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BLOG vom 08.01.2013


Wander-Erfahrungen: Was betagte Füsse leisten können
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Alle Jahre wieder kommen in diversen Zeitungen, im Fernsehen und auch im Rundfunk Jahresrückblicke. Deshalb kam ich auf die glorreiche Idee, doch einmal einen solchen Rückblick über unsere Wanderungen im Jahr 2012 in Worte zu fassen. Ich werde mich auf die Höhepunkte konzentrieren, die als Tipps dienen mögen, und auch gesundheitliche Aspekte des Wanderns vorstellen.
 
2012 war wiederum ein ereignisreiches Wanderjahr. Kaum zu glauben, dass wir insgesamt 40 Wanderungen durchführten. Dabei zählte ich die Wanderwoche in Südtirol vom 30.06. bis 07.07.2012 als eine Wanderung. Raten Sie einmal, wie viele Kilometer im vergangenen Jahr zusammenkamen? Nun, es waren etwas mehr als 400. Was unsere Füsse aushalten müssen, ist unbeschreiblich.
 
Im Laufe eines Lebens legen wir durchschnittlich 50 000 km zurück, Wanderer leisten jedoch noch mehr. Als wir vor 30 Jahren auf dem Westweg 230 km unterwegs waren, rechnete ich einmal grob die Schritte zusammen. Es waren ungefähr 400 000 Schritte. Nun kann sich jedermann ausrechnen, wie viele Schritte wir 2012 allein durch das Wandern gemacht haben.
 
Der Fuss ist in der Tat ein biomechanisches Wunderwerk. Jeder Fuss hat 26 Knochen und 2 Sesambeine, 20 Muskeln und über 100 Sehnen und Bänder. Auf den Fusssohlen sollen sich 30 000 Nervenendigungen befinden. Die Fusssohle ist also ein hoch entwickeltes Tastorgan. Beim Barfusslaufen können wir das besonders gut spüren. In einem Schuh verliert sich diese Fähigkeit. Therapeuten raten heute zu mehr Barfusslaufen. Irgendwann werden wir Wanderer auch auf einem Barfusspfad lustwandeln – zwischen Gonten und Appenzell in der Ostschweiz kann man das auf einer dafür hergerichteten Strecke schon.
 
Im Lauf der Zeit hat sich unser Herumwandern geändert. Früher absolvierten wir mit zügigen Schritten 5- bis 6-stündige Wanderungen, heute begnügen wir uns mit 2 bis 4 Stunden. Die Schlusseinkehr in ausgesuchten Wirtschaften dauert manchmal länger als eine Nachmittagswanderung. Mit dem Älterwerden sind unsere Aktivitäten geruhsamer geworden. Manchmal hatten wir sogar Zeit, Pilze am Wegesrand einzusammeln. Bernd von Rheinfelden, ein passionierter Pilzsammler, führte uns schon an diversen Plätze vorbei oder er verschwand für kurze Zeit im Wald am Wegesrand, um die begehrten Pilze zu suchen.
 
Wir nehmen uns auch Zeit, um Tafeln auf Naturlehrpfaden zu lesen und zu fotografieren. Ich bin bei sämtlichen Wanderungen der Haus- und Hoffotograf (Foto-Heinz genannt, da es noch einen anderen Heinz in unserer Gruppe gibt). Es macht mir Freude, die Wanderburschen, Landschaften und Besonderheiten abzulichten.
 
Wichtig ist, dass man sich altersgerecht bewegt, Wanderungen entsprechend auswählt und nicht mehr zu anstrengende Bergtouren unternimmt. Dazu fällt mir ein Spruch des Filmregisseurs Ingmar Bergman ein: „Mit dem Altwerden ist es wie mit dem Auf-einen-Berg-Steigen. Je höher man steigt, desto mehr schwinden die Kräfte – aber umso weiter sieht man.“
 
Wandern ist gesund
Das Wandern stärkt die Kondition, bietet Abwechslungen und grandiose Naturerlebnisse. „Gehen ist die beste Medizin“, sagte schon Hippokrates. Und der Sportmediziner Rainer Brämer vom Institut für Erziehungswissenschaften der Uni Marburg erkannte: „Wandern gilt heute als optimaler Gesundheitssport. Nahezu nebenwirkungsfrei werden Herz, Kreislauf, Stoffwechsel, Atmung und Stützgerüst gestärkt, während das Risiko von Infarkt, Krebs und Diabetes um mehr als 50 % abnimmt.“
 
