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BLOG vom 12.01.2013


Politiker: „Kavallerist“ Steinbrück und „Methusalix“ Thierse
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
In letzter Zeit machten einige Politiker durch markante Sprüche von sich reden. So brachte „Kavallerist“ und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (1947 in Hamburg geboren) ein höheres Gehalt für eine Kanzlerin oder Kanzler zur Sprache. Jeder Sparkassendirektor verdiene mehr, sagte er beim Betreten des Fettnapfs. Es hagelte Kritik von allen Seiten, sogar von den eigenen Parteigenossen. Laut Thomas Fricker hinke der Vergleich, da eine Spitzenkraft in der Wirtschaft das Gehalt frei aushandelt, während eine Kanzlerin oder ein Kanzler das mächtigste Amt der Bundesrepublik ausübt und dieses bedeute Verpflichtung und Ehre.
 
Dazu einige Bemerkungen von Thomas Fricker im „Tagesspiegel“ vom 31.12.2012 in der „Badischen Zeitung“: „Es ist ein Rätsel, warum der Kanzlerkandidat der SPD drüber hinweggaloppiert, als sei er selbst die Kavallerie, die er sonst gern gegen andere ins Feld schickt.“ Diese Kavallerie wollte er in die Schweiz schicken, zumindest die Schweiz wissen lassen, dass es sie gibt. Als er dies äusserte, war er noch Bundesminister für Finanzen (2005−2009). Damals wurden durch diese markigen Sprüche nicht nur Schweizer verärgert. Manche Politiker haben kein diplomatisches Geschick.
 
Angela Merkel hat sich nie über ihr „niedriges“ Gehalt beklagt. Sie verdient etwa 300 000 Euro im Jahr. Der US-Präsident Barack Obama bekommt das Doppelte. Ganz amüsant fand ich einen Presse-Kommentar: Ein Redakteur schrieb, der Präsident verdiene zwar gut, habe aber keine Zeit zum Ausgeben bzw. Einkaufen. Das erledige jedoch seine Frau bestens.
 
Kürzlich diskutierten wir den Vorfall unter Wanderkollegen. Dabei wurde gesagt, wenn Herr Steinbrück nicht mit dem Gehalt zufrieden sei, solle er sich doch einen anderen Beruf auswählen. Vielleicht als Sparkassen-Direktor oder als Vortragsredner. Dort würde ihm das Geld nur so nachgeschmissen. Kürzlich kam raus, dass er von 2009 bis 2012 mit 89 Vorträgen 1,25 Million Euro verdient hatte. Auch das nahmen ihm die Wähler übel. Bekannt wurde nur am Rande, dass er in einigen Fällen das Honorar gemeinnützigen Einrichtungen zukommen liess.
 
Wie die „Bild“ schrieb (man wundere sich!), hielt er insgesamt 237 unbezahlte Vorträge ‒ vor der Friedrich-Ebert-Stiftung in Schulen und gemeinnützigen Organisationen. Er ist sehr gefragt, da er ein brillanter Redner ist. Jetzt lässt er seine Vortragstätigkeit ruhen. Er möchte ja im Herbst 2013 Bundeskanzler werden; die Chancen sind klein..
 
Am 06.01.2013 verteidigte Steinbrück seine Äusserung zum Kanzlergehalt (vorher diskutierte die SPD-Führungsspitze in einer Telefonschaltkonferenz diesen Vorgang, um den Flurschaden in der Wählerschicht einzudämmen). Er liess verlauten, er habe nie gefordert, das Kanzlergehalt zu erhöhen, er habe nur die Meinung vertreten, dass die Führungskräfte in der Wirtschaft mehr verdienen. Das haben schon andere gesagt. „Diese Wahrheit werde ich nicht verschweigen, auch nicht als Kanzlerkandidat (…). Ich sage, was ich denke, und ich tue, was ich sage.“
 
Wenn ich meine Gedanken bei diversen Gelegenheiten verbreitet hätte, dann wären manche Gesprächspartner sauer gewesen. Man muss sich manchmal zügeln, auch wenn die Kritik berechtigt ist. Beispiel: Früher hatte ich etwas bei den Betriebsvorschriften des Sicherheitsbeauftragten auszusetzen. Ich sagte dann nicht: „Das ist dilettantisch, das muss geändert werden!“, sondern: „Ich finde das nicht so optimal, könnte man dieses oder jenes noch in den Test einfügen …?“ Aber es gibt leider nicht nur in der Politik Grossmäuler, sondern auch in Betrieben, Schulen oder anderswo.
 
Gelegentlich ist es jedoch besser, wenn man zu bestimmten Dingen schweigt und sich auf wichtige inhaltliche Botschaften konzentriert. Auf jeden Fall kam die Äusserung von Steinbrück beim Volk nicht gut an. Und schon hat laut Meinungsforschungsinstitut Emnid die SPD in der Wählergunst Prozentpunkte verloren (SPD: 28 %, CDU: 42 %). Das Institut veröffentlicht wöchentlich Umfragen im Auftrag von „Bild am Sonntag“. Laut ZDF-Politbarometer vom 11.01.2013 fiel der Kanzlerkandidat Steinbrück in der Wählergunst auf 25 % zurück. Die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel ist mit 65 % sehr beliebt.
 
Ich frage mich, warum einzelne Politiker so unsensibel sind. Ich würde in solch einer exponierten Position den gesunden Menschenverstand walten lassen. Gerade die Geringverdiener und auch andere Staatsbürger empfinden Forderungen von Gehaltserhöhungen als unerträglich. „Die kriegen den Hals nicht voll“, lautete dazu ein Kommentar aus dem Volk.
 
