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BLOG vom 02.08.2012


Reaktionen auf Blogs (123): Manchmal tun Vergleiche gut
Präsentation der Leserpost: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
„Die Armee schiesst auf das eigene Volk.“ Mit dieser Botschaft wird den Konsumenten der Medien im Westen immer wieder ein kalter Schauer über den Rücken gejagt und dargetan, was für Unholde in den Ländern von Nordafrika und des Nahen Ostens an der Macht sind oder waren. Allerdings sind Armee-Einsätze im Inneren keine Spezialität der Länder in der näheren und weiteren Umgebung des Mittelmeers, in denen in jüngster Volksaufstände lanciert und durch ausländische Kräfte angeheizt wurden (und im Wesentlichen zu einer vom Westen nicht geplanten Islamisierung führten).
 
Martin Eitel (E-Mail: M.Eitel@gmx.net) schrieb ergänzend zum Blog Syrien: Der Westen päppelt Rebellen und Terroristen hoch vom 23.07.2012 aufgrund eines US-Beispiels:
 
Die gewalttätigen Unruhen in Los Angeles 1992 begannen am 29. April 1992, als 4 Polizisten, die in Los Angeles (USA) der Misshandlung des Afroamerikaners Rodney King beschuldigt worden waren, von einem Gericht freigesprochen wurden. Die Polizeikräfte wurden in diesem plutokratisch regierten Staat durch Nationalgarde, US Marines und US Army unterstützt. Es ist also entgegen dem Eindruck, der in den westlichen Medien erweckt wird, keine Besonderheit der syrischen Staatsführung, wenn gegen Terroristen und andere Störer Armeeangehörige eingesetzt werden.
 
Die US-Regierungen unterstützen seit Jahrzehnten zur Durchsetzung ihrer geostrategischen Pläne je nach Bedarf andere Regierungen oder Terroristen, die andere Regierungen bekämpfen, oder sie wirken je nach Bedarf auf den Sturz von Regierungen in anderen Staaten hin, wenn sie sich Vorteile davon versprechen. Syrien kommt u. a. wegen der bekannten und vermuteten Bodenschätze im eurasischen Bereich grosse geopolitische und geostrategische Bedeutung zu.
 
Vor diesem Hintergrund ist es erfreulich, dass China und Russland im UN-Sicherheitsrat eine weitere Eskalation verhindern. Aufgrund der Misswirtschaft in USA und anderen westlichen Ländern und der dortigen Staatsschuldenkrise käme es der US-Regierung und ihren westlichen Vasallen-Regierungen sehr gelegen, von diesen innenpolitischen wirtschaftlichen Problemen und der immer deutlicher sich abzeichnenden weltweiten Rezession durch einen weiteren Krieg auf dem eurasischen Schachbrett, diesmal in Syrien, abzulenken.
 
Martin Eitel
 
Chemiekriege in den Reben
In Zusammenhang mit Syrien wird zurzeit das Schreckgespenst von Chemiewaffen an die Wand gemalt. Seit die Kriegsmacht USA das dioxinhaltige Chemiegift („Entlaubungsmittel“) Agent Orange ab 1965 über das gesamte, unschuldige Vietnam verbreitet hat und Tausende missbildeter Menschen hervorrief, weiss die Welt, was man damit anrichten kann. Ich habe Vietnam 1995 auf seiner ganzen Länge bereist und werde die Bilder nie vergessen können.
 
Chemieverseuchte Landschaften schlagen immer auf den Menschen zurück, auch wenn sie auf die Landwirtschaft zurückgehen. 1985 habe ich mich als „Aargauer-Tagblatt“-Redaktor für die Biobauernfamilie Emile Vuille aus Twann eingesetzt und dies im Blog Drei-Seen-Rundfahrt: Der Charme des Rands der Romandie vom 23.06.2007 als Rückblick beschrieben. Die Rebberge in der Umgebung wurden aus Flugzeugen besprüht, und Chemienebel verbreitete sich über deren Biokulturen der Familie Vuille, was nicht hinzunehmen war.
 
Der Text über eine Schifffahrt auf den 3 Seen wurde von Annemarie Schwarz (E-Mail: schwarzleinach@gmail.com) in D-97274 Leinach gefunden. Sie liess sich so vernehmen:
 
„Beim Stöbern im Internet sind wir auf Ihren Artikel gestossen, in dem Sie über die Sprühaktion in den Weinbergen um Twann, speziell in der Nachbarschaft von Familie Vuille, Mont Bijou, berichten. Ich weiss, dass die Familie Vuille schon 1960 Biowein produzierte; denn ich lebte ein Jahr in dieser Familie und war als Handweberin beschäftigt. In dieser Zeit entstand ein Gedicht, das ich Ihnen jetzt übermittle, mit einer Bitte, es an Familie Vuille weiterzugeben. Oder mir die Adresse mitzuteilen.
 