Wandern ist für Körper, Geist und Seele eine Wohltat. Alfred Vogel (1922−1996), ehemaliger Verfechter der Natur- und Pflanzenheilkunde in der Schweiz, brachte dies treffend auf den Punkt. Er sagte einmal: „Vor allem verspüren unsere Nerven eine besondere Wohltat in der ungestörten Einsamkeit. Wenn sie reden könnten, würden sie jubeln, denn die Ruhe, wie auch der Friede, denen wir in den Bergen noch begegnen können, gehören zu den besten Heilmitteln für unser geplagtes Nervensystem.“
 
Während unserer Wanderungen wird ab und zu politisiert und diskutiert, aber auch so mancher Witze erzählt. Auch davon profitieren wir, denn das Lachen ist gesund.
 
Wichtig bei Wanderungen in einer Gruppe (wir sind 7 Männer) ist die Ausarbeitung von Wegstrecken, die von einem Kundigen durchgeführt wird. Zum Glück haben wir einen tüchtigen Initiator in unserem Wanderführer Toni von Lörrach. Er ist immer mit Begeisterung dabei, Karten zu studieren und die besten Wanderrouten auszuarbeiten. Die Arbeit ist sehr lobenswert, und wir danken ihm von ganzem Herzen. Kaum ein Wanderfreund in unserer Gruppe würde eine solche intensive Ausarbeitung auf sich nehmen. Toni versteht es immer wieder, uns die Touren schmackhaft zu machen. Kaum gewandert und in der Wirtschaft gespeist, hat er schon die nächste Tour im Kopf. Am Sonntag folgt dann eine Einladung per E-Mail für die nächste Wanderung. Wir sind in der Regel flexibel, da wir uns nach der Witterung richten. Wer läuft schon gerne bei Regen? Für uns kommen meist der Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag in Frage.
 
Von besonderer Bedeutung ist die gute Kameradschaft in einer Wandergruppe. Diese ist bei uns ist super. Das bestätigte auch Claus von Wehr, nachdem er 2012 in unsere Wandergruppe neu aufgenommen war.
 
Höhepunkte des Wanderjahrs
Unsere bevorzugten Wandergebiete sind der Schweizer Jura, das Elsass (besonders die Vogesen) und der südliche Schwarzwald. Touren, die uns besonders gefielen, werden wiederholt. Manchmal auf anderen Wegen. Toni sorgt immer für Abwechslung. Wenn eine Wanderung zu lange dauert, wird vom einen oder anderen Teilnehmer der Wunsch zu einer Abkürzung geäussert. Wanderführer Toni liess sich manchmal erweichen, und was war die Folge? Die Abkürzung dauerte länger als die vorgesehene Wegstrecke. Im neuen Jahr soll deshalb nicht mehr über Abkürzungen gesprochen werden.
 
Höhepunkte waren 2012 die Elsass-Wanderung von Ferrette zu Burgruinen und zur Zwergenhöhle, dann die Vogesen-Wanderung in der Nähe von Thann, die Feldberg-Wanderung, bei der wir den Bärwurz, Blutwurz und den Alpen-Milchlattich entdeckten, dann die Niederhorn-Tour oberhalb von Beatenberg und die Drei-Zinnen-Umrundung in den Dolomiten. Es waren fantastische Wanderungen, die wir wohl nicht so schnell vergessen werden. In diversen Blogs beschrieb ich einige unserer Aktivitäten zu Fuss (siehe die verlinkten Hinweise am Schluss).
 
