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BLOG vom 23.10.2012


Walnussfruchtfliege macht Nüsse schwarz und schmierig
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Am 12.10.2012 war es wieder soweit. Ich sollte eine Engadiner Nusstorte backen. Zum Glück hatte ich noch eine Menge Nüsse, die mir Walter Hess anlässlich eines Besuches geschenkt hatte, zur Verfügung. Dank den Bibersteiner Walnüssen (Baumnüssen) gelang die Torte und schmeckte allen vorzüglich.
 
Bei uns hätte ich Schwierigkeiten gehabt, gesunde Walnüsse zu bekommen (höchstens Walnüsse aus Kalifornien aus dem Supermarkt). Warum dies? Die Walnüsse in unserer Region wurden nämlich durch die Walnussfruchtfliege erheblich dezimiert. Vor einigen Jahren sammelten wir bei unseren Wanderungen häufig diese Nüsse, die zuhauf unter den Bäumen lagen. In diesem Jahr sah ich nur wenige. Die ehemals grünen Aussenschalen waren schwarz und schmierig. Die Walnüsse können aber auch noch von Bakterien (Xanthomonas) und Pilzen (Marssonina) befallen sein.
 
In Baden-Württemberg kultivierten einige Landwirte am Kaiserstuhl die Walnüsse, um Öl daraus zu gewinnen. Im Landkreis Lörrach, im Markgräflerland und am Hochrhein gibt es etliche Bäume, die oft in der Landschaft neben Äckern und auf Streuobstwiesen stehen. In Baden-Württemberg soll es 370 000 Nussbäume geben.
 
Die Fruchtfliege befällt die Bäume nicht, sondern nur die Nüsse. Trotzdem fällen immer mehr Besitzer wegen der Ernteausfälle die Walnussbäume. Das finde ich schade, da die prächtigen Bäume dann aus der Landschaft verschwinden.
 
Von Walter Hess von Biberstein wollte ich wissen, wie es bei seinen Nussbäumen derzeit aussieht. Er schrieb mir am 14.10.2012 das Folgende: „Auch unsere Nussbäume bringen praktisch keinen Ertrag. Wohl waren einige wenige Nüsse in einer schwarzen, schmierigen Schale am Baum. Ich habe dieser Tage das Laub unter den Bäumen zusammengewischt (wird kompostiert), die schwarz eingefärbten wenigen Nüsse aus ihrer Schale geklaubt und in einen Kessel geworfen. Eva hat sie gewaschen und an der Sonne getrocknet. Ich stell immer wieder fest, dass es gute und schlechte Nussjahre gibt.“
 
Ein Geschenk der USA
Die Walnussfruchtfliege ist ein Geschenk der USA (auf solche Geschenke kann man verzichten!). Sie wurde als Neozoon eingeschleppt (in ein fremdes Ökosystem verfrachtet). Zuerst zeigte sich die Fliege Anfang der 1980er Jahre in der Schweiz. Von dort wanderte sie nach Italien, Slowenien und Kroatien. 2004 erreichte sie auch Deutschland (bei Efringen-Kirchen). Dann verbreitete sich der Schädling entlang des Rheins bis nach Köln.
 
Uwe Dederichs, Pflanzenschutzexperte für Obstbau beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald, hat in den Jahren 2011 und 2012 in Südbaden Ernteausfälle bis zu 100 Prozent beobachtet.
 
Aus Eiern schlüpfen Larven
Die Weibchen der Walnussfruchtfliege legen ihre Eier unterhalb der Epidermis von unreifen Früchten ab. Nach 5 Tagen schlüpfen die gelben Larven und fressen sich 3 bis 5 Wochen an dem Fruchtfleisch der Nüsse satt. Dann fallen sie vom Baum, graben sich einige Zentimeter tief in den Erdboden ein, verpuppen sich und überwintern. Vom Juli bis September des folgenden Jahres erfolgt das Schlüpfen. Die Fliegen haben die Grösse einer Stubenfliege und besitzen ein gelbes Rückenschild. Es gibt aber auch Verpuppungskünstler, die die wohlige Erde noch nicht verlassen. Sie bleiben 2 oder mehrere Jahre im Boden.
 
Durch das gefrässige Verhalten der Laven beginnt das Fruchtfleisch zu faulen und sich schwarz zu färben. Es ist klar, dass so malträtierte Nüsse auch für Bakterien und Pilze attraktiv sind. Das schwarzgefärbte und schmierige Fruchtfleisch lässt sich sehr schwer von der Nuss entfernen.
 
Ein Nachbar sagte mir, er habe in der Nähe des Altrheins Walnussbäume gesehen, deren Nüsse ganz schwarz gefärbt waren. „So e gruusigs Zeug hatten wir früher nicht“, meinte er.
 
Vorbeugung und Bekämpfung
Es gibt leider keine natürlichen Feinde, die sich der Fliege annehmen und dezimieren oder abtöten. Das ist leider auch bei der Kirschfruchtfliege der Fall. Man könnte die befallenen Früchte, bevor die Larven zur Verpuppung den Baum verlassen, einsammeln und entfernen. Empfohlen wird auch der Anbau weniger anfälliger Sorten, wie beispielsweise „Sheinovo“ und „Rainuss Kläusler“. Die Schweizer haben das schon mit Erfolg gemacht.
 
Wenig erfolgreich waren Kirschfruchtfliegenfallen (geleimte Gelbfallen) zum Abfangen von erwachsenen Fliegen. Auch die Abdeckung des Bodens unter den Bäumen zum Zeitpunkt des Schlüpfens ist wenig von Nutzen, wie Dederichs sagte.
 
Jetzt wird der Einsatz von Insektiziden zur Bekämpfung der Fliegen in Erwägung gezogen. Das Insektizid Calypso von der Firma Bayer, das noch nicht offiziell zugelassen ist, soll wirken. Landwirte, die das Insektizid schon heute anwenden wollen, erhalten eine Genehmigung. Das Mittel wird mit einer eiweisshaltigen Köderflüssigkeit gemischt und in grossen Tropfen in die Bäume gespritzt. Die Fliegen naschen davon und gehen zugrunde bevor sie Eier legen. Nach der Spritzerei − das ergaben erste Versuche − waren nur 2 % der Nüsse mit Maden befallen. Die Zulassung des Insektizids wird wohl 2014 erfolgen.
 
Inwieweit das Insektizid sich auf andere Tierchen auswirkt, ist nicht bekannt. Geklärt müsste auch sein, ob das Mittel für den Versprüher und für den Verbraucher nachteilige Folgen hat. Auf jeden Fall möchte ich keinen Kuchen mit solchen vorbehandelten Walnüssen backen.
 
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