Mit bestem Dank an Sie und vielen schönen Erinnerungen an eine wunderschöne Zeit in der Schweiz.
 
Liebe Grüsse
Annemarie Schwarz  
Blick vom Mont Bijou
Die Eigerwand seh' ich, den Mönch, die Jungfrau,
die ganzen Alpen in ihrer Pracht,
sie liegen vor mir.
Und zu meinen Füssen der Bielersee,
dessen Nebelschwaden steigen sacht.
 
Ich sehe Twann mit der Kirche dort unten
und die Weinberge im herbstlichen Gewand,
sie rahmen es ein.
Und in dunstiger Ferne die Petersinsel,
der Schatten jetzt im Nebel verschwand.
 
Die herbstlichen Blätter der farbigen Bäume,
es rauschen die Wipfel im frischen Wind,
der die Gegend durchweht.
Und auf der graublauen Weite des Sees
kräuseln sich lustig die Wellen geschwind.
 
Orangerot steigt der leuchtende Vollmond
am dunklen Himmel steil in die Nacht.
Und im fahlen Lichte
die silbrig schimmernden Tropfen des Wassers
umspülen die Insel, vom Schilfrohr bewacht. 
(Twann am Bielersee im Herbst 1959, Strophe 1 bis 3; Strophe 4 im Mai 2012.
Annemarie Schwarz, geb. Schott.
 
Wir korrespondierten weiter, und so übermittelte mir Frau Schwarz weitere Informationen sowie Erinnerungen, und sie gestattete mir ausdrücklich, diese zu publizieren:
 
Das Leben geht oft seltsame Wege. Mein Aufenthalt in Twann bei der Familie Vuille-Pestalozzi war eigentlich der Beginn meines jetzigen Lebens. Ich war damals 20 Jahre alt und als Handweberin mit einer Textilentwerfer-Ausbildung an den schönen Produkten, die in dieser Handweberei gewebt wurden, beteiligt. An diese Zeit denke ich gerne zurück.
 
Aber das Leben geht weiter, und so war ich danach bei Frau Stadler-Stölzl (Bauhausmeisterin für Handweberei) in Zürich tätig. Und weiter ging es zur Firma Knuchel & Kahl in der Rämistrasse in Zürich als Weberei-Leiterin. In dieser Zeit lernte ich meinen Mann kennen, der als Redaktor beim Schweizer Industrieblatt am Parkring in Zürich tätig war.
 
Ich erlebte die „Seegfröni“ von 1963 am Zürichsee. Wir fuhren noch mit der damaligen Gondelbahn von einer Seeseite auf die andere und verlobten uns bei einer Wähe und mit „Ovi“ im Café Berner am Hottinger Platz in Zürich. Unser Leben bewegte sich damals zwischen Uetliberg, Bahnhof Enge, Fehrenstrasse (Nähe Kinderklinik), Kunsthaus, Schauspielhaus und Bernhard Theater.
 
Sie sehen: Uns fallen viele liebe Erinnerungen an unsere Schweizer Zeit ein. 1968 haben wir die Schweiz wieder verlassen mit 2 kleinen Mädchen im Gepäck, um hier im Frankenland eine neue Heimat zu finden. Mein Mann war fast 40 Jahr im Vogel-Verlag, Würzburg, tätig, zuerst als Redakteur und später als Chefredakteur, unter anderem auch für die Fachzeitschrift CHIP-Special.
 
Lieber Herr Hess, wir bedanken uns wirklich sehr bei Ihnen, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, uns zu helfen. Gelegentlich entdeckt man auch im Fernsehen Spuren, die unseren Weg gekreuzt haben. In dem TV-Beitrag „Lebenslinien“ gab es einen Bericht über Hans Pestalozzi; er war der Bruder von Frau Ursula Vuille.
 
Das Gedicht fand ich dieses Jahr im März in meinem Tagebuch aus Twann. Ich weiss noch, wie ich auf der Terrasse sass und mir diese Sätze durch den Kopf gingen. Es war Föhn und man konnte die Alpenkette fast mit den Händen berühren. Die letzte Strophe dieses Gedichts ist eine Erinnerung an den Vollmondaufgang über Biel im Oktober 1960. Wir - 3 Mädchen aus Deutschland - gingen durch die Weinberge zurück auf den Mont Bijou und erlebten diese Stimmung. Oben wurden wir vom Hund „Diane“ begrüsst.
 
