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BLOG vom 11.02.2013


Flüchtlingsrückweisungen: Jude nimmt Schweiz in Schutz
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com) 
 
Dass die Schweizer Bergier-Kommission eine liederliche Arbeit geleistet hat, wussten alle, die es sehen wollten. In meinem Blog vom 20.12.2005 („Bergier-Bericht“ für Schulen? Geschichte als Indoktrination“), vor über 7 Jahren also, schrieb ich: Der so genannte Bergier-Bericht als Reaktion der offiziellen Schweiz auf die jüdisch-amerikanischen Angriffe gegen die Schweiz vor dem Hintergrund der Geschehnisse während des 2. Weltkrieges wurde zu einer masochistischen Selbstanklage jenseits wissenschaftlicher Exaktheit.“ Das Buch „Die Schweiz, der Nationalsozialismus und  der Zweite Weltkrieg. Schlussbericht“, 2002 erschienen (Pendo Verlag, Zürich), kommt auf den ersten Blick als seriöser, wissenschaftlich fundierter, 620 Seiten starker Schinken, als „historische Untersuchung“, daher. Niemand wagte, an der Zuverlässigkeit zu zweifeln – es sei denn, man habe darin gelesen und sei nicht von einem von der linken Seite heranwehenden Nebel desorientiert gewesen. Dass es sich um eine zusammengeschusterte Thesenliteratur handelte, wurde zwar im Bericht zugegeben.
 
Im Wesentlichen ging es darum, die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg in tiefschwarzer Farbe nachzuzeichnen, um das Land für Schadenersatzforderungen von amerikanisch-jüdischer Seite weichzuklopfen. Mir ist damals erstmals mit besonderer Deutlichkeit bewusst geworden, wie verzerrend eine politisch motivierte Geschichtsschreibung sein und wie solche Verzerrungen zu verheerenden Auswirkungen führen können.
 
Der Kommission gehörten z. B. Jean-François Bergier als Präsident, Wladyslav Bartoszewski, Saul Friedländer, der Rassistenjäger Georg Kreis, Sybil Milton, Jacques Picard, Professor für allgemeine und jüdische Geschichte, Jakob Tanner und Joseph Voyame an. Nachdem das Werk, welches das Schweizervolk 22 Mio. CHF kostete, publiziert war, gab es neben dem unqualifizierten Jubel des nach links abgerutschten Medien-Mainstreams, harsche Kritik von bürgerlicher Seite, insbesondere vom integren SVP-Nationalrat Luzi Stamm aus dem Aargau, der 10 grundsätzliche „Todsünden“ in der Arbeitsweise der Kommission ausmachte und als „Todsünde 7“ das bewusste Festhalten an falschen Zahlen nannte. Er schrieb: „Im Dezember 1999 erschien der Bergier-,Flüchtlingsbericht’ ein erstes Mal als ,Zwischenbericht’. Darin wurde bezüglich der Zahl der an der Schweizer Grenze zurückgewiesenen Flüchtlinge festgehalten: ,Die präziseste Berechnung gelangt zu einer Gesamtzahl von 24 398 Flüchtlingen, deren Wegweisung für die Zeit des Krieges belegt ist’".
 
Im erwähnten Internet-Text heisst es im Weiteren: „Bereits 6 Tage nach der Publikation des Flüchtlingsberichts protestierte der als ,Nazi-Jäger’ bekannt gewordene französisch-jüdische Anwalt Serge Klarsfeld, Präsident der Organisation ,Söhne und Töchter deportierter Juden’ in Frankreich, er sei ,nicht einverstanden mit den Zahlen im Bergier-Bericht’. Er gehe davon aus, ,weniger als 5'000 Juden’ seien an der Schweizer Grenze abgewiesen worden“ („Basler Zeitung“ von 19.12.1999). „Neben der Kritik von Serge Klarsfeld erschienen auch aus der Schweiz fundierte Kritiken: Forschungen wie diejenigen des Lausanner Universitätsprofessors Jean-Christian Lambelet oder des Genfer Staatsarchivs unter der Leitung von Catherine Santschi ergaben viel tiefere Zahlen als diejenigen der Bergier-Kommission.“ Die Zahl 24 398 wurde aus einem nicht überprüften Dokument aus dem Bundesarchiv übernommen, einfach, weil sie eindrücklich hoch war und sich dadurch bestens eignete, die Schweiz an den Pranger zustellen. Dabei blieb es, und die Linksaktivisten in der Meinungsmacher-Branche hatten mit dem Bergier-Bericht sozusagen eine offizielle Waffe in der Hand, um das Bild der Schweiz weiter zu beschädigen.
 
An sich hätte man längst eine Untersuchungskommission installieren müssen, die das Versagen der Bergier-Kommission durchleuchtet. Wie war so etwas bei einem Untersuchungsgegenstand überhaupt möglich, der bloss rund 50 Jahre zurücklag – nicht eben eine historische Dimension – und für den es noch Zeitzeugen gab und gibt? Aber man soll wohl heraus geworfenen Millionen nicht noch zusätzliche nachschiessen.
 
Umso mehr muss man dem französischen-jüdischen Wissenschaftler Serge Klarsfeld dankbar sein, der seine Forschungen über die abgewiesenen Flüchtlinge laut „Der Sonntag“ vom 10.02.2013 verfeinert hat, ohne eigentlich gegenüber damals zu neuen Resultaten zu kommen. Ich staune immer wieder, dass es recht viele Juden gibt, denen Wahrheit und Ehrlichkeit die obersten Maximen für ihr Handeln sind. Sie stehen zu Fakten, auch wenn diese dem Judentum als solchem damit keinen Dienst leisten.
 
Laut „Der Sonntag“ übte Klarsfeld (77) „scharfe Kritik an der Bergier-Kommission, die von rund 24 500 abgewiesenen Flüchtlingen schrieb“ – laut Klarsfeld waren etwa 3000 Juden, also rund ein Achtel der von Bergier kolportierten Zahl, betroffen. Er recherchierte diese Zahl im Rahmen seines Standardwerks „VichyAuschwitz“, das sich mit der Judenverfolgung in Frankreich befasst. Die neuen Forschungsergebnisse über Flüchtlingsrückweisungen, die nicht ausschliesslich Juden betrafen (die Zahlen sind zu wenig differenziert), die an sich wenig überraschen, werden in den nächsten Wochen in Genf präsentiert.
 
Interessant und ebenso bewunderungswürdig ist der Vorschlag Klarsfelds, wonach die Schweiz eine neue Kommission ins Leben rufen sollte, welche die Rückweisungen an der Grenze und die Akzeptanz der Juden in der Schweiz untersucht: „Es geht um das Image der Schweiz in der Welt. Und das ist wichtig für die Schweiz.“
 
Darauf wird er lange warten können. Als Bundespräsident Ueli Maurer (SVP) am Holocaustgedenktag ein paar lobende Worte für positive Leistungen der Schweiz im 2. Weltkrieg als Rettungsinsel für viele verloren hatte, desavouierte ihn die sozialistische Bundesrätin Simonetta Sommaruga öffentlich, eine Gemeinheit. Sie sprach von einem unentschuldbaren historischen Versagen der Schweiz, meinte damit aber nicht etwa die fatale Leistung der Bergier-Crew ..., deren Machenschaften ihr in den Kram zu passen scheinen.
 
Vielleicht macht sie sich angesichts der klaren Klarsfeld-Aussagen wenigstens ein paar Gedanken zu ihrem unredlichen Verhalten gegenüber ihrem eigenen Land, dem sie zu dienen versprochen hatte.
 
 
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