpfung schweisszersetzender Mikroorganismen nutzbar sind. Fussgeruch wird bekämpft.
 
Hafer-Extrakt: Enthält hautberuhigende und anti-irritative Avenanthramide. Zusammen mit anderen Bestandteilen begünstigen sie die Hautelastizität und reduziert Hautreizungen.
 
Hamamelis-Extrakt: Kräftigt die Gefässe, adstringiert und fördert die Granulation.
 
Honig-Extrakt: Reguliert Feuchtigkeitsgehalt der Haut, wirkt hautberuhigend.
 
Ingwer-Extrakt: Regt die Wärmerezeptoren der Haut an, sorgt für warme Füsse.
 
Kamillenwirkstoffe: Wirken entzündungshemmend, heilungsfördernd und keimtötend.
 
Panthenol: B-Vitamin, heilungsfördernde Eigenschaften, beschleunigt Zellwachstum.
 
Kampfer: durchblutungsfördernd, stoffwechselanregend.
 
Harnstoff: körpereigener hautfreundliche Stoff (Urea, Carbamid) wirkt hauterweichend, antibakteriell, juckreizlindernd, reguliert den Feuchtigkeitshaushalt der Haut.
 
Vitamin-E-Nicotinat: fördert Hautdurchblutung und führt zu einem Wärmegefühl der Haut.
 
Auf die Rezeptur kommt es an
Die Wirksamkeit eines Pflegemittels hängt stets von seiner Gesamtrezeptur ab. In den meisten Präparaten sind mehrere Wirk- und Hilfsstoffe anzutreffen.
 
Beispiel: Um den Effekt der Feuchthaltsubstanz Harnstoff zu optimieren, fügt man z. B. Algenextrakt, Aloe Vera oder Tapioka-Stärke zu. Dadurch wird auch die Hautplastizität verbessert.
 
Hornhautreduktion
Rezepturen ab 10  Prozent Harnstoff sind üblich. Weitere Wirkstoffe können die Wirksamkeit verbessern. Dazu eignet sich insbesondere das Allantoin (ein Wirkstoff aus der Rosskastanie). Die untersuchte keratoplastische Wirkung einer 0,2-prozentigen Allantoin-Lösung auf die Hornschicht entspricht derjenigen einer 10%igen Harnstofflösung.
 
Die Rezeptur von der Firma Gerlach enthält noch Glycerin, Seidenextrakte und Avocadoöl (Seidenextrakt enthält essentielle Aminosäuren, gehört zu den natürlichen Feuchthaltefaktoren der Haut). Das Unternehmen schreibt: „Eine experimentelle Untersuchung (proDerm 2010) hat ferner gezeigt, dass die zweimal tägliche Anwendung einer Fusspflegecreme (GEHWOL med Hornhaut-Creme) mit hoher Harnstoff-Dosierung sowie zusätzlich Allantoin übermässig dicke Hornhaut reduziert und die Hornschicht innerhalb von 4 Wochen vollständig normalisiert.“
 
Antibakteriell und desodorierend
Die Kombination mikronisiertes Zinkoxid und Manukaöl reduzierte den Fussgeruch über mindestens 24 Stunden signifikant. In Fusspflegeprodukten kann auch Zinkricinoleat (Salze der Rizinolsäure) und Zinkoxid eingesetzt werden. Das Zinkricinoleat hat dieselbe antitranspirante Wirkung wie zum Beispiel Aluminumchlorohydrat.
 
Hautregeneration
Besonders wichtig erwies sich das Panthenol. Dieses wird in der Haut zu Pantothensäure (Vitamin B5) umgewandelt. In gebundener Form als Coenzym A in der lebenden Epidermis ist es am Aufbau neuer Hautzellen beteiligt.
 
Bei entzündeter, rissiger Haut wie bei Rhagaden unterstützt das Vitamin hervorragend die Wundheilung sowie die Barriereeigenschaften der Pflegegrundlage.
 
Wichtig ist auch das Vitamin E (in Produkten oft der Ester eingesetzt). Es ist ein ausgezeichneter Radikalfänger (die Radikale sind reaktionsfreudige Moleküle, die im Organismus laufend entstehen, besonders durch UV-Strahlen).
 
Vitamin E kann auch die Haltbarkeit von Fettsäuren bzw. Ölen verbessern (verhindert das Ranzigwerden).
 
Wirkstoffe brauchen ein Vehikel
Ein entscheidender Faktor für die Wirksamkeit kosmetischer Inhaltsstoffe ist ihre Penetrationsfähigkeit. Von grosser Bedeutung sind die Pflegegrundlage und der Emulsionstyp. Pflanzliche Öle, die als Grundstoffe eingesetzt werden, besitzen eine Vehikelfunktion. Mit ihnen gelangen die Wirkstoffe in die einzelnen Hautschichten. Penetrationsverbessernde Hilfsstoffe können diesen Vorgang noch weiter optimieren.
 
Beispiel: Die Haut am Fuss ist fettarm. Eine hydrophile Grundlage (Öl-in-Wasser-Emulsion) führt zu einer verhältnismässig schnellen Freisetzung der Inhaltsstoffe aus der Grundlage in der oberen Hornschicht.
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Die Creme (GEHWOL med. Lipido Creme) enthält Harnstoff, Sanddornöl, Avocadoöl, Algenextrakt, Allantoin, Farnesol.
 
Wirkungen der Einzelstoffe:
Harnstoff: bindet Wasser in tieferen Hautschichten, Hornhaut wird erweicht und reduziert übermässige Neubildung.
Sanddornöl, Avocadoöl: hoher Anteil an ungesättigten Fettsäuren, führen trockener Haut fehlende Lipide zu und vermindern so den Wasserverlust durch Verdunstung.
Algenextrakt: unterstützt die Funktion der Öle.
Allantoin: Regeneriert die Haut.
Farnesol: antibakteriell, desodorierend.
 
Wie wir gesehen haben, ist für die Wirksamkeit die Gesamtrezeptur entscheidend. Man muss sich nicht wundern, wenn auf der Packung unter Inhaltsstoffen nicht nur Wirk-, sondern auch Grundstoffe aufgeführt sind.
 
Von grosser Bedeutung ist die Qualität der Produkte.
 
Abschliessend möchte ich noch ein Zitat vom Begründer der Kaufhauskette Hertie, Hermann Tietz, erwähnen: „Qualität bedeutet, dass der Kunde und nicht die Ware zurückkommt.“
 
Hinweise auf weitere Blogs über Vorträge von Heinz Scholz
18.10.2006: Südtirol-Reise 2: Live im Radio, Schokoladen-Test im Kloster
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