Bei unserer Niederhorn-Wanderung vom 18.07.2012 stiegen wir nicht hinauf, sondern benutzten die Seilbahn (28 CHF für die Bergauffahrt). Von dort oben, in einer Höhe von 2000 Metern, sah man sehr weit, und wir genossen den Anblick der schneebedeckten 4000-er. Nach einer Kammwanderung in Richtung Gemmenalphorn legten wir eine Mittagspause ein und machten uns danach auf den langen Rückweg. Wir gingen über grasbewachsene Abhänge, über Felsbrocken (im oberen Bereich war kein Weg auszumachen) und später auf steinigen Wegen nach Beatenberg zurück. Zum Glück hatten wir Stöcke dabei und konnten uns bei steilen Wegpassagen gut abstützen. Nach dem Abstieg (über 800 Höhenmeter!) fühlten wir uns nicht mehr so jung und fit. Wir liefen alle „unrund“. Die Knochen spürten wir gewaltig. Aber am nächsten Tag waren die meisten Beschwerden bereits wieder verschwunden. In jüngeren Jahren absolvierten wir sogar den Auf- und Abstieg an einem Tag. Damals waren unsere Gelenke und Muskeln noch belastbarer.
 
Noch einige Bemerkungen zur Umrundung der Drei Zinnen: Es ist die beliebteste Wanderstrecke in den Dolomiten. Die reine Wanderzeit betrug etwa 5 Stunden. Dabei bewältigten wir eine Höhendifferenz von 500 m. Es war eine fantastische Wanderung. Den grossen Rummel an der Dreizinnenhütte und auf dem Rückweg nahmen wir in Kauf. Es waren gerade Schulferien in Italien. Zudem wanderten wir wetterbedingt an einem Sonntag (01.07.2012), als viele Wochenendurlauber unterwegs waren.
 
Eintritt nach Gewicht
Die letzte Wanderung in diesem Jahr unternahmen wir am 19.12.2012 auf dem Hotzenwald in der Nähe von Herrischried. Wir wurden von den Schneemassen dort oben (ca. 900 m ü. M.) überrascht. Wir stapften nicht durch die Schneehügel, sondern benutzten gebahnte Wege. Leider konnten wir den Gugelturm oberhalb von Herrischried wegen der Schneemassen auf den dortigen Wegen nicht aufsuchen. Vor Einführung des Euros war ich mit einem Wanderfreund schon einmal dort gewesen.
 
Dazu eine lustige Erinnerung. Ein listig dreinblickender „Turmwart“ von der Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins in Herrischried begrüsste uns schon von Weitem. Als wir den Eintritt für die Turmbesteigung entrichten wollten, meinte dieser: „Wieviel wiegen Sie? Der Eintritt geht nach Gewicht. Das Kilo kostet 10 Pfennige.“ Ungläubiges Erstaunen bei den Ankömmlingen. Im Geiste zählte ich schon meine 70 Kilo und die meines Wanderfreundes, der 90 Kilo auf die Waage brachte, zusammen. Kaum hatte ich den Riesenbetrag von 16 DM zusammengerechnet, entgegnete der von einer Portion Humor gesegnete Mann: „Das wäre doch etwas zu teuer. Gebt mir 2 Mark, und ihr könnt den Turm besteigen.“
 
Nun konnten wir uns in die luftige Höhe begeben und die herrliche Rundsicht geniessen. Nach dem Abstieg wollten wir den Durst im Gugelstüble stillen. „Was gibt es zum Trinken?“ lautete meine Frage an den listigen Turmwart. „Von der Salzsäure angefangen, so ziemlich alles!“ entgegnete der verschmitzt lächelnde Hotzenbub.
 
Als er kurz darauf 2 Damen Kuchen für den Nachmittagskaffee brachte, lud er diese zu einem Umtrunk ein. Es gab Gravensteiner Apfelbrand. Kaum hatte er den 42 %igen Schnaps intus, verdrehte er die Augen in höchster Verzückung und meinte: „Der schmeckt so gut als wenn ein Engel auf die Zunge pinkelt.“
 
Der Gugelturm (998 m ü. M.) ist 30 m hoch. Die Aussichtsplattform befindet sich in einer Höhe von 16 m. Von hier oben hat man einen herrlichen Blick auf den Schweizer Jura, die Vogesen und auf die Bergriesen des Berner Oberlands.
 
Das Wanderjahr 2012 fand seinen würdigen Abschluss bei einem gemütlichen Hock im „Ochsen“ in Steinen (Kreis Lörrach). Wir speisten vorzüglich und liessen manch ein Erlebnis Revue passieren.
 
Die 1. Wanderung im neuen Jahr wurde schon beim Abschlusshock geplant. Sie fand am 03.01.2013 in der Nähe von Kandern statt.
 
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