Methusalix Thierse
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) machte durch eine Schwabenschelte Furore. Er warf den in Berlin lebenden Schwaben mangelnde Integrationswilligkeit vor. Sie wollten auf der Kehrwoche beharren, und in Bäckereien verlangten sie „Wecken“ und keine „Schrippen“. Thierse war der Meinung, die Schwaben müssten verstehen, dass sie jetzt in einer Grossstadt leben und nicht in einer schwäbischen Kleinstadt.
 
Die Badener lästern gerne über die Schwaben und erzählen sich immer wieder Witze (umgekehrt gibt es auch Witze über Badener). Aber, wenn sich ein Preusse erlaubt, über die Bindestrich-Bewohner (Baden-Württemberg) herzuziehen, dann hört der Spass auf.
 
Oft wird die Sparsamkeit der Schwaben als Fehler dargestellt. Für den Bund zahlt sich das aus, da die Bayern und die Baden-Württemberger am meisten in den Länderfinanzausgleich einzahlen. Davon profitieren besonders die Berliner, die ja grosse Schulden angehäuft haben.
 
Treffendes schrieb Leser Helmut H. im „Markgräfler Tagblatt“ vom 05.01.2013: „Frei nach Goethe sagt Herr Thierse: ,Ich mag zwar keine Schwaben leiden, doch seine Kohle nehm ich gern’. Lieber Herr Thierse, was täten wir ohne Ihre kleinbürgerlichen Vorwürfe?“
 
Thierse wollte sicherlich ein Plädoyer für das Berlinerische halten. Berlin ist ja eine Multikultistadt. Es gibt Volksgruppen, die sich nicht integrieren wollen, da sie auf ihre Kultur beharren. Im gewissen Masse ist das in Ordnung.
 
Thomas Hauser von der „Badischen Zeitung“ sagte am 02.01.2013 dies: „Man sollte Thierse die Seite aus dem Asterix-Bändchen zuschicken, in dem Methusalix gegen die Überfremdung seines gallischen Dorfes wettert: ,Ich habe nichts gegen Fremde. Viele meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden sind nicht von hier’`.“
 
Hier noch eine Bemerkung vom Südbadener Gerd Leutner, der schon 15 Jahre am Penzlauer Berg wohnt. „Die Baden-Württemberger sollten sich entspannen und es mit den Aussagen von Wolfgang Thierse halten wie die deutsche Eiche, wenn sich ein Wildschwein dran reibt. Denn Thierse ist letztlich nur ein Stubenhocker vom Kollwitz-Platz, der als Zugezogener jetzt der beste Berliner sein will“ (Quelle: „Der Sonntag“, 06.01.2013).
 
Als FDP-Minister Dirk Niebel den Thierse als „pietistischen Zickernbart“ bezeichnete, konterte der Gescholten und sagte: Berliner hätten mehr Witz.
 
Anhang
 
„Schaffe, schaffe …“
Rau, aber herzlich ist der Schwabe. Er hat markige Sprüche in seinem Repertoire, die manchen Zugereisten erstaunen. Der „Schwäbische Gruss“, seit Götz von Berlichingen hoffähig, ist in Schwaben keinesfalls eine grobe Äusserung. Vielmehr kann er auch eine Überraschung oder Freude ausdrücken. Als einmal ein Schwabe in Rom seinen Bischof sah, rief er begeistert aus: „Jetzt laeck min au am Arsch, dees isch jo eiser Bischof.“ Es gab sogar schwäbische Gerichte, die den Gruss keinesfalls als Beleidigung einstuften.
 
Aber auch ganz andere Ausdrücke sind dem Schwaben auf den Leib geschnitten. Hier einige Beispiele:
 
Nachdem die Äusserungen Thierses publik geworden waren, las ich nach längerer Zeit wieder einmal in dem vordergründigen und amüsanten Buch „Deutschland deine Schwaben“ von Thaddäus Troll. Troll (1914−1980, Suizid), der eigentlich Dr. Hans Bayer hiess, war wohl der bekannteste schwäbische Mundartdichter.
 
 Hier einige Zitate von Thaddäus Troll:
 
„Schaffe, schaffe…“ Diese Antwort erhält man, wenn man einen Schwaben fragt, was er gerade tue.
 
„,Schaffe, putzen, sparen’ heisst die schwäbische Lösung, die böswillige Nachbarn um die Nachsätze ,Hond verkaufe, selber bella’ bereichert haben.
 
Bei Vermählungen wird die Frau genau unter die Lupe genommen. Das grösste Kompliment lautet dann: „Die kann schaffe!“ Ein anderes grosses Kompliment ist das Folgende: „Ha, due siehsch aber abgeschafft aus!“
 
Ein todkranker Mann genas wieder, und was tat er? Er putzte wieder Bäume aus und spaltete Holz. Auf den Rat, er solle sich doch nach der schweren Krankheit mehr ausruhen, antwortete er: „Wenn i nix schaffe dät – was tätet do bloss d`Leit von mir denka.“
 
Bei dieser Gelegenheit fällt mir eine Schilderung ein, die mir vor 10 Jahren ein Verleger aus einer Gemeinde in der Nähe von Stuttgart erzählte: Wenn eine Frau während eines Werktags aus einem Ort einmal zum Kaffeetrinken gehen möchte, sucht sie nicht das Café im Ort auf, sondern geht in die Nachbarstadt, um nicht von Einheimischen gesehen zu werden. „Die denken sonst, ich habe nichts zu tun und faulenze.“
 
So sind die fleissigen Schwaben. Natürlich nicht alle.
 
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