Liebe Grüsse aus dem schönen Frankenland

Annemarie und Armin Schwarz
 
Gelenke und Operationen
Ebenfalls aus Deutschland, allerdings aus dem Niederrhein, berichtete Gerd Bernardy im Blog von 12.07.2012 kritisch über den Gelenkverschleiss: Wenn das Knie operiert werden muss. Der Wissenschaftspublizist Martin Eitel lieferte aus Berlin weitere Anmerkungen:
 
In der ZDF-Sendung Frontal 21 vom 03.07.2012, die in der ZDF-Mediathek noch angesehen werden kann, wurde über unnötige Gelenkimplantate aus Geldgier in Deutschland berichtet. In Deutschland werden im Jahr etwa 200 000 künstliche Hüftgelenke eingesetzt, im ganzen Rest von Europa sind es gut 300 000.
 
 
Viele Fälle von Gelenkproblemen können ganz ohne Operation behandelt werden. Falls tatsächlich doch eine Operation nötig sein sollte, ist allerdings ernsthaft zu prüfen, ob anstatt eines Implantats nicht eine andere Behandlung ausreicht, nämlich eine Implantation von eigenen, nachgezüchteten Knorpelzellen. Dieses Verfahren ist mit ca. 5000 EUR wesentlich preisgünstiger und ambulant durchführbar und daher für die Kliniken häufig wirtschaftlich uninteressant, weshalb in der Regel dieses Verfahren nicht angeboten wird. Das Verfahren wurde im SWR im Einzelnen im Mai 2012 vorgestellt. Weitere Informationen sind auf der Internet-Seite des SWR zu finden, auch eine Datei mit Ärzten, die dieses Verfahren beherrschen.
 
 
Die Drei Zinnen
Frank Hiepe (E-Mail: wiesental.apotheke@onlinehome.de) freute sich über den Bericht von Heinz Scholz vom 13.07.2012: Südtirol 1: Weltberühmte Drei Zinnen in den Dolomiten:
 
Der so spannende und informative Bericht über die Wanderung bei den Drei Zinnen macht mich an, die Wanderung nachzuvollziehen. Südtirol ist immer eine Reise wert.
 
Frank Hiepe
 
Altersempfinden
Mit Altersfragen habe ich mich im Blog vom 01.08. 2012 unter dem Titel Suche nach der Startklappe, die den Altersbeginn andeutet beschäftigt. Unser Mit-Blogger Heinz Scholz steuerte ein Erlebnis bei:
 
Lieber Walter, mit Vergnügen habe ich Deine schriftlichen Ergüsse über das Altern gelesen. Jeder empfindet das Alter anders. Es gibt 70-Jährige, die sich wie 60 fühlen, und 60-Jährige, die meinen, sie wären schon alt. Oft wird das kalendarische Alter von anderen nicht gut geschätzt.
 
Dazu ein Beispiel: Während unseres Abstiegs vom Niederhorn nach Beatenberg am 18.07.2012 machte uns auf einem schmalen Pfad ein Ehepaar Platz. Als wir vorbeigingen, sagte der Mann: „Kommt erst einmal in unser Alter, dann läuft ihr auch nicht mehr so schnell“. Ich fragte ihn nach seinem Alter, und er antwortete: „Ich bin 73 Jahre.“ Da musste ich schmunzeln und sagte: „Von uns sind 2 schon über 72 und einer über 70.“ Der zur Seite getretene Wandersmann sah aber viel älter aus und wir wirken deshalb in seinen Augen vielleicht jünger.
 
Herzliche Grüsse
Heinz
 
Heinrich Böll gab ein probates Rezept zum Erkennen des Altwerdens: „Wie alt man geworden ist, sieht man an den Gesichtern derer, die man jung gekannt hat.“
 
Schwierig wird’s nur dann, wenn man dieses Vergleichsmaterial nicht zur Verfügung hat und beispielsweise an der Klassenzusammenkunft der einzige ist.
 
Hinweis auf die bisher erschienenen „Reaktionen auf Blogs“
12.08.2011: Reaktionen auf Blogs (111): Suchaktionen nach dem Verstehen
05.07.2012: Reaktionen auf Blogs (122): Milchen der unfrommen Denkart
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